Buchrezensionen in em der Jahrgänge 1985-2014

Abdullah, Muhammad Salim. Islam für das Gespräch mit Christen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1992.

Der Autor dieses Buches ist ein Mann von beeindruckender Kompetenz: Journalist, Fach­referent für Islam, Leiter des Zentralinstitutes Islam-Archiv-Deutschland, Vertreter des islamischen Weltkongresses in der BRD und bei den Vereinten Nationen, sowie Mitglied des Exekutivrates des Kongresses. Darüberhinaus muß man ihm das Zeugnis ausstellen, sowohl ein Kenner des Islam als auch der deutschen religiösen Mentalität zu sein.

Wie der Titel richtig aussagt, soll das Buch Christen ein neues Verständnis für den Islam ermöglichen. In oft rührender Weise und mit fähiger Feder schildert der Autor den, wie er meint, mißverstandenen Islam und seine Glau­benslehre. Der im Qur’an, den Hadithen (Tra­ditionen) und dem Islam als Religion unbe­wanderte Leser wird, zumal wenn er das Gelesene mit den allgemein bekannten Prakti­ken der Volkskirche vergleicht, sicher von dem Inhalt des Buches tief berührt sein.

Der erste Teil des Buches schildert kurz und eindrucksvoll aus islamischer Sicht seine Of­fenbarungslehre, Propheten, Buch und Glau­benslehre. Im zweiten Teil entwickelt Abdullah die islamische Polemik gegen den christlichen Glauben. Dies geschieht mit Einfühlungsver­mögen und Verständnis. Mit viel Geschick versteht es der Autor, den Islam und seine Lehre und Praxis dem Westler nahezubringen. Wo offensichtliche Tatsachen gegen den Islam sprechen, wendet er sich auch offen dagegen, was die Glaubwürdigkeit des Buches nur noch festigt. Blauäugig erklärt er beispielsweise den „heiligen Krieg“ und wendet sich mit einer sehr schwachen Exegese sowohl gegen die Lehre als auch die geschichtlichen Tatsachen. Obwohl Abdullah seiner Dialogbereitschaft wiederholt Ausdruck verleiht, geht er seinerseits keinen Kompromiß ein. Entschieden lehnt er die Gött­lichkeit und Gottessohnschaft Jesu, seinen Kreuzestod und damit die biblische Heilslehre ab. Natürlich wird auch die Bibel in Frage ge­stellt, wo sie nicht mit dem Qur’an überein­stimmt - und das leider bei allen wesentlichen Aussagen. Trotz gegenteiliger Beteuerung ist dieses Buch klar anti-biblisch und wohl die beste Werbung für den Islam, die mir bekannt ist.

Gerhard Nehls, em 1993-2.

Abraham, K. C. und Bernadette Mbuy-Beya (Hg.). Spirituality of the Third World, Orbis Books: Maryknoll, 1994.

Es ist das Verdienst von Orbis Books, jeweils die regionalen Tagungen und Vollversamm­lungen der 1976 gegründeten „Ökumenischen Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen“ (Ecu­me­nical Association of Third World Theolo­gians - EATWOT) zu dokumentieren. Vorlie­gender Band gibt die „papers and reflec­tions“ der 3. Vollver­sammlung vom Januar 1992 in Nairobi wieder. Kennzeichnend für die theolo­gische Arbeit ist der ganzheitliche An­satz, der persönliche Frömmigkeit, Einsatz für Freiheit und Gerech­tigkeit, Kampf gegen Ar­mut und Unterdrüc­kung und die daraus resul­tierende Theologie als Einheit sieht. „Der Schrei der Dritten Welt ist der Schrei nach Le­ben“ (2). Hierauf muß Frömmigkeit und Theologie rele­vante Ant­worten geben. Stim­men aus Latein­amerika, Afrika und Asien re­gen zum Nach­denken an.

Dr. Johannes Triebel, em 1997-1.

Adegbola, E.A.Ade. Traditional Religion in West Africa. Daystar Press: Ibadan, 1983.

Das vorliegende Buch enthält eine Samm­lung von Aufsätzen verschiedener Autoren über die traditionellen Religionen West­afrikas. Unter drei Hauptpunkten ‑ Reli­giöse Persönlichkeiten, Funktionen der Re­ligion, Religionssysteme ­‑ finden wir eine Fülle von Informationen. Man liest über Priester, Riten und Feste, Moralfragen, My­thologien, Symbolismus, afrikanische Vor­stellungen vom Menschen und von Gott, um nur einige Themen zu nennen. Für an In­formationsmaterial über traditionelle afri­kanische Religionen Interessierte ist dieses Buch eine wahre Fundgrube. Das unter­scheidende Merkmal dieses Buches besteht aber darin, daß es nicht nur die sonst übli­chen Beschreibungen enthält. Einige der Autoren machen den Versuch des Vergleichens, Erklärens und Interpretierens der traditionellen Religionen.

Der Herausgeber schreibt folgendes dazu: „Die meisten Studien über traditionelle Re­ligionen aus der Sicht des Missionars ten­dieren in erster Linie dazu, Beschreibungen zu sein. Dies wächst (neben der Bequem­lichkeit) aus der Priorität der phänomenologischen Methode heraus. Es ist der Vorteil dieser Methode, daß Methoden der Feld­forschung der Sozialanthropologen daraus entwickelt wurden. Während Beschreibun­gen notwendig sind, sind sie offensicht­lich nicht immer ausreichend. Erklärungen und Interpretationen müssen eingebracht werden. Gerade aber dies ist die schwierig­ste und empfindlichste Aufgabe.“

Langjährige Erfahrung zeigt, daß der Haupt­grund der Faszination der Afrikaner durch
ihre traditionellen Religionen gerade hier zu suchen ist. Heute haben wir in Afrika ein großes Fragen danach, ob die Katego­rien, die Denkweisen und die Weltanschau­ung, die in ihren Religionen zum Ausdruck kommen, in das Bild der biblischen Offen­barung eingefügt werden können. Neue afrikanische Theologien, Splitterkirchen und eigenständige christlich-traditionelle Gruppen zeugen von diesem Verlangen.

Für uns sind diese Entwicklungen eine Her­ausforderung in dem Sinne, daß wir begin­nen müssen, die religiöse Umgebung und Herkunft unserer afrikanischen Brüder zu verstehen. Einmal müssen auch wir zu ei­nem neuen Verstehen der traditionellen afrikanischen Religionen kommen. Zum andern müssen wir uns der Wichtigkeit bewußt werden, daß eine gründliche, klare und zweckmäßige biblische Theologie für Afrika entwickelt werden muß. Hier kann das interpretierende Raster nur die Bibel sein.

Das vorliegende Buch mit seinen Beschrei­bungen, Erklärungen und Interpretationen des westafrikanischen religiösen Denkens kann man darum jedem empfehlen, der die Seele unseres afrikanischen Bruders und Mitmenschen kennenlernen und verstehen will.

Battermann, em 1988-1.

Adeney, Miriam. Daughters of Islam: Building Bridges with Muslim Women, Downers Grove: Intervarsity Press, 2002.

As an anthropologist and a Christian, Miriam Adeney comes to the issue of Missions among Muslim women with a particular sensitivity and insight. However, her interest in understanding the cultural and anthropological aspects of Muslim women’s lives does not deter Adeney from a firmly grounded missiology. The result is a book which draws heavily on the real life stories of women from across the Islamic world who have come to believe in Jesus as more than a mere prophet balanced by firmly grounded missiological insights.

Adeney begins her book with the Biblical accounts of Hagar, from whose son the Muslim world would trace their genealogy, encountering God’s merciful, loving presence in the midst of hardship. From this moving story, Adeney asserts the love of God for Muslim women, and the clear call to give a compassionate witness to the hope of Christ.

In a time in history in which there is a tendency in the West to wrongly stereotype Muslim women as forcefully veiled, repressed, uneducated and oppressed, Adeney paints the extremely varied experiences of Muslim women in her chapter ‘Every Woman is an Exception.’ Through several chapters, she tells the stories, albeit at times in a somewhat unrefined literary style. Nevertheless, she manages to communicate the realities of women from both lower and upper class, from religious as well as nominal Muslim upbringing, from such varied countries as North Africa, Southeast Asia, the Middle East, and Iran, pinpointing the particular cultural issues that are most prevalent in each area. At the same time she acknowledges later the most crucial objections to preconceived and often false notions of ‘Christianity’ that tend to be widespread in the Islamic world and which most Muslim women, regardless of their specific cultural identity share in common. She goes on to outline strategies and approaches that take into consideration these preconceptions. 

She underlines the importance of a culturally contextualized yet biblically sound witness through firmly built friendships and trust, speaking into areas of their lives that concern them as opposed to wielding a particular rhetoric. However, she does not refrain from sharing accounts in which despite flawed witnesses, Muslim women came to believe.

In the end, it becomes clear through the accounts of women who came to Christ through the loving witness of believers, through painful life experiences, through dreams and visions, that God has unlimited means to draw the hearts of Muslim women. With or without us, He will stir the hearts of the hungry to seek Him and as promised in scripture ‘those who seek, shall find.’ And yet, Adeney gives us cause to recognize the part we may be privileged to play in prayer, authentic friendship, acts of kindness, and being prepared to give an answer to the hope that we have.

In the preface of her book, Adeney states that her aim for the book is ‘to educate about important parts of Muslim women’s lives. To elucidate some mission strategies…and to encourage.’ It is clear that she has managed to do just this. For those who are just stepping foot into the arena of missions among Muslim women, it is an insightful and helpful tool. For many of us who have been walking with our Muslim friends and long for them to be our sisters in faith, it is encouraging to read the accounts of those women who have heard the call of Christ and responded. It reminds us that although the way may be long and narrow, we must persevere in patient and faithful prayer and witness.

Lisa Dik, em 2006-2.

Albrecht, Rainer. Eine Trommel allein singt kein Lied. Evangelische Predigt in Nord­west-Tanzania. Erlangen: VELM, 1996.

Fast 30 Jahre nach Beginn seiner Forschungen veröffentlicht Rainer Albrecht hier seine Dok­torarbeit. Durch die Hinzufügung unkommen­tierter Predigten der frühen 90er Jahre versucht er, die zeitliche Verzögerung zu überbrücken. Überhaupt nehmen die jeweils vollständig wie­dergegebenen Predigten gut ein Drittel der Ar­beit ein. Das ermöglicht dem Leser, den erfri­schenden Untersuchungsgegenstand unmittel­bar auf sich wirken zu lassen. Zahlreiche Ne­benbemerkungen Albrechts zum Umfeld er­weisen sich als außerordentlich hilfreich. Hier spürt man den intimen Afrikakenner heraus.

In der Einzelkritik findet der originelle, bei­spielreiche Predigtstil sein uneingeschränktes Lob. Die afrikanische Eigenart der Frage des Predigers, die auf eine Antwort der Gottes­dienstbesucher wartet, würdigt Albrecht aus­drücklich mit dem Untertitel seines Buches „Dialogisches Geschehen in einer Kultur der Oralität“. Ein echter Austausch kann eine Pre­digt aber nicht sein. Das Stilmittel wird wohl eher zur Erhöhung der Spannung und Einbin­dung der Zuhörer eingesetzt.

In der streckenweise begeisternd treffsiche­ren theologischen Bewertung entdeckt Albrecht Defizite, benennt aber leider auch den Pietis­mus der Missionare sowie die ostafrikani­sche Erweckungsbewegung als Hauptimpuls­geber „verkürzten“ theologischen Denkens. So be­rechtigt seine Kritik in vielen Punkten sein mag, reflektiert sie oft nur seine eigene theolo­gische Vorliebe wie im Falle Christologie vs. quietistischer Jesulogie. Welch ein Segen, daß die Lutheraner Jesus verkünden! Da gibt es in Tansania durchaus anders gelagerte Fälle.

Ein kleiner Wunsch am Rand: Die beige­fügte Landkarte mit den unleserlich klein ge­druckten Ortsnamen wäre durch eine Hervor­hebung der im Buch erwähnten Predigtorte entscheidend aufgewertet worden.

Winfried Schwatlo, em 1997-4.

Ali, Michael Nazir. Frontiers in Muslim-Chri­stian Encounter. Oxford: Regnum Books, 1991.

Der Generalsekretär der CMS und frühere Bi­schof der „Church of Pakistan“ greift in diesem Buch die wichtigsten theologischen und mis­siologischen Themen für eine Begegnung von Christen und Muslimen auf, u. a. die Lehre von Gott und die Christologie im islamischen Kontext, die Bedeutung der Heiligen Schrift, Ganzheit im Evangelium, Kontextualisierung und Evangelisation, Glaube im Dialog, die Kirche und die sozial-politischen Ordnungen. Nazir Ali als Insider vermittelt hilfreiche und praktikable Einsichten.

Eine Studienanleitung zu Themen der Lehre, theologischen Charakteristika und Titeln (Namen) und ein Personen- und Sachindex sind angehängt.

Klaus Brinkmann, em 1997-4.

Ali, Othman & Hassan Samir. Islamische Kräfte und Gemeinde Jesu. 1991. & Wolfgang Zschaler; Othman Ali (Hg.). Gesprengte Brücken. Muslime wählten Jesus. 1992.

Der jüngste Golfkonflikt hat viele Fragen auf­geworfen und neue Feindbilder geprägt. End­lich gibt es ein christliches Buch, das die Fron­ten nicht verhärtet, sondern Verständnis zu wecken versucht. Das Besondere an dem Buch ist, daß seine Autoren, aus dem Islam kom­mend, eine klare Bekehrung zu Jesus Christus vollzogen haben. Sie schreiben aus eigenem Erleben des Islam und aus fundierter Kenntnis der politischen Entwicklungen und der christli­chen Missionsarbeit in der islamischen Welt: Entstehung und Ziele des islamischen Funda
mentalismus werden dargestellt. In einer sorg­fältigen Studie wird das islamische Menschen­rechtsverständnis analysiert und mit dem west­lichen verglichen. Ursachen und Auswirkungen der Golfkrise werden beleuchtet. Die Autoren setzen sich auch mit der Situation Israels und den damit verbundenen heilsgeschichtlichen Fragen auseinander. Alle diese Aspekte werden immer wieder in Beziehung gesetzt zur Gemeinde Jesu, zur missionarischen Arbeit und zur Situation der Konvertiten. Ein interessantes Kapitel ist dem Thema „Kolonialismus und missionarischer Auftrag“ gewidmet. An der Ernsthaftigkeit der Missionare hegen die Auto­ren keinen Zweifel, doch der Unterschied zwi­schen Absicht und Ausführung des Anliegens wird klar herausgestellt: „Missionare lebten in der Regel nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich in zu großem Abstand von den Ein­heimischen. Sowohl das Wohnen als auch der mitmenschliche Umgang geschahen aus dieser Distanz heraus“ (67). Leidenschaftlich wird zu mehr partnerschaftlicher Zusammenarbeit auf­gerufen und davor gewarnt, aus einem Konver­titen die Kopie eines westlichen Christen machen zu wollen. Fazit: fundiert, engagiert und gut präsentiert.

Die zweite Neuerscheinung Gesprengte Brücken füllt eine echte Informationslücke. Den fünf Erlebnisberichten von ehemaligen Muslimen sind fachkundige Erläuterungen des Islams aus der Feder Othman Alis angefügt. Dadurch gewinnt der „westliche“ Leser ein tieferes Verständnis, das notwendig ist, um die Situation von Konvertiten, besonders nach der Bekehrung, zu verstehen. Sehr einfühlsam werden die Leiden und Anfechtungen der Konvertiten beschrieben, unter anderem in ei­nem Gedicht. Aber auch der Trost und die Stärkung des Glaubens durch Jesus tritt deut­lich hervor. Dieses Buch zeigt deutlich, daß sich die Mühe der Mission unter Muslimen lohnt, und Gott in der islamischen Welt seine Gemeinde baut.

Reinhard Born, em 1993-2.

Al-Sain, Johanna; Ernst Schrupp. Ich kämpfte für Allah. Eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Brockhaus/Oncken: Wuppertal/Zürich, 2000.

Johanna wächst in einem christlichen Eltern­haus auf, findet jedoch nicht zu einer persönli­chen Beziehung zu Jesus Christus. Antworten auf ihre Fragen scheint sie im Islam zu finden, zu dem sie auf der Suche nach Wahrheit kon­vertiert. Sie setzt sich ganz in einer politisch aktiven islamischen Gruppierung ein, betreibt Mission und Schulungsarbeit und macht sogar die Wallfahrt nach Mekka, wird aber bei ihrem Aktivismus für den Islam wie in zwei Ehen mit Muslimen immer tiefer enttäuscht. Als sie kei­nen Ausweg mehr sieht, findet sie zum leben­digen Glauben an Jesus Christus.

Zwei Exkurse erläutern Hintergründe und ver­mitteln Wissen über den Islam als Religion, politisches System und Kultur, sowie über grundlegende Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben. Nur selten wird an­dernorts so deutlich auf die Versäumnisse des christlichen Abendlandes in der Begegnung mit Muslimen und dem Islam hingewiesen (Verabschiedung vom christlichen Glauben, Entkirchlichung und Säkularismus, Pluralismus und Sinnleere).

Ein authentischer Bericht, der auch Einblick in die „Schwächen“ des Islam vermittelt (statt Heilsgewißheit Werkgerechtigkeit, statt Ver­änderung des inneren Menschen Aktivismus und Druck, statt Seelsorge an Zweifelnden Verfolgung von Abgefallenen).

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2.

Alvarez-Cineira, David. Die Religionspolitik des Kaisers Claudius und die paulinische Mission. Herders Bibl. Studien 19, Freiburg: Herder, 1999.

In dieser umfangreichen Studie will der Verfasser Aspekte der paulinischen Mission auf dem Hintergrund der zeitgenössischen kaiserlichen Religionspolitik erklären. Im ersten Teil (10-224), untersucht A-C daher die Hinweise auf die Religionspolitik des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.), deren Auswirkungen für die ur-christl. Mission schon an Apg 18.1-3 deutlich werden. Nach einer Übersicht über die vorhandenen Quellen zeichnet A-C die Haltung des Kaisers zur römischen Religion, zu fremden westlichen Religionen, zu verschiedenen griechischen Kulten, zu orientalischen Religionen und zu den Juden nach (knapp: „… Anstrengungen für eine Wiederbelebung des altrömischen Kults neben reichsweiter Toleranz gegenüber anderen Religionen, falls diese keine Gefahr für die Pax Romana darstellten“, 411).

Nach einführenden Beobachtungen und Darstellung der ersten Periode paulinischer Mission (226-59), wendet sich A-C im zweiten, allgemein der paulinischen Mission gewidmeten Teil zunächst dem erwähnten Claudiusedikt zu als einem Faktor für die Verschlechterung der Verhältnisse zwischen Juden und Christen (260-90). Das Christentum war ein möglicher, auch politischer Unruhefaktor innerhalb des Judentums und somit angesichts der hier empfindlichen kaiserlichen Religionspolitk bedrohlich. Nach dem kaiserlichen Edikt stellten die Christen eine politische Gefahr für das Überleben der Juden dar, was die Härte der Auseinandersetzung erklären mag. Auf diesem Hintergrund versteht A-C die Konflikte mit den Juden und deren Vorgehen gegen Christen in Thessalonich (Apg. 17.6f, 1 Thess 2.14-16). Ferner sieht A-C das Claudiusedikt als den Auslöser der christlichen anti-paulinischen Mission, die sich in den Gegnern in Galatien und im Philipperbrief zeigt (291-340). Die judenchristlichen Massnahmen gegen Paulus, opportunistisch und politisch motiviert, gehen auf diese Reaktion des Judentums gegen das Christentum in der Diaspora zurück. Die Gegner wollten verhindern, dass sich die von Paulus geprägte christliche Bewegung (ohne Gesetz und Beschneidung) als eine vom Judentum getrennte Religion darstellte und somit die bisher genossenen (jüdischen) Privilegien verlieren und zum collegium illicitum erklärt werden würde, was für alle Gemeinden schwerwiegende Folgen hätte haben können. Wenn A-Cs Überlegungen stimmen, wäre dies ein weiterer Hinweis auf die Datierung und die Empfänger des Galaterbriefes.

Abschließend wendet der Verfasser die im ersten Teil gewonnenen Erkenntnisse auf „Paulus und die Christen in Rom“ an (Entstehung des Christentums in Rom und Zustand der Gemeinden nach dem Claudiusedikt sowie die Darstellung des Römerbriefes, vor allem die in 16.17-20 und 13.1-7 gegebenen Hinweise). A-Cs Studie zeigt erneut, dass die Kenntnis und Berücksichtigung der politischen und religionspolitischen „Grosswetterlage“ für ein Verständnis von Wesen und Verlauf der urchristl. Mission interessante Hinweise bereithält. Paulus bewegt sich auch hier nicht in einem luftleeren Raum, sondern wurde mit Zwängen und Umständen konfrontiert, die dem Evangelium gemäss zu meistern waren. Das Verhalten des Paulus und seine Äußerungen angesichts dieser Umstände, zu denen sich moderne Parallelen finden lassen (Verleugnung des Evangeliums, um möglichen Verfolgungen zu entgehen), können auch heutigen Missionaren und missionarischen Gemeinden Wegweisung bieten.

Dr. Christoph Stenschke, em 2002-4.

Anania, Valeriu. Bilder vom Reich Gottes. Metzingen: Verlag Sternberg, 2002

Im Zentrum der fünf Themenbereiche, die augenblicklich durch eine Sonderkommission des ÖRK untersucht werden sollen, steht das Kirchenverständnis. Die einzelnen christlichen Denominationen fordern mehr „eigenes Profil“; sie vergessen, dass in der gegenwärtigen globalen Auseinandersetzung der Religionen Christen sich durch ihr gemeinsames Zeugnis für das Evangelium von Jesus Christus über alle Grenzen hinweg profilieren müssen. Das christliche Profil ist das von Jesus verkündigte Reich Gottes.

Das schöne Buch von Valeriu Anania, Bilder vom Reich Gottes erscheint zum rechten Zeitpunkt. Wir finden darin hervorragende Bilder mit tiefsinnigen Erklärungen zu 59 Ikonen und Fresken aus 16 Klöstern und Kirchen Rumäniens. Die „kunstvolle und tief greifende Auslegung bedeutender Ikonen und Fresken durch den Schriftsteller, Dichter und Bibelübersetzer Valeriu Anania“ (Landesbischof G. Maier im Vorwort) fördern das orthodoxe Glaubensverständis und die Tiefe seines theologischen Denkens.

Der „wahrhaft europäische Patriarch“, Valeriu Anania, wurde durch den reichen geistlichen Schatz seiner südlich von Hermannstadt (Sibu) gelegenen Heimat als Kind und später als Mönch geprägt. Er entwickelte sich im Laufe seiner über 80 Lebensjahre zum Meister einer „Theologie der Nuancen“. Die Fotografien verdanken wir Victor Bortas, Lehrer für Fotografie und freischaffender Künstler. Leider sind einige Bilder nur mit Hilfe einer Lupe richtig erkennbar.

Der Anhang, „Von Württemberg nach Rumänien“ (S.80-87), rundet den Bildband ab mit einer kurzen Würdigung von Valeriu Anania als „ökumenischen Brückenbauer“ und einer „Gemeinsamen Erklärung“ zwischen der rumänischen Erzdiözese und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ( S.86-87).

Die hinter den Bildern vom Reich Gottes stehende biblische Theologie wird im an Plato erinnernden Dialog zweier fiktiver Gestalten, des älteren Erzpriesters Bartolomeu und des jüngeren Valeriu erklärt. Sie geben die Stichwörter zur Entschlüsselung der Geheimnisse der Fresken und Ikonen in Klöstern der Olteria, dem südlichen Teil Rumäniens. In Deutschland ist dieses Gebiet unter dem Namen Walachei bekannt.

Die Konzentration auf wenige Bildmotive läßt die „theologische Tiefe“ zum Vorschein kommen; sie ist in diesem Band wichtiger ist als das „kunsthistorische Interesse“.

Die Ikone (Bild) hat ihren Ursprung in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und ist nach Gregor von Nyssa „ein mit Farbe geschriebenes Evangelium“ (S. 12). Neben Christus, dem Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt und der Gottesmutter Maria, sind die Heiligen Bildgegenstand. Sie reichen von Nikanor, über Georg, den Drachenkämpfer, bis zu den großen Philosophen (S.12- 33). Der Held ist wichtig als Sieger und Symbol der Fürbitte. Die Schlange, Symbol des Teufels, wird mit dem „Hinabgestiegen in die Hölle, um die Ketten der Gefangenen zu lösen“ in Verbindung gebracht. Die Auferstehung wird zur Handlung. Christus hebt Adam und Eva aus den Gräbern; der in Ketten gefesselte Teufel wird vom Engel an seinen Hörnern hinabgedrückt (Fresko- Ikone der Klosterkirche Clocociou, S.16).

Die Ikone spielt eine gottesdienstliche Rolle. Die Ikonostase als Altarwand erinnert an den Vorhang des jüdischen Tempels, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt und zerriss als Jesus am Kreuz starb. Die Bilderwand vereinigt Malerei und Holzschnitzkunst. Erst nachdem das 7. Ökumenische Konzil von Nizäa (787) den langen Bilderstreit in der Orthodoxie beendete, holten die Gläubigen ihre Ikonen wieder aus ihren Verstecken hervor und reihten sie aneinander vor der Altarschranke.

So wird die Ikonostase zum Buch für Analphabeten, wie der große Missionspapst Gregor der Große es einmal formulierte. Vorbilder waren die ersten byzantinischen Zeichnungen und Malereien biblischer Texte. Mittelpunkt ist die Königstür mit dem Heiland der Gottesmutter, meist gefolgt von den Schutzheiligen der Kirche. Die Ikone unterscheidet sich von anderen Bildern dadurch, dass sie Teil der göttlichen Liturgie ist.

Die Ikonostase ist eine „durchscheinende Wand“ (S.27); die Deesis- Ikone „ist die vollkommenste bildhafte Darstellung für das Symbol Jesse“ (S.27, Bild 14): „Christus, du bist der Sproß aus Isais Wurzel und dessen Blüte“. Das zeigt der Eucharistische Christus der Fresko- Ikone im Refektorium des Klosters Hurezi (Bild 15, S.28) wunderbar. Isai und Abraham (Bild 13, S.26) erreichen gleichsam kosmische Proportionen. Der Weinstock ist Metapher für die Idee der Einheit zwischen Christus und der Kirche, die aus der Eucharistie entsteht. Aus der Wunde des Lanzenstosses am Kreuz erwächst ein Weinstock (Fresko-Ikone der Apostel-Kapelle in Hurez, S.29). Durch das Herabrufen des Heiligen Geistes wird Brot zum kostbaren Leib und Wein zum Blut Jesu Christi; es erinnert daran, dass der Herr sich selbst seinen Jüngern darreicht.

Diese geistliche Hierarchie beginnt mit Melchisedek, dem Priester Gottes des Höchsten, der Abraham segnet (1.Mose 14, 18- 20), der nach dem Hebräerbrief (5,10; Psalm 110, 4 zitierend) bezeugt, dass Jesus „ein Priester ewiglich und nach der Ordnung Melchisedeks ist“; er steht nach Paulus höher als Abraham. David, die geistliche Ordnung und die königliche Abstammung tradierend, verweist auf Jesus Christus als König im Reich Gottes und als Priester, der sein eigenes Leben geopfert hat (S.31). Die Ikonostase ist dreidimensional „als Krone eines Baumes“ so wie Christus die beiden Testamente und den Kosmos verbindet (S.32).

Die Fresken spiegeln auch zeitgeschichtliche Ereignisse wider. Das Schiff (Kirche) fährt durch gefährliche Wasser (S.39). Im Maul des Drachens ist der mit Pfeil und Bogen bewaffnete Mohammed zu sehen, der auf den leibhaftigen Christus auf dem Altartisch zielt.

Neben der Darstellung der Hölle spielt die Deesis (S.45-53) eine große Rolle. (Deesis heißt Fürbitte). Die Ikone Deesis (S.45) erinnert an den „Zeugen“ Johannes den Täufer und die fürbittende „Gottesmutter Maria“ (S.57-64). Den Abschluss bilden eindrückliche Ikonen und Fresken über die Dreieinigkeit (S.67-76).

Als Fazit bleibt: „Die Fresken und Ikonen sind die Mission der christlichen Künstler. Sie sind eine Einladung in Bildern zur Teilnahme am Reich Gottes, das durch Jesus Christus eröffnet ist“ (S.75). Der Verlag Sternberg ist hoch zu preisen für diesen Bildband, der sich als Geschenk gut eignet und glaubenden Protestanten, Katholiken, aber auch dem Glauben fernstehenden Menschen, gleicherweise den Weg öffnet zum Verständnis der geheimnisvollen Glaubenswelt aus orthodoxer Sicht.

Prof. em. Karl Rennstich, em 2003-1.

Anderson, Allan. Moya. The Spirit in an African Context. Pretoria: Sigma, 1991.

Kasukuti, Ngoy. Recht und Grenze der Inkulturation. Heilserfahrungen im Christen­tum Afrikas am Beispiel der Kimbanguistenkirche. Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mis­sion, 1991.

Beide Autoren unternehmen eine nötige Neubewertung Afrikanischer Unabhängiger Kirchen (AUK) verbunden mit kritischer Sich­tung bisheriger Standardliteratur (Sundkler, Oosthuizen, Beyerhaus, Martin) und theologi­scher Einordnung afrikanischen Christentums.

Der in Südafrika lebende evangelikal-charismatische Weiße A. Anderson schildert die Entstehungsgeschichte der dortigen AUKs und Pfingstkirchen, die er in Anlehnung an seinen Lehrer Inus Daneel „Geist-Kirchen“ (nicht: zionistisch, messianisch oder prophetisch) nennt, – gegenüber der Gruppe der „äthiopi­schen“ Kirchen. Er möchte sie aus dem synkretistischen Abseits herausholen, indem er ihre Pneumatologie als relativ gelungenen Ver­such kontextueller Theologie darstellt, die ernstlich auf das von Ahnen- und Geisterkult bestimmte afrikanische Existenzverständnis eingeht, besonders auf das ‚Lebenskraft’ („power“) - Konzept. Er beschreibt ausführlich ihre pastorale Praxis, die großen Wert auf cha­rismatische Geist-Manifestationen wie Geist-Empfang, Glossolalie, Prophetie und geistliche Leiterschaft legt. Seine These ist, daß die Geist-Kirchen mit ihrer Betonung der dritten Person des dreieinigen Gottes bisher die ange­messenste christliche Antwort bieten auf das afrikanische Grundbedürfnis nach einer lebenssichernden Macht. Er sieht in dieser Heraushebung ‚pneumatologischer Existenz’ auch eine größere biblische Nähe als es bisher westliche und afrikanische Theologen wahrge­nommen haben. Wenn auch teilweise zu idea­lisierend und biblisch-theologisch oberfläch­lich, ist dieses Buch Anreiz genug zur Neube­sinnung auf die AUK-Gemeindepraxis als relevantes Bestätigungsfeld neutestamentlicher Pneumatologie.

Der Afrikaner Ngoy Kasukuti, Bischof der lutherischen Kirche in Zaire, befaßt sich mit der größten und immer noch stark wachsenden AUK in Afrika, der 1921 entstandenen Ge­meinschaftsbewegung Simon Kimbangus (ca. 5 Mill. Mitglieder). Sein Buch verarbeitet kri­tisch die Literatur von M.L. Martin und W. Ustorff. Er schildert die Religions- und Got­tesvorstellungen seines Bantu-Stammes, be­sonders die Heilsbedeutung der Übergangsriten (Geburt, Initiation, Heirat, Tod) und der Ahnen und wie sich die Heilslehre der Kimbanguisten auf diesem Hintergrund profiliert. Er kommt zum Schluß, daß es sich bei dieser AUK am Anfang noch um einen genuin christlichen Ausdruck religiöser Bewältigung des bedrohten Alltagslebens handelte. Er beobachtet aber einen theologischen Bruch in der Soteriologie in dem Moment, als sich ab 1957 die EJCSK (Kirche Jesu Christi von Simon Kimbangu) unter dem Sohn des Gründers organisierte und Simon Kimbangu als konkurrierenden Heils­mittler neben Jesus Christus stellte. Damit sei die Grenze der Inkulturation überschritten, was sich auch im Abendmahls- und Taufverständ­nis widerspiegele.

Anregend sind die in die Darstellung der AUK eingestreuten theologischen Reflexionen
ihrer Inkulturationsbemühungen und der Schlußteil über mögliche Anknüpfungspunkte einer relevanten christlichen Theologie in Afri­ka. Warum nicht mehr davon, anstelle des gedehnten und desintegrierten Teils über die Stammesreligion?

Detlef Kapteina, em 1995-3.

Anderson, Gerald H., u. a. (Hg.). Mission Legacies. Biographical Studies of Leaders of the Modern Missionary Movement. Mary­knoll: Orbis, 1994.

Diese 75 wissenschaftlichen Biographien von Experten über führende Persönlichkeiten der modernen Missionsbewegung (v. a. 19. und 20. Jahrundert) bilden das derzeit umfangreich­ste und qualifizierteste Sammelwerk. Die Bei­träge umfassen (1) Förderer der Mission in der Hei­mat wie Gordon, Simpson, Franson und Mott, (2) Missionare in Afrika wie Livingstone oder Gutman, (3) in China wie Nevius, Taylor und Reichelt, (4) in Südostasien wie Carey und Martyn, (5) Theologen und Historiker wie Warneck, Schmidlin, Latourette, Freytag und Neill, (6) Theoretiker und Strategen wie Kraemer, McGavran und Tippet und (7) Admi­nistratoren wie Venn, Anderson und Harten­stein. Die Darstellung und Bibliographie ist von unterschiedlicher Qualität und Aktualität, je nach Datum der Erstveröffentlichung im ‘International Bulletin of Missionary Research’ (IBRM) ab 1977. Der Schwerpunkt liegt ein­deutig auf Personen englischsprachiger Her­kunft. Alle erfaßten Deutschen wurden unter obigen Beispielen erwähnt, ausgenommen die katholischen Bibliographen Streit, Dindinger und Rommerskirchen. Es wäre sehr zu begrü­ßen, wenn ein weiterer in Aussicht gestellter Band zu Nordafrika, dem Mittleren Osten, Nordostasien, dem Pazifik und Lateinamerika zustandekäme. Bis dahin muß man im IBMR nachschlagen.

Christof Sauer, em 1998-1.

Austin, Alvyn. China’s Millions: The China Inland Mission and Late Qing Society, 1832 – 1905, Grand Rapids: Eerdmans, 2007.

Alvyn Austin ist Sohn von Missionaren der China Inlandmission (CIM, heute ÜMG/OMF) und Assistenzprofessor für Ge­schichte in Kanada. Seine Mono­gra­phie aus der Reihe Studies in the History of Christian Missions ist eine wohl­wol­lende, aber nicht unkritische Darstellung der CIM und ihres Gründers Hudson Taylor im 19. Jahrhundert.

Das Buch gliedert sich in drei Teile, die drei Generationen von CIM Missionaren entsprechen. Zur ersten Generation ge­hört Taylor selbst, der im England der in­dus­triellen Revolution aufwächst. Au­stin zeichnet den Einfluss der Brü­der­be­wegung auf Taylor nach, seinen Ruf nach China, seine Glaubensprinzipien und 1853 seine Ausreise mit der chine­si­schen Evangelisationsgesellschaft (CES), die vom visionären Missionspionier und Opiumhändler Karl Gützlaff gegründet wurde. In China angekommen findet sich Taylor inmitten des Taiping Aufstandes (1850-1864) wieder, einer christlichen Sekte, die sich gegen die herrschende Qing Dynastie auflehnt. Während des zwei­ten Opiumkrieges gründet Taylor eine Art Rehabilitationszentrum für Opium­abhängige und tauft seine ersten Kon­vertiten. Aus gesundheitlichen Grün­den kehrt er 1860 mit seiner Familie nach England zurück. Infolge einer „himm­lischen Vision“ in Brighton, grün­det Taylor die CIM, schreibt ein Ma­ni­fest über die geistliche Not Chinas und hält im ganzen Land Vorträge. Dank der nordirischen Erweckung 1859-1860 und durch ein großes Netzwerk von Un­ter­stüt­zern, darunter auch Charles Spur­geon und Georg Müller, gewinnt Taylor 16 Mis­sio­nare – gewöhnliche und teils un­ge­bildete Leute – und bricht 1866 mit ih­nen auf. Widerstand gegen Taylors For­derung nach chinesischer Kleidung, an­tichristliche Tendenzen in China, dip­lo­matische Schwierigkeiten, Krankheit und Tod prägen die schwierigen An­fän­ge.

Die zweite Generation von Missionaren mo­bilisiert Taylor während eines län­ge­ren Heimataufenthaltes. 1875 kann er ge­mein­sam mit Dwight L. Moody auftreten und profitiert vom geistlichen Klima der Keswick Heiligungsbewegung. In Ab­stän­den von 2-3 Jahren werden 18, dann 30, später 70 und schließlich 100 Mis­sionare ausgesandt. Die Entscheidung ei­niger bekannter Persönlichkeiten – als die „Cambridge Sieben“ bekannt – in die Mission zu gehen, macht die CIM schlag­artig berühmt. Dieses Wachstum bringt strukturelle Änderungen mit sich und eine bessere Ausbildung der Mis­sio­nare in Sprache und Kultur vor Ort. Die weiteren Entwicklungen der CIM wer­den exemplarisch anhand der Provinz Shan­xi nachgezeichnet, wo 1877-1879 fünf Millionen Menschen an Hunger ster­ben und viele der Überlebenden opium­abhängig sind. So auch Hsi, die zwei­te Hauptfigur des Buches neben Taylor. Er ist ein früheres Mitglied der daoistischen Sekte „die goldene Pille“ und gründet nach seiner Bekehrung meh­rere „Reha-Zentren“ für Opium­ab­hän­gige. Sie erhalten morphiumhaltige Pil­len zur Linderung ihrer Ent­zugs­symp­tome und hören dort das Evan­gelium. Einige der CIM Missionare arbeiten un­ter Pastor Hsi, der eine eigene Form des Christentums kreiert, in der Exorzismen eine große Rolle spielen. Seine strikt re­gu­lierte Kommunität trägt kon­fu­zia­nische Züge.

Die dritte Generation von Missionaren kommt aus Nordamerika, wo Taylor 1888 einen neuen CIM Zweig eröffnet. Durch die Vernetzung mit Bibelschulen und die Kontakte von D. L. Moody und A. B. Simpson wächst die CIM ex­po­nentiell und wird internationaler. 1900 be­ginnt jedoch der Boxeraufstand, eine ausländerfeindliche und antichristliche Mas­senbewegung, der zahlreiche Mis­sio­nare und Christen inklusive Frauen und Kinder zum Opfer fallen. Taylor befindet sich zu diesem Zeitpunkt aus Gesundheitsgründen in der Schweiz und stirbt 1905 in China.

Durch diese historische Darstellung hin­durch ziehen sich viele Themen. Un­ter­sucht werden u.a. die Finanzprinzipien und Spender der CIM, die autokratische Füh­rung Taylors und die demokratischen Tendenzen, die theologischen Fixpunkte und Spielräume, die konfessionellen Prä­gungen und die Überkonfessionalität, die Zusammenarbeit und Abgrenzung von an­deren Missionswerken, die prinzipielle Gleichberechtigung der Frauen und ihre tatsächlichen Einschränkungen, die Pa­ral­lelen und Unterschiede zwischen Chris­tentum und chinesischer Volks­re­li­gion. Wer sich fragt, welche An­for­de­rungen ein Missionar erfüllen sollte, wie Kontextualisierung konkret aussieht, wel­che Evangelisationsmethoden und Strategien sinnvoll sind und welche Rol­le humanitäre Hilfe in der Mission spielt, wird eine Fülle anregender Fall­beispiele entdecken.

Austins Werk ist ein komplexes Geflecht aus vielen historischen Details und Be­obachtungen. Einerseits verleiht das sei­ner Erzählung Lebendigkeit und Unter­haltungswert, andererseits erfordert seine Darstellungsweise viele thematische und chronologische Sprünge, sodass gele­gent­lich der Überblick verloren gehen kann. Thematisch Zusammengehöriges lässt sich zwar mithilfe des soliden In­de­xes auffinden, eine Zeittafel mit den wichtigsten historischen Daten wäre zur Orientierung jedoch hilfreich gewesen.

Das methodische Vorgehen ist ein­wand­frei. Austin legt die Quellenlage gut dar und macht auf die CIM-interne Zensur der Archive aufmerksam sowie auf ihre Kultur des Schweigens, um die Unter­stüt­zung der Mission nicht zu gefährden. Durch viele Zitate lässt er die Quellen selbst zu Wort kommen und überlässt dem Leser die Wertung. Kritische Stim­men werden nicht unterschlagen und gelegentlich lässt Austin gegenläufige Meinungen nebeneinander stehen. Ge­rade das Absehen von hagiographischen Darstellungen öffnet den Blick für die Komplexität und Herausforderungen der kulturübergreifenden Mission. Dabei geht der inspirierende Charakter dieser Glaubensmission und vieler ihrer Mit­arbeiter nicht verloren.

China’s Millions ist nicht nur von his­to­rischem Interesse. Die zugrunde liegen­den Prinzipien für Leiterschaft, Aufbau einer missionarischen Bewegung, Kon­textualisierung und Missionspraxis sind auch für die Gegenwart relevant und gewinnbringend.

Anthony Fisher, em 2011-3.

Bacon, Daniel W. From Faith to Faith. The influence of Hudson Taylor on the faith missions movement. Singapore, 1984.

Wohl niemand hat die evangelischen Mis­sionen, jedenfalls im interdenominationellen Bereich, so entscheidend geprägt wie Hud­son Taylor, der Gründer der China Inland Mission. Die Biographien über ihn und sein Lebenswerk sind ja auch im deutschspra­chigen Raum weit verbreitet.

Mit diesem Buch legt Bacon eine übersicht­liche Untersuchung über Taylors Prinzipien (S.12-69) und über den Einfluß dieser Prinzipien auf die gesamte Bewegung der interdenominationellen Glaubensmissionen (S.79-129) vor. In einem dritten Teil un­tersucht er, welche Bedeutung Taylors Prin­zipien heute haben.

Über die Geschichte der Glaubensmissionen gibt es nur wenig wissenschaftliche Litera­tur. Umso bedeutsamer ist Bacons Veröf­fentlichung, die von der UeMG als Studien
buch herausgegeben worden ist. Daniel Bacon ist seit 1978 Heimatdirektor der UeMG in USA; dieses Buch ist seine Dis­sertation (D.Miss.) für Trinity Evangelical Divinity School, Deerfield, Illinois (1983).

Klaus Fiedler, em 1986-4.

Badenberg, Robert. Sickness and Heal­ing: A Case Study on the Dialectic of Culture and Personality. Edition afem: mission academics 11. 2nd rev. ed. Nürn­berg: VTR, Bonn: VKW, 2008 (1st ed. 2003).

Robert Badenberg war 1989 bis 2003 Lie­benzeller Missionar in Zambia im südlichen Afrika. Er hat in dieser Zeit am deutschen Zentrum der Columbia Inter­national University in Stuttgart-Korn­tal einen Masterabschluss gemacht und an der Uni­ver­sität von Südafrika (UNISA) in Missions­wissen­schaft pro­mo­viert. Seit seiner Rück­kehr unter­rich­tet er an der Akademie für Welt­mission in Korntal Missions­wissen­schaft und Kulturanthropologie.

Das vorliegende Buch ist die über­ar­beitete Fassung seiner Doktorarbeit. Er be­arbeitet darin, und darin besteht die be­sondere Originalität des Buches, als Nicht­mediziner die Problematik von Krank­heit und Heilung aus kultur­anthro­pologischer und missiologischer Sicht. Er wählt dazu ein geniales Konzept: Die theo­retischen Erwägungen sind um die Le­bensgeschichte eines kränklichen Freun­des von Badenberg herum gespon­nen, was durch die Konkretisierung der kulturanthropologischen und missio­lo­gi­schen Überlegungen und die persönliche Betroffenheit des Autors dem Buch eine besondere Relevanz und Frische verleiht.

Nach einer Einführung in die Methode der kognitiven Anthropologie (Kultur­analyse aufgrund der sprachlich begriff­lichen Grundlagen) und in die Geografie und Geschichte des Volkes der Bemba geht Badenberg in einem ersten Teil auf das Körper/Seele- und das Krankheits­konzept der Bemba ein. Er nimmt damit Material aus seiner Masterarbeit auf und vertieft und systematisiert es. Für den Uneingeweihten empfiehlt sich die An­eignung dieses für die Anthropologie eines afrikanischen Volkes exem­pla­ri­schen Stoffes zum besseren Ver­ständ­nis und als Abrundung des vorliegenden Buches (bibliographische Angaben am Schluss). In einem zweiten „sozial-her­meneutischen“ Teil diskutiert Badenberg am Beispiel der Lebensgeschichte seines Freundes, u.a. dessen Kontakt mit der Ngulu-Besessenheit, die Theorien der „Cul­ture and Personality“ Schule. Auf­grund eigener Beobachtungen und der Literatur beschreibt Badenberg die krea­tive Interaktion, die zwischen persön­li­chen und kulturellen Symbolen herrscht. In einem dritten missio­lo­gischen Teil zieht Badenberg die Schluss­folgerungen für Kommunikation, Bekehrung und Seelsorge. Er kommt darin zu einer meis­terhaften Integration von Theologie, Kulturanthropologie und Missionswis­sen­schaft.

Durch das lebhafte Wechselspiel zwi­schen Lebensgeschichte und theore­ti­schen Erwägungen einerseits, und zwi­schen Theologie, Kultur­anthro­po­logie und Missionswissenschaft anderer­seits, wird das Buch zu einer spannenden Lektüre. Es ist ein gutes Beispiel re­flek­tierter Missionspraxis. Eine rele­vante und konzise Bibliographie, An­hänge mit Karten und Grafiken und Indexe runden das Buch ab. Trotz einiger formaler Män­gel ist das Buch für inter­national in­teressierte Theologen, Missio­nare, Mis­sionswissenschafter, Mediziner und alle in Afrika lebenden Menschen sehr le­sens­wert. Badenberg hat ein hoch rele­vantes Thema für das Verständnis Af­ri­kas, insbesondere des heutigen afrika­nischen Christentums aufgegriffen. Nicht von ungefähr werden die unab­hängigen afrikanischen Gemeinde­be­we­gungen (AIC) „Heilsanstalten“ genannt (Sund­kler, Bantupropheten, 1964, 323). Ein besseres Verständnis des afrika­nischen Menschen- und Krankheits­ver­ständnis wird die Qualität eines Diens­tes in ver­schiedenen Berufs­gattun­gen er­heblich ver­bessern können, was durch die Re­flektionen Badenbergs in diesem Buch offensichtlich wird.

Dr. Dr. Hannes Wiher, em 2009-3.

Badenberg, Robert. The Body, Soul and Spi­rit Concept of the Bemba in Zambia. Fun­damental Characteristics of Being Human of an African Ethnic Group. edition afem: mission academics, Bd. 9. Verlag für Kultur und Wis­senschaft: Bonn, 1999.

Diese Publikation ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich um die Ergeb­nisse einer Feldforschung, in deren Verlauf der Autor mit einer modernen ethnologisch-lingui­stischen Methode gearbeitet hat. Er gibt sich zu erkennen als Vertreter (und Verfechter!) der sogenannten kognitiven Ethnologie (bislang auch kognitive Anthropologie genannt). Mit Hilfe der kognitiven Ethnologie können insbe­sondere Begriffssysteme und Denkformen ei­ner Gesellschaft erfaßt und beschrieben wer­den, die mit anderen wissenschaftlichen Mit­teln nicht zugänglich sind. Über die dazu nöti­gen detaillierten Sprachkenntnisse verfügt der Autor: Er ist seit mehr als 10 Jahren Missionar bei den Bemba, einer Ethnie im Norden Sam­bias. Das zentrale Thema seiner Untersuchun­gen, der Begriff „Seele“, gilt in der neueren Ethnologie als einer derjenigen Forschungsge­genstände, die am schwierigsten zu erfassen sind und daher immer noch eher selten bear­beitet werden. Den Begriff „Seele“ untersucht der Autor aber nicht isoliert, sondern einge­bettet in die Frage nach den Begriffen „Körper“ und „Geist“ im Denken der Bemba. Er liefert damit eine eingehende Beschreibung des Men­schenbildes dieser Volksgruppe, deren Denk­rahmen von animistischen Grundstrukturen ge­bildet wird. Dieses Menschenbild – und das ist eine der bedeutenden Qualitäten der Untersu­chung – wird nicht beschrieben unter Zugrun­delegung von europäischen Seelenvorstellun­gen als Vergleichsgegenstand. Er greift viel­mehr auf sogenannte „emische Kategorien“ zu­rück, also ausschließlich auf diejenigen Ge­sichtspunkte, unter denen die fraglichen Be­griffe von Mitgliedern der Bemba-Gesellschaft (zumindest in den Grundzügen) verstanden und benützt werden.

Auf diese Weise entsteht ein Menschenbild, das den Missionar (und nicht nur diesen!) be­fähigt, bei seinem Versuch, biblische Vorstel­lungen von der Natur des Menschen zu ver­mitteln, in einer Weise vorzugehen, die unter anderem sogenannte „kognitive Dissonanzen“ vermeiden hilft. D. h., er beugt gegen die For­mulierung von verhängnisvoll falschen, schie­fen oder zumindest problematischen Wieder­gaben des Begriffs „Seele“ und entsprechenden Theologien vor, wie sie in der Missionsge­schichte und in der Geschichte der Bibelüber­setzungen durch Missionare aus dem europä­isch-abendländischen Kulturkreis so häufig entstanden sind.

Das Ganze ist in flüssiger, leicht nachvollzieh­barer Sprache geschrieben. Es ist lesenswert, nicht nur, weil es Basiswissen zu einem afrika­nischen Weltbild vermittelt, son­dern erkennen läßt, wie man selbst an die Er­forschung eines solchen Weltbildes im eigenen Arbeitsgebiet herangehen kann. Es sei daher keineswegs nur den afrikaorientierten Mitar­beitern der ver­schiedenen Missions- und Entwicklungshilfe­organisationen zum Studium empfohlen!

Prof.Dr. Lothar Käser, em 2000-3.

Baer, Martin; Olaf Schröter. Eine Kopfjagd: Deutsche in Ostafrika. Spuren kolonialer Herr­schaft. Berlin: Ch. Links Verlag, 2001.

Dieses Buch ist kein Missionsbuch im engeren Sinn, jedoch ist es für den Missionar bzw. Missi­onsinteressierten insofern interessant, weil es in gekonnter, ja geradezu in spannender Weise in die Kolonialgeschichte einführt. Eingerahmt in die dramatische Geschichte einer Kopfjagd in Deutsch-Ostafrika, werden in einzelnen in sich abgeschlos­senen Kapiteln am Beispiel der Kolonie „Deutsch-Ostafika“ folgende Themen erörtert: Motive und Geschichte des Kolonialismus, Aufstände der ein­heimischen Bevölkerung, Mission und Kolonialis­mus, Kolonialpolitik, und die Rezeption des Kolo­nialgedankens in der Weimarer Republik, im Drit­ten Reich und in der Bundesrepublik. Wer zu sol­chen Themen sonst keinen Zugang findet, be­kommt ihn in diesem hervorragend illustrierten und mit vielen zeitgenössischen Abbildungen versehe­nen und gut aus Quell- und Sekundärliteratur schöpfenden Buch. Von besonderem Interesse dürften die Kapitel über die deutsche Schuld sein. Denn dort wird der Mythos von den Deutschen als harten aber gerechten Kolonialherren erschüttert. Schonungslos werden die Verbrechen der Deut­schen in Deutsch-Ostafrika geschildert: Zahllose Stockhiebe, ungerechte Exekutionen, brutale Un­terdrückung und Ausbeutung menschlicher und materieller Ressourcen. Wie sich diese Demütigun­gen in die schwarzafrikanische Volksseele einge­graben haben und sich bis in die Gegenwart aus­wirken, kann nur erahnt werden. Obwohl die Autoren gegen besseres Wissen die stereotype Behauptung „Kolonisieren ist Missio­nieren, Missionieren ist Kolonisieren“ in die Über­schrift des interessanten Kapitels über Mission und Kolonialismus aufnahmen, kommen sie dann in den Ausfuhrungen überraschender Weise zu einem ausgewogenen Urteil.

Alles in allem handelt es sich bei diesem Buch um ein faires Buch, das vor allem Lust macht auf mehr, auf mehr Kolonialgeschichte. Daher sei diese Lektüre vor allem Missionaren empfohlen, die in ehemaligen Kolonialgebieten arbeiten und zur wis­senschaftlichen Spezialliteratur keinen Zugang fin­den.

Elmar Spohn, em 2003-3.

Bailey, Kenneth E. Jesus through Middle Eastern Eyes – Cultural Studies in the Gospels. Leicester: IVP Aca­demic, 2008

Das vorliegende Buch ist ein ein­zigartiger Bibelkommentar mit fas­zi­nie­renden Kulturstudien zum Orient. Der Autor hat 60 Jahre im Nahen Osten gelebt und dort 40 Jahre Neues Testament unterrichtet: 20 Jahre in Bei­rut, 10 Jahre in Jerusalem und weitere Jahre in Kairo und Cypern, und der vorliegende Band stellt gleichsam sein Vermächtnis dar. In der Einleitung fasst er seine exegetische Methode kompakt zusammen: Ausgangspunkt ist die zirku­läre orientalische Erzählstruktur, Ring­kompositionen mit invertiertem Paralle­lismus, meist aus sieben Einheiten mit dem Zielgedanken in der Mitte – und nicht am Ende, wie in der westlichen linearen Erzählstruktur. Dies führt zu völ­lig anderen Ergebnissen. Zudem be­rück­sichtigt Bailey viele alt- und neu­arabische, syrische, hebräische und aramäische Bibelübersetzungen, Kom­men­tare sowie jüdische Literatur und er legt die Bibeltexte (vor allem aus dem Lukasevangelium) aus Sicht eines Orien­talen aus. Gott hat entschieden, sich im Orient zu offenbaren und seine Heils­geschichte besonders in der Geschichte des Volkes Israels zu gestalten.

In Kapitel 1 betrachtet er die Geburt Jesu nach Lukas 2 und räumt mit dem Mythos von der Geburt im Stall auf: Im Orient sei es unvorstellbar, dass Josef in seine Heimatstadt kommt (zumal wenn von königlicher Abstammung und er dort über Grundbesitz verfügte) und ihn dort niemand zu kennen scheint. Im indivi­dualistischen Europa könne sich viel­leicht so etwas zutragen, unmöglich aber in der engen Familienkultur des Orients. Kaum vorstellbar, dass Josef und Maria wochenlang in einem Stall lebten, wenn Marias Verwandte Elisabeth nur wenige Kilometer entfernt wohnte. Die Exegese des lukanischen Textes ergibt dann auch einen erstaunlichen Befund: Das mit „Herberge“ übersetzte griechische Wort „katalyma“ bezeichnet sonst nirgends eine Gastwirtschaft, sondern eher eine „gute Stube“ wie z.B. beim Abendmahl. Ist aber eine Herberge gemeint, dann wird in der Bibel das Wort „pan­dochaion“ („wo alle schlafen können“) verwendet. Zudem zeigen archäo­lo­gische Funde und die heutige tra­di­tio­nelle Bauweise, dass Häuser i.A. nur aus 1-2 Räumen bestanden, und das Groß­vieh nachts im vorderen Teil des Wohn­raums gehalten wurde – als Schutz vor Diebstahl und wilden Tieren sowie biologische Heizung im Winter. In der Mitte des Raums stand eine Futterkrippe als Abtrennung von Stall und Wohn­bereich, in der offensichtlich der neu­geborene Jesus Platz fand (die „gute Stube“ war wohl von weiteren Ver­wandten/Gästen belegt). Jesus wurde so­mit mitten in eine jüdische Großfamilie hinein geboren. Das Wunder der Inkar­nation wird m. E. dadurch noch größer: Gott wurde in Jesus Christus Mensch und in allem uns gleich.

In 32 Kapiteln legt Bailey etwa 40 Evangelientexte aus mit gelegentlichen Exkursen in das AT. Er betrachtet vor allem die Seligpreisungen (Kap. 5-6), das Vater-unser (Kap. 7-10), die Berg­predigt (Kap. 5-10), Jesu besondere Ta­ten (Kap. 11-13) und seinen Umgang mit Frauen (Kap. 14-20). Doch sein Herz gilt den Gleichnissen Jesu, besonders aus dem Lukasevangelium (Kap. 21-32), und seine Auslegungen vom unehrlichen Verwalter (Kap. 26) und vom dienenden Herrn (Kap. 29) haben mich besonders fasziniert. Bailey räumt mit etlichen kulturellen Miss­verständnissen auf, und die Ereig­nisse bekommen ihre natürliche Be­deu­tung. Die Bibelauslegungen Bai­leys lassen den Reichtum des Wortes Gottes hell hervor strahlen und immer wieder leuchtet das Kreuz Jesu auf: Got­tes kostbare Demonstration seiner uner­warteten, einzigartigen Liebe (S. 182, 236, 296, 376 u. a.).

Auch wenn mich nicht jedes einzelne Detail voll überzeugt hat – einzelne Texte scheinen mir in die symmetrische Siebenerstruktur hineingepresst – so bestechen Baileys Auslegungen doch durch ihre Klarheit – und der Leser fragt sich erstaunt, warum ihm dies nicht selbst schon aufgefallen ist. Die über­sichtliche, tabellarische Sprach­ana­lyse der biblischen Texte wie auch die Zu­sammenfassungen am Ende jedes Kapi­tels erleichtern das Selbststudium; zahl­reiche Fußnoten verweisen auf die Quel­len ohne den Lesefluss zu be­hin­dern. Das Buch lädt immer wieder zum Ver­weilen ein, zur Anbetung Gottes und zum Reflektieren. Es fordert auf zur Hingabe und zur konsequenten Nach­folge Jesu. Eine absolute Pflicht­lektüre für jeden Missionar.

Dr. Detlef Blöcher, em 2009-1.

Balz, Heinrich. Where the Faith has to Live. Studies in Bakossi Society and Religion. Part I: Li­ving Together. Part II: The Living, the Dead and God. Dietrich Reimer Verlag: Ber­lin, 1984/1995.

Balz, Heinrich. Weggenossen im Busch. Er­zählende und theologische Briefe aus Kame­run. Erlan­ger Verlag für Mission und Öku­mene: Erlangen, 1998.

Der Missionar als Forscher. Was das heißt, verdeutlicht das Werk des Missionstheologen Heinrich Balz. Von 1973 bis 1983 war er Mis­sionar und Dozent am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche in Nyasoso in Kamerun, im Gebiet des Volkes der Bakossi. Ein Jahr lang stellte ihn die kameruner Kirche und die Basler Mission für Forschungen frei. Teil I konnte er 1984 nach seiner Rückkehr nach Deutschland als Habilitationsschrift in Heidelberg vorlegen; Teil II entstand während seiner Lehrtätigkeit als Professor für Missi­onswissenschaft in Berlin. Zur Zeit lehrt Balz am Tumaini University College Maku­mira/Tanzania Systematische Theologie und Religionswissenschaft.

Der Titel der umfangreichen Studie „Where the Faith has to Live“ ist Programm. Glaube, gleich ob der der alten Religion oder der christliche Glaube, muß sich verorten. Deshalb muß nach dem Ort, dem Kontext gefragt wer­den, „wo der Glaube lebt“, um dann auch auf­zuzeigen, wie der Glaube lebt und wie neuer Glaube wächst. „Wenn der neue Glaube wirk­lich leben, seine Identität bewahren und Wur­zeln schlagen soll, muß er wissen, wo er zu le­ben hat; er muß die alten Fragen verstehen, auf die er … als die neue Antwort angesehen wird.“ „Die Antworten des christlichen Glaubens können nicht ohne die Fragen verstanden wer­den, die von der traditionellen Religion gestellt werden“ (II 5 und 808). Die Studie über eine afrikanische Religion, hier die Religion der Ba­kossi, kann also nicht mit der „Glaubenslehre“ einsetzen, sondern muß zunächst das Umfeld in Augenschein nehmen, in dem die Menschen leben. Deshalb widmet sich Teil I der Gesell­schaft der Bakossi, ihrer sozio-politischen Struktur, ihren Traditionen und Entstehungssa­gen und den In­stitutionen, die das Zusammen­leben regeln. Balz weiß, daß sich Gesellschaft und Religion nicht strikt voneinander trennen lassen, sondern sich gegenseitig beeinflussen, dennoch werden in der Betrachtung jeweils an­dere Akzente gesetzt. Deshalb gehören auch beide Teile, der sozialanthropologische und der religionswissenschaftliche, zusammen. Mit Recht werden „parareligiöse“ Phänomene wie Geheimgesellschaft, Hexerei und Zauberei be­wußt im Umfeld von „Gesellschaft“ und nicht von „Religion“ behandelt.

Balz’ Studie ist ein Beleg dafür, daß es not­wendig ist, regional begrenzte Studien durch­zuführen, um afrikanische Gesellschaftsformen und Religionen zu verstehen und gerade auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Völ­kern zu erkennen. Deshalb ist auch im Plural von „afrikanischen Religionen“ zu sprechen. Dennoch lassen sich auch immer wieder Par­allelen zwischen den einzelnen Völkern in ver­schiedenen Teilen des Kontinents entdecken. Darin liegt das Reizvolle der Studie für Mis­sionare, die in anderen Teilen Afrikas arbeiten. Im Vergleich mit der eigenen Situation können soziale, legendär-mythische und religiöse Fak­ten besser verstanden und eingeordnet werden.

Der umfangreiche zweite Teil behandelt in vier Kapiteln die Religion der Bakossi. Dabei kann auch jedes Kapitel zunächst für sich gele­sen werden. Unter dem Titel „die Lebenden, die Toten und Gott“ (in dieser Reihenfolge!) geht es um Tod und Beerdigung, das Dorfah­nenfest ndie, Fa­milienheiligtümer und schließ­lich den nahen und fernen Gott. Diese Reihen­folge der Betrachtung macht den Ansatz von Balz deut­lich: „Glaubensüberzeugungen und Glaubens­bekenntnisse sollten nie isoliert be­trachtet wer­den, ohne im Blick zu haben, wo­rauf die Men­schen, ausgedrückt durch Vereh­rung (worship) und Gebet, wirklich vertrauen“ (II 664). Balz geht in seiner Forschung also von der religiö­sen Praxis aus, um von da aus zu fragen, was im Zentrum der Religion steht und wie dann die Botschaft des Evangeliums ihre Relevanz erweisen kann.

Jedes der vier Kapitel ist nach dem gleichen Grundschema aufgebaut. Nach der einleitenden Darstellung des Problems wird die For­schungsgeschichte vorgestellt, beginnend mit Vertretern des Volkes der Bakossi. Ihnen weist Balz so einen Ehrenplatz zu, oder anders ge­sagt, er nimmt die afrikanischen Kollegen als Religionswissenschaftler und theologische Partner ernst. Bei den Quellen handelt es sich vor allem um Dissertationen und Abschlußar­beiten der Theologiestudenten am Seminar. Erst dann folgen die Forschungsergebnisse und Berichte der früheren Missionare, die in diesem Gebiet gearbeitet haben, allen voran J. Ittmann. Ihre Schriften liegen meist nur in deutsch vor und werden den Kamerunern in einer engli­schen Zusammenfassung zugänglich gemacht. In einem dritten Teil folgen die eigenen For­schungsergebnisse von Balz und schließlich eine zusammenfassende Auswertung.

Ein zentrales Kapitel ist das über das Dorfah­nenfest ndie. Balz hat als Beobachter an meh­reren Festen teilgenommen und die dort ge­sprochenen Gebete erstmals auf Band aufge­nommen, übersetzt und ausführlich analysiert. Eine wichtige Frage lautete: Welche Rolle spielt hier Gott, und welche Bedeutung haben die Ahnen? Sein Ergebnis ist eindeutig: „Nicht Gott, sondern die verstorbenen Menschen, die Dorfahnen … sind das Herzstück und das Zen­trum der traditionellen ndie-Gebete. Mehr noch, sie sind das Zentrum der traditionellen Bakossi-Religion insgesamt, wie sie in diesem öffentlichen Gebet lebendig ist, also dem Aus­gangspunkt, von dem aus alle anderen Ele­mente dieser Religion betrachtet und eingeord­net werden müssen“ (II 380). Die Religion ist also nicht theistisch, sondern Ahnen-zentriert (II 381). Gott spielt nur eine periphere Rolle, er scheint mehr und mehr in Vergessenheit gera­ten zu sein, obwohl er immer noch bekannt ist. Die Ahnen­verehrung steht also in Konkurrenz zum Ersten Gebot. Die entscheidende Frage ist nun, wie Gott zum Zentrum der Religion wer­den kann, wie es von der (Aner-)Kenntnis Gottes zur Anbetung Gottes kommen kann.

Um diese Frage geht es letztlich im vierten Kapitel. Die missionarische Aufgabe ist es, die traditionelle Gotteserkenntnis durch die christ­liche Botschaft zu verändern, zu christianisie­ren. Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist also nicht etwas, was nur zum traditionellen Gottesbild hinzukommt, sondern etwas, das einen neuen Zugang zu dem Gott gewährt, der bereits bekannt war. In diesem Teil ist Balz nun nicht mehr nur Religionswissen­schaftler, sondern zugleich Missionar und Missiontheo­loge. Seine Ausführungen können für viele, die mit diesen Fragen in Afrika und anderswo zu tun haben, eine wichtige Hilfe sein.

Balz hat sein Werk bewußt in englisch ge­schrieben, damit es vor allem auch seine Ka­meruner Kollegen lesen können. Damit hat er aber darüber hinaus den afrikanischen Kirchen insgesamt einen wichtigen Dienst erwiesen. Denn hier werden auch für andere Teile Afri­kas wichtige Anregungen zur Auseinanderset­zung mit den traditionellen Religionen und zur Entwicklung einer eigenständigen Theologie gegeben. Deshalb sollte dieses Werk in allen englischsprachigen theologi­schen Seminaren Afrikas in der Bibliothek vorhanden sein.

In gewisser Weise als Begleitbuch zum theolo­gischen Werk lesen sich die „erzählenden und theologischen Briefe“. Zehn Jahresrundbriefe von 1974-1983, ergänzt durch Beobachtungen bei einem weiteren Aufenthalt in Kamerun 1995, werden hier zusammenge­tragen. Sie sind in gewis­ser Weise Werkstatt­berichte, lassen den Hintergrund, von dem aus die Forschung getan wurde, erkennen. Höhe­punkt ist sicher­lich der Bericht über die Teil­nahme am Dor­fahnenfset. Wichtig ist hier, zu sehen, daß dies theologisch sehr wohl reflek­tiert war, daß Balz schließlich auf dem Fest eine christliche Pre­digt halten konnte (dokumentiert in ‘Where the Faith has to Live II’ 377f) und so in einen wirklichen Dialog mit den Vertretern der alten Religion kommen konnte. Sicherlich kann man die Frage, ob ein Missionar als Forscher an einen traditionellen religiösen Fest teilnehmen kann und soll, sehr kontrovers diskutieren. Aber Balz zeigt, daß sich dadurch nicht nur Möglichkeiten für ein besseres Verstehen der alten Religion ergeben, sondern auch für die missionarische Verkündi­gung.

Insgesamt sind diese Briefe von Balz eine in­teressante Informationsquelle über Kamerun und zugleich eine unterhaltsame missions­theologische Lektüre, erzählend und theolo­gisch. Sie lassen uns den Missionar Balz als Forscher näherkommen.

Dr. Johannes Triebel, em 2000-1.

Bammann, Heinrich (Hg.). Lutherische Mis­sion in Südafrika. Dankesgabe für Ernst-August Lüdemann. Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen: Hermannsburg, 1990.

Diese kleine Festschrift ist eine Dankesgabe für den aus der Mission in Südafrika ins Leitungs­amt des ELM Niedersachsen berufenen Ernst-August Lüdemann. Wie alle Festschriften ist es eine bunte Mischung verschiedener Beiträge, die in diesem Fall aber alle dadurch verbunden sind, daß sie von Mitarbeitern derselben Mis­sion und der von ihr gegründeten Kirche ge­schrieben sind. Der Herausgeber steuert einen Artikel über den ersten einheimischen Missio­nar unter den Bakwena ba Mogopa bei (inter­essant für die Diskussion um die „transkultu­rellen Drittweltmissionare“), Heinrich Voges reflektiert Amt und Auftrag des Missionars (unter Berufung auf Luther, interessant für Freikirchler als kritische Anfrage). Mehrere Artikel nehmen speziell auf lutherische Theo­logie Bezug, und alle Artikel ermöglichen einen Einblick in die Arbeit einer heutigen lu­therischen Mission. Drei Artikel sind von schwarzen Südafrikanern geschrieben (Andreas Khose reflektiert seine Zeit in Deutschland).

Klaus Fiedler, em 1993-1.

Bammann, Heinrich. Inkulturation des Evangeliums unter den Batswana in Transvaal/Südafrika. Am Beispiel der Arbeit von Vätern und Söhnen der Hermannsburger Mission von 1857 – 1940. edition afem: mission academics 17. Nürnberg: VTR, 2004.

Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung der Promotionsarbeit des Autors, die im Jahr 2002 von der Universität von Südafrika (Department of Missiology) angenom­men wurde. Sie gewährt einen aufschlussreichen Einblick in die Anfänge und Motivation der Hermanns­burger Mission in Süd­afrika, die immerhin eine der ersten deutschen Missionsinitiativen in Afrika war. In den zentralen drei Haupt­kapiteln (218 S.) werden Hunderte von Berichten und Briefen von sechs Missionaren ausführlich verwertet und thematisch dem geschichtlichen und sozio-kulturellen Kontext ihres Wirkungsfeldes und den relevanten Berei­chen möglicher „Anknüpfung“ der Inkulturation zugeordnet. Es handelt sich um drei Väter (Jensen, Behrens und Penzhorn) und um ihre im Missionsgebiet aufgewachsenen drei Söhne, die in das Transvaal Gebiet gesandt wur­den und dort je unter drei Volksgruppen (Bafurutshe, Bagopa, Bafokeng) des Batswana Stammes von 1857-1940 wirkten.

Bammann konzentriert sich bei seiner Analyse auf die Phänomene der Über­gangs­riten (Geburt, Beschnei­dung, Heirat, Tod), der Polygamie, Zauberei, Brautpreis-Sitte, Heilmethoden und des politischen Patriar­chats (Häupt­lings­kultur) im Leben der Afrikaner. Im Blick auf die Missionare erstaunt ihre Ignoranz einer biblischen Perspektive von Gebetsheilung und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Homöopathie als ihre missio­narische Alter­nati­ve anboten und Ernst Penzhorn sogar bei Krankheit seiner Kinder, wo europäische Medizin versagte, einen traditionellen Medizinmann aufsuchte (S.286).

Einleitend befasst sich der Autor mit einer Begriffsbestimmung und missionstheologischen Ein­ordnung von ‚Inkulturation’, wobei die Unterschiede zur Enkulturation, Akkulturation und beson­ders ‚Interkulturation’ disku­tiert werden. Im Schlusskapitel wird die Arbeit der Missionare missions­theo­lo­gisch ausgewertet. Dabei wird nicht an herber Kritik der kontextuellen Defizite im Wirken dieser Mis­sio­nare gespart. Es sind die klassischen Fehler aller erwecklichen Missio­nen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihrer mangelnden Differenzierung zwischen eigener frommer, konfessioneller Kultur und dem Evangelium und zum anderen mit eben der zu kurz gekom­menen Inkulturation des Evangeliums in die Tiefen der religiösen Lebens­welt des afri­ka­nischen Stammes hinein, mit dem die Missionare eng und aufopferungsvoll zusammenlebten.

Bammann hat selbst in diesem Gebiet 25 Jahre lang in Südafrika als Gemeindebetreuer der
Hermannsburger Mission in ev.-lutherischen Kirchengemeinden mit 900-6000 Mitgliedern gear­beitet. Trotz des zahlenmäßigen Wachstums dieser Kirche schaut er zielgenau auf die Schwachpunkte der Methoden der Mis­sionsväter und -söhne, ohne zu übersehen, dass eine positive Entwicklung im Inkulturations­prozess bei den Söhnen zu erkennen ist. Das Buch wird so zu einem authentischen und ehrlichen missions­ge­schichtlichen Fall­bei­spiel des „Großen Jahrhunderts“ (19. Jh.) der neueren protestan­ti­schen Mis­sion.

Das Bestechende an Bammans Buch ist, dass die Missionsarbeit von zwei aufeinander folgenden Genera­tio­nen dargestellt wird, die zudem konti­nuierlich eine einzige Volksgruppe eines einzigen Stammes an einem einzigen Ort mehr als 80 Jahre lang begleiteten. Die Unterschiede zwischen beiden Genera­tio­nen werden präzise herausgearbeitet und es zeigt sich, dass die Generation der Söhne ihre Akkulturationsvorteile zur Inkulturation nutzten. Der flüssi­ge Erzählstil und die anschaulichen Beispiele von Erlebnissen der Missionare lassen die dama­li­ge Zeit für den Leser lebendig und spannend werden.

Diese Fallstudie einer zwar paternalistischen, aber vom Rettungs­eifer erfassten Mission der „ersten Stunde“, die trotz aller Fehler doch viele Menschen mit dem Evan­ge­lium erreichte und so die Entstehung afrikanischer einheimischer Kirchen bewirkte, ist ein Gewinn (nicht nur) für missions­ge­schichtlich Interes­sierte.

Dr. Detlef Kapteina, em 2006-4.

Bär, Hans. Heilsgeschichtlicher Bibelunter­richt. McIlwains Programm ‘Building on Firm Foundations’ im Einsatz unter den Karen im Bezirk Omkoi (Nordthailand). edition afem - mission academics Bd. 3. Ver­lag für Kultur und Wissenschaft: Bonn: 1998.

Hans Bär war von 1982-1995 mit der ÜMG in Nordthailand, wo er unter dem Volk der Sgaw Karen arbeitete. Hier lernte er das Programm des Heilsgeschichtlichen Bibelunterrichtes von Trevor McIlwain, ‘Building on Firm Foundati­ons’ kennen und wandte es in seiner Missi­onstätigkeit an. Im vorliegenden Buch stellt er dieses Programm McIlwains vor. Dabei ist der Untertitel etwas irreführend, da sich von den 150 nur 12 Seiten mit dem Einsatz dieses Pro­grammes unter den Karen beschäftigen. Im Wesentlichen stellt Bär das Programm von McIlwain dar und bewertet es.

Dieser Darstellung ist eine weite Verbrei­tung zu wünschen, denn McIlwains Programm ist eine Form des Bibelunterrichtes, die nicht nur in der Außenmission, sondern auch in Deutschland Bedeutung gewinnen sollte. Je weniger biblisches Grundwissen in einer Ge­sellschaft vorhanden ist, umso wichtiger wird es, dieses Grundwissen zu vermitteln. McIl­wain hat dazu ein Programm entwickelt, das die Vermittlung biblischen Grundwissens zum Inhalt der Missionstätigkeit und der darauffol­genden Gemeindeaufbauarbeit macht.

Dem Programm von McIlwain liegt die Er­kenntnis zugrunde, daß die Bibel zum großen Teil aus Geschichte besteht. In und durch diese Geschichte wird Gottes Heilshandeln mit der Menschheit deutlich. Darum ist die beste Me­thode des Bibelunterrichtes, diese Geschichte Gottes mit der Menschheit (Heilsgeschichte) nachzuerzählen. Dies geschieht nach McIlwain in drei Schritten. Zunächst wird die biblische Geschichte (vor allem das AT) nacherzählt (S.24ff), ohne schon im AT von Jesus zu sprechen (S.103). Erst wenn das NT in den Blick kommt, wird von Jesus berichtet. Das Ziel die­ses Bibelunterrichtes ist es, die Menschen vor eine Entscheidung für oder gegen Jesus zu stellen.

In einem zweiten Schritt werden die neuen Gläubigen gesondert unterrichtet. McIlwain legt sehr viel Wert darauf, Ungläubige und Gläubige nicht gemeinsam zu unterrichten (S.30f). Den Gläubigen wird dann erneut die bi­blische Geschichte von der Schöpfung bis zum neuen Himmel und der neuen Erde präsentiert, wobei diesmal schon im AT von Jesus die Rede ist (S.30ff). Durch diesen Unterricht sollen die Gläubigen im Glauben weitergeführt werden. In einem dritten Schritt sollen schließ­lich die im Glauben gewachsenen Christen ein drittes Mal in der biblischen Heilsgeschichte unterrichtet werden. Diese dritte Phase ist zur Zeit noch im Aufbau (S. 38f).

Bär bewertet das Modell McIlwains zurecht sehr positiv. Kritisch bemängelt er lediglich die teilweise sehr strikten dispensationalistischen Ansichten McIlwains (S.83ff) sowie die grundsätzliche Ablehnung, in der Evangelisa­tion auf die Bedürfnisse und Fragen der Men­schen in den verschiedenen Kulturen einzuge­hen (S. 103f).

Bärs Darstellung selbst liest sich teilweise et­was stockend, was u.a. den häufigen Zitaten zuzuschreiben ist. Auch die inhaltliche Gliede­rung könnte zielgerichteter sein. Nicht immer
werden die Zusammenhänge der einzelnen Unterpunkte deutlich. Trotz dieser Schwächen ist Bärs Buch eine weite Verbreitung zu wün­schen, ebenso wie dem von McIlwain entwik­kelten Heilsgeschichtlichen Bibelunterricht.

Dr. Hans-Georg Wünch, em 1999-4.

Barrett, David; George T. Kurian; Todd M. Johnson. World Christian Encyclopedia: A Comparative Survey of Churches and Reli­gions in the Modern World. 2 Bände. Oxford University Press: New York, Oxford usw., 2001.

1968 schlossen sich Kirchen- und Missionssta­tistiker unter Leitung des evangelikalen Missi­onsmannes David Barrett zu einem Mammut­projekt zusammen, dass 1981 zur ersten Aus­gabe der WCE führte, die einer der renom­miertesten Wissenschaftsverlage der Welt ver­legte. Der Band gewann mit seiner Erfassung aller Denominationen der Welt schnell weit über den christlichen Bereich hinaus Bedeu­tung, da er zugleich zum Mercedes der Religi­onsstatistik avancierte, bot er doch für viele Länder einmalige Daten an.

Die lang ersehnte zweite Ausgabe auf dem Stand des Jahrs 2000 läßt die erste Ausgabe weit hinter sich, denn viel hat sich in den letz­ten 20 Jahren getan. Die evangelikale Missi­onswissenschaft hat jedes Schattendasein abge­schüttelt und längst ist die Missionsstatistik als Motor für Planen, Motivieren und Beten aner­kannt. Die vorliegenden Bände bieten eine er­drückende Fülle von Daten zu allen möglichen und unmöglichen Fragen rund um die christli­chen Kirchen und die Religionen der Welt. Was wollen sie wissen: Wieviel Geld jährlich in Honduras an christlichen Geldern schät­zungsweise veruntreut wird? Wieviel vollzeit­liche kirchliche Mitarbeiter auf Hawai arbei­ten? Wieviel Geld jährlich für christliche Me­dien in Deutschland ausgegeben wird? Wieviel mehr ein schweizer Christ für die Mission gibt als ein deutscher Christ? Ob der Islam in Indo­nesien vor allem durch Bekehrungen oder durch biologischen Zuwachs zunimmt? Wie­viele charismatische und pfingstkirchliche De­nominationen und Splittergruppen in Kanada beheimatet sind? Wieviele Märtyer es im Laufe der Geschichte schätzunsgweise gegeben hat? Wieviele Evangelikale in Köln wohnen? Oder wann die methodistische Kirche in Paraguay gegründet wurde?

Neben den umfangreichen Registern, Be­griffserklärungen, Abkürzungs- und Literatur­verzeichnissen, dem Adressverzeichnis und ei­nem Atlas finden sich folgende großen Blöcke in den beiden Bänden:

* Übersichtstabellen zur weltweiten Situation (24 S. in Bd. 1)

* Darstellung der Länder der Erde (neben den Statistiken jeweils mit Texten zur Lage der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und des Verhältnisses von Religion und Staat, sowie der Geschichte und Stand der Religionen und der Christenheit) (800 S. in Bd. 1)

* Zahlen zu den 270 größten Religionen (12 S.)

* Zahlen zu 12.600 Völkern und Volksgruppen, inkl. des Status der Evangelisation (230 S.)

* Daten zu 13.500 Sprachen und Dialekten der Welt einschließlich des Status der Bibelüber­setzung (290 S.)

* Daten zu 7.000 Großstädten (85 S.)

* Daten zu 3.030 Provinzen der 238 Länder der Welt (30 S.)

Wie zuverlässig sind die Daten? Trotz der umfangreichen Mitarbeiterliste und der vielen Literaturlisten (etwa pro Land) ist es natürlich unmöglich, jeweils anzugeben, wie jede Zahl errechnet wurde. Die Ausführungen zur Frage, wie die Daten erhoben wurden, sind recht dünn und David Barrett ist dafür bekannt, seine Da­ten ungern mit anderen auszutauschen und zu diskutieren, ganz im Gegensatz etwa zum Au­torenteam bei ‘Operation World’ um Patrick Johnstone. Die gigantische Organisation zum Datensammeln, die Barett aufgebaut hat, erfaßt sicher fast jede Kirchen- und Religionsstatistik, die irgendwo erstellt wird und dort, wo keine anderen Daten vorliegen, wird man ihm wohl folgen müssen. Dennoch dürfte der Anspruch des Vorwortes, mit den Bänden ausschließlich Fakten und keine Interpretation zu liefern, kaum zu halten sein. Denn wie will man etwa die Zahl der „Great Commission Christians“, also die Zahl derer, die den Missionsbefehl persönlich ernst nehmen, erheben, ohne zu in­terpretieren, wo doch kaum ein Pastor diese Zahl für seine Gemeinde angeben könnte. Mis­sionsstatistik ist seit William Carey 1792 mit einem missions- und religionsstatistischen Buch die moderne Phase der evangelischen Weltmission ausgelöst hat, unverzichtbar, aber sie sollte sich nicht überhöhen und sich einen Wahrheitsgrad zumessen, den es in einer sich ständig ändernden und nicht zu überschauen­den Welt einfach nicht gibt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.

Bauckham, Richard. Bible and Mission: Chris­tian Witness in a Postmodern World. Carlisle: Paternoster, Grand Rapids: Baker, 2003.

Das vorliegende Bändchen des britischen Neutestamentlers Richard Bauckham (University of St. Andrews, Schottland) geht auf zwei Vorle­sungsreihen zurück. Der Stil der Vorlesungen wurde weitgehend beibehalten, jedoch durch Fußnoten ergänzt. In „A Hermeneutic for the Kingdom of God“ beschreibt B. zunächst unter den Stichworten „zwischen McWelt und Jihad“ die Situation der Welt nach dem 11. September 2001. Die sich universalisierende Kultur, die gegenwärtig alle Partikularität und Verschie­denheit zu unterdrücken trachtet, ist der globale Kapitalismus, in dem B. eine sechste große uni­versale Ordnung sieht (nach dem antiken Grie­chenland und Rom, dem mittelalterlichen Chris­tentum, dem Islam und der von der Aufklärung bestimmten Zivilisation der westlichen Moder­ne). Diese universalen Kulturen sind geprägt von einer eigenen Meta-Erzählung (narrative) und ihrem Drang nach Globalisierung mit der einhergehenden Unterdrückung anderer Kul­turen („… with the ever-increasing threat to local cultures throughout the non-western world by the so-called Coco-colonization of the world, the relentless universalization of commercial­ized American culture“, 7). Im Gegensatz zu diesem Trend gewährt und fördert das Christen­tum historisch und gegenwärtig kulturelle Hete-rogenität. Die Frage nach dem Verhältnis zwi­schen dem Partikularen und dem Universalen ist eine Leitfrage des Autors. Nach dieser hilfrei­chen Analyse geht es um eine Hermeneutik für das Reich Gottes. B. will die missionarische Ausrichtung der Bibel ernst nehmen und ihre Bewegung vom Partikularen zum Universalen nachzeichnen: „This is a universalist direction that takes the particular with the utmost serious­ness. Christian communities or individuals are always setting off from the particular as both the Bible and our own situation defines it and fol­lowing the biblical direction towards the univer­sal that is to be found not apart but from within other particulars. This is mission“ (11). Diese Bewegung hat in der Bibel eine zeitliche („mis­sion is a movement into the new future of God), eine räumliche („mission is a movement towards ever-new horizons“) und soziale Dimension („mission is a movement that is always being joined by others, the movement, therefore, of an ever-new people“, 13-15). Durch viele Beispiele zeigt B. überzeugend: „The realistic narratives of Scripture portray only the ever-recurrent set­ting out from the particular towards the univer­sal in a movement which can move in a univer­sal direction only by way of other particulars, since the goal is not an abstract universal but the ingathering of all particulars into the one king­dom of the one God“ (16).

Kapitel zwei zeichnet diese Bewegung „Von dem Einen zu den Vielen“ im AT nach (27-54): von Abraham zu allen Geschlechtern der Erde, von Israel zu allen Völkern, von dem in Zion herrschenden König zu den Enden der Erde und zu allen über den Weg des Geringsten (die Er­niedrigung Christi und die Torheit des Kreuzes): „… God’s purpose begins with a singular choice: God singles out first Abraham, then Israel, then David. The three movements that begin with these three choices by God each has its own distinctive theme, one aspect of God’s purpose for the world. … The trajectory that moves from Abraham to all the families of the earth is the trajectory of blessing. The trajectory that moves from Israel to all the nations is the trajectory of God’s revelation of himself to the world. The trajectory that moves from God’s enthronement of David in Zion to the ends of the earth is the trajectory of rule, of God’s Kingdom coming in all creation“ (27). Kapitel drei untersucht den geographischen Horizont der Bibel („Geography - Sacred and Symbolic“, 55-81). B. fragt nach dem Bewusstsein der Bibel für die Völkerwelt und nach ihren geographischen Horizonten (Völkertafeltradition, Völkerorakel der Prophe­ten, die Enden der Erde in atl. Sicht in verschie­denen Himmelsrichtungen) sowie nach dem Verhältnis von Jerusalem als Zentrum und dem Horizont der Völkerwelt. Abschließend geht es um die Bedeutung der Sendung Israels zu den und für die Völker schon im AT und um das bleibende „Diaspora-Wesen“ des Volkes Gottes. Das abschließende Kapitel beschreibt das christ­liche Zeugnis für die Wahrheit in einer postmo­dernen und globalisierten Welt. Dazu zählen die biblische Meta-Erzählung und die postmoderne Kritik und ihr Wesen als eine nicht-moderne Meta-Erzählung ganz anderen Charakters. Fer­ner geht es um diese biblische Geschichte und die ökonomische Globalisierung, in der B. einen neuen Imperialismus sieht und sie einer vernich­tenden Kritik unterzieht. Die Folgen der bibli­schen Geschichte für die Bezeugung der Wahr­heit werden deutlich (die ganz andere Qualität der Herrschaft Gottes). B. beleuchtet das christ­liche Zeugnis angesichts sich globalisierender Mächte (so schon urchristlich gegenüber den Ansprüchen des römischen Reichs) sowie die biblische Geschichte und ihre Betonung kultu­reller Verschiedenheit.

Prof. Bauckham hat für Bibelwissenschaftler, Missiologen, Missionare und alle an Mission Interessierten ein enorm inspirierendes Büchlein vorgelegt, das hilft, die Mission der Kirche zu verstehen und als integralen Bestandteil von Gottes Geschichte mit dieser Welt zu sehen, nämlich als Teil der biblische Meta-Erzählung des Reiches Gottes. Trotz seines geringen Um­fangs enthält dieses klar und verständlich ge­schriebene Buch viele wichtige und herausfor­dernde Gedankenanstöße für unser Verständnis der Bibel, der gegenwärtigen globalen Entwick­lungen und – daraus abgeleitet – unserer missio­narischen Aufgabe.

Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-4.

Baumann, Andreas. Der Islam – Gottes Ruf zur Umkehr? Eine vernachlässigte Deutung aus christlicher Sicht. Basel: Brunnen Verlag 2003.

Andreas Baumann greift ein Thema auf, das in der neueren theologischen Diskussion um den Islam bisher am Rande stand. Diese bewegt sich weitgehend im Spannungsfeld zwischen Dialog und Harmonisierung einerseits sowie Apologetik und missionarischem Handeln andererseits. Andreas Baumann aber stellt die alte Frage nach dem Platz des Islam im Weltregiment Gottes und nach dem, was Gott der Christenheit mit dem Islam sagen möchte.

Gewiss sieht der Verfasser die vielfachen Herausforderungen des Islam an die christliche Kirche und ihren Glauben, stellt aber fest, dass gegenwärtig neben Abgrenzung, Mission und Dialog die christliche Selbstkritik und der Ruf zur inneren Umkehr weitgehend fehlen.

A. Baumann geht der biblischen Sicht vom Gericht Gottes nach und befragt die Kirchen- und Theologiegeschichte nach Beispielen für eine Deutung des Islam als Gerichtshandeln und Bußruf Gottes. Das bekannteste Beispiel ist sicher Martin Luthers Ruf an die Deutschen zur inneren Umkehr angesichts der Türkengefahr (der Islam als „Zuchtrute“ Gottes). In weiteren Kapiteln zeigt A. Baumann auf, wie und warum die christliche Kirche von der Zeit Muhammads an bis heute im Blick auf den Islam versagt hat und welche Verheißung darauf liegt, dass Christen angesichts dieses Versagens zum biblischen Evangelium umkehren.

Ein Anhang mit kurzen Überblicken über die Kernländer des Islam, über die wichtigsten orientalischen Kirchen und die Hauptgründe für das Entstehen des Islam sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Register der Anmerkungen runden das Buch ab und regen zum weiteren Arbeiten an.

Es ist A. Baumann zu danken, dass er dieses lange vernachlässigte Thema aufgegriffen und neu zum Bewusstsein gebracht hat. Sein Buch hat theologische Tiefe und ist doch leicht lesbar. Es sei allen, die sich über das Phänomen Islam und die Welt der Muslime mehr Klarheit verschaffen wollen, sehr zur Lektüre empfohlen.

Eberhard Troeger, em 2004-4.

Baumann, Andreas. Der Orient für Christus: Johannes Lepsius - Biographie und Missio­logie. TVG Brunnen: Gießen 2007.

Dr. Johannes Lepsius (1858-1926) war eine fas­zinierende und vielschichtige Persönlichkeit; heute jedoch ist er meist nur noch wegen seines Einsatzes für die Armenier während der Zeit des Genozides bekannt. Der Rahmen für seine dies­bezügliche Tätigkeit war Lepsius‘ umfassende­res Missionsengagement als Gründer und Direk­tor der Deutschen Orient-Mission und der Dr. Lepsius Deutschen Orient-Mission und seine Aktivitäten als profilierter theologischer Autor und als Herausgeber von Missionszeitschriften. Für den deutschsprachigen Bereich darf er als einer der Pioniere der christlichen Mission unter Muslimen gelten. Seine sehr vielgestaltigen Ak­tivitäten können nur recht verstanden und ein­geordnet werden mithilfe eines tiefgehenden Verständnisses seiner Theologie und Missiolo-gie, die die Grundlage und Motivation für seine ganze Arbeit darstellen. Sie sind der „innere Schlüssel“, um Lepsius recht zu verstehen. Ein missiologisches Forschungsprojekt über Jo­hannes Lepsius muss sich mit vielen Hindernis­sen auseinandersetzen: Es muss ein enormer Umfang von Archivmaterialien bewältigt wer­den, zu denen gerade erst – parallel zu dieser Forschungsarbeit – ein ausführliches Katalog­Verzeichnis erarbeitet wurde. Zudem gibt es die von Lepsius gegründeten Missionsgesellschaf­ten seit rund einem halben Jahrhundert schon nicht mehr. Da Lepsius ein recht eigenständiger Denker war, der in kein theologisches und missiologisches Lager so recht hineinpasste, hat er auch keine direkten Nachfolger gehabt, die sein Erbe weitergeführt hätten. Außerdem hat Lep-sius sein Missionsdenken in keinem zusammen­hängenden Werk veröffentlicht. Vielmehr muss es aus seinen theologischen Werken und aus der Vielzahl seiner Artikel in Missionszeitschriften herausgearbeitet werden. Jedoch ist Johannes Lepsius von solch herausragender Bedeutung, dass sein Werk und sein Denken eine sorgfältige Untersuchung und systematische Interpretation verdient.

Andreas Baumann hat in seiner nun in Buch­form erschienenen Doktorarbeit diese Aufgabe gekonnt übernommen. Er erarbeitet darin erst­malig einen zusammenhängenden und vollstän­digen Überblick über Johannes Lepsius‘ Missio­logie, die er somit auch für Fragestellungen der Gegenwart fruchtbar macht. Als notwendiges Nebenprodukt hat er die bisher umfangreichste Biographie über Johannes Lepsius geschrieben (113 S.); denn Lepsius und seine Schriften kön­nen nur in ihrem Kontext recht verstanden werden. Baumann wendet deshalb gekonnt ei­nen literarhistorischen Ansatz auf die Quellen an, der es ihm ermöglicht sie in ihren Kontext eingebettet zu deuten und so auch Entwick­lungen im Denken von Johannes Lepsius im Laufe seines Lebens aufzuspüren. Es ist sinnvoll, dass die Untersuchung sich auf die Missiologie von Lepsius beschränkt, da kei­ner der vielen anderen Aspekte seines Lebens­werkes bisher in der Tiefe erforscht wurde – mit Ausnahme seines Einsatzes für die Armenier. Diese äußerst umfangreiche Aufgabe bleibt an­deren Studien vorbehalten. Baumann tut auch gut daran, dass er seine Studie nur auf die veröf­fentlichten Quellen von Lepsius beschränkt und nicht auf die unzähligen unveröffentlichten Ma­nuskripte, Notizen und Briefe ausdehnt. Auch sieht die Arbeit zu recht ab von dem Versuch einer erschöpfenden Analyse der vielfältigen Ursprünge, Wechselwirkungen und der Wir­kungsgeschichte von Lepsius‘ Theologe und Missiologie, was Aufgabe einer weiteren For­schungsarbeit von gleicher Größenordnung wäre. Die Primärliteratur und die relevante Se­kundärliteratur wurden – soweit feststellbar – vollständig ausgewertet, wobei die Biblio­graphie des Buches einen beeindruckenden Um­fang von 54 Seiten aufweist. Die einzelnen Kapitel des Buches beschäftigen sich mit Lepsius' Biographie, seiner Theologie (115 S.), seiner Missionsarbeit unter Muslimen (110 S.) und wichtigen missiologischen Einzel­fragen (101 S). All dies wird eingerahmt von einer Einleitung und einem Schlussteil (50 S.), der Johannes Lepsius‘ „Missiologisches Erbe“ herausarbeitet. Der entscheidende Forschungs­beitrag von Baumann ist dabei die Rekonstruk­tion der Missiologie von Johannes Lepsius, die er zunächst ausführlich untersucht und danach in 18 Thesen prägnant zusammenfasst. Dabei wird überzeugend die Eigenständigkeit von Lepsius herausgearbeitet und es wird deutlich, dass kein heutiges „missionstheologisches Lager“ ihn – etwa im Gegensatz zu anderen – gänzlich für sich beanspruchen kann. So finden sich bei­spielsweise sowohl wichtige Gemeinsamkeiten mit der gegenwärtigen deutschsprachigen evan-gelikalen Missionstheologie als auch markante Unterschiede.

Sorgfältig werden im Schlussteil des Buches noch beispielhaft einige der wichtigsten Aspekte der Missiologie von Johannes Lepsius in Be­ziehung gesetzt zur Fragestellung nach dem Verhältnis von Mission und gesellschaftlicher Verantwortung, wobei der Autor hierbei sein eigenes missiologisches Profil erkennen lässt. Es wird dabei deutlich, dass eine Beschäftigung mit Johannes Lepsius‘ Missiologie auch durchaus fruchtbar sein könnte für die heutige missio-logische Diskussion, wie etwa für den ökumenisch-evangelikalen Dialog über das rechte Missionsverständnis.

Dr. Christof Sauer, em 2008-3.

Baumann, Andreas. Die Apostelstraße. Eine außergewöhnliche Vision und ihre Verwirkli­chung. Brunnen Verlag: Giessen, 1999.

Andreas Baumann, Absolvent des Theologi­schen Seminars St. Chrischona und Prediger in Rheinfelden, hat sein missiologisches Studium in Korntal mit einer Forschungsarbeit über die berühmte „Apostelstraße“ abgeschlossen. Die vom Gründer der Pilgermission St. Chrischona, Christian Fr. Spittler (1782-1867), angeregte Straße sollte über eine Kette von 12 Missions­stationen von Jerusalem durch das Niltal in das Hochland von Äthiopien führen. Zwischen 1860 und 1875 wurden 5 Orte in Ägypten und im Sudan mit Handwerkermissionaren der Pil­germission besetzt. Schließlich scheiterte je­doch das Projekt u. a. an politischen und finan­ziellen Ursachen.

Die Apostelstraße wird immer wieder in der Missionsliteratur erwähnt und hat – bis heute – die Gründung von missionarischen Vorposten und Gemeinden an strategisch wichtigen Rou­ten angeregt. Es fehlte bisher aber eine gründ­liche Erforschung der Quellen, des historischen Umfeldes und der Wirkungsgeschichte der Apostel­straße. Deshalb konnte die „Apo­stel­stra­ße“ als romantische Idee Spittlers ein wenig belächelt werden. Das hat sich durch die Arbeit von An­dreas Baumann geändert. Es ist ihm zu danken, daß er das reichlich vorhan­dene Ar­chivmaterial sowie die Sekundärlite­ratur um­fassend gesich­tet und ausgewertet hat. Dadurch ist es nun möglich, die Apostelstraße mit kon­kreten Men­schen, ihren Erwartungen, Mühen und Enttäu­schungen zu verbinden. Da­durch wird auch das geistliche und missionari­sche Denken aller an der Apostelstraße Betei­ligten besser sichtbar.

Über „Tränensaat“ und „Freudenernte“ muß in der Missionsarbeit immer wieder nachge­dacht werden – gerade in unserer, sehr an der auf­weisbaren Leistung orientierten Zeit. Inso­fern ist A. Baumanns Arbeit nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Missionsgeschichte des 19. Jahr­hunderts, sondern auch die Beschrei­bung eines geistlich-missionarischen Ver­mächtnisses, dem viele Leser und Nachahmer zu wünschen sind.

Eberhard Troeger, em 1999-4.

Baumert, Manfred. Natürlich – über­na­tür­lich: Charismen entdecken und wei­ter­entwickeln. Frankfurt: Peter Lang, 2011.

„Mission geschieht in der Kraft des Heiligen Geistes“, formuliert die Ar­beits­gemeinschaft Evangelikaler Mis­sionen (AEM), und Gottes Geist „schenkt verschiedene Gaben für Dienst und Leben“. Diese Worte unterstreichen die zentrale Bedeutung des Heiligen Geistes in der Mission. Zudem haben wir heute eine Generation von jungen Mit­arbeitern, die hervorragend ausgebildet ist und voller Leidenschaft, jedoch auch tief verunsichert in unserer mega-op­tio­nalen Welt. Sie sehnen sich nach Ge­wissheit und erwarten eine gute Über­einstimmung von Gaben und Aufgaben. Darum kommt heute Persönlichkeits- und Gabentests eine besondere Be­deu­tung in der Auswahl von Mitarbeitern, Arbeitszuweisung und Begleitung zu.

Wie werden Charismen entdeckt und gefördert? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Dissertation von Manfred Bau­mert, Studienleiter am Theologischen Seminar Adelshofen, die jetzt als Buch vorliegt. Sie erforscht diese Thematik im deutschen, landeskirchlichen Kontext und spannt dabei einen weiten Bogen: Er beginnt mit einem kirchen­ge­schicht­lichen Überblick, wie Chrysostomos, Tho­mas von Aquin, Luther, Schleier­ma­cher, Max Weber, Rahner, Zinzendorf und Blumhardt die Gnadengaben ver­standen haben. Anschließend diskutiert Baumert die aktuellen systematisch-theo­logischen Fragen. Oft ergibt sich dabei ein Dreiklang von menschlicher Dis­position, verbunden mit dem unbe­greiflichen Wirken von Gottes Gnade (so­teriologisch) und dem Weltwirken von Gottes Geist, und seinem Wirken in der Gemeinde (112).

Es folgt eine exegetische Analyse der wesentlichen Bibelstellen (115-139), bevor Baumert die gängigen Gabentests von Christian Schwarz, Bill Hybels, Obenauer, Xpand/EC und APPLE (Frost & Hirsch) vorstellt und ihre Stärken und Schwächen untersucht. Alle Kurse emp­findet Baumert als pragmatische Kon­zepte, die auf gründliche Exegese wenig Wert legen. Gaben und Aufgaben ent­sprechen einander und Fehler in ihrem Gebrauch werden einkalkuliert (155). Am besten beurteilt er noch Oberauers Kurse (für Jugendliche und für Er­wachsene), weil sie relativ gut theo­lo­gisch arbeiten, auf deutsche Landes­kir­chen normiert (176) ist und Gemeinde­mitarbeiter im Fokus hat (171). Bei B. Hybels hebt er die Integration von Frucht und Gaben des Geistes, natürlichen In­teressen und Fähigkeiten mit dem Per­sönlichkeitsstil hervor (170); zudem nimmt hier die Motivation durch Liebe sowie der Wunsch, Gott zu verherrlichen und zum Bau der Gemeinde beizutragen, die zentrale Rolle ein (169).  Baumert diskutiert dann forschungstheoretische Aspekte (191-202) und entwickelt die Methodik für seine empirische Umfrage unter Pfarrer/innen der badischen Lan­des­kirche: ein Online-Fragebogen (202-228) mit qualitativen und quantitativen Items.

Bei den empirischen Ergebnissen (272-344) fällt auf, dass 77% der befragten Pfarrer/innen geistliche Gaben vor­wie­gend als Kombination von natürlichen Anlagen und Geistwirkung verstehen (281); 62% sind überzeugt, dass diese bereits bei der Geburt (62%) empfangen werden (285), nicht bei der Taufe. Sie sehen geistliche Gaben vor allem in Leitung (44%), Musik (33%), Ver­kün­digung (24%), Gebet (24%), Lehre (24%), Organisation (22%), Seelsorge (19%), Besuchsdienst (16%), hand­werk­lichen Fähigkeiten (16%), während die paulinischen Gaben Geister­unter­schei­dung (8%) und Prophetie (6%) nur sehr selten genannt wurden (295). Hier spiegelt sich der landeskirchliche Kon­text wider, der beachtliche Unsicherheit hinsichtlich des dritten Glaubensartikels aufweist.

Wie entdecken Gemeindeglieder ihre Gaben? Die badischen Pfarrer nannten vor allem (312): ein Gemeindebild, dass jeder Christ begabt sei (79%), mo­ti­vie­rende Gemeindeziele (74%), Lob und Ver­trauen in der Gemeinde (68%), gegenseitiges Ergänzen in den Aufgaben von Hauptamtlichen (63%), Einsetzen von Gemeindegliedern, wo Mitarbeiter fehlen (48%), Pfarrer geben Hilfe­stel­lung zum persönlichen Glauben (37%), Einüben von Gaben in Kleingruppen (34%), Reaktion auf Verkündigung (32%), Mitvollziehen geistlich-pastoraler Handlungen wie Segnen, Fürbitte (29%), Gebet um Gaben (23%), regelmäßige Einzelgespräche über Ämter und Auf­gaben (23%), während Lernen von cha­ris­matischen Personen (12%), Vorträge zu Geistesgaben (10%) und über­re­gionale Konferenzen (5%) nur selten ge­nannt wurden. Dabei verstehen sich Pfar­rer als Schlüsselperson, die das pro­zess­hafte Erlernen von Gaben an Ge­mein­de­aufgaben und Ausprobieren in der Ge­meinschaft vermitteln (294). In diesem Kon­text wachsen viele der neuen Mis­sionare heran!

Woran werden geistliche Gaben erkannt? Die Pfarrer nannten hier vor allem Prag­matisches (361): der Einzelne erlebt Freu­de bei Aufgaben (89%), geistliche Stärkung in der Gemeinschaft (71%), geistliche Veränderung (63%), Dienst­bereitschaft (62%), Bedürfnis zur Mit­arbeit (61%), Interesse an geistlicher Gemeinschaft (61%), Entwicklung der eigenen Identität (60%), Menschen kom­men zum Glauben (60%).

Die Studie belegt, dass Gabentests gegenwärtig noch relativ wenig (2-8%) verwendet werden (344) und mehr der Bestätigung erkannter Gaben dienen als dem Entdecken von neuen. Korre­la­tions­analysen decken weitere empirische Zusammenhänge auf im Hinblick auf Gebet, Gabenverständnis und Ge­meinde­typus (345-360). Die Online-Umfrage ist ergänzt durch Interviews mit Ge­mein­de­gliedern, die Baumert sorgfältig hin­sicht­lich Wortwahl, Syntax und Themen ana­ly­siert (313-328) und zu Profilen ver­dichtet (366-388). Dabei fällt auf, dass auch viele Gemeindemitarbeiter Schwie­rigkeiten haben, ihre Gaben zu er­kennen. Zum Vergleich dienen Inter­views mit Gemeindegliedern einer cha­ris­matisch-pentekostalen Gemeinde (365-375), bei denen Heilung, Prophetie, Glossolalie und Visionen eine zentrale Rolle spielen. Sie sehen eine enge Verbindung zwi­schen persönlicher Berufung und geist­licher Begabung (375) – oft in Bereichen früherer Defiziterfahrungen – jedoch keine zwischen Begabung und Per­sön­lichkeit. Trotz übernatürlicher Zu­wei­sung müssen diese eingeübt und durch Dritte bestätigt werden (377). Mitarbeiter mit unauffälligen Gaben stehen dabei im Hintergrund und benötigen eine ge­hor­same Haltung (375). Baumert fasst seine Ergebnisse in 46 Thesen zusammen, wie landeskirchliche Gemeinden geistliche Gaben in ihrer Mitte besser entdecken und zur Entfaltung bringen können (395-432). Es sind praktische Vorschläge, die in jeder Gemeinde umgesetzt werden können; dazu dient auch die umfassende Bibliographie.

Das vorliegende Buch überzeugt durch seine empirischen Ergebnisse. Die Kom­bination von Online-Umfrage mit quan­titativen und qualitativen (offene) Fragen plus Interviews von Pfarrern und Ge­mein­degliedern gewährt einen tiefen Ein­blick in das theologische Verständnis von Charismen und die Gemeindepraxis von badischen landeskirchlichen Ge­mein­den. Mit ihrer Kombination von ver­schiedenen Befragungstechniken, de­tail­lierter Diskussion der Forschungs­me­thodik (228-271) und komplexer Sprach­analyse setzt sie auch methodisch Maß­stäbe; sie stellt eine Fundgrube und In­spi­ration dar für jeden, der eine em­pi­ri­sche Studie plant. Die numerischen Er­gebnisse sind graphisch vielfältig (nicht immer konsistent) aufbereitet. Jedoch täu­schen die Nachkommastellen eine Präzision der Ergebnisse vor, die dem (be­grenzten) Umfang der Stichprobe (N=139) nicht entspricht, die bereits eine sta­tistische Unschärfe von ± 4-8% vor­gibt. Dem Genre Dissertation ist die theo­logische und soziologische Fach­spra­che, abstrakten Konzepte und kom­plexe Syntax geschuldet, die für Aka­demiker einen sprachlichen Genuss dar­stellen mögen, jedoch Lesefluss und Ver­stehen erschweren. Trotz dieser ge­rin­gen Einschränkungen bietet das Werk wertvolle Impulse für den mis­sio­narischen Gemeindeaufbau und für die Mitarbeiterführung in Missionswerken.

Detlef Blöcher, em 2012-3.

Beck, Hartmut (Hg.): Wege in die Welt. Rei­seberichte aus 250 Jahren Brüdermission. VELM: Erlangen, 1992.

Dieses Buch stellt eine Ergänzung zu Hartmut Becks Geschichte der Brüdermission mit dem Titel „Brüder in vielen Völkern“ dar. Rund 20 Texte geben bis zum Jahr 1916 Einblick in etwa 200 der 250 Jahre Mission der Herrnhuter Brüdergemeine. Allerdings wird hier nicht die Missionsarbeit selbst dargestellt, sondern die Reisen der Missionare in die Polarregion, die Karibik, nach Zentralasien, Indien und Grönland und die damit verbundenen erheb­lichen Schwierigkeiten. Schwere Unwetter, Schiffbruch, Krankheit, Verwicklung in Kriege und Gefangenschaft, feindselige Schiffs­mannschaften, Geldmangel und Hunger, Aus­geliefertsein aufgrund ihrer Rechts- und Schutzlosigkeit und vor allem Einsamkeit an­gesichts der gewaltigen Aufgabe der Pionier­mission kennzeichneten die oft monatelangen Reisen an die entlegenen Bestimmungsorte der ausgesandten Männer und Frauen. Daß alle Texte aus Tagebüchern und eigenhändigen Reiseberichten stammen, macht das Buch zu einem eindrücklichen Zeitzeugnis.

Christine Schirrmacher, em 1995-1.

Beck, Hartmut. Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine. Verlag der Evg.-Luth. Mission, Erlangen 1981.

Herrnhut, das ist die Mutter der deutschen evangelischen Missionen. (Die noch ältere dänisch-hallesche Mission gibt es ja schon lange nicht mehr). Nicht nur, daß Herrnhut die älteste Mission ist, es hat auch für die Entstehung der großen Missionen (wie Ba­sel, Berlin oder Leipzig) wichtige Vorarbei­ten geleistet. Interessant ist auch die Struk­tur der Herrnhuter Brüdergemeine als ei­ner „volkskirchlichen Freikirche“, bei der fast von Anfang an Weltmission wichtiges Grundelement des Auftrags der Kirche war.


Das hatte zur Folge, daß heute der weitaus größte Teil der Moraven in den „Missions­gebieten“ lebt. Außerdem ist die Brüder-Unitat eine der wenigen internationalen evangelischen Kirchen.

Hartmut Beck, Missionarskind (geboren in Surinam), Missionar (in Tansania) und Pfarrer einer Brüdergemeine (in Hamburg) hat zum 250jährigen Jubiläum der Herrnhu­ter Missionsarbeit ein bedeutendes und gut lesbares Buch veröffentlicht, das das bis­herige, von Karl Müller und Adolf Schulze zum 200jährigen Jubiläum erschienene Buch ablöst.

Das Buch ist auch interessant für den, der sich mit Fragen der Gemeindestruktur und ihren Veränderungen beschäftigen will. Ge­schickt ist auch seine Darstellung der Ver­flechtungen zwischen Mission, Kolonialis­mus, Sklaverei, Sklavenbefreiung, Handel und Predigt. Weil er die historischen De­tails kennt, vermeidet er Generalisierungen. Er zeigt, wie sowohl die Identifikation mit den Opfern des Kolonialismus als auch Ge­horsam gegenüber der Obrigkeit (in jeweils unterschiedlicher Mischung) geistliche Rea­litäten waren (lesen Sie einmal auf S. 248/9 die Geschichte von der Nichteroberung Silos).

Klaus Fiedler, em 1985-2

Becken, Hans-Jürgen. Wo der Glaube noch jung ist: Afrikanische Unabhängige Kir­chen in Süd-Afrika. Erlangen, 1985.

Das Buch ist eine wesentliche Bereicherung der immer noch spärlichen deutschen Lite­ratur über die Afrikanischen Unabhängigen Kirchen (AUK), die immerhin mit 33 Mil­lionen Anhängern gut 15% der afrikani­schen Christenheit ausmachen.

Das Bestechende an diesem Buch ist es, daß die Vertreter der AUK selbst ausführlich zu Wort kommen. Das kann nur jemand präsentieren, der wie Becken seit 1951 in Afrika tätig ist und seit 1965, also seit zwanzig Jahren, eng mit diesen Kirchen zusammenlebt. Allein als solche erzähle­risch beschreibende Darstellung der AUK in Selbstzeugnissen ist es ein gelungenes Werk, das eine würdige Weiterführung und Aktualisierung der Arbeit Bengt Sundklers („Bantupropheten in Südafrika“, 1964) ist.

Becken will aber mehr als nur darstellen. Er möchte die AUK als ebenbürtigen Part­ner im ökumenischen Gespräch vorstellen, der einen substantiellen Beitrag zur afrika­nischen Theologie und zur Mission in Afri­ka liefern kann. Für ihn sind diese von den Missionskirchen unabhängig gewachsenen Gemeinschaften eine authentische „afrika­nische Antwort auf die christliche Bot­schaft“ (S.11), eine „missionarische Bewe­gung“ (S. 274) der weltweiten Kirche Jesu Christi.

Sehr überzeugend wird das Besondere am Beitrag des AUK-Christentums herausge­stellt: das ganzheitliche Heilsverständnis (in der Zusammenschau von Seelenrettung und körperlicher Heilung), die Bedeutung der prophetischen Heiler als begeisternde Vorbilder und die missionarische Wirkung der Gemeinschaft der „geheilten Heiler“, die sich durch Fürbitte (in Heilungsgottes­diensten) und durch Fürsorge (in Heilungs­heimen) um das Leid des Nächsten küm­mert.

Ausführlich wird die vielfältige Verwendung von Symbolen beschrieben (z.B. Asche, Wasser, Berge, Fahnen, Kerzen), und die Theologie des Liedgutes eines AUK wird exemplarisch herausgearbeitet.

Die Schlußkapitel geraten zu einem dringen­den Appell an die westlichen und afrikani­schen Missionskirchen, in den Dialog mit den AUK einzutreten und sie als gleichgesinnte Missionspartner für Afrika anzu­sehen. Denn es wäre zu den nun über 6000 AUK in Afrika nicht gekommen, wenn es nicht die Missionskirchen gegeben hätte, von denen sich die ersten abgespalten hat­ten (seit 1819), deren Führer aber viel von ihren Mutterkirchen mit herübergenommen haben und die auch nur dort Kirche bauen konnten, wo ihnen die Bibel in ihrer Mutter­sprache zur Verfügung stand.

Der theologisch Interessierte vermißt viel­leicht ein gründlicheres Eingehen auf die Synkretismus-Problematik. Ekklesiologische Bedenken erheben sich bei der von Becken so euphorisch geschilderten Massenbewe­gung des Cancele-Kultes, den er als gelun­gene Weiterführung der AUK im Sinne einer das ganze Volk erfassenden Kirche versteht. Fasziniert hier nicht das Ideal der Volks­nähe (,,Volkskirche“) mehr als das biblische Ziel der Christusnähe?

„Wo der Glaube noch jung ist“ ‑ ein mar­kanter Meilenstein zur Orientierung auf dem verschlungenen Pfad der Begegnung mit den unabhängigen Kirchen in Afrika.

Detlef Kapteina, em 1986-4.

Becker, Dieter. Die Kirchen und der Panca­sila-Staat: Indonesische Christen zwischen Konsens und Konflikt. Missionswissenschaft­liche Forschungen NF 1. Verlag der Ev.-Luth. Mission: Erlangen, 1996.

Auch wenn die Lage der Kirche Jesu in kei­nen zwei Ländern der Erde wirklich gleich ist, gibt es kaum ein Land der Erde, in dem die Kirche auf eine so einmalige Situation stößt, wie in Indonesien. Das Land ist isla­misch und doch ist der Islam nicht Staatsreligion. Als m. W. einziger Staat der Erde macht Indonesien we­der eine bestimmte Religion zur Staatsreli­gion, noch ist er religiös indifferent, sondern erhebt den Glauben an einen Gott zu einem der staats­tragenden Säulen der Staatsphilosophie, der ‘Pancasila’. (Vgl. meine Beiträge „Religion ist Pflicht in Indonesien“ Idea-spektrum 56/57/1981 vom 21.10.81 und „Javanische My­stik“. Factum 10/1987: 3-6). Dieter Becker stellt in seiner Hei­delberger Habilitationschrift von 1993 die Ge­schichte und Gegenwart der protestanti­schen Missionen und Kirchen in Indonesien dar, wo­bei der Schwerpunkt bei den älteren Kirchen liegt. Bedauerlich ist, daß Becker praktisch nur die im Nationalen Kirchenrat zu­sammengefaß­ten Kirchen berücksichtigt und die außerhalb stehenden und meist auch jünge­ren Kirchen, die aus der indonesischen Erwec­kung entstan­den sind, nur am Rande erwähnt (z. B. S. 260-261 die Einschätzung „charismatischer“ Grup­pierungen).

Dabei geht es Becker aber nicht um die Mis­sionsgeschichte an sich, sondern um ihr Ver­hältnis zur politischen Ordnung des Landes in der Kolonialzeit, der ersten Phase der Unab­hängigkeit unter Präsident Su­karno bis 1965 und der gegenwärtigen Struktur seit 1966 unter Präsident Suharto. Der Leser bekommt dabei auch einen ausgezeichneten Überblick über die politische Geschichte Indonesiens bis Mitte der 80er Jahre. Die Reaktionen der protestanti­schen Kirchen auf die politischen Gegebenhei­ten erhebt Becker minutiös aus einer Großzahl von Quellen und aus sei­ner vor Ort gesammel­ten Einsichten. Ich kenne derzeit kein Buch, das Mis­sionaren oder Missionsgesellschaften einen besseren Einblick in die ‘Pancasila’ und in das ungewöhnliche Verhältnis von Religion und Politik in Indonesien und die Reaktionen der christlichen Kirchen darauf gibt.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-1.

Bediako, Kwame. Theology and Identity. The Impact of Culture upon Christian Thought in the Second Century and in Mo­dern Africa. Oxford: Regnum Books, 1992.

Ist es möglich, als Afrikaner seine eigene Kul­tur, Tradition und religiöse Vergangenheit voll zu bejahen und zugleich überzeugter Christ zu sein? Lassen sich Afrikanersein und Christsein miteinander verbinden, oder gilt, wie der re­nomierte presbyterianische Theologe Bediako aus Ghana nachdrücklich in Kap. 6 beschreibt, auch heute noch wie vielfach bis zur Mitte die­ses Jahrhunderts alles Afrikanische als heid­nisch und damit als unwertvoll, unwichtig, ab­zulehnend? Demgegenüber betont Vf.: „Ohne Erinnerung (an das Alte) haben wir keine Ver­gangenheit, und ohne Vergangenheit haben wir unsere eigene Identität verloren, denn die Ver­gangenheit ist auch unsere Gegenwart.“ (237) Die missionarische Verkündigung trifft in Afrika weder auf eine religiöse und kulturelle tabula rasa noch bringt das Evangelium nur et­was ganz Anderes, das zur afrikanischen Tra­dition in keinerlei Beziehung steht, wie es noch Byang Kato (vgl. Kap. 10) in den siebzi­ger Jahren sah. Vielmehr geht es um das rechte Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität von afrikanischer Tradition und christlichem Glauben. Nur in einem ausgewogenen Verhält­nis von beidem, Kontinuität und Diskontinui­tät, kann sich eine eigene afrikanische christli­che Identität entwickeln. Dieser Fragestellung widmet sich Bediako in seiner bereits im Juli 1983 in Aberdeen eingereichten Dissertaion.

Die Fragestellung ist nicht neu. Bereits die Apologeten im zweiten nachchristlichen Jahr­hundert hatten sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb geht Vf. zunächst auf vier Vertreter von ihnen ein (Tatian, Tertulian, Justin und Clemens von Alexandria), um aufzuzeigen, wie sie sich zu ihrer Zeit mit der hellenistischen Religion und Philosophie auseinandergesetzt haben und im Kontext dieser kulturellen Gege­benheiten das Evangelium verständlich machen wollten. Vf. stellt die missionarische Intention der Apologeten stark heraus und behandelt ihre Theologie also bewußt unter missiologischen Gesichtspunkten. Nicht eine radikale Verur­teilung des Hellenismus (so höchstens Tertu­lian), sondern eine bewußte kritische Ausein­dersetzung mit ihm und eine positive Auf­nahme partieller Wahrheiten unter Wahrung biblischer Maßstäbe prägte ihre Arbeit.

Ähnlich untersucht Vf. dann vier treffend ausgewählte afrikanische Theologen der Ge­genwart, die sich in Bezug auf ihren Kontext der gleichen Problematik stellen, mit dem Un­terschied, daß sie zugleich gegen das Vorurteil ankämpfen mußten, daß der afrikanische Hin­tergrund anders als der Hellenismus minder­wertig, ungebildet und rückständig sei.

Während der nigerianische Methodist Bolaji Idowu die „Kontinuität Gottes in der afrikani­schen religiösen Erfahrung“ (293) und Offen­barung Gottes auch in der afrikanischer Reli­gi­on in den Mittelpunkt stellt, geht es dem ke­ni­a­ni­schen Anglikaner John Mbiti darum, afri­ka­ni­sche Religiosität und Tradition als praepara­tio evangelica hervorzuheben. Mulago gwa Ci­ka­la als katholischer und frankophoner Vertre­ter aus dem Zaire betont die Partizipa­tion am Le­ben und an der Gemeinschaft als Konti­nu­um. Nur der evangelikale Byang Kato aus Ni­ge­ria lehnt jegliche Relevanz afrikani­scher Tra­di­tion für den christlichen Glauben ab, eine Po­si­tion, die auch in der evangelikalen Mis­sio­lo­gie zum Glück als überwunden gelten kann.

Wie der (hellenistische) „unbekannte Gott“ der Athener schließlich als der Eine Gott, all­mächtige Vater und Schöpfer aller Dinge be­stätigt wurde (429), muß es auch in Afrika zu einer „Synthese zwischen christlicher religiöser Verpflichtung (commitment) und kultureller Kontinuität“ (432) kommen, die keineswegs einen theologischen Synkretismus impliziert. Afrika lebt ebenso wie die alte Kirche schon seit langem im Kontext religiösen Pluralismus. Deshalb gibt es andere Antworten als das westliche Christentum, das sich diesem Phä­nomen erst langsam nähert (432ff). Bediakos Buch ist eine anregende, nach-denkenswerte, nicht immer bequeme Lektüre, die wichtige Perspektiven eröffnet. Alle, die an Theologie, Mission und Kirche in Afrika inter­essiert sind, sollten daran nicht vorübergehen.

Dr. Johannes Triebel, em 1996-2.

Bellers, Jürgen und Markus Porsche-Ludwig. Christenverfolgung in isla­mi­schen Ländern (LIT aktuell Bd. 3), Berlin: LIT-Verlag, 2011.

Auf die Verfolgung von Christen in is­la­mischen Ländern aufmerksam zu ma­chen, ist ein dringendes und gutes An­liegen. Wenn das jedoch auf ungute und unsachliche Weise geschieht, entsteht mehr Schaden als Nutzen. Leider ist dies in dem vorliegenden Buch weithin der Fall, so dass es für eine hilfreiche Aus­ein­andersetzung mit dem Thema nicht em­pfohlen werden kann.

Zu den Autoren: Dass Kardinal Karl Leh­mann seinen treffenden und sach­lichen Vortrag „Lage der christlichen Minderheiten in der Welt“, den er im Jahr 2008 vor der Konrad-Adenauer-Stif­tung hielt, zum Abdruck als erstem Kapitel dieses Sammelbandes (S. 3-7) frei­gab, kann ich mir nur daraus er­klä­ren, dass er wohl den Rest des Buches nicht kannte. Jürgen Bellers, Professor für Internationale Politik an der Uni­versität Siegen, steuert einen kurzen Beitrag (Kapitel 5, S. 101-110) zu „Chris­tenverfolgungen in Nordafrika“ bei, der Hintergrundinformationen liefert und beispielhaft einige Länder (Ägypten, Nigeria, Mauretanien) schildert. Bei dem durchaus sachlichen Aufsatz, war ich nur über für einige auffällige Schwä­chen im Schreibstil überrascht (vgl. S. 105: „Das Problem, warum die islamischen Mörder sich überhaupt zusammenfinden, liegt einerseits an charakterlichen Schwä­chen (es sind halt Mörder), aber auch an gewissen Sympathien eines wei­teren Kreises ihrer sozialen Umwelt, die allerdings auch immer noch nur eine Minderheit ist.“)

Markus Ludwig-Porsche, Professor für Politikwissenschaft in Taiwan, ist Autor von Kapitel 6 („Christenverfolgung von Saudi-Arabien bis Indien“, S. 111-127) und Kapitel 7 („Christenverfolgung in Südostasien und China“, S. 129-145). Neben interessanten Bemerkungen etwa zur Kulturgeschichte des arabischen Raums, verblüfft auch bei Ludwig-Pors­che, dass er manchmal floskelhaft und ver­allgemeinernd formuliert: „Der ara­bische Raum ist – mit wenigen Aus­nahmen (Zweistromland, Libanon) – durch Wüste gekennzeichnet. Insofern konnten sich im Nahen Osten nur we­ni­ge Kulturzentren herausbilden“ (S. 111). Zählt er Ägypten nicht zur ara­bi­schen Welt? Falls er vom arabischen Kernland ausgeht, würde wiederum Me­so­potamien nicht dazugehören. Zu fragen ist auch, warum in einem Buch über islamische Länder auch In­dien und China recht ausführlich ge­schildert werden.

Meine Hauptkritik richtet sich aber gegen die drei vom Publizisten Michael Mann­heimer verfassten Kapitel (S. 9-100). Nach Umfang und Stoßrichtung bil­den sie den eigentlichen Hauptteil des Buches. Natürlich muss auf Gefahren durch den Islam, auf seine antichristliche Stoßrichtung und auf konkrete Beispiele von Christenverfolgung hingewiesen wer­den. Da wird man bei Mannheimer durch­aus fündig. Die Aussagen des Pub­lizisten, die ich nachprüfen kann (und das betrifft vor allem die Türkei), er­wecken in mir jedoch den Eindruck: Hier sammelt einer alles Grausame zu­sam­men, was er über den Islam finden kann und selektiert dabei nicht nach der Glaub­würdigkeit der Quellen, sondern nach dem Grad der Grausamkeit. Er hat kein wirkliches Interesse an mühevoller Recherche, sondern will einfach so wir­kungsvoll wie möglich, Deutsche gegen den Islam mobilisieren.

Ein paar Belege für mein Urteil: Zu den Malatya-Morden von 2007 (zu den Op­fern gehörte auch mein Schwager) prä­sen­tiert Mannheimer auf S. 74-75 ein „Pro­tokoll der Malatya-Morde“, das ein vor­schneller Christ auf Grund von Zei­tungs­berichten ein paar Tage nach den Morden versandte. Die Morde waren bru­tal genug; aber viele Einzelheiten im „Protokoll“ sind vollkommen unzu­tref­fend und längst vielfach korrigiert (z.B. S. 74: „Finger wurden ihnen abgehackt, Nase, Mund und After aufgeschlitzt“). S. 92 wird in der Überschrift behauptet „Alle drei Minuten wird ein Christ we­gen Seines Glaubens in den Ländern des Is­lam getötet“ (S. 92). Im folgenden Text wird allerdings klar, dass sich die „drei Mi­nuten“ von der Erklärung eines Evan­gelikalen ableiten, dass in 2003 weltweit (also nicht nur in islamischen Ländern) 170.000 Christen starben, weil sie Chris­ten waren. Mannheimers Aussage „Auch in der Gegenwart werden Chris­ten in der Türkei systematisch verfolgt“ (S. 81) kann so nur stehenbleiben, wenn man sauber unterscheidet, welchen An­teil der Staat, welchen Anteil die Ge­sellschaft und bestimmte politische Grup­pen am tatsächlichen Druck auf Christen in der Türkei haben. Das tut Mannheimer nicht.

Bezeichnend für den Stil Mannheimers ist, wie er zu Beginn seiner Schluss­be­merkung, aber eben doch fast am Ende (!) des ausführlichen Kapitels 3 über „Terror­monat Ramadan“ (S. 39-68) plötzlich bemerkt: „Um jedes Missver­ständ­nis bereits im Vor­feld aus­zu­räu­men: Selbstverständlich wird der Rama­dan von der Mehrzahl der Muslime friedlich begangen“ (S. 60). Eine Haupt­these Mannheimers ist „Der Terror ge­gen „Ungläubige“ kommt aus dem Her­zen des Islam“ (S. 93). Für Aufrufe zur Gewalt lassen sich natürlich tat­sächlich zahlreiche Belege in Koran und Sunna finden. Zum einen lässt hier Mann­heimer aber keine abweichenden Mei­nungen im Islam (die es auch gibt) zu Wort kom­men. Zum anderen fordert er gleichsam (S. 63-65) von „moderaten Mus­limen“, sich eindeutig vom Islam zu dis­tan­zieren, um glaubwürdig zu sein. Da­mit stellt er jeden Muslim etwa in Deutsch­land unter einen General­ver­dacht, und das halte ich für äußerst ge­fährlich.

Dass es Christenverfolgung in der isla­mischen Welt gibt, habe ich in der Tür­kei hautnah selbst erlebt. Ich hoffe, viele werden schreiben und berichten über Gewalt und Unrecht gegen Christen im islamischen Umfeld; aber bitte: So nicht!

Wolfgang Häde, em 2011-4.

Beom-Seong Lee. Die politische Leis­tung der „evangelikalen“ Kirchen­füh­rer in Korea: Der Beitrag der korea­nischen Kirche zum nationalen Wie­der­vereinigungsgedanken vor dem Hin­ter­grund der Erfahrung aus der japa­nischen Besatzungszeit von 1910-1945 (Die protestantische Kirchen­ge­schichte in Korea von 1832 bis 1945). afem-academics 12, Nürnberg: VTR, 2003.

Die vorliegende Arbeit wurde unter Begleitung von G. Besier / J. Thierfelder als Dissertation an der Theologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verfasst und angenommen. Sie beschreibt und bewertet Entwick­lun­gen der protestantischen Missions- und Kirchengeschichte Koreas zwischen 1910 und 1945 unter dem Gesichtspunkt ihrer Funktion im politischen Widerstand gegen die japanische Besatzungsmacht. Der Verfasser, inzwischen Professor für Missionswissenschaft an der Graduate School of Practical Theology, Seoul, und Leiter eines Forschungsprojekts zur Wie­der­vereinigung von Süd- und Nord­korea, [Vgl. „Wiedervereinigung nach dem Gesichtspunkt der sozialen Integration“, Berliner Missionswerk, Korea-Info 14/2009, www.berlinermissionswerk.de/uploads/media/Korea_Info_14_2009.pdf.] gibt zunächst einen Überblick über die gesamte koreanische Missions­geschichte (inklusive eines interessanten religionsgeschichtlichen Vorspanns) und legt dabei besonderen Wert darauf, zu zeigen, dass die Ursprünge der korea­ni­schen Kirchen in der evangelikalen Er­weckungsfrömmigkeit (Bibel­zentris­mus, persönliche Bekehrung, Zeugnis, Welt­mission, presbyterianische amerika­ni­sche Korea-Mission 1884-1910) lie­gen. Den „koreanischen Kirchenkampf“ ge­gen die japanische Besatzungsmacht bis zur Befreiung durch die Allierten (USA/ Russland) und der Teilung Koreas be­schreibt Beom-Seong in drei Schritten: zunächst als Kampf um die Freiheit der Nation (angesichts der politischen Be­drohung), dann als Kampf um die Iden­tität der Kirche (angesichts der geist­lichen Bedrohung des erzwungenen Syn­kretismus mit japanisch geprägter Re­ligion) und schließlich als Kampf ums Überleben der Kirche (angesichts der existentiellen Bedrohung in der Schluss­phase der Besatzungszeit).

Anhand der historischen Darstellung ent­wickelt und begründet der Autor seine zentrale These, dass der politische Wi­der­stand während der japanischen Be­satzungszeit vor allem von der evan­ge­likalen Frömmigkeit der Christen und nicht von politischen oder philoso­phi­schen Motiven inspiriert gewesen sei (S. 223): „Das Beharren der Kirchenführer auf der 'evangelikalen Idee' bildetet die Kraftquelle dieser Bewegung“ (S. 303). Der so (evangelikal) motivierte Wider­stand gipfelte in der Verweigerung des japanischen shintoistischen Jinja-Kultes, den die japanische Kolonialregierung an­geordnet hatte. So habe sich ein evange­li­kal-nationaler Gedanke entwickelt, oh­ne nationalistisch zu werden.

Im Verhältnis zur historischen Dar­stel­lung der Zeit zwischen 1910 und 1945 fällt die Diskussion des Beitrags zum Wie­dervereinigungsgedanken Ko­reas eher knapp aus. Es wird lediglich öfters darauf hingewiesen, dass die Dar­le­gun­gen auch für das heutige Pro­blem der Wiedervereinigung Koreas relevant seien (S. 306). Ebenso wird nicht – wie im Titel angedeutet – „die korea­nische Kir­che“ insgesamt in den Blick ge­nom­men, sondern die pres­byterianische als älteste und größte Kirche Koreas (S. 4), andere evan­gelikale Kirchen in Korea werden nicht näher thematisiert. Etwas unklar bleibt auch die Kategorie der „Evan­gelikalen“ in den koreanischen pres­byterianischen Kirchen (S. 304/305). Es wird zwar be­schrieben, dass es eher liberale (dem ÖRK nahe stehende) und eher kon­servative (der Evangelischen Allianz nahe stehende) Zweige gebe, aber sie werden dennoch alle letztlich als „evan­gelikal“ bezeichnet, womit evange­likal und presbyterianisch zum Synonym würden.

Im Vorwort schreibt der Autor, dass sei­ne Arbeit zuerst dazu dienen solle, „den verschiedenen presbyterianischen Kir­chen in Korea ... eine Grundlage theo­logischen Nachdenkens im Hinblick auf die Frage der nationalen Wieder­ver­eini­gung zugänglich zu machen“ (S. 2). Die­  ses Ziel hat das Buch sicherlich erreicht, wobei offen bleiben muss, in­wieweit die deutschsprachige Veröffent­lichung in Ko­rea selbst zur Kenntnis genommen wor­den ist. Beom Songs Buch stellt ei­nen wichtigen und lesens­werten deutsch­sprachigen Beitrag zur Missions- und Kir­chengeschichte Koreas dar und ist von Interesse für jeden, der sich mit den Zusammenhängen ost­asia­tischer Kir­chen- und Missionsgeschichte im Hori­zont weltpolitischer Ereignisse und der Frage des politischen Auftrags mis­sio­narischer Kirche in interreligiösen Kon­texten kritisch auseinandersetzen will.

Dr. Friedemann Walldorf , em 2011-2.

Bergunder, Michael; Jörg Haustein (Hg.). Migration und Identität. Pfingstlich-charis­matische Migrationsgemeinden in Deutsch­land. Beiheft der Zeitschrift für Mission Nr. 8, Frankfurt: Lembeck, 2006.

Dieser Band enthält die Beiträge der Fachtagung „Migration und Identität. Pfingstlich-charisma­tische Gemeinden fremder Sprache und Her­kunft in Deutschland", die in Heidelberg im Juni 2004 stattfand. Er gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil bietet mit zwei Artikeln einen Überblick zur Thematik des Buches. Claudia Währisch-Oblau stellt „Die Spezifik pentekos­tal-charismatischer Migrationsgemeinden in Deutschland und ihr Verhältnis zu den >etablierten< Kirchen“ (S.10-38) überzeugend und leser­freundlich geschrieben dar. Ausgehend von ei­nem empirischen Überblick über die pentekos­tal-charismatischen Migrationsgemeinden im Rheinland und in Westfalen wird eine Taxono-mie erarbeitet, ihre Charakteristika dargestellt, das Verhältnis untereinander und zu den deut­schen Kirchen beschrieben. Der zweite Über­blicksartikel von Cornelis van der Laan über „Nicht-westliche pfingstliche Migrationskirchen in den Niederlanden“ (S.40-59) kann den An­spruch des gewählten Titels und auch den des Buches nicht einlösen. Denn van der Laan gibt einen – durchaus interessanten – Überblick über die niederländische Migrationspolitik, die Si­tuation der Migrationsgemeinden und ihr Ver­hältnis zur niederländischen Gesellschaft. Aber die dem Leser angekündigte Zuspitzung auf die pfingstlich-charismatischen Kirchen fehlt voll­ständig.

Im zweiten Teil des Buches werden Fallstudien präsentiert. Der Artikel von Afe Adogame „Din­ge auf Erden um Himmels Willen tun. Aushand­lungsprozesse pfingstlicher Identität und die afrikanische religiöse Diaspora in Deutschland“ (S.60-82) basiert auf der Analyse einer Kirche, die von zwei afrikanischen Einwanderern in Deutschland gegründete wurde. Auf einem ho­hen abstrakten Sprachniveau wird aufgezeigt, wie komplex die Identitätsfindung und die theo­logischen Wandlungsprozesse des Einzelnen und der untersuchten Diaspora-Kirchen sind. Die sich daran anschließende Fallstudie „>War­tendes Israel und Israel am Ziel< Leid und Wunder von Pfingstgemeinden afrikanischer Migranten in Deutschland“ (S.83-106) von Evangelos Karagiannis ist von besonderem Inte­resse. Er schildert die sehr unterschiedlichen sozioökonomischen Rahmenbedingungen von zwei Pfingstgemeinden in einer ostdeutschen Stadt und setzt sie in Bezug zu ihren ebenfalls sehr unterschiedlichen theologischen Schwer­punktsetzungen. Auch wenn der Rezensent das Fazit: „Was die Predigt der Pastoren vor allem reflektiert, ist die Ressourcenausstattung ihrer Kirche, deren Konsolidierungsgrad als Orga­nisation, das Spektrum ihrer Möglichkeiten“ für überzogen hält: Die Varianz pfingstlicher Theo­logie wird exemplarisch deutlich. Das macht die Studie so interessant.

Jörg Haustein geht der „Pfingstbewegung und Identität im Kontext äthiopischer Migranten in Deutschland“ (S.107-126) nach. Dazu infor­miert er in der ersten Hälfte seines Beitrages über die pfingstlich-charismatischen Bewegun­gen in Äthiopien, um dann die Situation, Iden­tität und Theologie der äthiopischen pfingst-lichen Christen in Deutschland zu schildern. Werner Kahl – Studienleiter an der Missions­akademie in Hamburg – untersucht in seiner Fallstudie „Zur Bibelhermeneutik pfingstlich-charismatischer Gemeinden aus Westafrika in Deutschland“ die Art und Weise, wie in Ghana die Bibel gelesen wird. Dazu hat er in Ghana präferierte biblische Passagen quantitativ empi­risch erhoben. Der besondere Wert seines Bei­trages ist, dass hier einer der zentralen Punkte charismatisch-pfingstlicher Identität und Theo­logie angesprochen wird. Wie sich langfristig der ökumenisch-pfingstliche Dialog weiterent­wickeln wird, hängt zweifelsohne auch davon ab, ob bei dieser Frage nach einer angemessenen Bibelhermeneutik gemeinsame Verständigung möglich sein wird.

Der dritte Teil des Buches ist der religionswis­senschaftlichen und theologischen Reflexion ge­widmet. Michael Bergunder gibt einen kennt­nisreichen Überblick über die „Pfingstbewegung, Globalisierung und Migration“ (S.155-170) im weltweiten Kontext. Allan Anderson, bekannt als herausragender Kenner der Pfingstbewegung der Universität Birmingham, geht leider kaum und auch nur sehr allgemein auf das Thema seines Artikels „Was europäische Christen von afrikanischen Pfingstlern lernen können“ (S.170-189) ein. Stattdessen gibt er einen fundierten Einblick in die afrikanisch-pfingstliche Kirchengeschichte und geht auf die Identität und Pluralität der Pfingstbewegung ein. Der Abschluss ist einem der großen – und wohl von allen Pfingstlern ge­liebten – Theologen der Pfingstbewegung vor­behalten: Walter J. Hollenweger. Ausgehend von der Frage „Was ist charismatische Theo­logie? Oder: Was muss sich ändern?“ (S.190-206) möchte er kritische Theologie und Spiri­tualität versöhnen. „Die Trennung zwischen ge-lebter Spiritualität und kritischer Theologie ist ein Verlust für die Universität. Deswegen ist die Präsenz dieser Immigrationskirchen in unseren Universitäten und in unserer Gesellschaft wich­tig“.

Trotz der offensichtlichen Schwierigkeit einzel­ner Autoren, das gestellte Thema zu fokussieren, ist der Band empfehlenswert. Denn diese The­matik wendet sich einem in der deutschen theo­logischen und missionswissenschaftlichen Dis­kussion weitgehend vernachlässigten Thema zu. Und die Gründung des interdisziplinären Ar­beitskreises „Pfingstbewegung“ an dieser Ta­gung zeigt, dass der Prozess der Erforschung der charismatisch-pfingstlichen Bewegung weltweit und in Deutschland weitergehen wird.

Dr. Andreas Kusch, em 2008-1.

Berneburg, Erhard. Das Verhältnis von Ver­kündigung und sozialer Aktion in der evan­gelikalen Missionstheorie. TVG. R. Brock­haus: Wuppertal, 1997.

Diese von Prof. Beyerhaus betreute Tübinger Dissertation zeichnet minutiös und zuverlässig die Entwicklung des Titelthemas in der evan­gelikalen Welt seit etwa 1960 bis 1990 nach. Dabei dienen vor allem evangelikale Großkonferen­zen, etwa die Lausanner Kon­gresse und Kon­sultationen, als Ausgangspunkt. Der Einfluß der Eschatologie auf die Sicht der sozialen Aktion wird zu Recht beson­ders be­rücksichtigt (z. B. S.18+35-36+157-160+301-316), wobei die Position des Autors kaum durchschimmert. Der Autor warnt sowohl vor einer Evangelisationstheorie, die aus - meist
eschatologischen - Gründen gegen jede soziale Aktivitäten ist, als auch vor einer Gleichord­nung von Evangelisation und sozialer Verant­wortung. Er unterscheidet aber deutlich zwi­schen einer primären sozialen Verantwor­tung dem einzelnen gegenüber und der sekun­dären sozialen Verantwortung im Sinne von Verän­derung von Strukturen. Diese Unterschei­dung wird in den evangelikalen Dokumen­ten zu we­nig berücksichtigt. Als Kernpro­blem der Evan­gelikalen sieht er – m. E. sehr zutreffend – mit Klaus Bockmühl das Fehlen einer evangelika­len Sozialethik (S.257 u. ö.) und das Ver­nachlässigen der Schöpfungsethik (bes. S.267ff+275ff).

Thomas Schirrmacher, em 1998-3.

Bevans, Stephen B. Models of Contextual Theology. Maryknoll/N.Y.: Orbis 1992.

Bevans schöpft aus seiner 7jährigen Erfahrung auf den Philippinen. Er ist Professor für histo­rische und dogmatische Studien am Catholic Theological Union Seminary in Chicago/Illi­nois. In seinem Buch baut er seinen gleichlau­tenden Artikel aus Missiology: An Internatio­nal Review 13 (1985) aus. Modelle ver­steht er als vereinfachende und verdeutlichende Re­konstruktionsversuche der Wirklichkeit. Sie beschreiben die Realität „da draußen“ nicht vollständig, aber bilden sie durchaus wirklich­keitskongruent ab. Er faßt die von ihm be­schriebenen Modelle als deskriptiv bzw. kom­plementär auf, d. h. sie sind für ihn nicht exklu­siv, wie bei Hesselgrave und Rommen in ihrem Buch Contextualization: Meaning, Methods, and Models (S.157), sondern sie ergänzen ein­ander.

Vom Übersetzungsmo­dell, das sich am stärksten an der Bibel bzw. der Tradition ori­entiert, geht die Beschreibung der Modelle über das synthetische Modell und das Praxis-Modell zum am radikalsten an Kultur und Kulturveränderung interessierten anthropologi­schen Modell. Das Transzen­denzmodell steht gewissermaßen über allen, da es nicht vom zu formulierenden Inhalt, sondern vom formulie­renden Subjekt ausgeht, das ver­sucht, seinen Glauben auf authentische Art auszudrücken. knappe und präzise Be­schreibung der Modelle läßt sich durch den klaren Aufbau (Terminologie - Beschreibung der Vorausset­zungen - Kritik) gut nachvollzie­hen. Jedes der Modelle wird durch das Beispiel eines Theolo­gen aus der westlichen und der Zweidrittelwelt illustriert. Die leider nicht als Fußnoten, son­dern am Ende organisierten Nachweise verra­ten fundierte Kenntnisse der Literatur. Das Buch kann durchaus als Über­sicht, Diskussi­onshilfe, praktische Anleitung und Einführung zur Thematik dienen, wie der Herausgeber Ro­bert Schreiter in seinem Vor­wort meint. Es bil­det ein katholisches Gegen­stück zu dem von Hesselgrave und Rommen veröffentlichten evangelikalen Standardwerk. Auch wenn Be­vans gewisse Präferenzen für das synthetische und das Transzendenzmodell zeigt, beantwortet er die Frage, welches das be­ste Modell sei: „It depends on the context“ (S.112).

Martin Sachs, em 1996-1.

Bevans, Stephen B.; Roger P. Schroeder. Constants in Context: A Theology of Mission for Today. American Society of Missiology Series 30, Maryknoll: Orbis, 2004.

Dieses Buch ist eine der wesentlichen Neuerscheinungen im Bereich der Missionstheologie. Die nordamerikanisch-katholischen Autoren (beide Mitglieder der SVD-Ordensgemeinschaft und Professoren an der Catholic Theological Union, Chicago) sind keine missionswissenschaftlichen Unbekannten. S. Bevans hat bereits wesentliche missiologische Quellensammlungen und wegweisende Arbeiten zur kontextuellen Missionstheologie verfasst. Mit Constants in Context setzen die Autoren die missionstheologische Tradition von David Bosch fort, bieten zugleich aber einen neuen Ansatz und verarbeiten neuere Dokumente und Entwicklungen.

Der erste Teil des Buches (Part I, S.7-73) bietet eine biblische Grundlegung anhand der Apostelgeschichte und erklärt den missionstheologischen Grundansatz des Werkes: er besteht im Herausarbeiten von sechs missionstheologischen „Konstanten“ in den „Kontexten“ der Mission in Geschichte und Gegenwart. Die sechs Konstanten stellen theologische Grundthemen dar, mit denen christliche Mission in allen Kontexten und zu allen Zeiten zu ringen hat: Christologie, Ekklesiologie, Eschatologie, Soteriologie, Anthropologie und Kultur. Diese Themen werden verknüpft mit drei theologischen Traditionen, die idealtypisch an Tertullian, Origenes und Irenäus festgemacht und durch die Jahrhunderte in verschiedenen Bewegungen und Theologen aufscheinen. Dieser Ansatz ist – trotz gewisser Vereinfachungen – innovativ, pädagogisch sinnvoll und geht stellenweise quer zu den gewohnten missions- und religionstheologischen „Schubladen“ und bietet somit Anstöße zum kreativen Neudenken.

Ähnlich wie bei Bosch – allerdings in größerer Nähe zur spezifisch missionshistorischen Entwicklung - wird dann Missionstheologie in historischen Epochen entfaltet (Part II, S.73-280): Mission in der frühen Kirche, Mission und die mönchische Bewegung, Mission und die Handelsbewegung, Mission im Zeitalter der Entdeckung, Mission im Zeitalter des Fortschritts, Mission im 20. und 21. Jahrhundert. Auch die Mission der Pfingstkirchen und neuerer Bewegungen in der nichtwestlichen Welt findet Berücksichtigung. Nach jeder Epoche wird nach den Konstanten, ihrer Spiegelung in den konkreten missionstheologischen Traditionen (z.B. auch in der Lausanner Bewegung bis 1992) und dem Ertrag für heute gefragt. Das jeweilige Ergebnis wird in Form einer Übersichtstabelle geboten. Dieser Teil ist der umfangreichste und bietet (ergänzend und relativ wenig überschneidend zu Bosch) eine Fundgrube missionstheologiegeschichtlichen Wissens. Den Abschluss (Part III, S.281-398) bildet eine gegenwartsbezogene systematisch-missionstheologische Reflexion der Mission als: (1) Teilnahme an der Mission des Dreieinigen Gottes, (2) befreiender Dienst im Reich Gottes, (3) Verkündigung Jesu Christi als universaler Retter, (4) prophetischer interreligiöser und versöhnender Dialog. Auch diese Themen werden jeweils wieder im Licht der sechs Konstanten gespiegelt.

Das Buch bietet eine erfrischende Lektüre: ein großer Überblick und eine faire Darstellung aller Traditionen wird mit inspirierenden Gedankenanstößen verbunden. Der Ansatz von Konstanz und Kontextualität wird in Nähe zu biblischen Texten, historischen Kontexten und der theologischen Diskussion der Gegenwart entfaltet. Die ausführlichen und informativen Fußnoten finden sich erst am Ende des Buches, was beim Lesen etwas hinderlich ist. Ein echter Wermutstropfen ist das Fehlen einer Bibliographie. Erschlossen wird der Text durch einen detaillierten Index und hilfreiche Karten und Tabellen. Dieses Buch stellt wohl jetzt schon – zumindest im englischsprachigen Raum – eine neue Standardeinführung in der Tradition von David Bosch dar.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-3.

Beyer, Ulrich. Und viele wurden hinzugetan. Mission und Gemeindewachstum in der Karo-Batak-Kirche/Indonesien. Verlag der VEM, Wuppertal; Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen, 1982.

Im Jahre 1890 begann die protestantische Mission im Land der Karo-Batak. In den ersten Jahren breitete sich das Evangelium nur langsam aus. Nach drei Jahren sehr intensiver Arbeit waren erst sechs Karo-Batak getauft worden. Die Mission erschien als Anhängsel des Kolonialismus, außerdem galten für Gemeindeglieder sehr strenge Regeln, die ihnen keinerlei Kontakt zu ihren früheren Verwandten und zum Stamm lie­ßen. Damit waren sie von ihrem eigenen Volk getrennt. Im Laufe der Jahre wuchs die Kirche langsam. 1935 gab es 4189 ge­taufte Christen, 1,5% der Bevölkerung. 1941 wurde die Karo-Batak-Kirche selbständig mit dem Namen: Gereja Batak Karo Protestan (GBKP). 1945, nach dem Ende der japanischen Besetzung, stellte sich die GBKP hinter die entstehende Republik In­donesien. In der darauffolgenden nationa­listisch/kommunistischen Periode fand sich die Kirche in einer schwierigen Lage:
sie wollte sich zurückhalten! Daraus ging die Gründung von Hausgemeinden und Bibellesegruppen hervor, meist unter der Führung von Laien. Damals gab es nur acht ordinierte Pfarrer. Die alte gendang Musik wurde wieder eingeführt ‑ jetzt christlich geprägt, nicht mehr dämonisch. Auf diese Weise schlug die Kirche Wurzeln in der traditionellen Kultur, und deswegen schlos­sen sich viele ihr an. Am 30.9.1965 versuch­ten die Kommunisten, die Macht zu über­nehmen; sechs Generale, unter ihnen der christliche Toba-Batak General I. Pandjaitan, wurden ermordet. Durch das schnelle Eingreifen von General Suharto wurde diese Machtübernahme verhindert, und es kam zu einem umfassenden Gegenschlag gegen die Kommunisten und ihre Werkzeu­ge. Dabei wurden 100 000 getötet. Die indo­nesische Gesellschaft wurde bis in ihre Grundfesten erschüttert. Viele Karo-Batak suchten Sicherheit und Geborgenheit und fanden sie darin, daß sie sich der Kirche anschlossen. In nur drei Jahren (1965-68) wuchs die Kirche von 35 000 auf 76 000 Mitglieder. Das darauffolgende stetige Wachstum wurde durch Pancasila, die „fünf Säulen“ des indonesischen Staates, veran­laßt. Jeder Indonesier mußte sich für eine der fünf anerkannten Religionen entschei­den. Die Karo-Batak entschieden sich über­wiegend für die GBKP, denn so konnten sie in ihrem Volk und in ihrer Kultur blei­ben. (Der Islam war für sie nicht anziehend, weil Karo-Batak sehr gerne Schweinefleisch essen.) Der Kirche schließt man sich als Familie oder als Sippe an, Übertritte ein­zelner sind selten. Es wurde klar, daß allein der Glaube an Jesus den geistlichen Hunger stillen kann, und der Glaube an Jesus war es, der die Karo-Batak anzog.

Das Buch ist sehr sorgfältig geschrieben, auch die Details werden nicht übersehen. Auch in den großen Städten wie Medan und Jakarta gibt es Karo-Batak Gemeinden mit eindrucksvollen Mitgliederzahlen: in diesen Gemeinden fühlt sich der Karo-Batak zu Hause, wenn er in der Fremde leben muß.

Am Schluß des Buches wird die Gebets­gruppen-Bewegung erwähnt, die interdenominationelle Gebetsgruppen bildet, die das bieten sollen, was den verfaßten Kirchen an innerem Leben fehlt. Der Verfasser hat das Buch systematisch, fast mathematisch geschrieben. Christ werden erscheint in seiner Darstellung eher als die Annahme eines bestimmten Systems und weniger als eine Begegnung mit einer lebendigen und Leben spendenden geistlichen Gemein­schaft: der Gemeinde Jesu Christi.

Während seines Dienstes unter den Batak kannte der Rezensent die erwähnten Mis­sionare Neumann und Muylwijk persönlich, er war auch ein guter Freund von General Isaak Pandjaitan. Die Genauigkeit, mit der das Buch geschrieben wurde, beeindruckt. Das Buch ist sehr zu empfehlen.

Hans van der Boom, em 1985-3

Beyerhaus, Peter. Er sandte Sein Wort. Theologie der christlichen Mission, Bd. 1: Die Bibel in der Mission. Wuppertal/Bad Lie­benzell: R. Brockhaus Verlag/VLM, 1996.

Die bibliographischen Angaben dieses Buches zeigen bereits, daß der Tübinger Missionswis­senschaftler ein umfangreiches Opus geplant hat, das an Gustav Warnecks „Evangelische Missionslehre“ aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnert. Sowohl der Ge­samttitel als auch der des ersten Bandes spie­geln wesentliche Grundüberzeugungen und Intentionen des Autors wider, denn „Mission“ wird hier „in ihrem ur­eigenen Wesen“ als „Sendung des Wortes Gottes in die Welt“ ver­standen. „Solange christliche Mission im tiefen Respekt vor der Autorität dieses Wortes, wel­che die des dreieinigen Gottes selber ist, ihren Dienst der Ver­söhnung an Israel und den Völ­kern tut, bleibt sie authentische Mission. Nur so lange ist sie Fortsetzung der Sendung Christi und des Geistes vom Vater … (und) nimmt … teil an der trinitarischen Missio Dei“. Dieses Mis­sionsverständnis setzt ein Schriftverständ­nis voraus, „welches die Heilige Schrift – bei aller Offenheit für ihr geschichtliches Gewor­densein und für die Mannigfaltigkeit der in ihr redenden Zeugen – als ein in sich geschlos­senes Ganzes betrachtet“. Denn „durch die Wirkung des prophetischen Wortes wurde Menschheits­geschichte zur Heilsgeschichte“. Schließlich fand „die Heilsgeschichte in der Sendung des Sohnes“ ihren „die Äonen wendenen Höhe­punkt“. Damit das Wort dieser Offenbarungs­geschichte „vollinhaltlich und unversehrt bis an das Ende der Zeiten in ursprüngli­cher Kraft er­gehen könne, ging die Verkündigung Christi und seiner Apo­stel und Propheten durch die In­spiration des Geistes ein in das geschrie­bene Wort heiliger Schriften, die im Kanon der Bü­cher Alten und Neuen Testaments, der Bibel, ihre endgültig besiegelte Gestalt gefunden ha­ben“.

Peter Beyerhaus entfaltet das Thema jedoch nicht losgelöst von den – meist kontrovers ver­laufenden – Entwicklungen der letzten Jahr­zehnte, an denen er selbst engagiert beteiligt war, sondern versucht, eine „biblisch-theologi­sche Begründung der Mission zu entwickeln“.

Im ersten Kapitel „Die Notwendigkeit mis­sionstheologischer Grundla­genklärung“ skiz­ziert der Autor die Entwicklung seit 1961, dem Jahr der Eingliederung des Internationalen Missionsrates in den Ökumenischen Rat der Kirchen. Daraus ergibt sich in nuce die Kon­zeption des ersten Bandes.

In elf weiteren Kapiteln, die sich in drei Teile gruppieren, knüpft Beyerhaus zunächst „dankbar … an die Tradition heilsgeschichtli­chen Denkens in der deutschen evangelischen Missionswissenschaft“ an (Teil I: Die Bibel – das Buch der Mission). Er plädiert dafür, lern­willig, aber in „wachsamer Auseinandersetzung mit an­dern heute vertretenen Positionen“ diese Anknüpfung zu vollziehen (Teil II: Die herme­neutische Krise der Mission und ihre mögliche Überwindung). Der Autor verweist auf die „verheerenden Folgen für die Theologie und Praxis der Mission … die entstehen, wenn das reformatorische Formal­prinzip Sola Scriptura preisgegeben wird“. Teil III (Missionarische Verkün­digung in biblischer Vollmacht) erör­tert, „wie echte missionarische Ver­kündigung nach Inhalt und Gestalt durchgehend von der Autorität der Heiligen Schrift bestimmt ist und ihre überzeugende, aufbauende Voll­macht ge­winnt.“

Mit seiner Ermutigung zur „Orientierung der Mission an den elementa­ren heilsgeschichtli­chen Aussagen der Bibel“ möchte der Autor keinen neuen Gedanken in die Missionstheolo­gie einführen, sondern im Gegenteil nur „das erneut aussprechen, was zu allen Zeiten die Grundüberzeugung wahrhaft christlicher Mis­sion gewesen ist, besonders, soweit sie im Erbe der Reformation und des klassischen Pietismus gründete“. So knüpft Beyerhaus konkret an die Bemühungen von Missionstheologen wie Gustav Warneck, Walter Freytag und Karl Hartenstein an.

Nach Konzeption und Inhalt kann dieser Band als Lehrbuch dienen und alle anregen, die an der Aufgabe der Mission in irgendeiner Form mitar­beiten oder an den verschiedenen Detailthemen weiterarbeiten wollen. Dazu ist der Anhang eine gute Hilfe. Er enthält eine Übersicht der er­wähnten internationalen Kon­ferenzen und ein Abkürzungsverzeichnis. Die umfangreiche Bibliographie (mehr als 50 Sei­ten!) gliedert sich in vier Gruppen: Lexika und Quellensammlungen, Quellentexte, Konferenz­be­richte, sowie Sekundärliteratur. Ein Bi­bel­stel­len-, Personen- und ein diffe­renziertes Sach­register ermöglichen die Arbeit am Detail. Mit diesem um­fangreichen Werk legt Peter Beyer­haus „die reiche Frucht seines Lebens als Mis­sionar, Forscher und Lehrer“ vor. Möge die­se Frucht als Lehrbuch weitere Früchte tra­gen.

Dr. Erich Scheurer, em 1996-4.

Beyerhaus, Peter. God’s Kingdom and the Utopian Error. Discerning the Biblical Kingdom of God from its Political Counterfeits. Wheaton: Crossway, 1992.

Peter Beyerhaus, Professor für Missionswis­senschaft in Tübingen, hat über das christliche Verständnis des Reiches Gottes gründlich geforscht und nachgedacht. Sein neuestes Buch sollte als Fortsetzung seiner früheren Bemüh­ungen verstanden werden, der englischsprachi­gen Welt die konservative Position in der evangelikal - ökumenischen Auseinanderset­zung verständlich zu machen. Er verbindet eine tiefschürfende biblische Ergründung mit einer sorgfältigen Analyse der wichtigsten Missions­konferenzen, der ökumenischen Vollversamm­lungen und deren jüngster Dokumente. Beyer­haus’ Kernthese ist, daß die biblische Lehre von Gott von denen verdreht wird, die das Reich Gottes mit politischen Ideologien gleichsetzen. „Volkstheologien“ ist seine Bezeichnung dafür. Nach Aussage des Autors gibt es Versuche von einigen in der ökumenischen Bewegung, eine Einigung zwischen den beiden Flügeln der Debatte um soziales Handeln und Evangelisa­tion herbeizuführen. Doch dann müßten Evan­gelikaie nicht nur Kompromisse auf der ober­flächlichen politischen Ebene eingehen, son­dern auch ihr Verständnis der biblischen Heilsgeschichte ändern. Gott wird sein Reich errichten, indem Einzelne zu Glaubenden und dann zu Jüngern gemacht werden. Für Beyer­haus ist die Kirche, wenn auch nicht mit dem Reich Gottes identisch, so doch Gottes messia-nische Gemeinschaft. Gott, nicht der Mensch, wird das Königreich errichten. Auch wenn große Teile des Buches aus Beiträgen zu bestimmten Anlässen bestehen, entsteht durch einen guten Aufbau eine sinnvolle Gedanken­führung, beginnen mit der Sicht des Reiches Gottes in der evangelikalen Eschatologie bis zum letzten Kapitel über das Martyrium als Tor zum Himmelreich. Von besonderem Interesse ist das kurze Kapitel „Zehn Kriterien zur Un
terscheidung zwischen dem biblischen König­reich und seinen utopischen Verfälschungen“. Beyerhaus legt einen erfrischenden Zugang zu einem Problem offen, das die Kirche des 20. Jahrhunderts seit langem plagt. Seine Position als respektierter deutscher Theologe trägt sehr zur Annahme seiner Schriften in den englisch­sprachigen Kirchen bei. Es gibt nur wenige konservative deutsche Wissenschaftler, die so viel Respekt und Anerkennung in der evange­likalen Welt genießen. Seine handfesten bibli­schen Argumente, kombiniert mit einem klaren Blick für die Geschichte, haben der Kirche er­neut eine wertvolles Werkzeug beschert.

William Wagner (übersetzt von Thomas Schirrmacher), em 1993-2.

Beyerhaus, Peter. Krise und Neuaufbruch der Weltmission: Vorträge, Aufsätze und Dokumente. Verlag der Liebenzeller Mis­sion, Bad Liebenzell, 1987.

Wer sich grundsätzlich informieren will über die Geschichte der Missionstheologie, sowohl von Seiten des ökumenischen Rates der Kirchen als auch der evangelikalen Lausanner Bewegung; wer sich speziellen Fragen wie Mission als Evangelisation oder Revolution, Armut, Rassismus, Verhältnis der christlichen Missionen zu anderen Re­ligionen und Kulturen widmet; wer eine erste Einsicht in die Situation der missio­narischen Kirchen auf anderen Kontinenten erhalten oder sich erstmalig oder vertiefend mit der Problematik nachkolonialistischer Mission befassen will, der sollte zu dem vorliegenden Sammelband mit Vorträgen und Aufsätzen des Herausgebers von 1970 bis 1984 greifen.

Die einzelnen Erarbeitungen sind meist leicht überarbeitete Vorträge, gut zu lesen, und geben deshalb auch dem Nichttheologen einen tiefen Einblick in die theologi­sche und kirchenpolitische Diskussion. Der Verfasser vertritt selbst einen evangelikalen Standpunkt und ist engagierter Ge­sprächspartner.

Das Buch ist von daher keine objektive, journalistische Information, sondern ein äu­ßerst informativer und ein engagierter Ge­sprächsbeitrag. Für alle ehren- und haupt­amtlichen Mitarbeiter könnte der Sammel­band ein Fortbildungsseminar und eine hilfreiche Horizonterweiterung in der Situa­tion und Problematik der weltweiten Mis­sion sein.

Einen eigenen Standpunkt kann man sicher an der Position von Peter Beyerhaus pro­filieren.

Der Anhang mit Originaldokumenten, so z.B. der Lausanner Erklärung, eine Zeittafel über wichtige ökumenische und evangelika-le Ereignisse zum Thema von 1961 bis 1984, eine Literaturliste und ein Personen- und Sachregister machen das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk, das auch zu einzelnen Themen wegen der in sich abge­schlossenen Kapitel gut zu lesen ist.

Manfred Beutel in: Praxis der Verkündigung (Oncken) 3/89. Em 1989-4.

Beyerhaus, Peter. Theologie als Instrument der Befreiung. Brunnen Gießen/Basel (TGV) 1986.

Befreiungstheologie, Black Theology, Home-land- und Minjung-Theologie finden seit 1976 einen Zusammenschluß in der „öku­menischen Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen (EATWoT)“. Nachdem der Tü­binger Ordinarius für Missionswissenschaft und ökumenische Theologie zunächst die Entstehung und den wesentlichen Einfluß des Ökumenischen Rats der Kirchen dar­stellt, analysiert er die Inhalte und Ziele dieser Bewegung: Subjekt und Objekt die­ser Theologie ist das „Volk“ im Sinne einer (hier unaufgebbaren) marxistischen Sozial­analyse. Beyerhaus zeigt auf, daß die damit verbundene Interpretation der Bibel und die ideologisierte Umdeutung markanter bibli­scher Begriffe (z.B. Erlösung, Jesus, Reich Gottes) eine Preisgabe maßgeblicher Glau­benswahrheiten bedeutet.

Jürgen Kuberski, em 1987-1.

Billington Harper, Susan. In the Shadow of the Mahatma: Bishop V.S. Azariah and the Travails of Christianity in Britih India, Studies in the History of Christian Missions, hg. v. R. E. Frykenberg, Brian Stanley, Grand Rapids USA: Eerdmans/Richmond UK: Curzon, 2000.

Susan B. Harper, ehemalige Dozentin für Geschichte und Literatur an der Harvard University, gelingt es, in dieser wissenschaftlichen Biographie das Leben des ersten indisch-anglikanischen Bischofs und Missionsleiters, Vedanayagam Samuel Azariah (1874-1945), in seiner Bedeutung für den Bau der indischen Demokratie in der letzte Phase britischer Herrschaft zu analysieren und darzustellen. Von einer säkular verengten Geschichtsschreibung sei der Beitrag des evangelikal und evangelistisch geprägten Bischofs bisher nicht wahrgenommen worden. Gemäß dem Anliegen der neuen Reihe „Studies in the History of Christian Missions“ möchte die Autorin mit ihrer Monographie die Bedeutung der – oft geschmähten – christlichen Mission und geistlich motivierter Persönlichkeiten für die Profangeschichte herausstellen.

Aufgrund eines umfassenden Quellen-Studiums (das neben Archivalien aus Indien, Großbritannien und den USA auch die noch lebendige „oral tradition“ und Fotos – vgl. Bildteil in der Mitte des Buches – einbezieht) entwirft die Autorin ein detaillgetreues Bild Azariahs und seiner Zeit, das sie unter das Motto stellt: „Im Schatten des Mahatma (Ghandi)“. Azariah war ein Zeitgenosse Ghandis und hatte wie dieser das Ziel der sozialen Erneuerung Indiens. Doch weil Azariah zwar positiv zur nationalen Unabhängigkeit Indiens eingestellt war, aber auch deren subnationale Problematik kannte, und vor allem den wirklichen Weg zur Erneuerung in der Bekehrung der Menschen zu Jesus Christus und ihrer Eingliederung in die Kirche sah (S. 46, 55), und diesen Weg auch konsequent und mit größtem Erfolg beschritt, geriet er zunehmend in einen Konflikt mit und – zumindest was die historische Sichtbarkeit betrifft – in den Schatten Ghandis, der christliche Bekehrung aus politischen und religiösen Gründen (als Eingriff ins Dharma – die „göttliche Weltordnung“ – ablehnte).

Doch damit sind wir bereits zum Höhepunkt der Biographie vorausgeeilt, die von der Autorin in einem geschickten Spannungsbogen in vier Teilen entfaltet wird. Im ersten Teil („The Rise“, S. 9 – 90) beschreibt sie die Herkunft und Prägung Azariahs durch die Missionsarbeit des evangelikal geprägten Low-Church-Flügels der Anglikanischen Kirche (Church Missionary Society) in der südostindischen Provinz Tinnevelly, sein Engagement im asiatischen CVJM, in dem er die evangelistisch-internationale Welterneuerungsvision John Motts und der christlichen Studentenbewegung in sich aufnahm, und seine – von britischen Missionaren angeregte – Gründung der beiden ersten unabhängigen indischen Missionsgesellschaften, der Indian Missionary Society (IMS) und der National Missionary Society (NMS)

Die mit letzterem tiefgründig verbundene Problematik – Azariah wird zum Ausführenden der Indigenisierung-Visionen westlicher Missionare – kommt in der folgenden Etappe, seiner Konsegration zum ersten einheimischen Bischof der indo-anglikanischen Kirche (1912) (Teil II: „The Reign“, S.91-220), noch stärker zum Vorschein. Azariah, der ein befähigter und geistlich geprägter Leiter war, und sich auch als Bischof vor allem für die praktische Evangelisations- und Gemeindebauarbeit unter der armen Dorfbevölkerung engagierte, steht von da an im Konfliktfeld zwischen progressiven und konservativen Engländern einerseits und zwischen nationalistischen Indern und der einfachen indischen Dorfbevölkerung andererseits, wobei jeweils die letzte Gruppe der genannten Parteien seine Ernennung zum Bischof – bei aller Befürwortung seiner Person – kritisch sah. Verwestlichung (und damit auch das Vorhandensein britischer Bischöfe) „wurde von den lange unterdrückten niederen Kasten nicht als Schwäche und Anpassung an dominante westliche Missionare gesehen, sondern als symbolische Kampfansage an die repressive einheimische Sozialordnung. In diesem Licht wurde die von Missionaren geforderte ‚Indigenisierung’ nur als eine weitere Form der Unterdrückung verstanden“ (S. 150, Übers. FW). Azariahs bischöfliches Ringen um die Überwindung kirchlicher und sozialer Zersplitterung in Indien durch denominationelle Streitigkeiten und Kastenwesen wird im dritten Teil des Buches dokumentiert („The Resolutions“, S.221-288).

Eine entscheidende Kluft allerdings hielt Azariah für nicht überbrückbar (Teil IV: The Rift, S.289-366). Und diese Kluft brachte ihn unausweichlich auf Kollisionskurs mit Mahatma Ghandi, mit dem er – von der Herkunft bis zu den Hoffnungen für Indien – so vieles gemeinsam hatte. Die Autorin, die manche Archiv-Texte hier zum erstenmal präsentiert, zitiert Azariah, wie er den unvermeidbaren Konflikt beschreibt: „Wir … sind davon überzeugt, dass Menschen von einer Zugehörigkeit in die andere überwechseln. ‚Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur’. Eine neue Kreatur kann nur in einer neuen Umgebung leben. Das christliche Leben kann nur in der Gemeinde richtig gelebt werden. Das bedeutet, mit der alten Gemeinschaft zu brechen und in eine neue Gemeinschaft einzutreten … Mr. Ghandi hält davon nichts“ (S.336, Übers. FW). Azariah aber, der in seiner Provinz die Bekehrung von vielen Tausenden und die geistlich-soziale Erneuerung dörflicher Strukturen durch die kirchliche Arbeit erlebte, war von der Notwendigkeit und Richtigkeit dieses Weges überzeugt. Auch das am 12. Februar 1937 geführte „Spitzen-gespräch“ zwischen Ghandi, Azariah und einem weiteren anglikanischen Bischof änderte nichts an der Ablehnung Ghandis gegenüber der christlichen Evangelisation, und ebenso wenig an Azariahs theologischer Haltung. Im Gegensatz zu Ghandi lehnte er den selektiven Umgang mit der Bibel ab und hielt an der Notwendigkeit von Bekehrung und Gemeinde fest. Er widersetzte sich auch der ­selbst unter Missionarskollegen „populären Tendenz der Zwischen-Kriegs-Jahre, den religiösen Glauben in säkularen Utopismus zu verwandeln, oder zumindest die evangelikale Evangeliumsbotschaft durch ein ‚social gospel’ zu ersetzen“ (S.358).

Azariah stand bis zum Schluss für die Unabhängigkeit Indiens ein. Aber er sah die Gefahr, dass der Nationalismus sich mit einer fanatischen und einseitigen Renaissance des Hinduismus verbinden und zur Christenverfolgung führen könnte. Außerdem kannte er die subnationalen ethnischen und kastenbezogenen Auseinandersetzungen aus nächster Nähe und wusste nur zu gut, dass beträchtliche Teile der ländlichen Bevölkerung die britische der brahminischen und hinduistischen Herrschaft vorzuziehen würden. Harper arbeitet heraus, dass Azariahs Beitrag für die indische Demokratie vor allem in seiner Weigerung, sich politisch vereinnahmen zu lassen, bestand, und in seiner so bewahrten Freiheit, sich auf die sozial wirksame Evangelisation und den Gemeindebau zu konzentrieren. Azariah ging einen eigenen missionarischen Weg. „Er folgte dabei weder den westlichen Normen, die von den meisten Dorfbewohnern bevorzugt wurden, noch den indischen Normen, die von den westlichen Missionaren und den indischen Nationalisten bevorzugt wurden“ (S.176).

Am Ende des Buches gesteht die Autorin: „Selbst die besten analytischen Theorien können die Individualität eines Mannes wie Azariah nicht voll erklären“ (S. 358). Es ist in dieser kritischen, aber weder trockenen noch zynischen missionsgeschichtlichen Biographie gelungen, mit analytischem Fingerspitzengefühl „die Freiheit des Menschen als historischem Agenten“ und die Bedeutung geistlicher Überzeugungen für den Lauf der Geschichte deutlich zu machen. Der Text wird hilfreich ergänzt durch vier Landkarten, 16 Fotoseiten, einen Index und eine 75-seitige Bibliographie, die erstmalig auch eine vollständige Zusammenstellung der Publikationen Azariahs enthält.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.

Bister, Ulrich / Stephan Holthaus (Hg), Friedrich Wilhelm Baedeker. Leben und Werk eines Russlandmissionars, Wiedenest: Jota-Publikationen, 2006.

2006 jährte sich der 100. Todestag des Deutsch-Engländers Friedrich Wilhelm Baedeker. Baedeker gehört zu den wichtigen prägenden Gestalten der Heiligungs- und Evangelisations­be­we­gung, die Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa zu einer geistlichen Erneuerung der Kirchen beitrug. Erst in den letzten Jahren begannen Kirchen­historiker, die noch wenig erforschte Geschichte dieser Bewegung aufzu­arbeiten. Das vorliegende Buch gehört daher in eine Reihe von ähnlichen Ver­öffentlichungen, die mehr Licht in diesen bisher vernachlässigten Teil der jüngeren Erweckungsgeschichte bringen. Es ist da­her den Autoren zu danken, dass sie mit vorliegender Biographie über Bae­deker und der Veröffentlichung sei­nes Briefwechsels mit Toni von Blücher sein Leben und Wirken aus dem Ver­gessen holen. So können weitere wich­tige Wissenslücken im Verständnis der Hei­ligungsbewegung geschlossen wer­den.

Baedeker wurde in Witten geboren und stammte aus der berühmten Familie glei­chen Namens, die durch die Reiseführer weltbekannt wurde. Nach Philosophie­studium und Promotion ließ sich der reiselustige Baedeker im englischen Seebad Weston-super-Mare nieder. Er heiratete eine Engländerin. Durch Lord Radstock kam er zum lebendigen Glau­ben an Christus und schloss sich der sog. Offenen Brüderbewegung an, einer Gruppe bibelgläubiger Christen, die von Georg Müller, dem Waisenhausvater von Bristol geprägt waren. Bekannt wurde er als Übersetzer von Robert Pearsall Smith, den er kongenial übersetzte und auf seiner Reise durch Deutschland begleitete. Damit stand er von Anfang an im Zentrum der neu aufbrechenden Hei­ligungsbewegung, die durch Smith auf den Kontinent und nach Deutschland ge­tragen wurde. Seine eigentliche Le­bens­aufgabe fand Baedeker jedoch nicht in Deutschland sondern im zaristischen Russland. Durch seinen geistlichen Men­tor Lord Radstock wurde er ab 1876 in die erweckten adligen Kreise Russlands eingeführt. Bis zu seinem Tode 1906 bereiste er evangelisierend ganz Russ­land, Finnland, Sibirien, Asien und Süd-Ost-Europa. Dabei lagen ihm besonders die russischen Gefängnisse am Herzen, die er besuchte und in denen er vor tausenden Gefangenen predigte und Bibeln verteilte. Dennoch blieb er mit Deutschland verbunden, evangelisierte hin und her im Land, hielt Kontakte zu den neu entstandenen Glaubens­mis­sio­nen und wurde vor allem ein Förderer der Evangelischen Allianz. Die Blanken­burger Allianzkonferenzen hat Baedeker als Konferenzredner und Berater über Jahrzehnte mitgeprägt.

Einen guten Einblick in die Persön­lich­keit, die Zeit und das seelsorgerliche Denken Baedekers bekommt der Leser dann durch den zweiten Teil des Buches. Dieser besteht aus dem hier zum ersten Mal veröffentlichten Briefwechsel Bae­dekers mit Toni von Blücher, welche durch ihn zum Glauben kam. Hervor­ragend und sehr informativ sind die Anmerkungen und Hinweise der Autoren auf den Kontext der Briefe und die biographischen Notizen zu den Per­sönlichkeiten, die in den Briefen genannt werden. Für die Forschung ist diese Briefedition Baedekers sehr wertvoll; sie zeigt das weitgeknüpfte Netz von Per­sönlichkeiten, die damals miteinander Kontakt hatten, sich gegenseitig beein­flussten und die neue Erwec­kungs­bewegung in Deutschland prägten.

Es wäre zu wünschen, dass über weitere prägende Persönlichkeiten der Hei­ligungs- und Heilungsbewegung in Deutsch­land wissenschaftlich fundierte Biographien und Quellen veröffentlicht werden. Nur so wird es möglich sein, die­ses bisher vernachlässigte Stück Kirchen- und Erweckungsgeschichte aus dem Dunkel des Vergessens und des Unverständnisses heraus zu holen.

Dr. Bernd Brandl, em 2009-1.

Blackburn, W. Ross. The God Who Makes Himself Known. The Missionary Heart of the Book of Exodus (New Studies in Biblical Theology 28). Downers Grove: InterVarsity, 2012.

Die missionarische Absicht Gottes, sich den Nationen erkennen zu geben, ist zugleich theologisches Hauptanliegen und hermeneutischer Schlüssel zum Verständnis des Buchs Exodus, so die These von Blackburn (S. 15, 20). Vor­liegende Arbeit basiert auf seiner Disser­tation an der schottischen St. Andrews Universität bei Christopher Seitz. Bei einer Untersuchung über „Mission“ im Alten Testament spielt die Definition des Begriffs eine grundlegende Rolle. Er­freu­licherweise steigt Blackburn genau mit dieser Frage ein. Mission heißt für ihn in Anlehnung an seinen Doktorvater: Gott nimmt sich des Versagens der Mensch­heit an, vgl. C.R. Seitz, Figured Out, Louisville, 2001, S. 147. Ist Gott der „Missionar“ (vgl. D. Bosch) und das Konzept so weit gefasst, wird „Mission“ zum Hauptthema des Alten Testaments (vgl. ähnlich bereits Gottfried Simon, 1935). Unter Berufung auf Richard Bauck­ham, Bible and Mission, Grand Rapids, 2003 erfolgt dann jedoch noch einmal eine gewisse Zuspitzung auf die „Bewegung“ partikularer Erwählung zu universalem Zweck (vgl. G. Warneck).

In Auseinandersetzung mit John Barton und John Collins verteidigt Blackburn seinen explizit evangelikalen Ansatz. Nicht diskutiert werden hierbei jedoch die Fragen der Datierung, der litera­ri­schen Struktur und des Verhältnisses zu Le­viticus und Numeri (wichtig für S. 90f, Anm. 18). Blackburn unterteilt das Buch Exodus in fünf bzw. sechs „commonly accepted“ Abschnitte und widmet jedem dieser Teile ein eigenes Kapitel. Hier stellt er je ein exegetisches Problem des Abschnitts dar und versucht es unter Berück­sichtigung des missio­na­rischen Grundanliegens zu lösen: (1) Ex 1,1-15,21. Nach Ex 6,3 hat sich Gott den Patriarchen nicht mit seinem Namen Jhwh zu erkennen gegeben hat, dieser taucht jedoch in den Dialogen der Ge­nesis auf (vgl. Gen 15,7). Brevard Childs betont, dass Ex 6,3 Gottes Fähigkeit umschreibt, seine Verheißungen an die Patriarchen zu erfüllen. Blackburn sieht im Gegensatz dazu Gottes Selbst­of­fen­barung als Retter im Vordergrund (S. 28). Childs erkennt jedoch gerade dies auch selbst aus dem direkten Kontext der Passage, The Book of Exo­dus, Louisville, 1974, S. 115. (2) Ex 15,22-18,27. Ein Problem mit dem Abschnitt der Wüstenwanderung liegt in der grundlegenden Infragestellung seiner theologischen Bedeutung, etwa durch Martin Noth. In Anlehnung an Dtn 8,2f sieht Blackburn den Wert der Passage vor allem in dem Eintrainieren von Gehorsam für das Leben im verheißenen Land, damit die Nationen Gott erkennen. (3) Ex 19-24. Gerhard von Rad unter­scheidet deutlich zwischen dem Gesetz der Sinaitradition als Ausdruck von Got­tes forderndem Rechtswillen und dem „Evangelium“ der Landnahmetradition, die Gottes Gnadenwillen bezeugt. Dem gegenüber möchte Blackburn Evan­gelium und Gesetz mit Hilfe von Ex 19,4‑6 und 20,2 in ein Verhältnis zueinander setzen. Von Rad baut an er­wähnter Stelle allerdings keinen unüber­brückbaren Gegensatz auf, sondern redet bereits selbst von „Ineinander“, „Herein­nahme“, und „Zusammenordnung der beiden Traditionen“, Ges. Stud. z. AT, S. 61f. Ausführlich behandelt Blackburn den Ausdruck „Königreich von Pries­tern“ und deutet ihm im Sinn einer Mittlerrolle zwischen Jhwh und den Nationen. Als „heiliges Volk“ soll Israel Gottes Charakter nachahmen und so vor den Nationen repräsentieren. (4) Ex 25-31. Den Kapiteln über den Plan der Stiftshütte wird oft ein Mangel an Lebendigkeit und Gehalt nachgesagt. Doch repräsentiert Gottes Herrschaft aus der Stiftshütte heraus seine himmlische Herrschaft über den Kosmos. Sie ver­mehrt die Gotteserkenntnis unter dem Volk Israel (Ex 29,45f) und bis an die Enden der Welt, so mit Gregory Beale, The Temple and the Church’s Mission, Leicester, 2004. (5) Ex 32-34. Dass Gott gleichzeitig vergibt und doch nicht ungestraft lässt (Ex 34,6f) deutet für Wal­ter Brueggemann auf eine ungelöste Uneindeutigkeit in Gottes Charakter hin. Beides lässt sich jedoch als notwendige Folge von Gottes Eifer um seine Ehre unter den Nationen erklären – deshalb muss er Sünde strafen (Ex 20,5), deshalb muss er dem Volk vergeben (32,11-13: „Warum sollen die Ägypter sagen: In böser Absicht hat er…“). (6) Ex 35-40. Die starke Ähnlichkeit von Ex 35-40 mit 25-31 führt zur Frage nach dem Sinn dieser Doppelung. Blackburn macht deut­lich, dass hier angesichts der In­fra­gestellung durch das Goldene Kalb Buße und Wiederherstellung zum Ausdruck kommen, bestätigt durch das Erscheinen von Gottes Gegenwart (Ex 40,34).

Das Buch endet mit fünf praktisch aus­gerichteten Thesen: Missionierende Ge­mein­de muss auf dem Doppelgebot der Liebe gebaut sein. Mission geschieht unter persönlichen Prüfungen. Kein er­dachtes Gottesbild, sondern den Gott der Bibel gilt es bekannt zu machen. Dieser Gott ist an erster Stelle ein Erlöser. In Jesus Christus gibt sich Gott zu er­kennen.

Die letztgenannte These verdeutlicht, mit welcher Freiheit der Autor seine theo­logischen Linien durch den gesamten christlichen Kanon bis hinein in das Neue Testament zu ziehen vermag. Das Buch zeichnet sich weniger durch neue Erkenntnisse, als vielmehr durch das Zusammenfügen verschiedener Einsich­ten zu einem großen Bild aus. Auch wenn die Erkenntnisformel sicherlich nicht der Schlüssel zur Lösung aller exegetischen Probleme des Buchs Exo­dus ist, wird eindrücklich demonstriert, dass ihre zentrale theologische Be­deutung nicht unterschätzt werden darf.

Dr. Siegbert Riecker, em 2013-4.

Blocher, Jacques A.; Jacques Blandenier. L’évangélisation du monde: Précis d’histoire des missions. Bd. 1: Des origines au XVIIIe siècle. Institut Biblique de Nogent, Lavigny: Editions des Groupes Missionnaires: Nogent-sur-Marne, 1998.

Es ist erfreulich, daß in letzter Zeit vermehrt französische Bücher zu missiologischen The­men publiziert werden. Meist handelt es sich um Übersetzungen aus dem Englischen. Das vorliegende Buch jedoch wurde von zwei fran­zösischsprachigen Autoren verfaßt.

Dieser Überblick über die Missionsge­schichte bis ins 18. Jahrhundert ist äußerst in­teressant geschrieben. Da praktisch keine Fuß­noten ver­wendet werden, liest es sich sehr leicht. Die Schlußfolgerungen am Ende jedes Kapitels führen dem Leser immer wieder den Bezug zur Gegenwart vor Augen. Wer meint, das Anlie­gen der Mission sei nach Paulus in Vergessen­heit geraten, wird mit Überraschung feststellen, auf welchen Wegen sich das Evan­gelium wäh­rend diesen 18 Jahrhunderten aus­gebreitet hat, wie z. B., daß Europa vom 6.- 8. Jahrhundert von Mönchen aus Irland missio­niert wurde.

Das Buch ist auch für Kenner der Materie sehr zu empfehlen. Wenig bekannte Aspekte der Missionsgeschichte werden erörtert und, wo möglich, in Beziehung zu Frankreich ge­setzt. Wußten Sie z. B., daß die Mongolei im 12. Jahrhundert von China her missioniert wurde? Und wer weiß schon, daß König Eduard I. von England im Jahre 1287 die Eu­charistie von ei­nem mongolischen Mönch aus Peking empfing und zwar in der französischen Stadt Bordeaux?

Zur Zeit der Reformation war die Weltmis­sion noch kein Thema. Daher erstaunt es, zu lesen, daß der französische Admiral Coligny in Bra­silien ein „protestantisches Frankreich“ grün­den wollte. Warum diese Expedition nach zehn Monaten aufgegeben wurde, und warum fast alle Missionare umkamen, wird ausführ­lich behandelt. Ein wirklich spannendes Buch!

Wer nach einem bestimmten Thema sucht, wird sich dank des Index rasch zurechtfinden. Man darf schon auf den zweiten Band über das das 19. und 20. Jahrhundert gespannt sein. Jac­ques Blandenier plant die Veröffentlichung in etwa zwei Jahren.

Stefan Schmid, em 1999-4.

Blöchle, Herbert. Luthers Stellung zum Hei­dentum im Spannungs­feld von Tradition, Humanismus und Reformation. Frankfurt: Peter Lang, 1995.

In der gegenwärtigen Debatte um eine Theolo­gie der Religionen drohen die reformatorischen Positionen immer mehr in den Hintergrund zu gera­ten. Eine evangelische Stellungnahme wird aber nicht darauf verzichten können, das Zeug­nis der Reformatoren ernsthaft zu bedenken. Um so er­freulicher ist es, daß Herbert Blöchle in einer an der Kieler Theologischen Fakultät eingereichten Dissertation den Versuch unter­nommen hat, eine Gesamtdarstellung von Lu­thers Stellung zum Heidentum zu bieten. Eine derartige Untersuchung ist nicht nur als histori­scher Beitrag zur religi­onstheologischen Dis­kussion der Gegenwart zu begrüßen, sondern auch deshalb, weil es eine solche Gesamtdar­stellung bislang nicht gab, so daß Blöchles Dissertation zugleich eine empfindliche Lücke der Luther­forschung schließt.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Blöchles Studie darf in metho­discher und in­haltlicher Hinsicht als gelungene Untersuchung betrachtet werden, die geeignet ist, die aktuelle religionstheologische Debatte zu be­fruchten, obwohl sie sich streng auf eine Darlegung des historischen Be­funds beschränkt und bewußt „auf jegliche Aktualisierung … durch Be­zugnahme auf die gegenwärtige Situation“ ver­zichtet (16). Ein über 200seitiger Anmer­kungsteil (mit fast 2700 Fußnoten) und ein 60seitiges Quellen- und Literaturverzeichnis veranschaulichen die methodisch sorg­fältige, minutiös belegende und eine Fülle von Quellen und inhaltlichen Gesichtspunkten berücksichti­gende Vorgehensweise des Autors.

Blöchle schildert zunächst Luthers (durch das Bibelstudium, den Hu­manismus und die Türkengefahr veranlaßte) „Begegnung mit dem Hei­dentum“ (19-33), um dann seine „biblisch-theologische Stellung zum Hei­dentum“ (35-72), seine „Stellung zur griechisch-römischen Antike“ (73-150), seine „Stellung zum Islam und zu den Türken“ (151-192), seine „kritisch-religionsvergleichende Stellung zum Heiden­tum“ (193-230) und schließlich seine „Stellung zum Heidentum im Christentum“ zu beleuch­ten (231-250). Das Ergebnis ist nicht nur, daß Luther eine überraschend vielschichtige und differenzierte Sicht des „Heidentums“ vertrat, sondern auch, daß die Überwindung des „Heidentums“ als Gestalt verfehlter Reli­giosität (religio falsa) eine zentrale Thematik seiner Theologie darstellt: Luther vermochte aufgrund seiner (sich auf Röm 2,15 stützenden) Beja­hung eines universal erkennbaren und gül­tigen Naturrechts die geistig-religiöse Welt der griechisch-römischen Antike in kultureller und sittlicher Hinsicht erstaunlich positiv zu würdi­gen (77-126), ohne der Neigung des zeitgenös­sischen Humanismus zu erliegen, die Antike zu idealisieren (127-150). Ebenso war er bereit, auch positive Aspekte in der Frömmigkeit und Sittlichkeit des Islam (161-168) anzuerkennen. Zugleich aber hielt er in Konsequenz seiner Rechtfertigungslehre an der biblischen Grundüberzeu­gung fest, „daß die nichtchristli­chen Religionen die Menschen nicht zum Heil führen können“ (47): Über Heil oder Unheil entscheiden „allein der Glaube an Christus und die Gliedschaft an seinem Leibe …“ (50).

Originalität und besondere Brisanz gewinnt Luthers Sicht des „Heidentums“ durch die These, daß dieses nicht nur eine vor- und außer­christliche Größe, sondern auch eine in­nerchristliche Realität darstellt: Diese gefähr­lichste, weil nicht so offenkundige Gestalt des Heidentums entsteht überall da, wo der recht­fertigende Glaube an Christus verweigert und das Evangelium verleugnet oder verfälscht wird (242-247). Luther hat seinen Kampf für das rechte Verständnis des Evangeliums zu­tiefst als Kampf für „die Befreiung des Evan­geliums aus seiner todbringenden Um­strickung durch das Heidentum“ (232, 247-250) verstan­den. Seine Über­zeugung, daß bis zur Wieder­kunft des Herrn auch das Christentum als ge­schichtliche Religion notwendig vom „Heidentum“ durchsetzt ist, kann dazu helfen, den exklusiven Heilsanspruch des Evangeliums mit der de­mütigen Einsicht des Glaubenden zu verbinden, daß kein Mensch - auch der Christ nicht - die Gefährdung durch das Heidentum definitiv hinter sich hat.

Werner Neuer, em 1996-3.

Bong Rin Ro (Hg.). Christian Suffering in Asia. Evangelical Fellowship of Asia / Asia Theological Association, 1989.

Christen in verschiedenen Teilen Asiens erfahren zunehmend Verfolgung und Leiden durch militanten Hinduismus, islamischen Fundamentalismus, Kommunismus, Natio­nalismus und wirtschaftliche Armut. Die Referate einer Konsultation der Asiatischen Evangelischen Allianz über „die Gemeinde mitten im Leiden“ in Hongkong (24.-27. Febr. 88) sind in diesem Band zusammen mit sechs weiteren Artikeln und einem seelsorgerlichen „Brief an die Gemeinden in Asien“ wiedergegeben. Theologisches hält sich mit erschütternder Berichterstat­tung aus den verschiedenen Ländern die Waage. Immer wieder erschallt der Ruf nach einer der Lage entsprechenden „Theo­logie des Leidens, die westliche Theologen möglicherweise nicht ganz verstehen wer­den.“ Möge diese Kritik an westlicher Verdrängung des Leidens heilsam sein. Zu­gleich sollte sie aber dazu führen, daß wir das reiche theologische Erbe bei Harten­stein, Freytag, Bonhoeffer und Traugott Hahn uns wieder zueigen und den asiati­schen Christen zugänglich machen. Warum sind die Ergebnisse der AfeM-Tagung im Januar 1988 „Missionarische Existenz in Zeugnis und Leiden“ noch nicht nach Asien vorgedrungen?

Christof Sauer, em 1989-3.

Bonk, Jonathan J. Missions and Money. Affluence as a Western Missionary Problem. Orbis: Maryknoll, 1991.

In einer wirtschaftlichen Variante des Themas von David und Goliath, das den Christen so sehr am Her­zen liegt, zeigten die letzten zweihundert Jahre David (die westlichen Missionare) als den, der Sauls Rüstung an hat und Sauls Waffen trägt und so gegen einen Goliath (das Missionsfeld) marschiert, der mit einem Fell gekleidet und nur mit ein paar Steinen und einer Schleuder bewaffnet ist. Die wirtschaftliche Macht war auf der Seite der Missionare aus dem Westen. Diese gehörten in manchen Fällen zu multi­nationalen Missionsgesellschaften, deren jährliches Budget jenes der gastgebenden Regierungen übertraf und stellten für diese Länder sehr bedeutsame Quel­len an Devisen dar. (S.1)

Das Zitat faßt die Situation seit den Anfängen missionarischer Arbeit aus dem Westen zusammen. Die meisten Leute, sowohl auf Sei­ten der Missionare als auch auf Seiten derer, denen sie dienten, haben den Mißerfolg beim Ernten der Garben für Christus zum Teil dem Reichtum der westlichen Missionare zuge­schrieben. In seinem Buch behauptet Jonathan J. Bonk, daß die Übermittlung und Inkultura­tion des Evangeliums durch das Ungleichge­wicht zwischen dem relativen Reichtum der Missionare und der Armut der Menschen, die sie zu evangelisieren suchen, bedingt ist.

Es sind im Grunde zwei Fragen, die er das ganze Buch hindurch behandelt:

1. Untergraben die gegenwärtigen Missionare trotz ihrer Aufrichtigkeit das Evangelium und behindern sie dessen Inkulturation durch ihren relativen Reichtum?

2. Führt vielleicht der Reichtum des Mis­sionars bei den einheimischen Bekehrten zu feindschaftlichen Gefühlen - entweder bewußt oder unbewußt - dem Missionar gegenüber?

Von einem afrikanischen Standpunkt aus würde die oben angeführte Frage zu einer Antwort in dem Sinne führen, daß in der west­lichen Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts die Afrikaner mit dem Verständnis zum Christen­tum „bekehrt“ wurden, daß Christ zu sein irgendwie gleichbedeutend sei mit reich sein. Als sie dann das Evangelium von Jesus Chri­stus angenommen hatten, wie es von den west­lichen Missionaren gepredigt worden war, ent­deckten sie, daß die oben angegebene Glei­chung nicht funktioniert, und deshalb verband der/die bekehrte Afrikaner(-in) das Evangeli­um nicht mit seiner/ihrer gegenwärtigen Situa­tion; es war ein Evangelium für reiche Leute. Dies bewirkte dann, wie Desmond Tutu for­muliert, eine religiöse Schizophrenie, in der die bekehrten Afrikaner an Gottesdiensttagen Christen sind und an anderen Tagen Afrikaner. Trotz der Tatsache, daß jene Afrikaner einige „Handdowns“ von den Missionaren bekamen, machte die immer noch existierende tiefe wirt­schaftliche Kluft die Bekehrten letztlich ärger­lich.

Bonk, Dozent an einer amerikanischen Bibelschule, verlangt weder eine Verleugnung des Reichtums noch Resignation, aber er ruft alle Missionare auf, durch einen Akt bewußter Selbstentäußerung Macht, Ansehen und Ein­fluß abzulehnen (S. xvi). Bonk ist tief besorgt über das Problem des westlichen Reichtums als Hindernis bei der Verbreitung des Evangeli­ums. Das Buch zeigt auch sein tiefes Verständ­nis für die biblischen Schriften.

Wenn man nun die Empfehlungen für die Missionare durchliest, könnte man auf die Idee kommen, Bonk zu treffen und zu sehen, wie er lebt und ob er ein solcher Mann ist, der lebt, was er schreibt und sich auch so benimmt? Oder verbreitet er nur einen guten Grundsatz, einfach professionell und gelehrt, ohne ent­sprechend zu leben? Ich wünschte, ich würde diesen Mann treffen. Dann könnte ich ihm ein paar Fragen stellen, die dieses Buch vollständi­ger machen würden.

Fulata Lusungu Moyo, em 1995-4.

Börner, Fritz. Freikirchlicher Gemeindebau in Österreich. Eine Untersuchung der Ar­beitsgemeinschaft Evangelikaler Gemeinden in Österreich (ARGEGO) mit einem historischen Rückblick in die Kirchengeschichte und die Geschichte der Bekennergemeinden auf öster­reichischem Boden. Linz: Selbstverlag, 1989.

Als langjähriger Missionar in Österreich legt Börner seine gründlich erarbeitete Magisterar­beit vor. Die kirchengeschichtlichen Kapitel greifen bis zur Christianisierung des Landes im Römerreich zurück und reichen bis zu den Hintergründen der Rekatholisierung nach der Reformation. Mit der Beschreibung der ein­zelnen Gemeinden innerhalb der täuferisch ge­sinnten ARGEGÖ im 4.Kapitel beginnt die ei­gentliche Forschungsleistung Börners. Geord­net nach Gemeindeverbänden fragt er nach de­ren Geschichte, Problemen, Gemeindegrün­dern, gegenwärtigem Zustand und Statistik. In einem weiteren Kapitel werden die unter­schiedlichen Methoden des Gemeindebaus nach Gemeindegröße, geographischen Schwer Zahl? Dann sollten nächstes Jahr z,B- auch die neuen Titel von Beyerhaus, Bosch und Fiedler dort Erwähnung finden. Missionen mit theolo­gisch gebildeten Mitarbeitern sollten auf die­ses Jahrbuch in ihrer Bibliothek nicht verzich­ten.

Christof Sauer, em 1992-4.

Bosch, David J. Mission im Wandel. Paradigmenwechsel in der Missions­theologie. Herausgegeben von Martin Reppenhagen. Gießen/Basel: TVG Brunnen Verlag, 2012.

Über zwanzig Jahre nach dem Er­scheinen der englischsprachigen Aus­gabe liegt nun David Boschs Opus Magnum Transforming Mission: Para­digm Shifts in Theology of Mission [1991] erstmals in deutscher Über­setzung unter dem Titel Mission im Wandel vor. Es handelt es sich um ein solide gebundenes Buch von über 700 Seiten, dessen Druckbild im Vergleich zum englischen Original weiträumiger ist, wodurch allerdings Format und Umfang des Buchs deutlich gewachsen sind. Neben der deutschen Übersetzung auf über 600 Seiten würdigt die Ausgabe die über zwanzigjährige Wirkungs­ge­schichte des Buchs und seines Autors in einer Reihe von Vor- und Geleitworten (von Michael Herbst, Martin Reppen­hagen, William Burrows, Gerald H. Anderson) und einem abschließenden Zusatzkapitel von Reppenhagen und Darell L. Guder. Obwohl viele Leser mit der englischen Ausgabe bereits vertraut sein dürften, sollen hier die inhaltlichen Grundzüge kurz zusammengefasst werden.

In Mission im Wandel entfaltet David Bosch eine biblisch, theologie­ge­schicht­lich und kontextuell orientierte Reflexion des Verständnisses christlicher Mission. Boschs Grundthese lautet, dass „es we­der möglich noch sinnvoll ist“, ein erneuertes Verständnis von Mission „anzu­streben, ohne einen gründlichen Blick auf die Wechselfälle der Missionen und der missionarischen Idee während der letzten zwanzig Jahrhunderte der christlichen Kirchengeschichte zu wer­fen.“ (S. 9). Diesen Blick wirft Bosch durch das Prisma der Paradigmentheorie Thomas Kuhns und der von Hans Küng beschriebenen sechs Paradigmen der Kir­chengeschichte vom „urchristlich-apokalyptischen Paradigma“ bis hin zum „zeitgenössisch-ökumenischen Para­dig­ma“ (S. 213/214).

Im ersten Teil („Modelle der Mission im Neuen Testament“ S. 17-210) entfaltet Bosch ein biblisches Grundparadigma in seinen unterschiedlichen Ausprägungen bei Matthäus, Lukas und Paulus in der Überzeugung, dass „das Neue Testament keine einheitliche Sicht der Mission wi­derspiegelt, sondern eine Vielfalt an ‚Missionstheologien‘“ (S. 18). Gleich­zei­tig betont Bosch den „epistemo­lo­gischen Vorrang … der Schrift“ (S. 220) sowie das „immer relevante Jesus­er­eignis“ als hermeneutische Basis (S. 588). Der Periodisierung von Küng fol­gend un­ter­sucht Bosch im zweiten Haupt­teil (S. 213 – 406) vier „historische Missions­paradigmen“ (byzantinischen Ost­kirche, römisch-katholische Kirche des Mittel­alters, Reformation, Mission und Auf­klärung). Dabei zeigt sich man­che In­kom­patibilität der Modelle mit­einander, aber auch komplementäres Lern­potential für die Gegenwart.

Dieses Lernpotential wird im dritten Teil (S. 409-613) ausgewertet, in dem Bosch versucht, „ökumenische“ und „evange­li­kale“ Sichtweisen der Mission kom­ple­mentär zusammenzubringen. Hier legt Bosch eine tiefschürfende Analyse der missionswissenschaftlichen Diskussion des 20. Jahrhunderts in dreizehn „Ele­mente[n] eines sich abzeichnenden öku­menischen Missionsparadigmas“ (S. 432 – 601) vor. Wesentlicher Bezugspunkt ist für ihn eine missionarische Ekkle­siologie, die er ausgehend vom Konzept einer „Kirche-mit-Anderen“ des eme­ri­tierten Heidelberger Missionswissen­schaft­lers Theo Sunde­rmeier entfaltet, dabei aber stärker den Aspekt einer „alternativen Gemeinschaft“ betont. Ins­gesamt versucht Bosch das Ver­ständnis der Mission sowohl aus der Enge eines pragmatischen westlichen Be­griffs für christliche Auslandsarbeit in die Weite theologischer und globaler Gesamtper­spektiven zu führen („Die Mission der Theologie“, S. 577ff) als auch christo­lo­gisch, kontextuell und pra­xisbezogen zu vertiefen (die „Theologie der Mission“). Diese Perspektive prägt auch seine Schlussreflexion, in der er davor warnt Mission, reduktionistisch zu definieren und dafür plädiert, sie als „Mission in vielerlei Gestalt“ aus der Mis­sion Jesu Christi heraus zu ent­wickeln (S. 603ff). An dieser Stelle en­det Boschs um­fassende Suche nach dem Verständnis von Mission und öffnet den Weg für zukünftige Reflexionen.

Hier schließt sich das bereits erwähnte ergänzende Abschlusskapitel von Martin Reppenhagen, stellvertretender Leiter des Instituts für Evangelisation und Ge­meindeentwicklung in Greifswald, und Darell L. Guder, Professor für Missional and Ecumenical Theology am Princeton Theological Seminary in den USA, an, das bereits für die amerikanische Ju­biläumsausgabe (2011) verfasst wurde und hier in Übersetzung vorliegt (S. 615-641). Das Kapitel mit der Überschrift „Der andauernde Wandel von Mission: Das lebendige Erbe von David J. Bosch“ dokumentiert zunächst die weitver­brei­tete Wertschätzung von Transforming Mission als „Grundlagenwerk für das Stu­dium und die Erforschung“ der Mis­sion (S. 615) und bietet interessante Hin­tergründe zum persönlichen und beruf­lichen Werdegang Boschs (z.B. die von ihm abgelehnten Berufungen nach Leiden/NL oder Princeton/USA).

Die angekündigte Reflexion der „Grund­linien“ und „Auswirkung von Boschs bahnbrechendem Werk auf das Studium und die Forschung im Bereich der Mis­sionswissenschaft“ (S. 616) bleibt aller­dings hinter den geweckten Erwartungen zurück. Das Kapitel fasst zwar wesent­liche Grundthemen in Boschs Denken zusammen, dabei wird jedoch zu wenig zwischen Mission im Wandel und frü­heren Veröffentlichungen Boschs unter­schieden, so dass das Abschlusskapitel gelegentlich sogar hinter Boschs neuere Ergebnisse zurückgeht, z.B. wenn durch ein isoliertes Bosch-Zitat von 1982 („Kultur und Kontext … sind … Adia­phora, nicht wesentlich, austauschbar“) gezeigt werden soll, dass in Boschs Denken „der Universalität des Evan­ge­liums“ gegenüber dem „konkreten Kon­text“ „Priorität“ zukomme (S. 627). In Mission im Wandel zeigt sich jedoch ein wesentlich differenziertes Ringen Boschs um diese Frage (z.B. S. 587/588). Die weitergehende Darstellung der Rezep­tions­geschichte greift einige Aspekte der kritischen Diskussion auf (z.B. zur Rolle Afrikas und oder pfingstlicher Missions­theologie bei Bosch), spiegelt aber vor allem die Interessen der Autoren wider. Das Entstehen einer missionalen Theo­logie für die westliche Kultur wird stark thematisiert, während Entwicklungen in anderen, für Bosch ebenso wesentlichen Themenbereichen wie der Theologie der Religionen, dem interreligiösen Dialog und Zeugnis sowie der Inkulturation in nichtwestlichen Kontexten nicht oder nur am Rande aufgegriffen werden. Eine westliche Optik zeigt sich in der (in globaler Hinsicht zu relativierenden) Be­hauptung, dass „neue Formen von Kir­che … [sich] besonders in der post-christ­lichen Kultur des Westens [ver­meh­ren]“ (S. 623). Auch die Aus­ein­an­dersetzung mit Boschs biblischer Her­me­neutik, seiner holistischen So­teriologie und seinem Missions­ver­ständnis in der internationalen evan­gelikalen Diskussion wird nicht be­rücksichtigt. Die abschlie­ßende Thema­ti­sierung der Rezeption Boschs in For­schung und Lehre bleibt – auch ab­ge­sehen von der kryptischen Abschnitts­überschrift („Forschung und Lehre von Mission im Wandel“ S. 638) – leider sehr oberflächlich. Während das Ab­schluss­kapitel also durchaus einen „ersten Überblick über David J. Bosch“ bietet (S. xv), wird es seinem Anspruch als Reflexion des lebendigen missiolo­gischen Erbes von David Bosch nach 20 Jahren nur teilweise gerecht.

Dazu kommen gerade im Ab­schluss­kapitel relativ viele Fehler. Während es sich meist um Tippfehler und falsche Seitenangaben handelt (z.B. Rezepkoski statt Rezepkowski / Kirsten statt Kirsteen auf S. 620/622, ein nicht korrekt ein­ge­passtes Zitat auf S. 621; Verweise auf Seitenzahlen der amerikanischen Aus­gabe von 1991 statt auf den vorliegenden übersetzten Bosch-Text von 2012 auf S. 620/621; falsche Seitenverweise [484 – 604 statt 461-470; 604 statt 577] auf S. 625/ 626 etc.), geht auf S. 621 durch einen Wortdreher zwischen Boschs Begriff einer „Mission der Theologie“ mit dem Begriff der „Theologie der Mission“ die eigentliche Aussage­pointe verloren. In der Biblio­graphie sind englische Titel weitgehend durch vor­handene deutschsprachige Aus­gaben er­setzt worden; das gleiche gilt für Zitate. Leider fehlt dabei die deutsche Fassung von David Boschs Vor­gän­gerwerk Witness to the World: Christian Mission in Theological Perspective [1980], die unter dem Titel Ganz­heitliche Mission: Theologische Per­spektiven [Marburg 2011] erschienen ist.

Dass nun auch die deutsche Fassung von Transforming Mission in einem evan­gelikalen Verlag erschienen ist, spiegelt das Interesse wider, das Boschs ganz­heitlicher Missionstheologie inzwischen in der evangelikalen Bewegung auch in Deutschland entgegengebracht wird. Darüber hinaus wird die Übersetzung den Zugang für Theologiestudierende und Theologen unterschiedlicher kirch­licher Hintergründe zu diesem globalen Standardwerk erleichtern. Auch außer­halb der missiologischen und theolo­gischen Fachwelt dürfte Mission im Wandel interessierte Leser finden, da Boschs vielseitige Erkundung des Mis­sions­verständnisses die Leser zugleich auf eine spannende Reise durch die globale christliche Theologie- und Kir­chengeschichte mitnimmt und zu einem theologischen Bildungserlebnis wird, das dazu anregt, auch im Blick auf die persönliche Christusnachfolge über den eigenen Horizont hinauszudenken.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2013-2.

Bosch, David. An die Zukunft glauben: Auf dem Wege zu einer Missionstheologie für die westliche Kultur. Studienheft Weltmission heute 24. Evangelisches Missionswerk: Ham­burg, 1997/2.

Das vorliegende Heft, eine Übersetzung des 1995 erschienenen Orginals „Believing in the Future: Toward a Missiology of Western Cul­ture“, beruht auf einem Vortrag, den Bosch im Januar 1992 kurz vor seinem tragischen Un­falltod vor Missionswissenschaftlern in Paris hielt. Er stellt seine Skizze einer westlich-kon­textuellen Missionstheologie auf der Grundlage seines großen missionstheologischen Werkes „Transforming Mission“ (1991) vor. Der Ana­lyse der postmodernen Welt unter dem Motto „Wo keine Vision ist, verdirbt das Volk“ (Sprüche 29,18), folgt eine Untersuchung der Wurzeln in der Aufklärung und eine Positions­bestimmung des christlichen Glaubens. Die westliche Kultur lebe „parasitisch“ vom Chri­stentum, das sich seinerseits jedoch weitgehend an die Religion der Aufklärung angepaßt und damit seine erneuernde und missionarische Kraft verloren habe. Aufbauend auf dieser Vorarbeit zeichnet Bosch in vier Zügen eine Missiologie für den Westen: Sie müsse (1) die Theologie grundsätzlich als missionarisch be­greifen, (2) sozial-ethische Implikationen ha­ben, (3) uns zum Erbarmen mit der Not der Dritten Welt befähigen und (4) angesichts des atheistischen Götzendienstes im Westen den einzigen lebendigen Gott der Bibel verkündi­gen. Das Buch ist erfreulicherweise kostenlos, bzw. gegen eine freiwillige Spende beim EMW erhältlich.

Friedemann Walldorf, em 1999-3.

Bouman, Johan. Christen und Moslems. Glauben sie an einen Gott? Gemeinsamkei­ten und Unterschiede. Gießen: Brunnen, 1993.

Mit großem Scharfsinn verfolgt der emeritierte Professor für Religionsgeschichte und Islam­kenner präzise das im Titel genannte Thema. Bei dem jeweiligen Verständnis von Sünde, Vergebung und Versöhnung sind die Gemein­samkeiten noch größer. Die entscheidenden Unterschiede werden an der Person Jesu deut­lich und kündigen sich bei den Schilderungen Abrahams schon an. Bouman berücksichtigt die historische Entwicklung des Korans und macht damit scheinbar gegensätzliche Aussa­gen im Koran verständlich. Dabei räumt er der Darstellung biblischen Glaubens jedoch glei­chen Raum ein. Er kommt zu dem Ergebnis: Da der Koran im Namen seines Propheten und als Wort Gottes die Heilstat Gottes in Christus verneint, ist der Gott der Versöhnung in Chri­stus nicht der Gott des Korans (S. 99). Die Rede von einer „abrahamitischen Ökumene“ sieht er genauso kritisch wie das Aufgeben des Trinitätsdogmas zugunsten des Dialogs. Den Dialog hält er durchaus für notwendig. Jedoch muß er von beiderseitiger Wahrhaftigkeit ge­prägt sein. Eine notwendige, sachliche Klar­stellung, die manchmal den gebildeten Leser fordert.

Christof Sauer, em 1996-2.

Bouman, Johan. Leben mit fremden Nach­barn. Die Rolle von Ethik, Kultur und Reli­gion in ei­ner multikulturellen Gesellschaft. Gies­sen/Basel: Brunnen Verlag, 1995.

Johan Bouman analysiert die deutsche – heute multikulturelle – Gesellschaft auf die Frage hin: Wie können Menschen so unterschiedlicher nationaler Herkunft und religiöser Überzeu­gung friedlich miteinander zusammenleben? Für Bouman entscheidet sich diese Frage daran, ob sich die multikulturelle Gesellschaft auf eine für alle verbindliche ethische Grund­lage verpflichten läßt, da nur so Konflikte aus diesem Zusammenleben bewältigt werden können. Nach Darstellung verschiedener ethi­scher Konzepte wie z. B. von Fichte, Hegel, Kant, Marx u. a., sowie der jüdischen, christli­chen und islamischen Ethik kommt Bouman allerdings zu dem Schluß: „Es ist der westli­chen Kultur nicht gelungen, eine allen gemein­same Ethik zu entwerfen und in der Praxis durchzusetzen“ (24). Damit wird Boumans Buch zu einem berechtigten Vorwurf an die nachchristliche westliche Gesellschaft, die vielleicht nicht an ihrem ethischen Pluralismus an sich scheitern würde, jedoch anderen ethi­schen Konzepten wie z. B. dem Islam nichts entgegenzusetzen hat. Da jedoch nur die bibli­sche Ethik die Frage nach Ursprung und Be­wältigung des Bösen in der Welt überzeugend beantworten kann, erhält der biblische Auftrag an Christen, Buße, Glauben und Liebe zu ver­kündigen, aufgrund der starken Zuwanderung von Muslimen ganz neue Dringlichkeit.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-2.

Brakemeier, Gottfried (Hg.). Glauben im Teilen bewahrt. Lutherische Existenz in Brasilien. Verlag der Ev.-Luth. Mission Er­langen, 1989.

Es ist ein besonderes Buch: Eine Kirche der südlichen Hemisphäre stellt sich selbst vor. Bisher schrieben meist Europäer über die Kirchen, die aus „ihrer“ Missions- oder Überseearbeit hervorgegangen sind. Hier porträtiert sich die Kirche selbst. Daß da­bei das Umfeld, die Geschichte, die sozialen und soziologischen Faktoren ebenso zur Sprache kommen wie die Theologie, ver­steht sich von selbst. Daß diese Kirche


nicht bei sich selbst stehen bleiben will, sondern im Miteinander-Teilen des Glau­bens weiter voranschreiten will, im eigenen Land (wo die Lutheraner nur fast 1% der Bevölkerung ausmachen) und über die Lan­desgrenzen hinaus, bestimmt den Ausblick.

Das Original erschien in portugiesisch «Pre-senca Luterana 1990», eine englische Aus­gabe ist geplant. Die Gastgeberin der 8. Vollversammlung des Lutherischen Welt­bundes will mit uns ins Gespräch kommen. Wir dürfen mit ihr Bekanntschaft schließen.

Johannes Triebel, em 1990-2.

Bramsen, Paul D. The Way of Righteousness. Good News for Muslims. CMML Spring Lake, New Jersey, 1998.

Das Material „The Way of Righteousness” gehört meiner Meinung nach zum Besten, was es für Muslime gibt. Das Buch ist die englische Übersetzung von ursprünglich in Wolof (größte Bevölkerungsgruppe in Senegal) gehaltenen Rundfunkansprachen. 1992, nachdem der amerikanische Missionar Bramsen mit zwei senegalesischen Mitarbeitern zuschauen musste, wie zuvor verteilte Literatur ungelesen zerrissen wurde, entstand die Idee für „The Way of Righteousness“ (wörtlich übersetzt: Der Weg der Gerechtigkeit, bzw. Rechtschaffenheit). Dem Missionar wurde klar, dass chronologisch aufgebaute Lektionen, die klar die Begeben-heiten und die Botschaft der Propheten Gottes darstellen, und die über staatliche Radiostation ausgestrahlt werden, nötig sind. Wie viele andere Missionare nahm auch er, wie er im Vorwort schreibt, Trevor McIlwans „Firm Foundations“ (New Tribes Mission) als Fundgrube zur Erstellung seiner speziellen 100 Bibellektionen. Der Autor wünscht ausdrücklich, dass die Lektionen in andere Sprachen zu Sendezwecken übersetzt werden.

Um dies einfacher möglich zu machen wurde das Material, zu dem auch 20 Kassetten der 15-minütigen Radiolektionen gehören, herausgegeben. Der Autor bittet nur um Rücksprache, um die Vollständigkeit der Lektionen zu bewahren. Ferner ist die englische Ausgabe für englisch sprechende Muslime gedacht, die auf diese Weise im Selbststudium behutsam und gründlich die Lehren der Thora, Psalmen, Propheten und des Neuen Testaments verstehen können. Dabei geht es vor allem darum, dass sie verstehen, dass es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt. Die Opfer von reinen Tieren, die Gott in seiner Güte im Alten Testament als „Weg“ zur Bedeckung der Sünde der Menschen gegeben hat, war ein Symbol und eine Prophetie für das stellvertretende und erfüllende Sterben Jesu, als einzig gültiges Opfer zur Vergebung von Sünden. Die Lektionen bauen chronologisch aufeinander auf und sind doch in sich abgeschlossen. Jede der 100 Lektionen ist gefüllt von zu einem Hauptthema gehörenden Gedanken und Bibelworten.

Dem Leser wird in der ersten Lektion z.B. deutlich gemacht, dass Gott zu den Menschen gesprochen hat. ER ist Gott, und zwar der einzige und der Allmächtige. Er sprach durch die Propheten oft und auf verschiedene Art. Sie schrieben auch für ihn Gottes Wort auf, geführt durch den Heiligen Geist. Gott möchte, dass die Menschen dieses, sein Wort verstehen. Sein Wort ist ewig und in ihm ist Leben. Gott hat sich selbst offenbart und auch den Weg zur ewigen Rettung. „Höre! Öffne deine Ohren und komme zu mir. Höre, und deine Seele wird leben.“ In den beiden letzten Lektionen (99 u. 100) geht es zusammenfassend darum, wer Jesus ist.

Die Lektionen sind in einfachem Englisch geschrieben, in gesprochenem Stil, ursprünglich für afrikanische Muslime. Vielleicht wird dem ein oder anderen der Stil zu einfach erscheinen, aber der Inhalt ist anspruchsvoll und spricht Herz und Verstand gleichermaßen an. Dabei wird immer Rücksicht auf Denken und Fühlen von Muslimen genommen, ohne Kompromisse bei der Botschaft einzugehen. Zu lernen, wie man mit Muslimen in einer nicht „westlich“ geprägten Weise über die Bibel spricht, ist wirklich wichtig, denn sonst entstehen leicht Missverständnisse.

Die Lektionen sollten von Leuten durchgearbeitet werden, die Muslime auf dem Herzen haben und ihnen die Botschaft von der Rettung durch Jesus auf ihnen gemäße Art nahe bringen wollen. Die Leben schaffende Wahrheit der Bibel leuchtet in den Lektionen immer neu und aus einer vielleicht neuen Perspektive auf und macht das Hineinarbeiten in die Materie zu einem geistlichen Gewinn. Die über 500 Seiten Lektionen sind lang, aber zu schaffen, z.B. als Stille Zeit.

Das Buch ist folgendermaßen eingeteilt: Vorwort, 100 Lektionen in 4 Teilen (gut ersichtlich im Inhaltverzeichnis, mit Name der Lektion und Bibelstellen), 4 Anhänge: wie man die Kassetten zu Lehrzwecken (z.B. in Gruppen) einsetzen kann, Sprichworte der Wolofs (in den Lektionen verwendet), Unterrichtsmethodik mit dem Material, Ein-blicke in den Islam (sehr gut zum Verständnis der islamisch geprägten Menschen für Christen, und sehr gut zum Ausräumen von Falsch-interpretationen von Begriffen wie „Sünde“, „Sohn Gottes“… für Muslime). Dabei wird nicht nur die Religion fair erklärt, sondern auch was im Koran über Jesus steht.

Mir gefällt das Buch sehr gut, weil es für Muslime mit liebendem Herzen geschrieben ist und den Leser eindringlich und dennoch höflich zum Nachdenken bringt, den „Way of Righteousness“ Gottes in Jesus richtig zu begreifen.

Ulrike Kinker, em 2002-2.

Brandau, Robert. Innerbiblischer Dialog und dialogische Mission. Die Judenmission als theologisches Problem. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag 2006.

Die Wuppertaler Dissertation (Klappert) über die Diskussion um die Judenmission nach 1945 im Kontext ökumenischer Missionstheologie und der Israellehre Karl Barths bekräftigt und begründet in historischer ebenso wie in exegetischer und systematisch-theologischer Hinsicht das Nein zur Judenmission. Die Differenzierung des Dialogbegriffs in einen innerbiblischen Dialog von Christen und Juden, einen interkonfessionell-ökumenischen Dialog unter Christen und einen interreligiös-missio­narischen Dialog der Völkerkirche mit anderen Religionen/Welt­anschauungen ist hermeneutisch unabdingbar und theologisch geboten.

Innerbiblisch bedeutet: Christen und Juden begegnen einander als Zeugen Gottes voreinander; sie geben Anteil an den je eigenen Erfahrungen mit dem Gott Israels. Das gemeinsame Bekenntnis zu dem Gott Israels markiert die Grenze heidenchristlicher Mission, deshalb ist nur der interreligiöse Dialog missionarisch. Die Völkermission (im „Missionsbefehl“ Mt 28: ethne, biblisch zu unterscheiden von „Israel“) ist strikt von dem an die jüdische Jüngergemeinde ergehenden Auftrag zur Sammlung des eschatologischen Gottesvolkes Israel (Mt 10,6) – die nicht zu dessen Aufhebung führen kann – zu unterscheiden. Ein heidenchristliches „Zeugnis“ für Israel hat kein biblisches Fundament, vielmehr sind das aufgrund der Bundeszuverlässigkeit des Gottes Israels bleibend erwählte Gottesvolk und die Völkerkirche (die auf voreilige Identifikation mit Israel zu verzichten hat) gemeinsam zur Heiligung des Namens des Gottes Israels berufen. Die messianische Sendung des Christus Jesus mit Israel realisiert die vergegenwärtigende Repräsentation des Gottesvolkes Israel gegenüber den Völkern. Die Beziehung zum erst­erwählten Volk gehört mithin zum Inhalt des in der Mission der Kirche zu verkündi­genden Evangeliums und mitnichten in den Bereich ihres missionarischen Auftrags.

Diese Hauptthese(n) der nicht nur äußerlich gewichtigen, sondern in jeder Hinsicht eindringlichen Arbeit werden entfaltet, indem die wesentlichen Transformationsprozesse judenmissionarischer Theologie exemplarisch rekonstruiert und kritisch beleuchtet werden. In immenser Dichte werden dabei nicht nur die Positionen der klassischen Judenmission des 19. Jhs. (F. Delitzsch, G. Dalman) referiert und eingeordnet (u.a. in den Kontext der radikal-pietistischen Ablehnung der Judenmission, des eigenen Wegs Zinzendorfs, der Instituta Judaica, samt Exkursen zu Luther und Calvin), dann in zwei Kapiteln die wirkmächtige Israeltheologie Barths sowie das ökumenische Dialogprogramm erörtert, vielmehr wird in detaillierter Kleinarbeit sowie gelungenem Zusammenspiel von Darstellung und Reflexion die Fülle ökumenischer und kirchlicher Dokumente zur Judenmission gesichtet (ein Schwerpunktkapitel, S. 171-343, das nicht zuletzt die jeweiligen „impliziten systematischen und missionstheologischen Voraussetzungen“ offenlegen soll), worauf ein ebenfalls umfangreiches Kapitel „Konflikte um die Judenmission“ folgt. Auf dieser Grundlage legt der Autor in kritischer Rezeption Barths einen eigenen Entwurf zur Judenmission vor (Kap. VI), der gegen das prägende Modell der Subsumtion Israels unter die Völker, gegen die Paganisierung Israels durch Individualisierung und Universalisierung des Evangeliums die theologische Bedeutung der bleibenden Erwählung Israels in der eingangs skizzierten Form stark macht. Die christologischen und ekklesiologischen Gründe dafür, dass Christen in dem durch Jesus repräsentierten Israel keiner anderen, fremden Religion, sondern der eigenen Erwählung und damit dem Gott Israels begegnen, werden vertieft und die Ergebnisse in einem Epilog in 29 Thesen und einem Ausblick gebündelt.

Das alles liest sich – bei dem heiß umstrittenen Thema vielleicht kaum verwunderlich –durchweg spannend (auch wenn es um „Verlautbarungen“ geht), wobei eine gewisse Redundanz nicht zu übersehen ist. Die wiederum erscheint angesichts des Fehlens jeglicher Register (schade, ein erheblicher Mangel!) zwar akzeptabel, kann diese aber freilich in keiner Weise ersetzen. Dennoch ist die beeindruckende Menge an Material unaufgeregt und profund aufgearbeitet – wenn man bedenkt, dass die Position des Vf. eben so, wie er es selbst für eine jüdische Sicht formuliert, „eine, allerdings nicht die einzige Möglichkeit der Wahrnehmung“ darstellt (462).

Bei aller systematischen und missionstheologischen Entschiedenheit lässt sich fragen, ob hier nicht exegetisch Kategorien eingetragen werden, die (vorab) anderweitig gewonnen wurden. Als Indiz dafür könnte auf die merkwürdige Diskrepanz zwischen dem vielfach spürbaren Konkretionswillen und der im eigenen Entwurf zu konstatierenden grandiosen Abstraktion vom konkreten „Israel“ hingewiesen werden. Ist es nicht Anzeichen einer höchst problematischen Wahrnehmung des Gegenübers (das es trotz aller Einsichten bleibt), wenn „Israel“ plötzlich ständig gleichsam als Chiffre für die Eigeninterpretation herhalten muss? Oder wie ist es zu verstehen, wenn Christus – und das ist doch der Christus des apostolischen Zeugnisses! – „Teil der Prophetie Israels“ ist, wenn der Auferstandene als „der Repräsentant Israels“ Israel in der Welt vergegenwärtigt, oder gar „Christus Jesus als der verheißene Messias Israels die missionarische Existenz Israels verkörpert“ (! 456f)? Erfolgt christliche Mission tatsächlich „in Teilhabe an der Mission Israels“ (461)? Weitere Punkte wären anzusprechen, um die Befürchtung zu formulieren: Droht hier nicht die gerechtfertigte Intention in ihr Gegenteil umzuschlagen? Ohne die inhärierenden Probleme zu verharmlosen, kann man sich am Ende schon fragen, wo jüdische Menschen mit ihrer Wahrnehmung und vitalen Religiosität sich hier wirklich angesprochen finden. Je nach dem, in welcher Weise man das Christentum als „im Grunde jüdisch“ reklamiert, wird dem christlich-jüdischen Dialog das Gegenüber geradezu genommen und somit tendenziell der Boden entzogen. Zumindest wäre mehr als wünschenswert gewesen, die Aspekte, die das rabbinische Judentum (mit der Mischna als „Gründungsdokument“) in die Wirkungsgeschichte des Christentums einzeichnen (vgl. J. Neusner, M. Hilton, D. Boyarin), in die Diskussion mit einbezogen zu sehen. Die klare Differenzierung des „Israel“-Begriffs etwa in Röm 9,6 – das sei nur eben angedeutet – nötigt wohl doch zur analogen Differenzierung (auch) in missionstheologischer Hinsicht: Israel ist nicht einfach Israel. Am Ende bleibt – beispielhaft – E. Jüngels Votum (EKD-Synode 1999) bedenkenswert: Judenmission ist als gänzlich unbrauchbarer Begriff abzulehnen, und zugleich: Die deutschen Kirchen sind „ganz und gar unberufen“, Israel im Namen Jesu anzusprechen. Doch ebenso gilt: „Aus der Bezeugung des Evangeliums in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie müsste ihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegenüber verschweigen wollte.“ (zit. S. 139). Zwischen einer (theologisch und menschlich) verantwortlichen Realisierung dieser Sachverhalte und einem „Heilstriumphalismus“ (371) liegen Welten.

So ist das Thema auch mit dieser herausragenden Arbeit nicht endgültig geklärt, wie könnte es auch. Sie wird dennoch auf lange Zeit den Standard markieren, hinter den die Debatte nicht mehr zurückfallen darf.

Dr. Friedmann Eißler, em 2007-2.

Brandl, Bernd. Die Neukirchener Mission. Ihre Geschichte als erste deutsche Glau­bensmission. (Schrif­tenreihe des Vereins für Rheinische Kir­chengeschichte 128) Rheinland-Verlag: Köln und Neukirchener Verlag: Neu­kirchen, 1998.

Dissertationen sind keine Kriminalromane. Zumindest in Stil und Darstellung dieses Bu­ches, das 1997 von der Ev.-theol. Fakultät in Leuven (Belgien) als theologische Dissertation angenommen wurde, liegt hier eine Ausnahme vor. Der Rezensent begann zu lesen und ruhte nicht eher, als daß er alle 456 Seiten gelesen hatte. Tanaland (Kenia) und Salatiga (Indonesien) treten dabei ebenso lebendig vor Augen wie Ludwig Doll oder Julius Stursberg in Neukirchen. Und doch handelt es sich hier um ein sehr gut recherechiertes und mit missi­onstheologischem Sachverstand verfaßtes Fachbuch, das – wie das Vorwort ankündigt – einen weißen Fleck auf der missionsgeschicht­lichen Landkarte schließen hilft.

Dabei hat sich der Verfasser keine leichte Aufgabe gestellt: Drei Hauptschauplätze der Geschichte der Neukirchener Mission in ihren z. T. sehr unterschiedlichen Entwicklungen galt es darzustellen, ohne dabei die gemeinsamen Linien aus dem Blick zu verlieren. Gerade dies gelingt auch sehr schön. So wird deutlich, wie eine in der Heiligungsbewegung wurzelnde Glaubensmission einerseits innovativ wirksam werden kann und andererseits sich aus diesem Erbe ernsthafte Probleme ergeben, die bis in die Gegenwart manches Scheitern zu verant­worten haben. Drei wichtige Stichworte seien genannt, die über die Neukirchener Mission hinaus Relevanz besitzen: (1) Der sogenannte „Glaubensstandpunkt“: alle Versorgung wurde von Gott erwartet. Damit sind sowohl an Men­schen gerichtete Bitten als auch eine geregelte Gehaltsstruktur ausgeschlossen. In seinem Schlußteil zeigt Brandl, daß ein institutionali­sierter Glaubensstandpunkt ein Widerspruch in sich ist. (2) Heiligung als Ideal der Missionare für die zu gründenden Gemeinden. Danach ist die zweite nota ecclesiae nach der Verkündi­gung des Wortes die individuelle Bekehrung, die durch ein geheiligtes Leben belegt wird. Als Konsequenzen daraus sind dann eine starke Betonung der Gemeindezucht, die Gefahr der Gesetzlichkeit und - im Angesicht einer pio­niermissionarischen Herausforderung - große Differenzen über Grundfragen der Ekklesiolo­gie zu nennen. So taucht z. B. immer wieder die Frage nach der Taufe, ihrem Stellenwert und dem Taufritus auf. (3) Das Selbstverständ­nis der Missionare – allein von Gott gesandt – führte auf allen Missionsfeldern zu großen Konflikten aufgrund des von diesem Selbstver­ständnis geförderten Individualismus, vor al­lem nach Abebben der Erweckung. Brandl stellt alle diese Entwicklungen mit großer Of­fenheit und doch zugleich großer Behutsamkeit dar - an keiner Stelle ergreift er die Partei einer Person, auch wenn er in den einzelnen Sach­fragen klar und deutlich urteilt.

Zuletzt noch einige kritische Bemerkungen und Anfragen, die aber in keinster Weise den Wert dieser Arbeit schmälern können: Der Satz des Buches wurde offensichtlich mit einem Textverarbeitungssystem erstellt, das dann so schöne Trennungen wie Tauft-heologien (S. 430), oder Hilf-sprediger (S. 42) im Manu­skript hinterließ. Die Währung der 1880er war wohl kaum die DM (S. 75 & 85) und Glasgow liegt nicht in England (S. 332). Inhaltlich könnte man fragen, ob die AIC als „geglücktes Beispiel einer aus einer Glaubensmission her­vorgangene Denomination“ wirklich so ge­glückt ist. Schließlich stellt sich die Frage nach der Definition von Glaubensmission, wenn der Verfasser die AEM als fast ausnahmslos aus Glaubensmissionen bestehend charakterisiert (S. 449). Nach der Lektüre des Buches er­scheint es fast so, als würde der Neukirchener Mission dieser Name begründet abgesprochen. Dies würde dann aber für viele der AEM-Mis­sionsgesellschaften gelten.

Dr. Norbert Schmidt, em 1999-4.

Brecht, Martin (Hg.). Philipp Friedrich Hil­ler. Gott ist mein Lobgesang. Der Lieder­dichter des württembergischen Pietismus. Ernst Franz Verlag: Metzingen, 1999.

Im ersten Teil beschreibt Walter Stäbler ein­fühlsam und gekonnt das Leben und Wirken des 1699 geborenen „Dichters, Pfarrers und Theologen“ Philipp Friedrich Hiller. Über die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn führte Hillers Weg zum Theologiestudium nach Tübingen. Dort bescheinigte man ihm „guten Verstand“ und „Bescheidenheit in den Sitten“. Als Vikar predigte er „kurz und gut und führet sich wohl auf“ (20). Der Seelsorger und Prediger, der seit 1751 keine Predigt mehr halten konnte, weil seine Stimme versagte, wurde zum Schriftsteller. Bei seinem Tod 1769 hinterließ er in der Gemeinde und Kirche „einen guten Namen“ (42).

Die enge Verbindung Hillers mit Halle und Herrnhut und dem damaligen Pietismus wird erläutert. Wolfgang Schöllkopf zeigt auf, „dass sich die unterschiedlichen Traditionen des Pie­tismus alle auch als Singbewegung ausprägten“ (63). Martin Brecht skizziert Hillers „Geist­li­ches Liederkästlein“ als „eines der Me­dien für die tägliche Andacht“ (87-137). Hillers Moti­vation ist das Lob Gottes und der Ruhm des Allerhöchsten. Die theologische Konzep­tion des Liederkästleins lautet: „Gottes Größe ist unaussprechlich“ (103) und „der Geist er­forscht die Tiefen der Gottheit“ (117). Deshalb kann Hiller das Leben bejahen. Im zweiten Teil des Liedkästleins beschreibt er den Tod, die Erscheinung Christi und die Ewigkeit mit den Worten „Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen“ (133ff).

Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf „Erfahrungen und Nachwirkungen“ Hillers. Zum „Schatz im Gepäck der Auswanderer“ nach Amerika und Rußland in den Hungerjah­ren 1816/17 gehörte nach Günther Mathia auch Hillers Liederkästlein. Es tröstete nach dem Bericht des Basler Missionars Saltet die Ge­fangenen des 1826 überfallenen schwäbischen Kolonistendorfes Katharinenfeld in Rußland. Das Liederkästlein wurde zum Gesangbuch der Pregizer Gemeinschaft in Besarabien, Geor­gien, Ungarn und Israel und zum Trostbuch für viele Menschen in aller Welt.

In der Tat: „An Hiller ist mehr dran, als man weiß.“ Er ist ein großer Liederdichter und Theologe, von dem heute, in der Zeit der Theologievergessenheit viele Pfarrer viel ler­nen können. Das Doppelgebot der Liebe als Selbstauslegung Gottes und als Schöpfung ei­ner neuen individuellen Lebensführung im Sinne der sozialen Freiheitsverhältnisse schafft Person und menschliche Gemeinschaft neu… Gemeinschaft am Leid führt nicht in Verein­zelung, Gottferne und Tod, sondern zur schöp­ferischen Verheißung des Evangeliums gehört die Zuversicht der Gottesgemeinschaft (85).

In der Praxis der Liebe sah Hiller den Zusam­menhang von Frömmigkeit und gelehr­ter Theologie. Diese oft vergessene Seite des schwäbischen Pietismus hat später Dietrich Bonhoeffer wieder aufgenommen.

Dem von Martin Brecht herausgegebenen Buch muß man eine weite Verbreitung wün­schen, vor allem unter denen, die Theologie, Fröm­migkeit und Gemeinde trennen.

Prof. Dr. Karl Rennstich, em 2001-2.

Breman, Christina Maria. The Association of Evangelicals in Africa: Its History, Organi­zation, Members, Projects, External Relati­ons and Message. Zoetermer: Boekencentrum, 1996.

Die Niederländerin Christina M. Breman war viele Jahre Sekretärin an der Freien Universität Amsterdam. Mit 45 Jahren wird sie Missiona­rin der Africa Inland Mission in Tanzania, nachdem sie ein gründliches Theologiestudium absolviert hat (BTh, MTh, Mdiv). Schon nach 2 Jahren muß sie aus Krankheitsgründen zu­rück in die Heimat und beginnt dort mit der umfangreichen historisch-missiologischen Dis­sertation über die Evangelische Allianz Afrikas (AEA).

Christina Breman hat sehr gründlich reche­chiert (50 Seiten Literaturangaben) und viele Interviews vor Ort durchgeführt. Das Buch gibt einen umfassenden Einblick in die Organisati­onsentwicklung einer dynamischen Bewegung der Evangelikalen in Afrika. Vor allem die Persönlichkeiten, die die AEA geprägt haben, werden einfühlsam und prägnant geschildert (Downing, Kato, Odunaike, Adeyemo). Bre­man selbst schreibt aus evangelikal-reformier­ter Perspektive, stellt aber andere theologische Positionen fair dar. Nur der Bericht über PA­CLA II ist etwas einseitig, da nur Kritiker zu Wort kommen und nicht die Beteiligten selbst, wie bei den übrigen Konferenzberichten.

Die AEA wurde 1969 auf amerikanische In­itiative hin (IFMA, EFMA) gegründet, hat sich aber zu einer echt afrikanischen Bewegung entwickelt. Für mich ist das Besondere an die­sem Buch das kulturelle Einfühlungsvermögen in die afrikanische Kultur und Weltanschau­ung, das die Besonderheiten der Evangelikalen in Afrika eindrücklich darstellt (Prägung durch das Häuptlingsdenken, pragmatische Zusam­menarbeit mit Vertretern anderer Glaubens­überzeugungen, Betonung des engagierten Be­tens, eine holistische Sicht von Religion und Glauben).

Die Geschichte der AEA ist eine erstaunli­che Erfolgsstory, vor allem in den Bereichen theologische Ausbildung, BEST, NEGST, Ak­kreditierung, TEE, Christian Education. Die Verf. geht aber auch auf Rückschläge, allzu-menschliches, auf dem Papier formulierte große Ziele und die mangelnde Umsetzung in der Praxis ein. Besonders schwer auszuhalten ist die Spannung, einerseits die Initative aus den Grassroot-Bewegungen der Evangelikalen aufzunehmen und zu begleiten und auf der an­deren Seite als kontinentales Zentralbüro in Nairobi autokratisch von oben nach unten eine Organisation am Leben zu erhalten, und das mit allen Engpässen - vor allem finanzieller Art - die jeder kennt, der länger in Afrika gearbei­tet hat. Breman stellt die erstaunlichen Fähig­keiten von Tokunboh Adeyemo heraus, der jetzt schon 21 Jahre Generalsekretär der AEA ist.

Für wen ist das Buch hilfreich? Missionare können in afrikanische Organisationskultur einen feinfühligen Einblick erhalten. Christli­che Leiter, die mit Afrikanern zusammenar­beiten, tun gut daran, sich durch die Disserta­tion Hintergrundinformationen über die Evan­gelikalen dieses Kontinents zu verschaffen. Vor allem aber sollten viele Leiter in Afrika dieses Buch zur Hand nehmen. Da das Werk sehr umfangreich (und für Afrikaner sehr teuer) ist, wäre es eine gute Möglichkeit dieses Buch bei Besuchen in Afrika als Geschenk mitzubringen.

Horst Engelmann, em 2000-1.

Brenton Betts, Robert. Christians in the Arab East. Lycabettus Press, Athen, zweite neu bearbeitete Auflage 1978.

Wie konnte es geschehen, daß die christli­che Kirche in den meisten Ländern des arabischen Nahen Ostens bis heute über­lebt hat? Warum ist es den Christen unter islamischer Herrschaft so viel besser ge­gangen als den Muslim in Spanien, Portu­gal oder Sizilien? Wie kam es, daß die Chri­sten im Libanon bei der einzigen Volks­zählung, die jemals stattgefunden hat, eine hauchdünne Mehrheit und damit die Macht im Staat bekamen? — Wer diese und viele andere Fragen über Geschichte und heutige Lage der christlichen Minderheitskirche im Nahen Osten beantworten möchte, der sollte zu Betts Buch greifen. Es ist eine hervorragend geschriebene und auch gut lesbare soziologisch-geschichtliche Darstel­lung, die inzwischen in Athen in der zwei­ten Auflage erschienen ist.

Klaus Fiedler, em 1985-2.

Breuer, Rita. Wird Deutschland is­lamisch? Mission, Konversion, Reli­gions­freiheit, Berlin/Tübingen: Verlag Hans Schiler, 2011.

Der Titel des neuen Buches der Islam­wissenschaftlerin Breuer scheint nichts Gutes zu verheißen: Wieder ein Weckruf an Deutschland, der Islam und Muslime als das Schreckgespenst für unser Land darstellt? Stattdessen begegnet uns in dem leider etwas zu teuren Werk eine Menge guter und überraschender Sach­informationen, die zu einer fundierten Auseinandersetzung mit dem Islam in Deutschland beitragen können.

Während etwas weniger als die erste Hälfte des Buches (S.7-86) den grund­legenden Einstellungen von Muslimen gegenüber Nichtmuslimen und solchen, die dem Islam den Rücken kehren, gewidmet ist, behandelt der etwas grö­ßere zweite Teil (S.87-179) die Frage, inwiefern ein an der Scharia orientierter Islam in Deutschland zu integrieren sei.

Breuer untersucht kurz in Koran und Ha­dith die Haltung der Muslime zur nicht­muslimischen Umwelt. Jeweils schlägt sie schnell die Brücke zur Si­tuation in Deutschland: auch viele Muslime in un­serem Land leben mit dem Gefühl einer religiösen Überlegenheit (S. 13), isla­mische „Mission“ (Da´wah) ist geboten, auch die „innerislamische Mission“ (S. 29), die auf das moralische Verhalten des Mit-Muslim achtet und leicht zu Grup­pen­druck führt.

Recht eingehend nimmt Breuer unter die Lupe, wie Muslime für ihren Glauben werben, welche Art von Menschen zum Islam konvertieren, warum sie es tun und wie viele es überhaupt sind. Hier merkt man, dass Breuer sich in der Szene per­sönlich auskennt. Der ehemalige Evan­gelikale Mohammed Herzog wird zitiert (S. 47-48). Auch auf den salafistischen Konvertiten Pierre Vogel geht sie ein (z.B. S. 51+59).

Sehr gefreut hat mich, dass die Is­lam­wissenschaftlerin auch über den Abfall vom Islam (S. 61-73) und insbesondere über Konvertiten vom Islam zum Chris­tentum (S. 73-85) schreibt – ein Thema das leider in ähnlichen Werken unter den Tisch fällt. Offen zitiert Breuer, wie selbst der prominente deutsche Konvertit Murad Wilfried Hofmann die Todes­strafe für den Abfall vom Islam zu er­klären ver­sucht und dass selbst Er­klärungen zur Religionsfreiheit, wie die des Zentral­ra­tes der Muslim von 2002 bei näherem Nach­fragen den Eindruck eines opportu­nis­tischen Lippenbekennt­nisses er­wecken (S. 63).

Die Zahl der Konversionen zum Islam schätzt Breuer übrigens als relativ gering ein. Sie geht in Deutschland von 15.000 Muslimen mit nicht-muslimischem Hin­ter­grund aus und von einer jährlichen Zuwachsrate von ungefähr 200 bis 300. Breuer nimmt an, dass die Zahl der Kon­versionen zum Islam propagan­dis­tisch hochgeredet wird, die Zahl der Kon­ver­sionen vom Islam zum Christen­tum dagegen aufgrund der Bedrohung der Kon­vertiten eher kleiner gemacht wird, als es der Wirklichkeit entspricht (S. 73).

Der Versuch, islamisches Recht, also die Scharia, in der deutschen Wirklichkeit zu etablieren, ist laut Breuer im vollen Gan­ge. Islamische Verbände und Medien be­nutzen dabei gezielt den Vorwurf der „Islamophobie“, der manchmal, so Breu­er, zur „Pathologisierung jedweder kri­ti­schen Sicht“ des Islams benutzt wird. Die Auseinandersetzung zwischen is­la­misch motivierten Wertvorstellungen und dem demokratisch-freiheitlichen Sys­tem in Deutschland umfasst äußerst verschiedenartige Bereiche. Nur eine klei­ne Auswahl der Fragen und For­de­rungen: Befreiung muslimischer Schüler vom Unterricht während der Gebets­zei­ten, Fasten muslimischer Fußball­spieler während des Ramadan, Distanzierung von der deutschen Gesellschaft durch das Ernstnehmen der Speisegesetze, Teil­nah­me von muslimischen Schülerinnen am Schwimmunterricht, islamische Banken ohne Zinsen etc.

Breuer versucht zu zeigen, dass es im Is­lam durchaus auch moderne Inter­pre­ta­tionen gibt (S. 114), die das Zusammen­le­ben in Deutschland erleichtern könn­ten. Zu Recht bemerkt sie, es sei „islam­feindlich, wenn man nicht zur Kenntnis nimmt, dass es auch andere Lesarten des Islams gibt“ (S. 108). Sie zeigt sehr realistisch die zahlreichen Konflikt­punk­te auf, geht sogar auf „nützliche Idioten“ (S. 97) ein, zu denen sie solche Medien- und selbst Kirchenvertreter zählt, die gerade die radikalen Muslime als Ge­sprächspartner hofieren und wich­tig ma­chen. Ihre Hoffnung bleibt, dass Deut­sche selbstbewusster zu ihren zivi­lisa­torischen Errungenschaften, den frei­heit­lichen Grundrechten, stehen und dadurch Deutschland „ein guter Ort auch für die vielen demokratiefähigen und to­leranten Muslime“ (S. 179) wird.

Zwei kritische Bemerkungen zu dem sonst sehr zu empfehlenden Buch: Die Islamwissenschaftlerin vermittelt durch­weg den Eindruck gut und fundiert infor­miert zu sein. Oft werden aber durchaus wichtige (und vielleicht auch um­strit­te­ne) Behauptungen nicht genügend mit Quel­len belegt. Ein durchgängigerer Nach­weis von Quellen hätte das Buch sicher umfangreicher gemacht, wäre aber gerade bei diesem sensiblen Thema zu wünschen.

Etwas unbehaglich wird es mir immer, wenn der Islam mit Argumenten zurück­gewiesen wird, die genauso auf meinen christlichen Glauben anwendbar wären. Man kann es Frau Breuer nicht ver­den­ken, dass sie persönlich Absolutheits­an­sprüche als ein Grundübel ansieht (etwa S. 8). Als Christen, die den heute nicht gerne gehörten Absolutheits­an­spruch Je­su Christi verkündigen, sollten wir dann allerdings solche Argumente nicht nur deshalb übernehmen, weil sie in diesem Fall eine andere Religion treffen.

Wolfgang Häde, em 2012-1

Bria, Ion; P. Chanson, J. Gadille, M. Spindler (Hg.), Dictionnaire oecumenique de missiologie: Cent mots pour la mission, (Association francophone oecumenique de missiologie), Paris/Genève/Yaoundé: Du Cerf/Labor et Fides/Cle, 2001.

Die Französischsprachige Ökuemenische Gesellschaft für Missionswissenschaft (Association francophone oecumenique de missiologie) hat bereits 2001 dieses Ökumenische Wörterbuch der Missiologie (hier abgekürzt DOEM) herausgegeben. Begonnen wurde die Arbeit bereits 1988 von Père Joseph Levesque und nach seinem Tod 1995 von Ion Bria, Philippe Chanson, Jacques Gadille und Marc Spindler weitergeführt und zum Abschluss gebracht. Das Buch trägt den Untertitel „Hundert Worte für die Mission“. Und tatsächlich sind es genau hundert Stichworte, unter denen das Thema der Mission wissenschaftlich von vielen Seiten her beleuchtet wird. Natürlich liegt der Vergleich mit dem Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe, hg. von Karl Müller und Theo Sundermeier, 1987 (LMG) nahe. Hier waren es 110 Stichworte. Doch das vorliegende Werk ist keine Übersetzung, sondern eine eigenständige Arbeit. Die fränzösischsprachigen Autoren haben ihre eigenen Akzente gesetzt. Schon das erste Stichwort, das den Reigen der Begriffe eröffnet, „Adaptation“, sucht man im LMTG vergeblich. Das gleiche gilt für die Stichworte „Annonce de l´Evangile“, „Apostolicité de la mission“, „Eglises locales“, „Internationalisation de Missions“, „Liberté réligieuse“ „Plantation de l´Église“,“Syncretisme“ u. v. m. Interessant: den Artikel zu „Bibel und Mission“, den im LMG der Mitherausgeber des DOEM, Marc Spindler, geschrieben hat, verfasst hier eine andere Autorin. Das thematische Spektrum ist leicht anders gelagert als im LMG und reicht weiter in die Bereiche der Missionsgeschichte und -praxis hinein. Dafür fehlen spezialisierte Beiträge zu afrikanischer, chinesischer, indischer oder lateinamerikanischer Theologie oder den Glaubensmissionen wie im LMG. Jedem Artikel ist eine ausführliche Bibliographie und eine Übersicht verwandter Begriffe zugeordnet. Insgesamt sind 45 Autoren vorwiegend aus dem französischsprachigen Bereich an dem Werk beteiligt. Das Buch wird abgerundet durch ein Abkürzungsverzeichnis, ein Verzeichnis der Autoren, einen Sach- und Personenindex und schließlich ein Inhaltsverzeichnis. Das Werk ist eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen missiologischen Nachschlagewerken und (nicht nur) für Französisch sprechende Missiologen unentbehrlich.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-1.

Brinkmann, Klaus (Hg.). Missionare und ihr Dienst im Gastland. Referate der Jahresta­gung 1997 des AfeM. edition afem - mission reports 5. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.

„Missionare und ihr Dienst im Gastland“ ist eine 175-seitige Fundgrube für Gäste und sol­che, die es werden wollen. In elf Referaten be­leuchten neun Missionspraktiker, wie der Ein­satz des Missionars gelingen kann. Dabei be­sticht die Erkenntnis, daß es weniger auf die fachlichen, als die persönlichen Qualitäten des Mitarbeiters ankommt. Beziehungsorientierte Charaktereigenschaften wie Humor, echte De­mut, Höflichkeit und Geduld sind auf lange Sicht wirkungsvollere Missionsmittel als ein projektorientiertes „Zack, zack, jetzt aber ran, die Zeit läuft“.

Gästebetrieb ist nicht immer eine einfache Sa­che, weder für den Gastgeber noch für den Gast: Im Land seiner Bestimmung angekom­men, spürt der Neuling (er wußte es schon vor­her), daß seine Kollegen aus der ganzen Welt kom­men und er sich nun an mindestens zwei Kul­turen anpassen muß, der des Gastlandes und der des Teams. Lohnt sich die Arbeit in inter­kulturellen Teams? Sie kann das effektiv­ste Team überhaupt sein, wenn einige Vorausset­zungen stimmen (S. 31, 121ff).

Was kann alleinstehenden Missionaren hel­fen, Anschluß ans Team zu gewinnen? Kinder­spielzeug mitnehmen! Aber nicht um fortan als Dauerbabysitter von den Missionaren ‘miß­braucht’ zu werden, sondern um freund­schaftlichen Kontakt zu ihnen zu bekommen. Sollen wichtige, die Arbeit betreffende Ent­scheidungen auf dem Feld oder von der Hei­matzentrale getroffen werden? Wenn möglich auf dem Feld, wie das Beispiel des Paulus zeigt (S.68-70). Wie sollen sich die Missionare bei massiven sozialen Ungerechtigkeiten wie Aus­beutung und Unterdrückung im Gastland ver­halten? Unbeirrt auf das Verkündigen des Evangeliums beschränken, oder politisch und sozial aktiv werden (S. 152ff)?

Auch für die gastgebende Kirche können die Gäste anstrengend sein:

So können sich viele Missionare einfach nicht daran gewöhnen, unangemeldet „nur so“ Besuche zu machen, obwohl das in manchen Kulturen unersetztlich ist. Einige unter ihnen sind so vielseitig begabt und packen derart viele Dinge erfolgreich an, daß sie damit ihre einheimischen Mitarbeiter erschlagen. Unge­wollt rauben sie diesen ihre Motivation und er­sticken ihre Eigeninitiative. Andere gehen so unbedarft mit ihrem Geld und ihren Gütern um, daß sie unbeabsichtigt die Blicke der Einheimi­schen auf ihren Besitz anstatt auf Jesus lenken.

Die Referenten zeigen nicht nur die Pro­bleme, sie versuchen auch anhand der Bibel und aus­gewählter Fallbeispiele Antworten zu geben. Bei aller Problemanzeige wird nicht vergessen, daß die Gäste nicht aus eigenem Antrieb in die Mission gehen, sondern von dem gesandt sind, der Fremdlinge und Gäste jetzt zu Mitbürgern und Gottes Hausgenossen machen will (Eph 2,19). Wer sollte dieses Buch lesen? Der heim­kehrende Missionar. Ihm kann es eine äußerst hilfreiche Anleitung sein, seinen Dienst kri­tisch zu überdenken. Aber auch der Missions­kandidat und die, die ihn für seinen Einsatz vorbereiten, werden profitieren.

Johannes Böker, em 1999-3.

Brugnoli, Carlo und Michèle. Erzählt es al­len Völkern. Ermutigende Perspektiven zum Thema Weltmission. Projektion J: Wiesbaden, 1995.

Die Autoren Carlo und Michèle Brugnoli sind Missionspraktiker, Leiter eines JMEM-Zen­trums in der Schweiz, die mit ihrem mis­siologischen Kompaktkurs herausfordern, an­stecken und begeistern wollen. In wohltuender Weise wird dabei die Dichotomie zwischen Missionaren im Ausland und Gemeindeglie­dern zu Hause überwunden. Alle werden ein­geladen zum gezielten Engagement für die Weltmission, zur kreativen Unterstützung von Missionaren sowie zur Weltmission vor der Haustür. Dabei liegen den Autoren besonders die unerreichten Völker am Herzen. Dies ist ein außerordentlich praktisches Buch. Kurze Gedanken zur Missionstheologie sind mit ein­drucksvollen Fakten und anschaulichen Erfah­rungsberichten kombiniert. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gebet, insbesondere für die Be­kehrung von einzelnen Freunden. Andere Themen sind Evangelisation, Nacharbeit, ef­fektive Kommunikation sowie Kinder- und Ju­gendarbeit. Da das Buch als Werkbuch gestal­tet ist, wird jedes Kapitel mit einem Fragenka­talog abgeschlossen, der zum weiteren Nach­denken anregt. Freier Raum auf diesen Seiten lädt dazu ein, Antworten gleich niederzu­schreiben. Leider fehlt fundierte Bibelausle­gung. Es sind zu viele orthographische und Übersetzungsfehler verblieben, etliche Formu­lierungen sind altmodisch-fromm. Bei den spektakulären Berichten über umstrittene Großaktionen hätte ich mir mehr kritische Di­stanz gewünscht. Hier wird der Glaubensmut (Zukunftsoptimismus) deutlich, der von dem charismatischen Vorverständnis her zu verste­hen ist. Trotz dieser Unzulänglichkeiten ist das Buch wegen seiner Praxisnähe und engagierten Darstellung zu empfehlen.

Dr. Detlef Blöcher, em 1998-1.

Bürkle, Horst (Hg.). Die Mission der Kirche. AMATECA Lehrbücher zur katholischen Theologie Bd. XIII, Paderborn: Bonifatius, 2002.

In diesem Werk unternimmt der emeritierte Münchener Missionswissenschaftler Horst Bürkle in Zusammenarbeit mit 7 Mitverfassern, darunter 3 weitere Missiologen (Karl Müller, SVD, +2001), Arij A. Roest-Crollius, S.J., Horst Rzepkowsky, SVD, + 1996), 2 Soziologen (Anton Rauscher, S.J., Manfred Spieker) und 2 Dogmatikern (Bonaventura Kloppenburg, O.M.F., Leo Kardinal Scheffzyk) den begrüßenswerten Versuch, auf begrenztem Raum in wissenschaftlicher und doch gemeinverständlicher Form für den Gebrauch an Hochschulen, Gymnasien wie auch im pastoralen Bereich ein Kompendium vorzulegen, in dem alle Gebiete und Themen der christlichen Mission prägnant und informativ zur Darstellung kommen: ihre exegetische und dogmatische Begründung, ihre Geschichte, ihre Verbreitung auf allen Erdteilen und in den Kulturkreisen der Menschheit sowie in den Problemstellungen angesichts der religiösen, politischen und sozialen Herausforderungen der Gegenwart. Das Buch erscheint in der Reihe „Lehrbücher zur katholischen Theologie“, in welcher der Herausgeber bereits einen früheren Band (III) veröffentlicht hat, der sich mit den nicht-christlichen Religionen und deren theologischer Interpretation beschäftigt. Die beiden Bände ergänzen sich also gegenseitig. Kennzeichnend für die ganze, im Aufbau begriffene Reihe AMATECA (Associazione Manuali di Teologia Cattolica) ist, daß in ihr alle theologischen Disziplinen aus einer Perspektive behandelt werden, die sich entschieden der Autorität des römisch-katholischen Lehramtes unterstellt und dabei besonders dessen Verlautbarungen aus neuer Zeit seit dem II. Vaticanum und dem Pontifikat der letzten Päpste in z.T. umfangreichen Zitaten zu Worte kommen läßt. So nimmt im Personenregister der gegenwärtige Papst Johannes Paul II. mit 46 Verweisen mit Abstand den ersten Platz ein (vor 20 Hinweisen auf Publikationen des wichtigsten Mitverfassers Karl Müller, dessen 1985 erschienene Missionstheologie hier noch einmal aktualisierend ausgewertet wird).

Diese Orientierung an den lehramtlichen Aussagen bedeutet auch für den nicht-katholischen Leser einen zweifachen Gewinn: Zum einen gibt er dem Gesamtwerk angesichts der Vielzahl von Themen und Mitverfassern eine innere Geschlossenheit und Repräsentativität. Obwohl auch die gegenwärtige katholische Missionswissenschaft durch Spannungen zwischen einer konservativen (z.B. J. Amstutz und J. Dörmann) und einer progressiven Richtung (z.B. G. Collet und L. Rütti) beeinflußt ist, auf die auch gelegentlich verwiesen wird, werden so doch jene Einseitigkeiten vermieden, die manchen anderen, von der persönlichen Position des Verfassers bestimmten Monografien anhaften. Der Leser bleibt also nicht im Unklaren über die offizielle Haltung, welche die Kirche Roms hinsichtlich ihrer weltweiten Sendung einnimmt und wie sie in den Entscheidungen und Instruktionen zu den mannigfachen Problemen verbindlichen Ausdruck gefunden hat.

Der andere Vorteil dieser Anlage ist der, dass tatsächlich ein so gut wie vollständiges Spektrum missionarischer Aspekte des heutigen kirchlichen Weltengagements entfaltet werden kann. Denn die Aufgaben und Probleme der verschiedenen Teilkirchen in aller Welt sind durch die zentrale Koordinierung der gesamtkirchlichen Organe und die direkte päpstliche Aufsicht ständig präsent und werden in ihrer grundsätzlichen Bedeutung durchdacht, ob es sich etwa um die heute sehr im Vordergrund stehende Frage der Inkulturation von Evangelium und Kirche handelt, oder um das Engagement der Laien bei der Bezeugung der christlichen Botschaft in den mannigfachen Lebensbereichen, oder die Verbindung von Verkündigung und sozialpolitischer Verantwortung, oder den Dialog mit anderen Religionen und Welt-anschauungen oder auch die Neu-Evangeli-sierung einst christianisierter Völker in Europa und in den beiden Amerikas.

Trotz dieser bewusst angelegten kirchenamtlichen Perspektive bringt die Lektüre des vorliegenden Kompendiums auch dem evangelischen Leser, ob Fachwissenschaftler oder interessiertem Laien, echten Gewinn, und dies aus einem dreifachen Grund:

Erstens sind die missionarischen Herausforderungen der Welt sowohl in ihren religiösen als auch ihren säkularen Aspekten weithin die gleichen, so dass der evangelische Missiologe fast überall auf die auch ihn ständig beschäftigenden Fragen stößt.

Zweitens gibt es nach der vom II. Vatikankonzil bewirkten Entspannung im interkonfessionellen Verhältnis eine ökumenische Zusammenarbeit sowohl im wissenschaftlichen als auch im praktischen Bereich, letztere auf den einzelnen Kontinenten wohl im unterschiedlichem Maß, am wenigstens offenbar zwischen der Katholischen Kirche und den (von Kloppenburg summarisch so bezeichneten) „Nichtkatholiken“ in Lateinamerika! Fast alle Beiträge sind von einem ehrlichen Respekt vor den Leistungen auch evangelischer Missionare und Missiologen geprägt, was sich in den häufigen Rekursen auch auf protestantische Literatur bekundet.

Drittens, und das dürfte das Wichtigste sein: Die theologische Begründung der Mission aus dem Heilsratschluss des Dreieinigen Gottes, die in den Sendungen des Sohnes und des Geistes ihre grundlegende Verwirklichung und ihre Weiterführung in der Mission der Kirche findet, unterscheidet sich in den drei Hauptkonfessionen nicht mehr wesentlich. Deswegen kann sich K. Müller im zweiten Kapitel bei der alttestamentlichen und neutestamentlichen Begründung der Mission weithin auf evangelische Theologen wie J. Blauw, D. Bosch, F. Hahn, M. Hengel, O. Michel, A. Rétif und C. Stuhlmueller stützen.

Bei aller erfreulichen Gemeinsamkeit in der Missionsschau des vorliegenden katholischen Lehrbuchs können die verbleibenden Unterschiede nicht übersehen werden. So fällt dem Rezensenten als Erstes auf, dass in den Aufsätzen der Autoren, so weit sie protestantische Kollegen nicht nur erwähnen, sondern explizit zu Worte kommen lassen, der evangelikale Beitrag zur neuzeitlichen Missiologie relativ geringe Aufmerksamkeit findet. Das ist um so befremdlicher, als spätestens seit dem Aufbruch der Lausanner Bewegung, aber schon seit den sechziger Jahren, schon rein operationell der Löwenanteil zur heutigen Weltevangelisation einschließlich der Diakonie von evangelikalen Gesellschaften, Verbänden und einheimischen Kirchen geleistet und von einer beachtlichen missiologischen Literatur wissenschaftlich begleitet wird.

Hinsichtlich der theologischen Zielsetzung der Mission fällt auf, dass in konsequenter Entfaltung des Buchtitels die korporative ekklesiologische Dimension der Mission als eine der Kirche als ganzer gestellten Aufgabe und als ein zu ihrer weltweiten Gestaltwerdung führendes Werk bildet. Das gilt für alle Autoren, von Bürkles grundlegendem Beitrag über die „Mission der Kirche im religiösen und kulturellen Kontext der Gegenwart“ bis zu Manfred Spiekers abschließender Behandlung der Probleme der „Kirchen im postkommunistischen Transformationsprozeß“. Als die wesentliche Problematik betrachten sie dabei die „Inkarnation“, d.h. Verleiblichung der Kirche in den mannigfachen Kulturen der Menschheit. Gewiss würden heutige evangelikale bzw. reformatorische Missiologen diesen Aspekt ebenfalls einbeziehen. Aber als vorrangige Aufgabe der Mission würden sie der bis zu Paulus zurückreichenden Tradition folgen und mit diesem die soteriologische, d.h. die auf die Rettung der vom Evangelium noch unerreichten Menschen aus sündiger und dämonischer Gebundenheit und vor dem kommenden göttlichen Zorngericht herausstellen. Das haben einst - in inhaltlicher Parallele zu Gustav Warnecks Missionslehre – auch katholische Missions-wissenschaftler in der Münsteraner Schule (J. Schmidlin; Th. Ohm) in dem sogenannten „Konversionsmodell“ vertreten (vgl. Abschn. 3.6 „Die verschiedenen Modelle“, S. 111-114). Zu dessen Ablösung hat sicher nicht nur die Durchsetzung des „Plantationsmodell“ der Löwener Schule beigetragen, sondern heute sicher noch stärker die optimistische Beurteilung der Heilsmöglichkeit auch in den nichtchristlichen Religionen bzw. gar durch sie, wie sie aus den Dialog-Instruktionen des Vatikans sowie der Weitherzigkeit des jetzigen Papstes in seinem Umgang mit den Repräsentanten anderer Religionen (Assisi 1986 und 2002!) hervorzugehen scheint (Der von dem Münsteraner katholischen Missiologen Johannes Dörmann dagegen erhobene Einspruch wird in einer Anmerkung auf S. 156 zwar vermerkt, aber dezent zu entkräften versucht). Immerhin warnte gerade auch Johannes Paul II. selber (vier Jahre nach „Assisi I“) in seiner Missions-Enzyklika vor einer missbräuchlichen Zurückstellung der Verkündigungsaufgabe zugunsten eines neutralen interreligiösen Dialogs. Eine überzeugende Begründung der Notwendigkeit der Bekehrung sucht man jedoch in den Beiträgen des vorliegenden Buchs vergeblich, abgesehen von dem Aufsatz Leo Scheffzyks über die „Grundlagen der Reevangelisierung im Vatikanum II und in der päpstlichen Lehrverkündigung“. Er widmet den 3. Abschnitt dem Thema: „Das Zentrum der Neuevangelisierung: die Notwendigkeit der Umkehr“ (S. 333-338). Hier bildet den Hintergrund allerdings der von ihm beobachtete Verlust von Religion in der säkularistischen Gesellschaft und die mangelnde Spiritualität sogar in der Kirche selbst.

Ein weiterer theologischer Schwerpunkt, an dem sich evangelikale Missionstheologen von der hier dargelegten römisch-katholischen Position unterscheiden werden, ist die von ihnen mit Karl Hartenstein und Walter Freytag betonte eschatologische Ausrichtung der Mission als Wegbereiterin des wiederkommenden Herrn. Gewiß wird dieser biblische Aspekt, den K. Müller bei der Behandlung der paulinischen Missionstheologie (nach D. Senior und D. Bosch) als wesentliches Thema derselben nennt (S. 68), nicht übergangen. Aber er stellt für diese Autoren, ebenso wie für das kirchliche Lehramt, kein dringliches Motiv dar. Was sie davon abhält, ist einerseits die oft protestantisch-ökumenischerseits beschworene Furcht, dass Apokalyptik zur Lähmung der Weltverantwortung führe, andererseits der auffallende Geschichtsoptimismus in der missionarischen Planung , wie er ja von Papst Johannes Paul II. in zahlreichen Verlautbarungen und Aktionen im Blick auf das erwartungsvoll eingeläutete Dritte Millennium vertreten worden ist und noch wird.

Angesichts dieser innergeschichtlichen Zukunftshoffnung tritt - drittens - auch die für die biblische Reichs-Erwartung nach Röm 11,25 so zentrale Rolle des alten Bundesvolkes Israel zurück, so sehr im Sinne des heutigen, schuldbewußten Versöhnungsbemühens Roms auch positiv die heilsgeschichtliche Verbundenheit der Kirche mit Israel betont wird (S. 69). Erfreulich ist angesichts der sich gegenwärtig weithin durchsetzenden Diffamierung der Judenmission auf protestantisch/ökumenischer Seite die Aussage von Karl Müller (S. 69 f.), „dass die Juden immer ein Recht hatten und auch heute noch haben zu hören, dass Jesus der Christus ist, d.h. dass die Kirche als Folge davon ihrerseits das Recht und die Pflicht hat, das Evangelium auch den Juden zu verkündigen.“

Prof. em. Dr. Peter P. J. Beyerhaus, em 2002-4.

Burnett, David. Clash of Worlds. East-bourne: MARC 1990.

Dr. David Burnett ist der Leiter des Missionary Orientation Centre von WEC Inter­national in England und Fellow of the Ro­yal Anthropological Institute. Er war Mis­sionar in Indien und ist Autor von „God’s Mission: Healing the Nations” (1986) und „Unearthly Powers: A Christian Perspective on Primal and Folk Religions” (1988).

Dr. Peter Cotterell, Rektor des London Bible College, schließt sein Vorwort zu dem Buch: „Dies ist ein Buch für Leute, die be­reit sind nachzudenken; aber es verursacht dem, der es tut, keine unnötigen Kopf­schmerzen.“ Burnetts Stil ist klar und ver­ständlich. Als guter Lehrer illustriert er die wesentlichen Punkte mit Anekdoten und Beispielen. Das Buch behandelt ein einziges Thema: Weltbilder (‚worldviews’). „Die meisten von uns haben das Wort gehört. Wenige wissen, was es wirklich heisst. Hier ist die Antwort. Ich entsinne mich keines Buches, das so eindeutig und elegant dieses Thema behandelt.“ (Peter Cotterell). Bur­nett behandelt nach grundsätzlichen Aus­führungen die Weltbilder des Säkularismus, Animismus, Hinduismus, der Chinesen und des Islam. Er geht dann auf die Verände­rungen der Weltbilder ein (New Religions Movements, New Age Movement, Neo-paganism). Danach untersucht er die Grundsätze des christlichen Weltbildes, wie es andere Weltbilder transformiert und wie im Zusammenprall mit anderen Weltbildern das Evangelium sachgemäß bezeugt und verkündigt werden kann. Burnetts Anliegen ist, Christen zu helfen, im Konflikt der Weltbilder die andere Seite und das eigene Weltbild zu verstehen. Erst dann ist eine echte Kommunikation des Evangeliums möglich.

Dietrich Kühl, em 1991-3.

Burnett, David. Dawning of the Pagan Moon. Eastbourne: MARC, 1991.

Dr. David Burnett ist „Fellow of the Royal Anthropological Institute” und vom WEC Inter­national als Dozent an das All Nations Chri­stian College in Ware, Hertfordshire ausgeliehen. Er ist Autor von God’s Mission: Healing of the Nations (1986), Unearthly Powers: A Christian Perspective ofPrimal and Folk Religions (1988) und Clash of Worlds (1990).

Bumett möchte in seinem Buch zeigen, daß
Okkultismus und Esoterik nicht nur eine Rand­erscheinung unserer westlichen Gesellschaft sind. Die Wiederbelebung alter germanischer Religionen hat zu einer neuen religiösen Be­wegung geführt. Der Autor macht dies am Bei­spiel Großbritanniens deutlich.

An eine kurze Einführung über die religiö­sen Vorstellungen der Kelten und Angelsach­sen schließen sich Ausführungen über Esoterik und Magie im Mittelalter und in der Neuzeit an. Der erste Teil schließt dann mit einer Un­tersuchung über die Hintergründe und Ent­wicklungen der neueren „Pagan Revival“.

Der zweite Teil geht auf Zusammenhänge zwischen der Göttin Gaia [Erde] und dem Fe­minismus und ökologischen Bewegungen ein. Den Abschluß des zweiten Teiles bildet ein Kapitel über CG. Jungs Psychologie, Mircea Eliade und ihre Verbindungen zur modernen Belebung des Heidentums in der christlichen Welt.

Ein dritter Teil geht auf die Magie und ihre Verbindung zur Religiosität ein und bespricht auch die verschiedenen Feste im Zusammen­hang mit dem Jahreszyklus und dem Lebens­zyklus.

Ein vierter Teil untersucht die Frage, wer eigentlich von dieser neuen religiösen Welle erfaßt ist. Es wird deutlich, daß das Neuhei­dentum nicht nur irgendwelche Randsiedler er­faßt, sondern mittlerweile eine große Gefolg­schaft auch in der Mittelklasse und unter den Intellektuellen hat.

Ein letzter Teil geht auf die Haltung der Ge­sellschaft zu denen ein, die offen dem neuen Heidentum angehören. Danach wird die Rolle des Mythos füf den Glauben untersucht. Den Abschluß bildet eine biblische Antwort auf das Phänomen der „Pagan Revival“. Ein Nachwort an die neuheidnischen Leser, eine Liste mit 73 heidnischen Zeitschriften in England und ein Index runden das Buch ab. Mit fast 10 £ ist das Buch deutlich teurer als die anderen Bücher von David Bumett.

Dietrich Kühl, em 1993-1.

Burrows, William R. Redemption and Dialo­gue: Reading Redemptoris Missio and Dialo­gue and Proclamation. Maryknoll/New York: Orbis Books, 1994.

Wenn der bekannteste Vertreter der Christen­heit, Papst Johannes Paul II., sich zum Thema Mis­sion äußert, ist das zweifelsohne für Mis­siologen interessant. In dem Buch „Redemption and Dia­logue“ veröffentlicht der frühere Missionar und heutige Leiter des Or­bis-Verlags, William Bur­rows, zwei wichtige katholische Dokumente zur Mission. In Teil I und II werden die vollständigen Texte der En­zykliken „Redemptoris Missio“ und „Dialogue and Proclamation“ zum ersten Mal auf englisch zugänglich gemacht. Beide Dokumente werden von ausführlichen Kommentaren katholi­scher Missionswissenschaftler begleitet. In einem dritten Teil folgen Stellungnahmen verschiede­ner Missiologen aus aller Welt, die die Schwä­chen und Stärken der Verlautbarungen kritisch be­leuchten.

Dank des durchdachten dreiteiligen Aufbaus er­hält man ein gutes, abgerundetes Bild über In­halt und Bewertung der Dokumente. Die bei­den Verlautbarungen des Vatikans sind nach einem langen Entstehungsprozeß ausgewogen, aber auch an manchen Stellen etwas unklar. Man erkennt, daß der Vatikan über fähige Theologen verfügt und daß Papst Johannes Paul II. die ‘Missio ad Gentes’ bzw. ‘Neu-Evangelisierung’ ein echtes Anliegen ist. Al­lerdings ist aber auch die katholische Be­trachtungsweise unübersehbar. Hervorragend untersucht und geschrieben sind die Kommen­tare von Marcello Zago, O.M.I. und Jacques Dupuis, S.J., eher durchschnittlich die neun Kritiken von den unterschiedlichsten theologi­schen Gesichtspunkten aus. Für besonders ge­lungen halte ich die beiden Kritiken von Eric J. Sharpe und Jack Voelkel; letztere aus evange­likaler Feder.

Insgesamt handelt es sich um ein lesens­wertes, manchmal etwas langatmiges Buch, wenn man sich für Missionstheologie interes­siert. Ge­samtnote: gut.

Martin Sachs, em 1997-3.

Bush, Luis and Larry Lutz. Partnering in Ministry: The Direction of World Evangelism. InterVarsity Press: Downers Grove (IL), 1990.

PartnersInternational/ChristianNationals Evangelism Commission, dessen Präsident der Süd­amerikaner Luis Bush ist, ist eine weltweit operierende Organisation, die mit Kirchen und evangelikalen Zusammenschlüssen in Mis­sionsländern Partnerschaften eingeht, um die­sen Spendengeldern vorwiegend aus den USA zur Verfügung zu stellen, die diese Kirchen und Zusammenschlüsse selbständig verwalten und einsetzen. Bush und der Verantwortliche von PI für Publikationen, Larry Lutz, legen in die­sem Buch eine umfassende Begründung vor, warum sie eine solche Partnerschaft als den einzigen in der Zukunft gangbaren Weg anse­hen, der den Kurs der Weltevangelisation ent­scheidend verändern könnte. Anhand von vie­len Beispielen wird erläutert, wie Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und einheimischen Kirchen und Zusammenschlüssen aussehen kann und wie Missionsgesellschaften die Verantwortung an einheimische Christen abgeben können, ohne sich deswegen völlig zurückziehen zu müssen. Die Autoren befür­worten im Gegenteil, daß Missionsgesellschaf­ten unbedingt weiter zur Verfügung stehen sollten, um die von den einheimischen Mitar­beitern erkannten Lücken unter deren Leitung zu füllen. Auch wenn ich das Buch wärmstens empfehlen möchte, sei eine kritische Rückfrage erlaubt. PI läßt zwar den einheimischen Part­nern die Freiheit zu entscheiden, wie die Gelder eingesetzt werden, erwartet aber offensichtlich ein hohes Maß an häufigen Rechenschaftsbe­richten, was damit begründet wird, daß man sich auf glaubwürdige Organisationen be­schränken will und den Spendern gegenüber verpflichtet sei. Nun ist so etwas innerhalb der amerikanischen Kultur durchaus normal. Wird das aber von den auf diese Weise doch ein Stück weit überwachten Organisationen noch als Partnerschaft empfunden? Gibt es keine den entsprechenden Kulturen besser angepaßten Kontrollmöglichkeiten als monatliche schriftli­che Berichte an eine internationale Zentrale? Ich gestehe aber zu, nicht die Erfüllung der Verträge in der Realität zu kennen, die ja wesentlich partnerschaftlicher sein kann, als der Eindruck, der bei mir durch die schriftliche Darstellung geweckt wurde. Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie die ‘Betroffenen’ die Überprüfung und Überwachung empfinden.

Thomas Schirrmacher, em 1994-2.

Carey, S. Pearce. William Carey: Der Vater der modernen Mission. CLV: Bielefeld, 1998.

Endlich erscheint nach mehreren Jahrzehn­ten wieder eine Biographie des Vaters der mo­dernen Weltmission in deutscher Sprache und zum ersten Mal eine ausführliche. Es handelt sich aller­dings nicht um die Übersetzung einer neueren englischen Biographie, sondern der sehr erfolgrei­chen, 1923 erschienen und 1934 zuletzt korrigierten populären Biographie von Careys Urenkel, die zwar keine kritischen Töne enthält und natürlich die erst nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Careyforschung nicht berücksichtig, dafür aber auf viele bis dahin unbekannten Familiendoku­mente zurückgriff. Dennoch sollte die Biographie weite Verbrei­tung finden, zumal sie durch den für ein ge­bundenes Buch sehr günstigen Preis besticht und ein ideales Geschenk in Missi­onskreisen sein dürfte. Die Übersetzung von Benedikt Pe­ters ist ausgezeichnet und flüssig zu lesen, die Aufmachung mit Fotos und das Schriftbild las­sen nichts zu wünschen übrig. Typisch für die Biographie ist, daß sie theolo­gische Fragen und eine theologische Einord­nung Careys prak­tisch völlig unterläßt, was je­doch praktisch für die gesamte Carey-Literatur gilt. Lediglich Peter Masters verweist in sei­nem Vorwort darauf, daß Carey und seine Mit­arbeiter „überzeugte Calvini­sten“ waren. Ein Anhang mit kurzen Hinweisen zu 54 Jahren Forschung seit der letzten Überar­beitung der englischen Ausgabe und mit Hinweisen zu Ca­reys theologischem Standort wäre des­wegen wünschenswert. Bei dieser Gelegenheit könnte man auch statt reiner Verweise auf engli­sche Literatur deutsche Lite­ratur nennen, insbeson­dere die in der edition afem erschienene deut­sche Übersetzung von Careys Hauptwerk!

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3.

Carpenter, Joel A. und Wilbert R. Shenk. Earthen Vessels. American Evangelicals and Foreign Missions, 1880-1980. Eerdmans: Grand Rapids, 1990.

Dies ist ein Buch, das Fakten ins rechte Licht rückt: Zum einen nimmt es endlich die Tatsa­che wahr, daß seit den 50er Jahren die Mehr­heit (heute wohl 90%) aller amerikanischen Missionare evangelikal ist (S.317). Zum ande­ren sieht es realistisch, daß die Geschichte der evangelikalen Missionsbewegung (neben der Geschichte der Frauen in der Religion) zu den am meisten vernachlässigten Themen der ame­rikanischen Kirchengeschichtsforschung der neueren Zeit gehört, gleich, ob bei evangelikalen oder nicht evangelikalen Historikern (L. Sweet, S.317). Obgleich Evangelikaie nach 1945 bedeutende Beiträge zur Missionsliteratur geleistet haben (Shenk, S.317-334), gehört die Missionsgeschichte (neben Missionstheologie und dem christlichen Zeugnis gegenüber nicht-christlichen Religionen) zu den vernachlässig­ten Bereichen.

Eine Geschichte der evangelikalen amerika­nischen Missionsbewegung ist noch nicht ge­schrieben (wohl auch für kein anderes Land), aber Earthen Vessels als Sammelband bemüht sich, Schneisen zu schlagen, Informationen zu bieten und Entwicklungen aufzuzeigen. Da die religiöse Welt Amerikas uns weitgehend unbe­kannt ist - die in manchen Kreisen übliche Standardpolemik gegen die „fundamentalisti­schen Fernsehevangelisten“ und die „electronic church“ hilft da auch nicht weiter - und die Amerikaner zugleich den weitaus größten An­teil am evangelischen Missionspersonal stellen, vermittelt das Buch wesentliche Einblicke in amerikanische Missionstheologie und damit zugleich auch in prägende Kräfte der heutigen (zumindest der evangelikalen) Missionsbewegung.

Earthen Vessels wird durch einen Aufsatz von Andrew Walls, Edinburgh, über die ame­rikanische Dimension in der Geschichte der Missionsbewegung eingeleitet. Die anderen Autoren sind Nordamerikaner oder leben in Nordamerika. Nicht englischsprachige Literatur nehmen sie nur insofern wahr, als sie in engli­scher Übersetzung vorliegt (zB. Peter Beyer­haus S.330; Klaus W. Müller S.320).

Die Aufsätze können in drei Gruppen zusammengefaßt werden. Zuerst die historischen Arbeiten. Dana L. Roberts stellt anhand der für die Glaubensmissionen so wichtigen Theologie A.T. Piersons und A.J. Gordons die Bedeutung der prämillennialen Eschatologie für die Glaubensmissionen besonders und für die evangelikalen Missionen insgesamt dar. Joel A. Carpenter stellt ua. die Bedeutung der Heiligungsbewegung für die Glaubensmissionen dar (S.117ff). Dagegen wird das für die Glaubensmissionen we­sentliche Kirchenverständnis der Brüderbewe
gung nicht thematisiert, obwohl George Müller gelegentlich erwähnt wird. Alvyn Austins Artikel über Henry W. Frost, den Gründer des nordamerikanischen Zweiges der China Inland Mission führt den Leser an die allerersten Anfänge der für Glaubensmissionen so wichtigen Intemationalisierung, vermittelt zu­gleich wertvolle Einblicke in das Verhältnis der evangelikalen Missionen zum historischen Fundamentalismus, indem er zeigt, wie die CIM, die in keiner Weise als Protest gegen li­berale Missionen oder Theologie gegründet worden war, in Nordamerika zu einem wichti­gen Faktor in der theologischen Auseinander­setzung zwischen „liberalen“ und „konservati­ven“ (damals fundamentalistisch genannten) Kräften wurde.

Direkt der Missionstheologie (dem zweiten Bereich) ist Charles Van Engens Artikel ge­widmet: A Broadening Vision: Forty Years of Evangelical Theology of Mission, 1946-1986. Typisch für den dritten Bereich ist Orlando E. Costa’s Artikel: Evangelical Theology in the Two-Thirds World.

Das Buch ist das Ergebnis einer Konferenz: „A Century of World Evangelization: North American Evangelical Missions, 1886-1986“, die im Wheaton College, nicht weit von Chicago, stattfand. Es wäre gut, wenn solch eine Konferenz mit dem Ziel, ein ähnliches Buch zu schaffen, auch einmal für den deutschsprachigen Raum stattfinden könnte.

Klaus Fiedler, em 1993-4.

Carson, D.A. (Ed.). Telling the Truth: Evangeliz­ing Postmoderns. Grand Rapids: Zondervan, 2000.

Dieser theologisch und praktisch inspirierende Sammelband zum Thema Evangelisation in der Postmoderne dokumentiert eine Konferenz, die 1998 an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield bei Chicago stattfand und darüberhinaus u.a. von der Intervarsity Fellowship, Campus für Christus, den Navigatoren und dem Billy-Graham­Center getragen wurde. Herausgeber ist der be­kannte evangelikale Neutestamentler Donald Car­son (ebenfalls Trinity), der bereits mit einer umfas­senden Analyse der pluralistischen Postmoderne in The Gagging of God (Zondervan 1996) sein Herz für Evangelisation in diesem Kontext offengelegt hat. Das Buch erschließt das Thema in 8 Teilen. Im 1. Teil (Opening Plenaries) führt Ravi Zacharias in das Thema ein, bleibt aber eher an der Oberfläche. Im 2. Teil (The Challenge) wird die Herausforde­rung des religiösen Pluralismus (H. Netland) und die Epistemologie der Postmoderne (Hink-son/Ganssle) analysiert. Der 3. Teil (Critical To­pics) bewegt sich dann ins Zentrum wesentlicher Fragestellungen zur Evangelisation in der Postmo­derne. James Sire („Why should anyone believe anything at all“) macht deutlich, dass die Frage nach Wahrheit auch für postmoderne Menschen relevant bleibt. Mark Dever analysiert das evange­listische Reden von Sünde in der Postmoderne. Phillip Jensen und Tony Payne beschreiben eine praktische und biblisch fundierte Methode („Two ways to live“), das Evangelium in einem post­christlichen Kontext mit prägnanten Illustrationen zu formulieren und persönlich zu kommunizieren. Im 4. Teil (Crucial Passages) werden zwei wichti­ge Bibeltexte näher untersucht (John Nyquist, Die Rechtfertigung des Sünders nach Römer 3 und Colin Smith, Die Aufgabe des Botschafters nach 2. Kor. 5,11-21). In Teil 5 (Church, Campus, Ethnici­ty) werden besondere Zielgruppen ins Auge ge­fasst: Afro-Amerikaner, asiatische Amerikaner und Studenten. Um die Beziehungsebene der Evangeli­sation geht es in Teil 6, in dem mit Robert Cole­man (The Lifestyle of the Great Commission) ein Klassiker zu Wort kommt. Teil 7 bringt Erfah­rungsberichte und Strategien vor allem aus den Bereichen Studenten- und Jugendarbeit. Schließ­lich sind in Teil 8 die Schlussreferate von A. Fer­nando („The Urgency of the Gospel“) und D. Car­son („Athens Revisited“) dokumentiert. Hier findet sich viel inspirierendes Material, das aufgrund seiner oft grundlegenden Natur auch für den euro­päischen Kontext relevant ist. Die wesentlichsten Beiträge jedoch finden sich m.E. in Teil 3. Einen Nerv der Thematik trifft hier Mark E. Dever, Pastor einer Baptistengemeinde auf dem Capitol Hill in Washington D.C. in seinen Beitrag „In einer postmodernen Welt von Sünde reden“, den ich darum im Folgenden ausführlicher darstelle. Jan ist postmodern, hält sich für sündlos und christlich: „Jeden Tag werde ich neu erschaf­fen, jeder Tag ist ein Neuanfang - frisch und rein. Ist das nicht die biblische Botschaft der Gnade Gottes?“ Auf die Frage, was denn mit dem Kreuz Christi, dem Zorn Gottes und der Notwendigkeit der Vergebung der Sünde von der Jesus gespro­chen habe sei, antwortete Jan: „Damit kann ich nicht viel anfangen“. Mit dieser Begebenheit er­öffnet Mark E. Dever seinen aufschlussreichen Aufsatz, in dem er aufzeigt, dass im postmodernen Denken (das auch das Alltagsdenken der meisten Menschen heute geworden ist) Sünde keinen Sinn macht, weil es weder einen allgemeinen Sinn des Lebens (Metanarrativ) gibt, gegen den man versto­ßen könnte noch einen göttlichen personalen Sinn­stifter, dem gegenüber man verantwortlich wäre. Für die Evangelisation bedeutet das nach Dever ein vierfaches: 1. Kommunikation: die Wirklichkeit von Gut und Böse, die in Gottes Person verankert ist (und nicht nur ein „modernes“ Metakonzept ist) kann kommuniziert werden. Auch postmoderne Menschen empfinden Ungerechtigkeit und Bos­heit. Es kann für sie befreiend sein, nun auch eine kognitive Kategorie für diese Realität zu verstehen. 2. Gemeinschaft: Auch der postmoderne Mensch, lebt in Beziehungen, die Verantwortlichkeit erfor­dern. Er kann dieser Realität nicht entkommen. Die biblische Überzeugung, dass jeder Mensch im E­benbild Gottes erschaffen ist und damit wert, gut behandelt zu werden, bietet eine wirkliche Grund­lage für Gemeinschaft und lässt sie gelingen. Das sehen und erleben postmoderne Menschen. 3. Ge­wissen: Auch wenn postmoderne Menschen nicht an eine Persönlichkeit glauben, haben sie ein Ge­wissen - denn auch sie sind nach Gottes Bild er schaffen. Christen sollten hier Mut haben und sich nicht ängstlich verstecken, auch wenn ihre Über­zeugungen nicht up-to-date erscheinen und belä­chelt werden. A. Huxley spricht für viele, wenn er zugibt, dass die Überzeugung von der Sinnlosig­keit des Lebens ihm größere sexuelle Freiheiten zu ermöglichen schien. Hilfreich ist J. Bunyans Er­zählung The Holy War: Die Macht in der Stadt Menschenseele wird von dem falschen Prinzen Diabolos usurpiert, der nun die ganze Stadt be­herrscht. Nur der Stadtschreier Alter Mann Gewis­sen bricht manchmal aus und rast wie wahnsinnig durch die Straßen und schreit: Diabolos ist ein Lügner. Prinz Immanuel ist der wahre König von Menschenseele. Doch er wird immer wieder einge­fangen und zur Ruhe gebracht. 4. Bekehrung: Trotz aller schlauen Theorien, Evangelisation in der Postmoderne ist entmutigend. Nur Gott selbst kann neue, wahre Überzeugungen und ein neues Leben in Menschen schaffen. Auch wenn wir die Postmoderne nicht in allem verstehen - wenn wir das Evangelium kennen und weitergeben, dann gehören wir zur Kirche der Zukunft. Erwähnenswert ist auch der Beitrag von Michael P. Andrus, der dafür pädiert, dass das Ziel der E­vangelisation nicht nur die „Decisions for Christ“ als vielmehr die „Disciples of Christ“ sein sollten. In seinem Artikel „Conversions beyond mere Reli­gious Preference“ betont er die Notwendigkeit theologischer und ethischer Substanz im Prozess der Umkehr von einem Leben der Selbstgefällig­keit zu einem Leben in der Nachfolge Christi. Be­kehrung müsse verstanden werden als ganze Le­benshingabe an die Wahrheit christlicher Weltan­schauung und die Wirklichkeit eines christlichen Lebenstils. Angesichts der kulturellen Bedeutungs­losigkeit von Taufen in einer baptistischen Kultur (USA), sei darum eine Zeit der Bewährung der Taufe vorzuschalten.

Das Buch will kein umfassendes Kompendium zur Evangelisation sein (dazu würde z.B. eine Diskus­sion des brit. Konzepts der „Alpha-Glaubenskurse“ u.a.m. gehören), sondern eher eine Momentauf­nahme der Ergebnisse der Konferenz in Deerfield. Das wesentliche Anliegen des Sammelbandes ist es, einen von der biblischen Wahrheit geprägten Ansatz der Evangelisation im Kontext der Postmo­derne zu durchdenken und praktizieren zu helfen (vgl. den Titel des Buches). Alle Autoren werden vorgestellt, jeder Beitrag ist mit einer kurzen Bib­liographie versehen, was hilfreich ist. Weniger sinnvoll scheint es, dass die (eher wenigen) Fußno­ten erst ganz am Ende des Buches nach Kapiteln getrennt erscheinen. Das macht das Auffinden sehr unbequem. Erschlossen wird dieser empfehlens­werte Sammelband durch einen Themen-, Perso­nen- und Schriftstellen-Index.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1.

Christen in islamischen Ländern. Hg. v. Re­ferat für Mission, Ökumene und Kirchlichen Entwicklungsdienst des Ev. Oberkirchenrat der Ev. Landeskirche in Württemberg, Stuttgart 1993, 84 S. In beschränkter Auflage erhältlich gegen Schutzgebühr von DM 10.00 plus Porto bei: IMATEL, z. Hd. Frau Rudolf, Ev. Presse­haus, Theodor-Heuss-Str. 23, D-70174 Stutt­gart.

Von einem in England lebenden Theologen aus einem mehrheitlich islamischen Land stammt dieser Bericht für die württembergische Lan­dessynode über die Lage der Christen in Ägyp­ten, Malaysia, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabi­en, Sudan und Türkei. Über die Länderberichte hinaus wird über die allgemeinen Hintergründe der Diskriminierung von Christen in islami­schen Ländern und die Verhaltensmöglichkei­ten der betroffenen Christen informiert. Ab­schließend werden zehn Empfehlungen für Christen in westlichen Ländern gegeben. Die erschütternden Berichte sind durchwoben von Bezügen zum christlichen Zeugnis in diesen Ländern.

Christiansen, Hauke. Missionieren wie Paulus? Roland Allens missions­theo­logische Rezeption des Paulus als Kritik an der neuzeitlichen Mis­sionsbewegung (Missions­wissen­schaft­liche For­schun­gen NF 24), Neuen­dettelsau: Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, 2008.

Zu den Klassikern der Missions­literatur des 20. Jh. gehört die heraus­fordernde, an vielen Stellen prophe­tische Studie Missionary Methods: St. Paul’s or Ours des anglikanischen Chi­na­missionars Ro­land Allen von 1912. In ganz unter­schiedlichen Kon­texten wurde das Bänd­chen mit seiner Betonung unabhängiger einheimischer Kirchen für unter­schied­liche Frage­stellungen und Forderungen heran­gezogen. Was waren die prägenden Fak­toren in seiner Entstehung? Wie wur­de Allen rezipiert? Wo ist seine Kritik an der neuzeitlichen Mis­sions­bewegung über­holt, was ist bleibend von Be­deutung? Diesen Fragen wid­met sich die Berliner Dissertation Chris­tiansens (2007).

Zunächst beschreibt der Autor Allens Platz in der neueren Missionsgeschichte und seine Bedeutung für die Missions­wissenschaft (S. 11-25). Ferner führt er in die Probleme der Erforschung Allens ein. Der erste Teil gilt „Allens Rezeption des Paulus aus missionarischer und exe­getischer Perspektive“ (S. 27-126). Zu­nächst schildert Christiansen bio­gra­phi­sche Faktoren, die Allens Paulus­re­zep­tion bestimmt haben (z. B. seine Ausbil­dungs­arbeit in Peking). Dann geht es um verschiedene Phasen der Bezugnahme auf Paulus, nämlich das „subjektiv-im­pressionistische Konzept eigenver­ant­wort­licher Kirchen“, das „objektiv-ana­lytische Missionsprogramm“ in Mission­ary Methods und eine „explikative Phase“, die in der Fortführung und im Aus­bau paulinischer Ideen bestand. Ferner analysiert Christiansen Allens Ver­hältnis zur historisch-kritischen Pau­lus­forschung. In Abgrenzung von der ra­dikalen Kritik der neutestamentlichen For­schung seiner Zeit folgte Allen dem po­si­tiveren Historismus der zeit­ge­nös­sischen britischen Forschung (aber auch A. von Harnack) und entwickelte eine eigenständige kritisch-positive Exegese auf der Basis von Quellenkritik und Kom­bi­nationsverfahren.

In Teil zwei untersucht Christiansen Allens paulinisches Missionsverständnis (S. 127-240). Dazu gehört die Ver­wirk­li­chung der ganzen inkarnatorisch-sakra­mentalen Wirklichkeit in der sichtbaren Ortskirche, ordinierte Älteste als Ver­walter der Sakramente (Allen’s volunt­ary clergy Programm als Antwort auf die akute Not in den Missions­gebieten), die Ausbildung einer sakramental-pneuma­to­logischen Missionstheologie, nämlich Prin­zipien paulinischer Missionsarbeit, die Mitte von Allens Missionstheologie, die missiologische Diskussion um die Er­richtung von „independent native chur­ch­es“ auf der Grundlage der Drei-Selbst-Theorie (Selbst­leitung, Selbst­ver­breitung, Selbständigkeit; hier auch gu­te Verortung von Allens Position in der zeit­genössischen Diskussion: H. Venn, J. L. Nevius, A. Anderson) sowie die un­mit­tel­bare Selbständigkeit einheimischer Kirchen als pädagogisches Problem. Da­bei sah Allen den Schlüssel zur Selb­stän­digkeit in der geistlichen Selbst­erziehung der einheimischen Kirchen.

Im dritten Teil bietet Christiansen eine kri­tische Würdigung von Allens Ver­ständnis der paulinischen Mission (S. 241-288). Allens Ansatz und An­liegen wur­de von der Missionsgeschichte des 20. Jahrhunderts weitgehend be­stätigt, in seinem theologischen Ansatz aber nur se­lektiv aufgegriffen (S, 252-59): „Rück­blickend muss an der Mitte des 20. Jahr­hun­derts einsetzenden Allen-Renais­sance kritisch festgehalten wer­den, dass sie zwar Allens Schlagwort von der Selb­ständigkeit und Un­ab­hängigkeit der einheimischen Kirchen übernahm, dass sie aber die seinem Programm zu­grun­deliegende theolo­gi­sche Überzeugung … nicht auszuloten bzw. zu teilen fähig war. […]. Dass der inkarnations­theo­lo­gi­sche Ausgangspunkt und seine sakra­men­tal-pneumatologische Entfaltung sein gesamtes Missions­pro­gramm durch­wirkte, sein Kirchen- und Amts­ver­ständnis zu einem guten Teil beeinflusste und die theologische Basis für seine Un­abhängigkeitsforderung darstellte, wurde oftmals übersehen.“ (258/59). Allens Ver­ständnis war geprägt von der anglo-katholischen Immanenz­lehre, die zu einem Wechsel von einem kreuzes­theo­logischen zu einem inkarna­tions­theo­logischen Ansatz der Mission führte.

Ferner untersucht Christiansen die For­de­rung nach Selbständigkeit unter neu­tes­tamentlicher Fragestellung sowie als Anfrage an die Paulusexegese. Die ge­gen­wärtige Bedeutung von Allens pau­li­nischem Missionsprogramm (S. 281-88) sieht Christiansen in der weitgehenden Flexibilität und Variabilität von Allens Mis­sionsmodell. Ferner könne sein Pro­gramm zu einem „Aufbrechen über­kom­mener kirchlicher Strukturen führen, ins­besondere solcher Strukturen in der west­lichen Welt, die den Heraus­for­derungen angesichts weitreichender Ent­kirch­lichung in einer post-christlichen Ge­sell­schaft bei gleichzeitigem Er­wa­chen des religiösen Interesses nur wenig entgegenzusetzen haben … Die sak­ra­mental-pneumatologische Seite sei­nes Mo­dells warnt zugleich davor, Mis­sion allein unter dem Gesichtspunkt des ope­ra­tionalen Geschäfts zu betrachten oder das Heil in Wachstumshysterie zu su­chen“ (S. 284f.). Ferner ist zu erwähnen, dass Allens Missionsprogramm die Be­deu­tung der Gemeinde für den Mis­sions­prozess hervorhebt und ihr eine Schlüs­sel­stelle für die Verkündigung der Bot­schaft zuweist. Historisch bestätigt wur­de diese Sichtweise durch die Existenz von Gemeinden in Form von Haus­kirchen, die während der kom­mu­nis­ti­schen Herrschaft in China nicht nur die geist­liche Versorgung der Christen er­mög­lichte, sondern darüber hinaus eine Aus­breitung der Gemeinden hervorrief (S. 285).

Neben der gelungenen Untersuchung ist die Erfassung des umfangreichen lite­ra­rischen Werks Allens ein Verdienst des Autors. Zu fragen wäre, ob ein voran­ge­stellter eigener biographischer Abriss nicht die anderweitige Darstellung ent­las­tet und zu größerer Über­sicht­lich­keit geführt hätte. Die Arbeit ist durch­weg inspirierend und bietet viele weiter­füh­rende Perspektiven. Sie zeigt, wie die Verbindung von aktuellen Her­aus­forderungen in der Mission und in­ten­sivem Studium des NT sowohl für die Mission als auch für das Verständnis des NT von großer Bedeutung sein können. Damit trifft sie ein Herzensanliegen evan­gelikaler Missiologie. Doch wird auch deutlich, wie die konfessionelle Ge­bun­denheit den Blick für das NT und die eigene Situation sowohl schärfen und zu einer theologischen Durchdringung be­fä­higen als auch massiv beeinträchtigen können.

Christoph Stenschke, em 2010-3.

Clarke, Peter B. Atlas der Weltreligionen. Entstehung, Glaubensinhalte, Entwicklung. München: Fredering & Thaler, 1995 - 2. Aufl.

Oliphant, Margaret. Atlas der Alten Welt. Eine atemberaubende Reise zu den Hoch­kulturen der Menschheit. München: Fredering & Thaler, 1994 - 2. Aufl.

Die aufwendige farbige Gestaltung mit Fo­tos, Karten, Graphiken, Übersichten und Kasten­texten gehört zum besten, was es zum Thema Religionen und Kulturen gibt. Die bei­den At­lanten sind dabei pädagogisch hervorra­gend aufgearbeitet und für die Aufmachung sehr preisgünstig. Die große Fülle des Stoffes wird neben dem Haupttext auf viele kleinere Texte, Begriffserklärungen und Bild­beschriftungen leicht lesbar aufgeteilt. Im Re­ligionsatlas werden die zehn größten Weltreli­gionen ausführlich vorgestellt. Viele weitere Religionen werden in einem Lexikon im An­hang vorgestellt. Die Darstellung erfolgt meist durch einen Wissenschaftler, der der je­weiligen Religion angehört, ist dafür aber sehr sachlich und auf dem neuesten Stand. Der Atlas der Alten Welt beschreibt Meso­potamien, Ägyp­ten, Persien, Europa, Grie­chenland, die Römi­sche Welt, Indien, China und Nord-, Mittel- und Südamerika. Er ist da­mit einerseits für Bi­bel­leser von Interesse, an­dererseits aber auch für jeden, der mit den Nachfahren dieser Hoch­kulturen zu tun hat und sich eingängig über de­ren Kulturleistungen informieren will.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4.

Clauss, Mechthild. College in Koyom: Lehren und Lernen im Tschad. Erlangen: Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, 1992.

Die Afrika-erfahrene Pädagogin erzählt über Erlebnisse als Lehrerin an einem College im südlichen Tschad. Neben persönlichen Erfah­rungen verarbeitet sie in meist kurzen, gut les­baren Kapiteln vor allem Aufsätze ihre Schüler, in denen sich deren Denken und Konflikte widerspiegehi. Letztere liegen immer wieder in der Spannung zwischen traditionellen Werten und erstrebtem Fortschritt. Das Kapitel „Gesetz und Gewissen“ gibt einen lesenswerten und praktischen Einblick in die Problematik um Schuld-und Schamorientierung, in einem anderen Kapitel geht es um „Brautpreis-Sit­ten“. Es kommen auch immer wieder Anforde­rungen zur Sprache, die das Leben und Lehren in einer solchen Umgebung an eine Lehrerin aus Europa stellen.

Hilfreich ist auch der kurze Überblick „Grundinformationen über den Tschad“ am Ende des Buches, abgefaßt vom Direktor des College. Der Leser erhält auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen über die jüngere Geschichte sowie gegenwärtige politische, wirtschaftliche und soziale Lage krisenge­schüttelten Landes.

Alles in allem bietet das anschaulich und erfrischend geschriebene Buch eine guten Ein­blick in Denken und Leben der südtschadischen Landbevölkerung sowie damit gegebenen Her­ausforderungen für die Pädagogik. Es ist lesenswert für jeden, der beabsichtigt, in einem afrikanischen Land als Pädagoge tätig zu sein, aber auch für solche, die sich allgemein für die Denkweise der schwarzafrikanischen Bevölke­rung im Spannungsfeld von Tradition und Fortschritt interessieren.

Christof Sauer, em 1995-4.

Clemm, Volker (Hg.). Mission kreativ: im persönlichen Umfeld, in unserem Land, in der ganzen Welt. Wuppertal: Brockhaus, 2002.

Diese Rezension ist längst überfällig, denn das Buch erschien bereits 2002. Überflüssig ist sie keinesfalls, denn das Buch bietet eine Vielzahl von zwar kurzen, aber durchaus tiefgehenden und praktischen Perspektiven zur Weltmission. Der Herausgeber ist seit 1998 verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Missionshauses Bibelschule Wiedenest aus dessen Umfeld auch fast alle Autoren stammen. Das Buch hat drei Teile. Im ersten Teil geht es um die Person des Missionars: „Jetzt bist Du dran“ (S. 4-68). Themen wie Berufung, Begabung, Einsatz-möglichkeiten und Herausforderungen des Missionarsberufs stehen im Mittelpunkt. Unter der Überschrift „Karriere mit Gott“ entfalten Missionare aus drei Kontinenten ihren Berufs-weg als Berufungsweg mit Gott. Zum Beispiel Matthias Drochner, ursprünglich Pilot und Fluglehrer, jetzt Bibelschullehrer in Peru, fragt: „Kann ich überhaupt ‚Karriere mit Gott machen‘? Ich denke, ja. Aber wenn es schon um den Dienst für Gott geht, sollte ich auch Gottes Definition von Karriere und Erfolg gelten lassen“ (S. 37). Erfolg wird hier neu definiert als Treue, Gehorsam, Dienst, Liebe, Glaube und Gebet. Grundlage für die geistliche „Karriere“ im Missionarsberuf ist für Drochner folgerichtig die geistliche Berufung durch Gott. „So eine Berufung kann der Einzelne als gefühlsmäßig eindrückliches Geschehen erleben oder in einem mehr analytischen Prozess der Reflexion“ (S. 37). Die Berufung gibt Halt angesichts von Durststrecken, Selbstzweifeln und Angriffen von anderen. Ralf Kaemper setzt sich in seinem Beitrag „Warum ich nicht in die Mission gegangen bin“ erfrischend nüchtern und kritisch mit bestimmten Berufungsverständnissen (Gott hat mich genau in dieses Land berufen) und pauschalen Appellen zur Mission im Ausland (Stichwort: Fußtritt statt Ruf) auseinander. Er plädiert für eine nüchterne Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten: „Nicht jeder ist für jede Situation und für jedes Land geeignet“ (S. 67). Es wird deutlich, dass das Hören und Vertrauen auf Gott und möglichst nüchterne und realistische Wahrnehmungs- und Entschei-dungsprozesse im Bereich Berufung und Führung zusammengehören.

Der zweite Teil des Buches „Worum es bei Mission eigentlich geht“ (S. 69-138) beleuchtet wichtige Themen der Weltmission. Ernst Schrupp bindet eigene biographische Erfah-rungen in seine Reflexion des Ziels der Weltmission ein, nämlich die „Mobilisierung der ganzen Gemeinde, d.h. aller Gemeinden in allen Ländern zur Weltmission“ (S. 71), um das Evangelium unter allen Völkern und Menschen bekannt zu machen – weltweit und in Deutschland. C. Stenschke zeigt biblisch-theologisch die Einbindung des Menschen in die Mission Gottes als persönlicher Auftrag und Verheißung auf. Grundlagen und Erfahrungen der Gemeindegründung werden in Beispielen aus Meckenburg-Vorpommern, Tansania und Nepal präsentiert. K. Brinkmann reflektiert über die „Zukunft der Mission“ und bietet nachdenkenswerte Perspektiven, u.a. über zunehmende Widerstände und Leidens-bereitschaft, Mission durch Migration, neue Möglichkeiten durch Kurzzeiteinsätze und den missionarischen Aufbruch in der Dritten Welt. Grundsätzlich wird die Bedeutung der Wiederkunft Jesu als Triebfeder der Mission betont.

Der dritte Teil bietet „Tipps für deine Gemeindearbeit“ (S. 139-190). Eine neu gegründete Gemeinde in Neubrandenburg berichtet, wie sie von Anfang an den weltmissionarischen Horizont einbezog und trotz geringster finanzieller Ressourcen einen Missionar in Pakistan als „global player“ unterstützt. Es finden sich weiter: Bausteine zum Predigen über Weltmission, für einen Jugendkreis, für Kinderarbeit. Das Buch schließt mit einem Serviceteil (S. 191-207) mit nützlichen Adressen und Literaturhinweisen. Fazit: ein vielseitiges, informatives und motivierendes Praxis-Buch für junge Leute (und ihre Lehrer/Leiter), das auch theologische und missiologische Themen einbezieht und den Mut mitbringt, kontroverse und sich ergänzende Sichten (z.B. Berufung) zu thematisieren.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-1.

Collier, Richard. Der General Gottes - Wil­liam Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. Verlag der St. Johannis Druckerei, Lahr-Dinglingen.

Als CT. Studd und seine Braut Priscilla Ste­wart 1888 den Rest ihres gewaltigen Ver­mögens verschenkten, erhielt William Booth davon den größten Teil; schon vorher war die Heilsarmee für die Ausweitung ihrer Arbeit in Indien mit 5000 Pfund bedacht worden. Dies ist nur ein Beispiel von vie­len für die engen Beziehungen, die in den ersten Jahrzehnten zwischen der Heilsarmee und vielen interdenominationellen Glaubens­missionen bestanden und die auf gemein­same Wurzeln in der Heiligungsbewegung zurückzuführen sind. Deswegen ist dieses Buch für alle, die sich für evangelikale Mis­sionsgeschichte interessieren, eine hilfreiche und spannende Lektüre. Collier beschreibt eindrucksvoll die Arbeit William Booths, seiner Frau Catherine, einer großen Predi­gerin, und ihrer Kinder, von denen zwei, Bramwell und Eva, später Generale der Heilsarmee wurden. Danach wird das Buch allerdings dem Anspruch, eine Geschichte
der Heilsarmee zu sein, wie es der Unter­titel sagt, nicht mehr gerecht. Es bleibt eine Biographie. Daß das Buch keine Fußnoten hat, kommt der leichten Lesbarkeit zugute; daß es aber keine Quellenangaben macht, ist Sparsamkeit am falschen Platz.

Klaus Fiedler, em 1987-1.

Conrad, Christa. Der Dienst der ledigen Frau in deutschen Glaubensmissionen. edi­tion afem, mission scripts Bd. 12. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.

Die Autorin ist theologische Lehrerin in Tan­sania. Sie verknüpft in ihrer ursprünglichen Magisterarbeit theologische und missionsge­schichtliche Aspekte mit ihrer persönlichen Er­fahrung, ergänzt durch eine Umfrage unter Missionsgesellschaften und ledigen Missiona­rinnen. Im ersten Teil stellt Christa Conrad die Frage, inwieweit durch die Neugeburt in Chri­stus ein neues Miteinander von Männern und Frauen entsteht. Bei der Überlegung, ob Gala­ter 3,28 nur soteriologische oder auch funktio­nale Gleichheit meint, kommt sie zu dem Schluß, dass Frauen und Männer in gleicher Weise gerufen und begabt sind und überall mit den ihnen verliehenen Gaben dienen können.

Interessant ist der missionshistorische Teil des Buches. In der frühen Missionsgeschichte wa­ren Frauen Hilfskräfte. Mit Hudson Taylor und dem Entstehen der ersten Glaubensmissio­nen wurden Frauen auch als selbständige Pionier­missionarinnen eingesetzt. Taylor mußte seine Haltung stark verteidigen, nannte auch prakti­sche Gründe für seine Entschei­dung, doch im Vordergrund stand seine bibli­sche Begrün­dung. Als weiterer wegweisender Vertreter dieser Sicht sei F. Franson erwähnt: „Alle ver­fügbaren Kräfte müssen angesichts der nahen Wiederkunft des Herrn eingesetzt werden.“ Für dieses Ziel galt es, Grenzen zu überwinden. Zur Evangelisation durch Frauen sagte Fran­son, das Problem liege nicht in der Frage, was die Bibel lehrt, sondern im Mangel an brüderli­cher Liebe.

Catherine Booth, Charles und Priscilla Studd, Hedwig von Redern und ihre adeligen Be­kannten in Berlin sowie der DFMGB spiel­ten eine Vorreiterrolle für den Verkündigungs­dienst der Frauen. In den deutschen Glaubens­missionen galt anfangs: „Mit gutem biblischem Gewissen lassen wir unsere Schwestern Evan­gelium verkündigen“ (H. Coerper). Doch schon bald gingen Missionsgesellschaften dazu über, für Evangelisations-, Gemeinde- und Lehrauf­gaben Frauen nur dort einzusetzen, wo Männer fehlten oder versagten. Nur wenige Missions­gesellschaften gestehen Frauen die gleichen Rechte und Pflichten wie Männern zu. Für viele ledige Missionarinnen bleibt eine Diskre­panz zwischen ihren Gaben, ihrer persönlichen Berufung und dem, was Verantwortliche in der Mission ihnen an Dienstmöglichkeiten zuge­stehen.

Frau Conrad fragt in ihrem Schlußsatz: „Ob es uns gelingt, die große Vision der Väter und Mütter neu zu beleben: eine Leidenschaft zu wecken, die stark genug ist, starr gewordene Strukturen zu durchbrechen, damit alle Gaben, die der Herr Frauen und Männern schenkt, in der Mission eingesetzt werden können?“ Eine Frage – und ein Buch, dessen Lektüre für Mis­sionare und Missionarinnen, sowie für Missi­onsverantwortliche befruchtend wirken könnte.

Hanna Weiberle, em 1999-4.

Cook, Guillermo (Hg.). New Face of the Church in Latin America: Between Tradi­tion and Change. Mary­knoll/N.Y.: Orbis Books, 1994.

Es ist spannend, was sich in Lateinamerika er­eignet. Unzählige Artikel und Bücher erschie­nen aufgrund der 500-Jahr-Feier des lateiname­rikanischen (katholischen) Christentums. Aber das Bild der Christenheit wandelt sich. Heute gehen sonntags mehr Protestanten zum Gottes­dienst als Katholiken. Besonders Pfingst­gruppen zeigen ein explosives Wachstum. Bleibt dies so, wird das nächste Jahrhundert Lateinamerikas prote­stantisch. Wie aber gehen Christen aller Couleur mit der zunehmenden Armut und der sozialen und politi­schen Unge­rechtigkeit um?

21 Artikel sammelte Guillermo Cook in die­sem Band, der die religiöse Situation Lateinameri­kas beleuch­tet. Cook ist Mitarbei­ter der ‘Latin American Mission’ und wirkte viele Jahre in Brasilien und Costa Rica. Die Beiträge stam­men von namhaften Autoren aus verschieden­sten kirchlichen Gruppen. Der Her­ausgeber hat sie in fünf Gruppen eingeteilt: Teil 1: 1492-1992. Veränderung und Konti­nuität (historisch); Teil 2: Die Dynamik der Verände­rung (v.a. sozioreligiös); Teil 3: Volks­religion: Tradition und Veränderung (sozioreligiös); Teil 4: Regionale Studien (v.a. soziopolitisch); Teil 5: Die Zukunft der latein­amerikanischen Kirche.

So verschieden die Autoren der einzelnen Arti­kel sind, so verschieden sind auch ihre Ak­zente und die Qualität der Beiträge.

Insgesamt ist dieser Band für jeden Interes­senten und Kenner der religiösen und sozio­kulturellen Situation in diesem Kontinent ein gut gelungenes Kompendium lateinamerikani­scher Stimmen.

Martin Sachs, em 1997-3.

Coomes, Anne. Festo Kivengere, Gottes Bote für Afrika. Metzingen: Ernst Franz Verlag, 1997.

Durchaus keine „Heiligenvita“ ist dieses Buch geworden, sondern eine ausführliche, ehrliche Biographie des ersten afrikanischen Erwec­kungsevangelisten von internationalem Rang. 1919 im Südwesten Ugandas als Hirtenjunge unter nicht eben hoffnungsvollen Umständen geboren und anfänglicher Gegner des Chri­stentums, erwog Kivengere schon Anfang 20 Selbstmord als Ausweg. Er war lange Dorf­schullehrer, und die Schulbildung der Jugend blieb ihm sein ganzes Leben lang ein Anliegen. Später wurde er Schulinspektor und – nach sei­ner Bekehrung – Evangelist, der ganz Uganda, Tanganjika und Teile Kenias bereiste: „Den Preis dafür zahlte die Familie. Die Kinder wuchsen praktisch ohne ihn auf“ (80). Es folg­ten Studienzeiten in Europa, Amerika (1966 Master of Divinity) und Australien. Kivengere wurde nicht nur bekannt als Übersetzer für Billy Graham, sondern erhielt bald selbst weltweit Einladungen zu Evangelisationen. 1967 wurde er zum Priester ordiniert, 1972, kurz nach Idi Amins Machtübernahme, zum Bischof geweiht. 1977 mußte er vor Idi Amin aus Uganda fliehen und erlebte ganz persön­lich, daß sein weiterer Dienst für Gott von der für ihn sehr schweren Vergebung für Idi Amin abhing. – Zwar schildert das Buch detailliert Kivengeres Lebensweg, es fehlt aber etwas an Zusatzinformationen zu den erwähnten Namen von Personen und Organisationen. Mehr Hin­weise hätte ich mir auch gewünscht, wo es um Kivengeres geistlichen Werdegang und die Prägung seiner theologischen Ansichten geht, wie z. B. seinen engagierten Einsatz für die Frauenordination in seiner Diözese. 1988 starb Kivengere an Leukämie.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-3.

Coomes, Anne. The Authorised Biography of Festo Kivengere. Eastbourne: Monarch, 1990.

Eine Biographie des weltbekannten Afrikaners in Englisch. Mit großem Engagement hat Anne Coomes, eine englische Journalistin, umfassende Recherchen vorgenommen und, mit der Zustimmung von Festo Kivengere, Freunde, Kritiker und seine Familie befragt.

Die umfangreiche Biographie des „Billy Graham von Afrika“ öffnet das Verständnis für die von Missionaren beeinflußte Entwicklung des Enkels des letzten großen Königs aus dem Stamme der Bahororo. Das Buch zeigt Festos Weg zum talentierten Pädagogen und späteren Lehrer-Missionar in Tansania, zum leiden­schaftlichen Evangelisten und gleichermaßen geachteten wie kritisierten Bischof Festo Kivengere. Die Geschichte dieses unermüdli­chen Weltreisenden in Sachen Gottes ist untrennbar verbunden mit der Erweckungsge-schichte seines Landes Uganda.

Die etwas ausführliche Darstellung seiner
Kindheits- und Jugendjahre erhält ihren Sinn, wenn der Leser die Hintergründe für Festos unerschrockenes Auftreten vor Erzbischöfen und Präsidenten, vor Schwarzen und Weißen, vor Anglikanern und Charismatikern zur Kenntnis nimmt. Zum Beispiel zog der selbstbewußte Afrikaner Festo Kivengere mit dem Südafrikaner Michael Cassidy per „Tandempredigt“ sichtbar gegen die Apartheit zu Felde.

Coomes ist es gelungen, den weltbekannten Prediger mit seiner biblisch-geistlichen Nüch­ternheit zu aktuellen Fragen sprechen zu lassen: bleibende Erweckung ohne Gesetzlichkeit, politisches Handeln ohne Parteinahme, Frau-enordination und klerikale Tradition, Theologie und Weltkirchenrat, Liebe zu Katholiken, sozial-missionarischer Einsatz für Flüchtlinge, das Verhältnis zu den Moslems u.a. Ein kleines Manko: Der Biographie mit ihrer ausrei­chenden Quellenangabe hätte ein Namens- und Sachregister beigefügt werden sollen.

Konrad Brandt, em 1994-1.

Corrie, John (Ed.), Samuel Escobar, Wilbert R. Shenk (Consulting Editors), Diction­ary of Mission Theology: Evangelical Founda­tions. Nottingham, England: Inter-Varsity Press, 2007.

Das vorliegende missionstheologische Nach­schlagewerk enthält 166 Fachartikel von 139 Autoren. Über ein Drittel der Autoren kommt aus Asien, Lateinamerika und Afrika, was bereits ein wesentliches Anliegen der Herausge­ber reflektiert, nämlich missiologische Heraus­forderungen angesichts der Globalisierung und Polyzentralität christlicher Mission („from every-where to everywhere“) aus evangelikaler und auch nichtwestlicher Perspektive neu zu durchdenken. In der Einleitung skizziert der Herausgeber, John Corrie, Tutor für Mission und Ethik am Trinity College in Bristol, England, das Profil des neuen Lexikons: (1) die Integration von Theologie und Mission, die in der westlichen Theologie oft vernachlässigt worden sei („all theological categories are inherently missiological and all missionary categories are profoundly theological", S. xv) und ein daraus sich ergebendes holistisches Missionsverständnis ("it is the universal mission of God which defines the scope of our involvement in it“, S. xvi); (2) eine kontextuelle Sicht von Mission und Theologie; (3) ein klares und zugleich weiträumiges evangelikales Profil, das traditionelle evangelikale Positionen (Auto­rität der Bibel, Einzigartigkeit Jesu, Evangelisa­tion) mit neuen evangelikalen Themen (Heiliger Geist und Religionen, Ökologie, politisches En­gagement etc.) verbindet. Das neue Lexikon möchte sich gezielt von ande­ren Nachschlagewerken unterscheiden und nicht „reproduzieren“ oder „zusammenfassen“, was auch andernorts nachzulesen sei, sondern fri­sches und originelles Missionsdenken an gegen­wärtige Fragestellungen herantragen (S. xv). Es enthält kaum deskriptive oder historische Arti­kel über Personen und Organisationen, sondern konzentriert sich auf theologische Konzepte und aktuelle Fragestellungen wie „AIDS“, „African Theology“, „Arts“, „Buddhist relations“, „caste“, „culture“, „holistic mission“, „Muslim relations“, „spiritual warfare“, „transforma­tion“. (Unglücklicherweise fällt allerdings gleich das erste Stichwort aus dem gesetzten Rahmen, da der Begriff „accomodation“ in der zeitgenössischen Diskussion und Mission nur noch als missionshistorischer Verweis eine Rolle spielt. Warum er hier zusätzlich zu „contextualization“ eingefügt wurde, bleibt unklar). Bereits die Lektüre einiger Artikel zeigt den innovativen Ansatz des Lexikons, aber auch seine Grenzen. Auf beeindruckende Weise be­schreibt J. Jongeneel im Artikel „Mission theo­logy in the 20th Century“ den methodischen Ansatz der Missionstheologie und wichtige Bei­träge des 20. Jahrhunderts. Er fordert dazu heraus, über Boschs opus magnum hinauszu­denken und die Erforschung von Paradigmen­wechseln in der Missionstheologie nicht nur von der Kirchengeschichte, sondern von den Ent­wicklungen der Weltreligionen her zu denken. Die Geschichte und der Beitrag der spezifisch evangelikalen Missionstheologie im 20. Jahr­hundert werden jedoch nur kurz gestreift. Kang-San Tan beschreibt aktuelle Positionen und Herausforderungen für eine evangelikale „Theology of religion“ (sic) und gibt Anregungen, über die gewohnte Exklusiv-Inklusiv-Pluralistisch-Dreiteilung hinauszudenken. Dick Dowsett bietet nüchtern und informiert wesentliche Per­spektiven zur brenzligen Frage nach „hell/judge-ment“. H.W. Ritter (ÜMG) beschreibt „Motives for mission“ in ihrer theologischen Entwicklung und als geistliche Herausforderung für die Zukunft. D.E. Singh bietet einen interessanten Überblick zu christlich-muslimischen Beziehun­gen („Muslim relations“) und diskutiert die Kontextualisierungsmodelle C1-C6. Worin al­lerdings der Bezug seiner Beschreibung christ­licher Naturerlebnis-Reisen (S.255) zum Thema besteht, wird nicht recht deutlich. K. Rajendran unterzieht das Konzept der „Unreached peop­les“ einer kritischen Analyse und bietet dabei interessante und wichtige Einsichten aus indi­scher Perspektive, die ursprüngliche Definition und Entwicklung des Konzepts in der evangeli-kalen Missionstheologie wird jedoch nicht dar­gestellt. Der Artikel zu „Theology of Mission“ bietet ein gute Typologie und methodische Hin­weise zur Missionstheologie; nicht ganz zutref­fend scheint die Feststellung, dass das heils­geschichtliche Denken in der katholischen und evangelikalen Missionstheologie (mit der Aus­nahme von Rene Padilla) keine besondere Rolle gespielt habe (S. 382). Als methodisch proble­matisch empfinde ich den Artikel „managerial missiology“, der nicht deutlich macht, dass es sich bei diesem Begriff um eine polemische Fremdeinschätzung und eine (sicherlich nicht ganz unberechtigte) kritische Sichtweise, aber nicht um eine objektive Darstellung der Missiologie D. McGavrans, der Church-Growth-Schule und der AD-2000-Bewegung handelt. Auch die Herkunft des Begriffs selbst wird nicht belegt. Im Blick auf die Auswahl der Stichworte (die natürlich immer selektiv sein muss) fällt auf, dass Artikel zu Stichworten wie attrition (die vorzeitige Rückkehr von Missionaren, vgl. die umfangreichen WEA-Forschungen dazu), mem­ber care, violence/war sowie zu Bible/hermeneutics/epistemology fehlen. Auch fällt auf, dass gerade angesichts des ansonsten über­zeugenden polyzentrisch-globalen Ansatzes Ar­tikel zu Asien, Afrika und Lateinamerika als Bezugsfelder kontextueller Theologie vorhan­den sind („Asian theology“ etc.), Artikel zu Europa und Nordamerika aber trotz wichtiger kontextuell-missions-theologischer Beiträge und Entwicklungen dort fehlen. Diese kritischen Anmerkungen sollen jedoch nicht von dem großen Wert dieses Nachschla­gewerks ablenken.

Es bietet auf 461 Seiten eine Vielzahl gründlich recherchierter und inno­vativer Perspektiven, einen bisher einzigartigen Überblick und Einblick in aktuelles globales evangelikales Missionsdenken (vor allem im anglophonen Raum), das sich neuen Herausfor­derungen stellt, Kategorien erweitert, sich altem Lagerdenken verweigert und dem Beitrag evan-gelikaler Theologen aus der nichtwestlichen Welt einen angemessenen und prominenten Platz einräumt. Das neue Wörterbuch stellt eine gute Ergänzung zum umfassenderen Evangelical Dictionary of World Missions (2000) dar und ist ein wichtiges und nützliches Werkzeug für Missiologen, Bibliotheken und theologisch Interes­sierte mit globalem Horizont.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-4.

Crossman, Eileen. James O. Fräser. Der Bergsteiger Gottes, Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1994.

In dieser packenden Biographie erzählt Eileen Crossman die Geschichte ihres Vaters James Fräser, der trotz zweimaliger Ablehnung durch die China-Inland-Mission seinen Weg zu den entlegensten Völkern im Grenzland Chinas zu Burma und Thailand suchte, um ihnen das Evangelium zu bringen.

Hier wird jedoch nicht an der Legende des „Fräser vom Lisuland“ weitergearbeitet, kein übermenschlicher Glaubensheld gezeichnet, sondern der Mensch James Fräser, der in seiner Schwachheit, seinen Zweifehl und seinen täg­lichen Kämpfen mit sich selbst und den Gefah­ren einer unbekannten Umwelt von Gott als sein Werkzeug für die Mission unter den Berg­völkern (Lisu, Karen) gebraucht wird.

Lebendig wird das Buch durch die vielen Zitate aus den Tagebüchern Fräsers, die den Leser unmittelbar in seine Begegnungen mit den Menschen um ihn herum einbeziehen. Zusammen mit den sorgfältigen Recherchen Crossmans trägt dies zu einem eindrucksvollen und realistischen Bild Chinas und der Aufga­ben eines Missionars in den Randgebieten Chinas bei. Durch die Zitate wird das Buch darüberhinaus zu einer wichtigen Quelle für weitere Arbeiten über eine Missionsgeschichte Chinas.

Ein besonderer Verdienst Frau Crossmans ist es, die Geschichte der unter ihrem Vater entstandenen Gemeinden bis in die Gegenwart hinein darzustellen. Insgesamt ist dieses span­nende Buch eine rundum gelungene Kombina­tion einer realistischen Biographie James Frä­sers, einer Quellensammlung und eines Beitra­ges zur Kirchengeschichte der südchinesischen Völker.

Stefan Müller, em 1995-4.

Dahling-Sander, Christoph; Andrea Schultze, Dietrich Werner, Henning Wrogemann (Hg). Leitfaden Ökumenische Missionstheologie. Gütersloh: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlags­haus, 2003.

 Das vorliegende Einführungswerk ist motiviert von der Erkenntnis, dass christliche Mission „alles andere als nur ein vergangenes Phäno­men“ ist: „Mission, der spannungsvolle Prozess der Kommunikation und neuen Inkulturation des christlichen Glaubens … ist in vollem Gang“ (S.10). Das Zentrum der Aktivität liege in den Ländern des Südens und die Kirchen Europas brauchten Neubelebung aus dieser Richtung. Darum sind die Herausgeber aus dem Umkreis der „Arbeitsgemeinschaft Ökumenische For­schung“ (AÖF seit 1988) auch überzeugt, dass Missionswissenschaft als Fachdisziplin auch in Deutschland nicht etwa gestrichen, sondern „ausgebaut zu werden verdient“. Das vorliegen­de Kompendium zeigt, wie das aussehen kann und gibt erste Einblicke in die vielfältigen The­men- und Forschungsbereiche dieser Disziplin, die im Titel (etwas reduktiv) als „Missionstheo­logie“ bezeichnet wird. Die folgenden fünf Zu­gänge werden in 32 Aufsätzen näher beleuchtet: 1. „Mission in Geschichte und Wissenschaft“ (S.17-112). Hier werden hermeneutisch-metho­dische Grundfragen und historische Zusammen­hänge thematisiert. Dabei wird deutlich, dass auch das Missionsverständnis der Herausgeber nicht homogen ist. Wrogemann definiert Missi­on und die damit verbundene Wissenschaft durch die interkulturelle und interreligiöse Be­gegnung. Die Beschäftigung mit dem deutschen Kontext gehört für ihn darum nicht zur Missi­onswissenschaft, sondern zur Praktischen Theo­logie. Werner hingegen, dessen Ansatz ich hier für richtig halte, entfaltet gerade einen missi­onswissenschaftlichen Ansatz für Deutschland (vgl. unter 5.). Die biblische Fundierung von Mission (R. Achenbach, S.32-50) bleibt missi­onstheologisch an der Oberfläche und wird auch in ihrer Kürze der großen Relevanz biblischer Theologie für das missiologische Denken und der Forschungsarbeit in diesem Bereich (z.B. BISAM, Okure, Köstenberger/Obrien, Glasser, Van Engen, Stuhlmacher, Schnabel etc.) nicht gerecht. Hier liegt ein Schwachpunkt des Sam­melbandes.

2. „Konfessionelle Profile“ (S.113-246). Hier stellen orthodoxe, römisch-katholische, protes­tantische, baptistische, evangelikale, pfingstliche und ökumenische Vertreter Grundlinien ihrer jeweiligen Sicht zur Mission vor. Ein wichtiges Kapitel, das die ergänzende und reiche Vielfalt missionstheologischer Perspektiven der welt­weiten Gemeinde Jesu Christi deutlich macht. Dies ist eine große Stärke des vorliegenden Ban­des.

3. „Mission, Dialog und Religionen“ (S.247-318). Hier untersucht C. Lienemann-Perrin die vielfäl­tigen Zusammenhänge zwischen Mission und Dialog, U. Grabe argumentiert (m. E. gegen Paulus und das NT), dass die christliche „Missi­on“ am jüdischen Volk gerade darin bestünde, es gerade nicht für Christus gewinnen zu wollen. Fragwürdig ist m. E. auch die von Klaus Hock vorgestellte einseitige historische und religions­wissenschaftliche Betrachtungs- und Anwen­dungsweise des Fundamentalismus-Begriffs, die gegenteiliger Beteuerungen zum Trotz zu einer recht undifferenzierten Zusammengruppierung katholischer, evangelikaler und islamischer Richtungen führt. Hock schlägt zwar vor, man solle im Blick auf Evangelikaie und Fundamen­talisten doch „um eine zumindest grobe (!) Dif­ferenzierung bemüht sein“ (S.306), schafft es aber dennoch immer wieder Pietisten und Evan­gelikaie in die Nähe des Fundamentalismus zu rücken, indem er „Gemeinsamkeiten“ und „flie­ßende Übergänge“ betont.

4. „Mission, Partnerschaft und Globalisierung“ (S.319-456) befasst sich mit aktuellen Strukturen und Themenbereichen weltweiter Mission. U. a. macht C. Währisch-Oblau auf die missiologi­sche Relevanz v. a. afrikanischer Migrationskir­chen in Deutschland aufmerksam. Weitere wich­tige Themen in dieser Sektion sind: Gewalt, Frauen, Heilung, Entwicklung, Partnerschaft.

5. „Mission in den Kontexten der Welt“ (S.457­-562) bietet inspirierende regional-kontextuelle Perspektiven: Afrika (M. Roser), Asien (K. Schäfer), Lateinamerika (Dahling-Sander). Wichtig ist, dass auch Europa und Deutschland als eigene missionarische Kontexte untersucht werden (Ionita, Werner). Meine historisch-kontextuell-theologische Untersuchung zu öku­menischen Missionstheologien für den europäi­schen Kontext in den Jahren 1979-1993 (Die Neuevangelisierung Europas, Gießen/Basel, 2002), die u. a. auch auf die Beiträge des Euro­päischen Lausanne Kommittees eingeht, wurde hier noch nicht wahrgenommen. Dietrich Wer­ner fordert mit Recht dazu auf, die Frage nach einer Missiologie für den Westen aus deutscher Perspektive durchzubuchstabieren und praxisre­levant zu bündeln. Erste wichtige Anregungen hierzu hat die Jahrestagung 2004 der DGMW in Zusammenarbeit mit der AMD bereits gegeben (vgl. Zeitschrift für Mission 3 und 4/2004). Das vielseitige und wichtige Werk schließt ab mit einem Verzeichnis missiologischer Zeitschriften und Standardwerke, von Anschriften aus dem Missionsbereich sowie der Herausgeber und Autoren. Aus evangelikaler Sicht erfreulich und anerkennenswert ist, dass mit dem Aufsatz von Bernd Brandl „Mission aus evangelikaler Per­spektive“ (S.178-199) und auch die Arbeit des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM) zumindest ansatzweise thematisiert wird (leider fehlt ein Hinweis auf den AfeM im Ad­ressen-Anhang. Die Zeitschrift „Evangelikale Missiologie“ wird allerdings aufgelistet). In Spannung zu dieser erfreulichen Tatsache steht die oben bereits kritisierte und m.E. verzeich­nende Einordnung von Pietismus und evangeli­kaler Theologie in die verallgemeinernde und tendenziöse Kategorie „Fundamentalismus“ (Aufsatz von K. Hock, S. 306ff). Hier möchte ich Herrn Hock und auch den Herausgebern die Frage stellen: gibt es wirklich mehr Gemein­samkeiten zwischen islamischen Fundamentalis­ten und Evangelikaien, als beispielsweise zwi­schen „evangelikalen“ und ökumenischen“ Mis­sionstheologen? Verzerrt ein verallgemeinernd religionswissenschaftlicher Gebrauch des Fun­damentalismus-Begriffs hier nicht grundlegende hermeneutische, ekklesiologische und missiolo­gische Zusammengehörigkeiten? Sollten wir hier nicht gemeinsam an einer neuen Sichtweise arbeiten? Ein erster Schritt ist (nicht nur) mit diesem Band ja schon getan.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-2.

Damson, Erwin. Gezeichnet Mielke - Streng geheim! Hänssler Verlag: Holzgerlingen, 1999.

Ein wenig spektakulär klingt der Titel schon. Alltäglich sind die schlaglichtartigen Berichte auch nicht. Erwin Damson, Leiter des Mis­sions­werkes „Licht im Osten“ (LiO), be­rich­tet sehr persönlich über die Facetten seiner Arbeit in den Jahren der kommunistischen Diktaturen. Von ihnen wurde ihrer Ideologie entsprechend Religion mit allen Mitteln be­kämpft. Beson­ders zielten sie auf jede Art von Literatur, spe­ziell auf die Verbreitung der Hei­ligen Schrift. Damson schildert sehr ehrlich die Spannung zwischen missionarischer Nächsten­lie­be und dem bewußten Verstoß gegen Ge­set­ze der Ost­blockländer. Er glorifiziert die ‘Ost­land­fahrer’ nicht und zeigt realistisch die Bela­stungen, wobei das Risiko für die Emp­fänger ohnehin viel größer war, denn ihr Leben war be­droht.

Damson vertritt die Meinung, daß die Ar­beit von LiO unverzichtbar für die Ausbreitung des Evangeliums war. Zahlreiche Christen aus den verschiedenen westlichen Ländern stellten sich für diese Arbeit zur Verfügung. Das Kli­schee vom seichten Christentum läßt sich an­gesichts dessen nicht aufrecht erhalten. Aus­führlich geht Damson auf einen erschüt­ternden Fall ein. Ein Bruder verriet unter an­derem Ak­tionen von LiO an die ‘Stasi’. Diese hatte ihn zielstrebig eingeschleust. Unüberseh­barer Scha­den ent­stand, zahlreiche Personen und Fa­mi­lien wur­den gefährdet. Erschreckend, daß der IM Pa­stor war und sich als Evangelist all­gemeiner Wertschätzung erfreute. Auf die Wurzeln der verbrecherischen Heuchelei geht Damson nicht ein. Fragen danach bleiben.

Als Empfänger und Transporteur von Lite­ratur darf ich zustimmen: Geld, Anstrengung, Angst und Risiko waren gut angelegt.

Richard Bergmann, em 2000-1.

Daniels, Eugene. A Protestant Looks at the Catholic Church in Mission. Highlights of Church Teaching since 1891. Monrovia, California: MARC, 1993.

Daniels, Baptistenpastor und seit 1963 voll­zeitlicher Mitarbeiter bei World Vision, arbei­tete zwischen 1983 und 1991 auf den Philippi­nen an positiven Beziehungen zwischen World Vision und katholischen Bischöfen. Er versucht in seiner Studie zu zeigen, daß in der katholi­schen Missiologie Entwicklungshilfe und Evangelisation zwei wichtige Komponenten sind. Die Tatsache, daß Evangelikaie und Katholiken hier übereinstimmen sowie die ökumenische Offenheit der Katholiken bilden einen Imperativ, der dringend eine positive Reaktion der Evangelikaien erfordert. – Ob Daniels Wunsch sich allerdings in der Praxis verwirklichen läßt bzw. verwirklicht werden sollte, bleibt fraglich.

Andreas Wieland, em 1995-2.

Danyun. Aufbruch im Reich der Mitte. Zeugen der Erweckung in China berichten. Wiesbaden: Projektion J, 1994.

Auf fast 400 Seiten wird hier eine unausgewo­gene Mischung aus Geschichte und Gegenwart, aus Möglichem und offensichtlichen Lügen präsentiert, die sich im Vorwort gar selbst als eine Sammlung von Berichten aus China bezeichnet.

Schon bei geringstem Vorwissen über China müssen diese Geschichten äußerst fragwürdig erscheinen. Während die Kirche in China blüht und die 10-millionenste Bibel gedruckt wird, versucht der Autor uns weiszumachen, der
Gebrauch des Namens Jesu stünde in China unter Strafe. Damit rechtfertigt er dann die Fülle an Geschichten über Verfolgungen, die mit sadistischer Freude die grausamsten Details der Folterpraktiken ausmalen. Im tragischsten Falle handelt es sich dabei um reale Schicksale, deren Leid während der Zeiten der Verfolgun­gen (1966-1976) dem Leser nun etwas Ner­venkitzel und dem Buch eine höhere Auflage verschaffen sollen.

Der theologische Standpunkt des Autors und seiner Gruppe ist eindeutig: Während es in Nordost-China auch neben der 3-Selbst-Kirche bereits Hausgemeinden nahezu aller Kon­fessionen gibt, gehen sie davon aus, daß sie dort die ersten „wirklichen Christen“ sind. So gewinnt diese Sekte ihre Anhänger vor allem aus den Kreisen der chinesischen Kirche („Durch ihren Einfluß kamen mehrere hundert Menschen aus der 3-Selbst-Kirche heraus“, 355). Beweis des wahren Christseins eines Menschen ist für sie die Fähigkeit zum Heilen und Wundertun.

Zusammenfassend muß man sagen, daß die­ses Buch in Deutschland zur Verwirrung über die Lage der chinesischen Kirche beitragen soll, so wie in China die „Missionare“ der pfingstlerischen Sekte, die in diesem Buch als Helden auftreten, zur Verwirrung der chinesischen Christen und zur Zersetzung der einheimischen Kirchen ihren unheilvollen Beitrag leisten.

Stefan Müller, em 1995-4.

Danz, Christian; Ulrich H.J. Körtner (Hg.). Theologie der Religionen: Positionen und Per­spektiven evangelischer Theologie. Neukir­chen: Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2005.

Der vorliegende Sammelband ist herausgegeben von den systematischen Theologen C. Danz und U.H.J. Körtner, die beide an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien lehren. Unter den weiteren Autoren befinden sich mit R. Bernhardt (Basel), J. Fischer (Zü­rich), M. Hüttenhoff (Uni Saarland), D. Korsch (Marburg), A. v. Scheliha (Osnabrück) weitere fünf systematische Theologen, mit D.-M. Grube (Utrecht) ein Religionsphilosoph und Ethiker und mit U. Tworuschka (Jena) der einzige Reli­gionswissenschaftler. Missionswissenschaftler sind nicht beteiligt.

Die Veröffentlichung versteht sich als Beitrag zur neueren Theologie der Religionen, die im­mer noch ausgehend von der konzeptionellen Trias von Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus gleichzeitig versucht diese zu er­weitern (etwa durch den Ansatz der komparati­ven Religionstheologie), und die sich weiterhin mit dem noch ungelösten Grundproblem „der Vermittlung der Geltung der eigenen Religiosi­tät mit einer positiven Würdigung fremder Reli­gionen“ (VI) beschäftigt. Der Band soll die ge­genwärtige „Differenziertheit und Breite der Debattenlagen … in der gegenwärtigen evangeli­schen Theologie“ (VI) vermitteln. Die Einleitung der Herausgeber bietet einen guten Überblick über die Beiträge des Buches, das die Thematik in vier Teilen bearbeitet. Im ersten Teil legt Uwo Tworuschka die religions­wissenschaftlichen Grundlagen, nach denen bereits die Begriffe „Religion“ und „Gott“ we­der allgemeingültig definiert noch interreligiös harmonisiert werden dürfen. Im Gegensatz zur älteren Religionswissenschaft, die nach Harmo­nie suchte, betont die neuere die Differenziert­heit und Komplexität religiöser Realitäten und Prozesse: es glauben eben nicht letztlich alle an den selben Gott. Im zweiten Teil des Buchs wird dieser Befund vertieft und theologisch reflek­tiert. A. V. Scheliha ist der Meinung, dass man nicht von festen Religionen, sondern eher von synkretistischen „Verflüssigungen und Aus­tauschprozessen“ ausgehen und diese in einer Theologie der Religionen berücksichtigen müs­se. U. Körtner plädiert für einen metakritischen Inklusivismus, der seine eigene Standortrelativi­tät zugibt, aber andererseits an dem evangelisch­theologischen Kritierium festhält „ob Christus als letztgültige Heilsoffenbarung die Mitte des Glaubens bleibt oder ob er einem anderen reli­giösen Heilsereignis … untergeordnet wird“. In den fremden Religionen sei der biblische Gott als der verborgene Gott zu sehen, eine Anfech­tung für den Glaubenden, die aber letztlich aus der Mitte des Heilsereignisses in Christus inter­pretiert werden könne. Im dritten Teil des Buchs plädiert R. Bernhard für einen „mutualen Inklu­sivismus“, die im Gegensatz zum Pluralismus im eigenen Glauben selbstkritisch wurzelt (nicht in Meta-Theorien), aber die authentische Offen­barung Gottes auch in anderen Religionen zuge­steht. M. Hüttenhoff verbindet pluralistische Religionstheologie mit der Rechtfertigungslehre. Er hält es für theologisch legitim, die ev. Recht­fertigungslehre von ihrer Bindung an die Über­zeugung, dass Tod und Auferstehung Christi objektiv heilskonstitutiv sind, zu trennen. Übrig bleibt das Prinzip Gnade und Glaube an einen heilschaffenden Gott, das auch in anderen Reli­gionen zu finden sei. Konkret wird das am Bei­spiel der indischen Bhakti-Frömmigkeit be­schrieben. Dennoch bleibe diese Theologie im eigenen konfessionellen Glauben verwurzelt, die reduzierte ev. Rechtfertigungslehre bleibe Maß­stab für eine angemessene Gottesbeziehung, die nicht in allen Religionen zu finden, aber doch in ihnen jederzeit möglich sei. Im letzten Teil des Buchs plädiert D. M. Grube dafür, die Wahr­heitsfrage (die offen bleiben muss) von der kon kreten Gestaltung des religiösen Pluralismus zu trennen. Abschließend führt D. Korsch anstelle von „Wahrheit“ den Begriff der „Lebensdeu­tung“ ein. Religionen vermitteln nicht Wahrheit, sondern bieten die Möglichkeit zur notwendigen Deutung und Bearbeitung der „Asymmetrien“ des Lebens. In diesem Sinn könne man Religio­nen aufwerten. Der Maßstab ist, „ob sie über eine hinreichende interne Differenziertheit ver­fugen, die es ihnen erlaubt, mit gesellschaftli­cher Komplexität umzugehen“ (S. 12). In der Tat bietet dieser Band gegenüber den Konzeptionen von Hick und Knitter neue Per­spektiven durch seine durchgehende Betonung der empirischen Differenzerfahrungen zwischen den Religionen und der Betonung der „Unhin-tergehbarkeit“ eigener Voraussetzungen. Hier wird nicht mehr vorschnell von Konsens und Einheit gesprochen, sondern religionswissen­schaftlich und hermeneutisch differenzierter hingeschaut. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Versuchung der Metatheorie hier z. T. nicht nur neue, konfessionell gewandete Formen annimmt, etwa in dem Versuch Hüttenhoffs eine abstrahierte ev. Rechtfertigungslehre mit einer bestimmten Formulierung von Bhakti-Frömmigkeit auf einen Nenner zu bringen. Die­se reduzierte Rechtfertigungslehre ist m. E. eben auch ein Meta-Konstrukt. Insgesamt bietet dieser Band einen guten Ein­blick in die religionstheologische Diskussion aus systematisch-theologischer, evangelischer und deutschsprachiger Perspektive. Leider fehlt dabei die Perspektive der Missionswissenschaft. Da ist doppelt schade, einmal angesichts der Tatsache, dass die theologische Reflexion der Religionen einen wichtigen Ursprung und Ort in der christlichen Mission hatte, sowohl im Neuen Testament (Paulus in Athen) als auch in der Kir­chengeschichte (z.B. B. Ziegenbalg 1706), zum anderen, weil Missionswissenschaftler wie L. Newbigin, D. Bosch, T. Sundermeier oder P. Peterhaus wichtige Beiträge geleistet haben. Dennoch und gerade deswegen ist das Buch für Missionswissenschaftler eine wichtige Lektüre und Anregung.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.

Deane, Hudson. Good and Faithful - New Zealand Missionaries and their experience of attrition. Mairangi Bay, Neuseeland: Daystar Publications Trust, 2008.

Warum brechen Missionare ihren Einsatz ab, und wie lässt sich dies vermeiden? Dies sind zwei entscheidende Fragen in der modernen Weltmission, denn eine vorzeitige Rückkehr ist oft mit zerbrochenen Lebensperspektiven, ent­täuschten sendenden Gemeinden, ja Zweifeln an Gottes Führung, unterbrochenen Projekten und immenser Fehlinvestition verbunden. Hudson Deane hat diese Fragen so vielen evangelischen Missionaren gestellt, wie er nur irgendwie errei­chen konnte. Während andere Studien meist Missionsleiter befragten, hat Deane die Betrof­fenen selbst zu Wort kommen lassen: 92 neu­seeländischen Missionare von 19 Missions­werken wurden mit Fragebogen und ausführ­lichem Telefoninterview befragt, und er tat dies auf einfühlsame Weise, um möglichst ehrliche Antworten zu erhalten.

Dabei traten einige unerwartete Ergebnisse zutage. Beispielsweise benennen Missionsleiter oft zwischenmenschliche Konflikte als Haupt­grund für die Rückkehr, während die Missionare vor allem familiäre (14.3%), arbeits- (13.2%) sowie werksbezogene (10.7%) Gründe be­nannten, und Konflikte mit Kollegen (2.6%) erst auf den 13. Platz kam - entgegen landläufiger Meinung. Dieser drastische Unterschied ver­deutlicht, dass Missionsleiter und betroffene Missionare durchaus unterschiedliche Über­zeugungen haben können, die sich gegenseitig ergänzen und Teil des Gesamtbildes darstellen. Die Gründe für die Rückkehr sind auch vom Familienstand der Missionare abhängig: Wäh­rend Singles vor allem unter Arbeitsüberlastung (9.0%), emotionalem (7.8%) und kulturellem Stress (7.2%) sowie Mangel an persönlicher Unterstützung (6.8%) leiden, macht den Verheirateten vor allem die Ausbildung ihrer Kinder (15.3%) und der Abschluss von Pro­jekten (10.9%) zu schaffen. Missionare werden in jedem Zivilstand und jeder Lebenssituation herausgefordert und benötigen spezifische per­sönliche Unterstützung und Leitung. Das wird auch im Kap 4 deutlich, in dem der Autor die Antworten nach den verschiedenen Altersgruppen in der Mission untersucht: Wäh­rend den Pionieren (geb. vor 1946, engl. Boost ers) vor allem ihre physische Gesundheit, man­gelhafte Mitwirkung bei Entscheidungen und emotionaler Stress zu schaffen machten, setzt den baby boomers (geb. 1946-64) vor allem die Ausbildung ihrer Kinder, emotionaler Stress, Pflege ihrer Eltern und Arbeitsüberlastung zu und den Gen X-ern (geb. 1965-83) der kulturelle Stress, physische Gesundheit, Einsamkeit und mangelnde persönliche Erfüllung im Dienst. Was können sendende Gemeinden, Ausbil­dungsstätten, Missionswerke und Gemeinden im Einsatzland beitragen, um die vorzeitige Rück­kehr zu reduzieren? Auf diese Frage machten die drei genannten Altersgruppen an Missio­naren jeweils ganz konkrete Vorschläge, die sehr bedenkenswert sind und den Weg in die Zukunft der Mission weisen. Das abschließende Kapitel befasst sich mit den Stärken und Schwächen der neu aufkommenden Generation an Mitarbeitern, üblicherweise Gen Y (geb. 1984+) genannt. Deane fordert vor allem flachere Hierarchien in Missionswerken, neue Ausbildungsmodelle, Lernen im Team und ex­perimentelles Lernen, Partnerschaften von sen­denden Gemeinden, Ausbildungsstätten und Missionswerken, kontinuierliche Weiterbildung, integrierte Lernprogramme und weist auf die entscheidende Rolle der Gemeinde im Einsatz­land hin, ob und welche Missionare eingeladen werden. Diese Maßnahmen sind erforderlich, damit die neue Generation ihren Platz in der Mission findet, so Deane. Damit weist die Studie weit über den nationalen Horizont von Neuseeland hinaus und beleuchtet grundsätzliche Aspekte der modernen Welt­mission. Die statistische Basis ist zwar begrenzt, doch das Werk bietet umfassende Inspiration und Reflektion für jeden, der mit der Sendung und Betreuung von Missionaren befasst ist: Gemeindeälteste, Pastoren, Bibelschullehrer, Missionsleiter, Missionare... Der Stil ist zwar etwas nüchtern und weniger unterhaltsam (da der Autor die Vertraulichkeit der Interviewten mit allen Mitteln wahren wollte), doch ist das Werk eine Pflichtlektüre für alle, die in Gottes globaler Mission mitarbeiten.

Dr. Detlef Blöcher, em 2008-4.

Decker, Rudolf. Ruanda: Tod und Hoffnung im Land der Tausend Hügel. Begegnungen und Eindrücke 1. Hänssler-Verlag, 1998.     

Decker, Rudolf. Im in­nersten Afrika: Hutu und Tutsi zwischen Vernichtung und Ver­söhnung. Begegnungen und Eindrücke 2. Neuhausen: Hänssler-Verlag, 1998.

Ein Umdenken macht sich bemerkbar. In ei­nem evangelikalen Verlag erscheinen nun auch Bücher politischen Inhalts. Das ist zu begrü­ßen; haben doch die Christen den Geruch, welt­fremd und -fern zu leben. Sagen wir, ein An­fang ist gemacht; denn es geht in den Büchern um den fehlenden Frieden in einer immer noch fernen Weltregion, die einen Mordrausch über­stehen mußte, der bis heute noch nicht völlig abgeklungen ist. Über hundert Jahre Christen­tum und ein halbes Jahrhundert der Erweckung haben die Feindschaft zwischen zwei gegneri­schen Ethnien Afrikas nicht entscheidend schwächen können. Hier sind auch politische Lösungen gefragt.

Der Autor ist Bundestagsabgeordneter und hat von der amerikanischen Gebetsfrüh­stücksbewegung her den Gedanken der Ver­antwortung vor Gott und den Menschen im Blick. seinen Gesprächspartnern bot er an, zu diesem Freundeskreis von Politikern hinzuzu­stoßen. In erzählendem Ton und nicht auf wörtliche Genauigkeit der wiedergegebenen Dialoge bedacht, entfaltet Rudolf Decker die erstaunliche Geschichte politischer Vermitt­lung in einem ethnischen Konflikt, der mehrere afrikanische Staaten in Atem hält. Sie geschah auf höchstem Niveau: Alle Präsidenten der Re­gion trifft der Leser in den beiden Büchern wieder.

Das erste, eine überarbeitete Fassung des 1995 noch anonym erschienenen Buches, setzt ei­nige Jahre vor der 1994 ausbrechenden Kata­strophe in Ruanda ein. Der später in einem Flugzeug abgeschossene, verstorbene Präsident kam auf Decker zurück, um in der schwelenden Auseinandersetzung das Gesetz des politischen Handelns wieder an sich zu reißen. Doch die Bemühungen scheiterten. Das tat dem Opti­mismus des Autors keinen Abbruch, der uner­müdlich weiterhin überwiegend auf dem Luft­wege einer Pendeldiplomatie den Vorzug gab, die um die Variante der geistlichen Wortbe­trachtung und des Gebets bereichert wurde. Vielleicht muß man dem Autor eine zu positive Bewertung der Wirksamkeit solcher Rahmen­handlungen ankreiden. In diesem Gebiet des christianisierten Afrika ist man vielfach aus Gewöhnung religiösen Riten gegenüber aufge­schlossen. Mir fiel in diesem Zusammenhang auch in den Büchern die fast formelhafte Er­wähnung Gottes als dem Unsichtbaren je öfter je mehr störend auf.

Gut kommt in den Büchern heraus, daß Vor­würfe und Mißtrauen das Denken der Politiker beherrschen. Statt auf Gewalt muß in diesen Umständen auf politische Räson und persönli­che Kontakte gesetzt werden. Decker und seine Mitstreiter gaben nicht auf - hier beweist der CDU-Politiker seine überparteiliche Einstel­lung; er kann den SPD-Mann Hans-Jochen Vo­gel zu seinem Kreis zählen. Sie luden sogar nach Deutschland ein, um alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.

Das zweite Buch fährt mit den Folgeereignis­sen ab 1996 im gleichen Stil fort. Das Krisen­gebiet verlagerte sich nun in das südlich von Ruanda gelegene Burundi. Der Bürgerkrieg in Zaire - jetzt Demokratische Re­publik Kongo - wird nur am Rande wahrge­nommen, denn dort ist die Vermittlung Dec­kers nicht gefragt. Nur der persönliche Kontakt zu Mobuto wird er­wähnt. Spätestens hier wird klar, daß die christliche Initiative zur Völker­verständigung den freundschaftlichen Umgang mit dem aus deutscher Sicht verhaßtesten Staatsführer sucht und ohne erkennbare innere Skrupel pflegt - eine ethische Entscheidung zugunsten der Trä­ger politischer Verantwor­tung.

Decker beschreibt die Gastfreundschaft Afri­kas. Er nimmt auch den Leser auf den Be­such einer katholischen Missionsstation und auf Safaris durch Nationalparks mit. Da nur seine Einsätze dargestellt werden – die aller­dings durch eingestreute Analysen der politi­schen Situation begleitet sind und so alle Konflikt­parteien erfassen – tritt die Ungeheuer­lichkeit der Bürgerkriege und des Völkermor­des etwas in den Hintergrund. Das Auge des Betrachters ruht da schon eher auf der ärmli­chen Kleidung vieler Afrikaner und betont auf diese Weise den Gegensatz zu ihren gut be­tuchten Politi­kern um so deutlicher.

Die in zeitlicher Reihenfolge angeordnete Er­zählung gibt ein realitätsgetreues Bild Afri­kas mit seinen Schönheiten, Hindernissen und prä­sidialen Wohnsitzen wider. Ich kann die leicht lesbaren Bücher als gute Ergänzung zu den Be­richten der Missionare Ostafrikas emp­fehlen.

Winfried Schwatlo, em 1999-3.

Decorvet, Jeanne. Samuel Ajayi Crowther. Un père de l’Église en Afrique noire. Foi vi­vante 309. Édition des Groupes Missionnai­res/Les Éditions du Cerf: La Côte-aux-Fées/Paris, 1992.

Dem Leben des ersten schwarzen anglikani­schen Pastors ist dieses Buch gewidmet. Der wohl 1806 geborene Ajayi wurde als Teenager von Sklavenjägern gefangengenommen, auf dem Weg in die Gefangenschaft jedoch von ei­nem britischen Schiff befreit und nach Free­town, Sierra Leone, gebracht. Dort kam er zum Glauben und war einer der ersten Schüler auf der neugegründeten Missionarsschule der An­glikaner in Foura Bay bei Freetown, in der er später auch Direktor wurde. Weitere wichtige Stationen seines Lebens sind seine Ordination 1843 und die Weihe zum Bischof 1864.

Crowther nahm an einigen Forschungsreisen auf dem Niger teil und gründete die Niger-Delta-Mission. Durch den stärker werdenden Druck der Briten wurde er mehr oder weniger unfreiwillig zu einer wichtigen Figur der afri­kanischen Unabhängigkeitsbewegung und für viele zu einem der Gründerväter der Republik Nigeria.

Das Buch gibt uns einen interessanten Ein­blick nicht nur in das Leben dieses Pioniers der schwarzafrikanischen Kirche, sondern auch in die Bemühungen der Mission, Schwarzafrika­ner für die Missionsarbeit zu gewinnen in einer Zeit, in der in vielen Staaten noch die Sklaverei und die damit verbundene Sicht der Afrikaner als Menschen zweiter Klasse vorherrschte. Das Buch zeigt sowohl die Beweggründe als auch die ersten Gehversuche dieser neuen Missions­politik auf. Es erwähnt auch die großen Ent­behrungen, die ein Europäer zu dieser Zeit auf dem Schwarzen Kontinent auf sich nehmen mußte. Wir erhalten Einblick in eine Zeit des Übergangs, in der die Sklaverei zwar noch be­stand, aber schon bekämpft wurde. Wir erleben lebendig den Verlauf und die Motive der For­schungsreisen auf dem Niger mit. Schließlich schildert uns das Buch auch die Entwicklung der Kolonialpolitik und die Zuspitzung der Probleme, die sich bereits vor der Jahrhun­dertwende abzeichneten und zu ersten Ausein­andersetzungen führten, in die selbst eine so friedliebende Persönlichkeit wie Crowther verwickelt wurde.

Alles in allem ein interessantes Buch in franzö­sischer Sprache, das einen lebendigen Einblick gibt in die Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts auf dem schwarzafrikanischen Kontinent.

Martin Schröder, em 1999-4.

Dembowski, Hermann & Wolfgang Greive (Hg.): Der andere Christus. Christologie in Zeugnissen aus aller Welt. Erlangen: VdELM, 1991.

Diese Anthologie christologischer Entwürfe ermöglicht eine intensive Begegnung mit Chri­stuszeugnissen, die sich durch ihre jeweilige sozio-kulturelle Prägung stark unterscheiden. Die Palette reicht vom jüdischen, europäischen, lateinamerikanischen bis zum asiatischen Kolorit. Ein unbestreitbarer Verdienst ist, daß durch die ökumenische, interkulturelle Kommunikation der Versuchung gewehrt wird, das Christusbild im je eigenen kulturellen Kontext dogmatisch zu verabsolutieren und unreflektiert als authentisch biblisch zu tradieren.

Doch muß kritisch gefragt werden, wo Chri­stus nur anders und wo ein anderer Christus verkündigt wird. Gewiß führt das Ernstnehmen der Inkarnation zu unterschiedlicher Akkultu-ration des Christuszeugnisses. Christus geht in die jeweilige konkrete Lebenswelt ein, aber er geht nicht in ihr auf. Der biblische Kontext darf nicht aus seinem alttestamentlichen Verste-henszusammenhang herausgelöst werden, daß aus der Person Jesus Christus ein wie auch im­mer zu bestimmendes Prinzip wird, das dann in die fremdkulturellen Denkkategorien nivelliert wird. Das ist eine Anfrage an die asiatischen Entwürfe und an die Minjung-Theologie. In diesem Zusammenhang fällt auf, daß nur in der Befreiungstheologie Lateinamerikas, wenn auch selektiv, das AT Erwähnung findet. Aber genau hier liegen doch wohl die Grenzen und Gefahren einer Kontextualisierung der Christologie.

Ein nützliches Buch, mit dem auseinander­zusetzen sich lohnt.

Gerold Schwarz, em 1993-1.

Dengler, Sandy. Susanna Wesley: Powerfrau und Methodistenmutter. Brunnen-Verlag: Gießen: 1998.

In diesem biographischen Roman beschreibt die Autorin Sandy Degler das Leben von Su­sanna Wesley (1669-1742), der Mutter von John und Charles Wesley, von ihrer frühen Ju­gend bis zu ihrem Tod.

Die Erzählung setzt ein, als Susanna, die jüng­ste von 25 Kindern, 13 Jahre alt ist. Das intelli­gente Mädchen studiert die Bibel und kann be­reits hebräisch, griechisch und englisch – und das zu einer Zeit, als fast keine Frau lesen und schreiben konnte, geschweige denn studie­ren durfte. In diesem Jahr ereignen sich zwei wichtige Dinge: Susanna lernt nicht nur ihren zukünftigen Ehemann, Samuel Wesley, ken­nen, sondern entscheidet sich auch dafür, die Kirche ihres Vaters zu verlassen und wieder der englischen Staatskirche beizutreten. Dieser Schritt zeigt, daß die englische Gesellschaft im 17. Jahrhundert in das Lager der anglikani­schen Staatskirche und der Nonkonformisten gespalten war. Die Königstreue wirkte sich später auch politisch aus und brachte den Wesleys viel Leid.

Im folgenden erlebt der Leser nun den tägli­chen Kampf der Wesleys mit: die Armut, die körperliche Schwachheit (Susanna gebar fast jährlich ein Kind – insgesamt 19) hohe Schul­den und politisch bedingte Anfeindungen durch die Menschen. Es ist beeindruckend, daß Su­sanna Wesley – trotz aller Probleme – nie den Glauben an Gott aufgab.

Wie sehr die mütterliche Erziehung ihre Kinder beeinflußte, zeigt sich im Missionsstil ihrer Söhne John und Charles, die die Struk­turliebe ihrer Mutter erbten und später als „Methodisten“ bezeichnet wurden.

Diese Biographie von Susanna Wesley ist leicht lesbar und erbaulich für alle, die sich fragen, wie groß ihr Einfluß auf die nächste Generation überhaupt ist.

Tatiana Heuser, em 1999-3.

Detlef, Kapteina. Afrikanische Evangelikale Theologie: Plädoyer für das ganze Evangeli­um. edition afem, mission academics 10, Er­langen: VTR, 2001.

Detlef Kapteina, der selbst zehn Jahre in einer Lehr- und Missionstätigkeit in Westafrika und später als Missionssekretär in EBM (Elstal) für Afrika arbeitet, untersucht in seiner Dissertation an der Evangelischen Theologischen Faculteit in Leuven/Belgien die Entstehung einer Afrikani­schen Evangelikalen Theologie (AET). Dabei bezieht er sich ausschließlich auf afrikanische evangelikale Theologen und maßgebende Kon­ferenzen und Beschlüsse. Mit dieser umfangrei­chen Arbeit stellt er die Notwendigkeit eines eigenständigen Profils der AET dar und be­schreibt ihre Entwicklung. So beginnt seine Darstellung im ersten Teil mit einem geschicht­lichen Überblick und den ersten Gedankenan­stößen von Byang H. Kato. Mit seinen Grundla­gen beschäftigen sich weitere Konferenzen und er wird als Vorbereiter einer AET herausgestellt. Kapteina beschreibt wichtige Konferenzen und Beiträge im zweiten Teil, um die Entwicklung und Notwendigkeit einer Abgrenzung der evan-gelikalen Theologie aufzuzeigen. Dies nimmt einen sehr umfangreichen Teil ein. Hier gelingt es, entscheidende Merkmale herauszuarbeiten. In einem dritten Teil stellt er die theologischen Konzepte der AET in den Gebieten der Herme­neutik, der Soteriologie und der Christologie dar. Die wegbereitenden Gedanken prominenter Vertreter der AET, wie Tite Tienou, Tokunboh Adeyemo und Kwame Bediako, werden darge­stellt und ihre Einflüsse zur Prägung einer AET beschrieben. Kapteina bewertet im vierten Teil die Grenzen der AET und weist auf Defizite hin. Er zeigt auch den theologischen Beitrag für die weltweite evangelikale Missionstheologie auf. Das Buch vermittelt einen weitreichenden über­sichtlichen Einblick in die Entwicklung einer AET. Als Darstellung und Zusammenfassung einer geschichtlichen als auch einer theologi­schen Entwicklung in Afrika empfiehlt es sich besonders für Missionare in Afrika und darüber hinaus für die Auseinandersetzung mit dem Thema der Entwicklung einer Theologie in einer nichtwestlichen Kultur. Kapteina ist es gelungen einen Beitrag für die afrikanische christliche Theologie zu leisten und ihre eigene Stellung innerhalb der evangelikalen Theologie aufzuzei­gen.

Mathis Kögel, em 2004-2.

Dictionary of the Ecumenical Movement. Hrsg. von Nicholas Lossky u.a., Genf: WCC 1991.

Hier soll nur nach dem missiologischen Ertrag dieses Lexikons gefragt werden, das in über 600 Artikeln die ökumenische Bewegung im weitesten Sinne beschreibt. Der Rezensent fand ca. 60 Beiträge, die neben missionsrelevanten Sachthemen auch 15 Biographien und 16 Institutionen oder Bewegungen darstellen. Die Hoffnung auf einen besonderen Beitrag des Lexikons zur Geschichte des Internationalen Missionsrates (IMR), einem wesentlichen Mo­tor der ökumenischen Bewegung, wird aller­dings etwas enttäuscht, (wie schon Gerald An­derson in seiner Rezension in IBMR bemerkt). Selbst ein Amerikaner vermißt biographische Beiträge zu Karl Hartenstein und Walter Frey­tag, die nur äußerst marginal erwähnt werden! Doch viele biographische Porträts sind heraus­ragend und kommen im „Lexikon zur Welt­mission“ von Neill nicht vor (N. Goodall, B. Graham, K. Grubb, J.A. Mackay, Neil], Newbigin, D.T. Niles, Potter, J.V. Taylor) oder übertreffen es (Mott, Oldham, W. Paton). Bei R. Allen ist man dagegen mit Neills Lexikon besser bedient. Unter den besprochenen Orga­nisationen sind auch ausgesprochen evangeli-kale verzeichnet, doch fehlen leider gerade bei „Lausanne Committee“ die sonst üblichen grundlegenden Literaturhinweise, während der Artikel „Lausanne Covenant“ Sekundärlitertur verzeichnet. Die Konferenzen des IMR werden unter „ecumenical Conferences“ dargestellt. Unter „evangelical missions“ findet sich der irrtümliche Hinweis, die AEM sei der Heraus­geber von Idea! Womit das Lexikon einem Missiologen vielleicht am meisten dient, ist die Darstellung des Missionsverständnisses in der heutigen ökumenischen Bewegung bzw. der Uminterpretation von Mission und ihrer Ver­drängung durch andere vorrangigere Themen, wie auch in diesem Lexikon der Fall. Die Schlüsselartikel hierzu sind von ehemaligen Generalsekretären des ÖRK verfaßt: Potter schreibt über „mission“ und E. Castro über „evangelism“. Aufschlußreich ist auch die Neudefinition von Bekehrung („conversion“).


Weitere Artikel von Interesse sind ua.: „inter-religious dialogue, inculturation, missio dei, moratorium, pluralism, proselytism, syncre-tism, uniqueness of Christ, universalism“. So ist dieses wissenschaftliche Werk, an dem Autoren aus vielen Ländern und Konfessionen mitgearbeitet haben, eine außerordentlich beachtenswerte Leistung, aber im Blick auf den Ertrag für die Mission eher symptomatisch für die heutige ökumenische Bewegung.

Christof Sauer, em 1993-3.

Die Guten Seiten 94/95. Das Handbuch für Christen. 2. völlig neu bearbeitete Ausgabe, Hg. vom Johannes Institut, Projektion J Verlag.

Nach langem Anlauf ist Februar 1994 die zweite Ausgabe dieses christlichen Adressbu­ches erschienen. Über 10.000 Adressen aus al­len Bereichen christlicher Aktivitäten machen es zum nützlichen Nachschlagewerk. Diese Ausgabe hat nun einen alphabetischen Index und ein Stichwortregister. Wie schwierig es ist, Adressen aktuell zu halten und sinnvoll in Rubriken zu ordnen, zeigen die Eintragungen zum AfeM und zu em. Der AfeM erscheint gleich drei mal: In der Rubrik „Arbeitskreise – Evangelisation“ (!) als AfeM Dr. Klaus Fiedler, Ratingen, dann als AfeM, Korntal (AEM) und als AfeM, Esslingen. Ich hätte ihn eher unter „Mission – Verbände“ gesucht, wo auch die Deutsche Gesellschaft für Missionswissen­schaft zu finden ist. Die Zeitschrift em er­scheint zu Recht in der Rubrik „Missionszeit­schriften“, könnte aber auch noch unter Fach­zeitschriften aufgeführt werden.

Wer Missionsadressen sucht, findet diese nach Einsatzgebieten geordnet. Die Guten Seiten bieten wohl die umfangreichste Samm­lung charismatischer und neuester Missionen. Es scheinen aber nicht alle Adressen, die man in Jahrbuch Mission mit weiteren Informatio­nen versehen findet, verzeichnet zu sein. Des­halb hätte man auf es verweisen können.

Eine besonders interessante Beigabe ist die Aufstellung von Fred McRae über „Unerreichte Ausländergruppen in Deutschland“, auf S.133-163 in einer Randspalte abgedruckt. (Auch separat beim Autor erhältlich.) Eine ähnliche Aufstellung mit Kurzcharakterisie­rungen findet sich zu Ausbildungsstätten.

Das Nachschlagewerk ist so nützlich, daß es zumindest jede Missionszentrale in ihrem Büro haben sollte. Eine Diskettenversion mit Such­programm wäre wünschenswert.

Christof Sauer, em 1994-3.

Dirks, Friedrich. Das Evangelium im afrika­nischen Kontext: Interkulturelle Kommuni­kation bei den Tswana. Gütersloher Ver­lagshaus Gerd Mohn, 1986.

Jeder Missionar wird sich mit der Frage be­schäftigen müssen: Wie übersetze ich die Frohe Botschaft von Jesus Christus?

Es war nicht immer so, daß dieser Frage in der Mission eine besondere Bedeutung bei­gemessen wurde. Heute muß das jeder Mis­sionar tun. Wir sind feinfühliger geworden. Es ist uns bewußt geworden, daß der euro­päisch orientierte Missionar in seiner eige­nen Kultur aufgewachsen ist und in seinem christlichen Glauben und Denken westlich – wie Dierks sagt „verbal“ – geprägt ist.

Friedrich Dirks war mehr als dreißig Jahre Missionar im südlichen Afrika. „Die Fragen und Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der missionarischen Kommunikation der christlichen Botschaft in einer interkultu­rellen Situation hat Jahrzehnte lang meine eigene Missionsarbeit geprägt“ (S.10).

Dierks beschäftigt sich mit „interkultureller Kommunikation“ oder „kontextueller Ver­kündigung“ des Missionars. Der westlich verbalen Verkündigung stellt er die „nicht­verbale Kommunikation“ des Afrikaners gegenüber. Zur nichtverbalen Kommunika­tion gehören vorwiegend Symbole und Ri­ten, die Dierks dem traditionellen Glauben des Afrikaners entnommen hat.

Das Symbol (z.B. S.40 ff.) und der Ritus (S.67f.; 105 ff.; 160) sind nichtverbale Kom­munikationsmittel, die die unabhängigen Kirchen Afrikas (S.45; 105) von Anfang an in den Vordergrund ihrer Verkündigung gestellt haben. Westlich orientierte Kirchen haben diese Grundbedürfnisse des Afrika­ners zu wenig gesehen, erkannt und aufge­nommen.

Das Buch ist in vierzehn Untertitel aufge­teilt. Die ersten vier Punkte sind eine grundlegende Darbietung, in der sich Dierks damit befaßt, wie die biblische Botschaft zu einem „Kommunikationsprozess“ wer­den muß, wenn sie durch die Vermittlung des „Senders“ an den „Empfänger“ auf dem Boden der einheimischen Kultur und Reli­gion ausgetragen wird. Die Punkte 5-13 stehen paradigmatisch für die „interkultu­relle Kommunikation bei den Tswana“. Als Anknüpfungspunkte wählte Dierks die Be­griffe „Religion“, „Gott“ und „Heil“.

Jeder Begriff wird auf drei Ebenen unter­sucht. Zunächst behandelt Dierks das tra­ditionelle Verständnis von Religion, Gottes­bild und Heil (5; 8; 11). Daran schließt sich die „missionarische Verkündigung“ an (6; 9; 12); eine Reflexion zur Übersetzung der Botschaft des Evangeliums durch die Mis­sionare. Auf der dritten Ebene befaßt sich Dierks mit dem „Christentum der Tswana“ (7; 10; 13). In diesem Teil werden auch Probleme der zweiten Generation angespro­chen. Kapitel 14 ist eine kurze Schlußbe­merkung.

Das Buch ist entstanden aus der reichen Diensterfahrung des Verfassers. Die aus­führlichen Beispiele aus den Dienstjahren Dierks’ unterstreichen seine missionstheo­logischen Untersuchungen und lassen das Buch jedem Missionar empfehlen, der es mit Afrika zu tun hat oder darüber hinaus ein Gespür und eine erweiterte Sensibilität für die „interkulturellen Kommunikationen“ entwickeln möchte.

Heinrich Bammann, em 1987-3.

Dortzbach, Deborah & W. Meredith Long. The Aids Crisis – What We Can Do. Downers Grove. Ill., USA: IVP, 2006.

Deborah Dortzbach und Dr. W. Meredith Long arbeiten beide für „World Relief“ und greifen auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich HIV zurück. Das Buch verspricht eine praxisorien­tierte Antwort zur HIV/AIDS-Frage. Wie kön­nen wir, insbesondere die Kirchen, auf die Krise AIDS reagieren? Es spannt einen Bogen zwi­schen der verheerenden weltweiten AIDS Situa­tion bis hin zum Einzelschicksal, wo Hoffnung zu sehen ist.

Es gibt ca. 40 Mio. HIV infizierte Menschen. Bis 2010 rechnet man mit 25 Mio. Waisen und weiterhin schneller Ausbreitung bei fehlender kurativer Therapie sowie fehlenden Impfstoffen. Hinsichtlich der Krankheit besteht ein starkes soziales Stigma. Auch weil AIDS sehr schnell eine ethische Diskussion entfacht, werfen die Autoren in diese Situation hinein Fragen auf, um den Leser zu mobilisieren und ihn zu prakti­schem Handeln zu bewegen. Die Autoren schreiben aus christlicher Sicht mit großer me­dizinischer und sozialer Erfahrung. Sie ergänzen das mittlerweile unüberschaubare Angebot an Literatur zum Thema HIV/AIDS durch einen christlichen, sehr stark praxisorientierten und partizipatorischen Ansatz. Das Buch gibt einen Überblick über das Thema AIDS, beginnend mit Grundlageninformationen über die Krankheit selbst, sowie über die Situa­tion in den einzelnen Teilen der Welt. Ein gan­zes Kapitel ist dem Schutz der Jugend gewid­met. HIV/AIDS betrifft vor allem Menschen im Fortpflanzungsalter (15-49 Jahre). Verschiedene Möglichkeiten, die Jugend aufzuklären und sie zu schützen, werden diskutiert. Ein anderes Kapitel gilt der Familie. AIDS kann hier durch Ignoranz, Tradition, Scham und andere Gründe sehr zerstörend wirken. Es geht besonders um Ehen, kritische Beleuchtung von Kinderheimen, Pflege innerhalb der Familie und wie Kirchen durch Bedarfsanalyse, Beratung, spezielle Ange­bote, Zeit, Essen und Liebe helfen können. In einem weiteren Kapitel unter der Überschrift „Gewalt von AIDS“, geht es den Autoren u.a. um Frauen, die kein Mitspracherecht im Bereich Sexualität haben, fehlende Impfstoffe, mangeln­de sexuelle Aufklärung, fehlende Vermittlung von Werten wie sexuelle Reinheit und den Wert des Lebens selbst. Kondome seien die primäre Waffe gegen eine Infektion bei denen, die sich sexuell risikoreich verhalten. In dem sehr praktischen Kapitel zum Thema Be­treuung wird über die Pflichten und Möglich­keiten des einzelnen Familienmitglieds, der Regierung und der Kirche gesprochen. Kirchen spielen eine bedeutende Rolle, insbesondere bie­ten sie einen geistlichen Rahmen in säkularen Präventionskampagnen.

Das Buch zeichnet sich aus durch eine gelun­gene Kombination aus gut recherchierten Daten und Widerspiegelung der Realität, die oft dem Nicht-Infizierten, insbesondere in der westlichen Welt, verborgen bleibt. Die Autoren legen sehr viel Wert auf eine persönliche Identifikation mit dem Thema und mit den infizierten und betrof­fenen Menschen. Das Buch ist auch für den Laien verständlich, eine wirkliche Hilfe sowohl für den Einzelnen als auch eine gute Grundlage für Organisationen und Kirchen, um den Be­troffenen umfassend zu helfen, denn HIV/AIDS ist nicht nur ein rein medizinisches Problem. Lebendige persönliche Beispiele aus dem Leben von Betroffen verdeutlichen die einzelnen Aus­sagen und bringen dem Leser die Problematik vom Kopf ins Herz, was in Nachrichten oder wissenschaftlicher Literatur in der Regel nicht erfolgt. Das Buch zeigt, dass HIV/AIDS auch ein Problem ist, bei dem Kirchenleiter ihre Ver­antwortung übernehmen müssen, was durch Un­kenntnis und Ignoranz bisher viel zu wenig ge­schehen ist. Es ruft auf, die Diskussion zu been­den, ob Christen auf die AIDS Problematik überhaupt antworten sollten. Aber auch der Einzelne wird hinterfragt hin­sichtlich seiner Haltung gegenüber Infizierten, Homosexuellen und der Bereitschaft sich zu identifizieren und praktische Hilfe zu leisten. Mit viel Feingefühl werden die Schicksale dem Leser nahe gebracht. Durch die Fragen am Ende der Kapitel motiviert dieses Buch zum Nachden­ken und Handeln. Es ist ehrlich geschrieben und stellt klar, dass AIDS-Arbeit schmerzhaft und lang ist und nicht zu großem Ruhm führt. Es ist ein Arbeitsbuch, das das Wesentliche für die AIDS-Arbeit beinhaltet. Dieses Buch ist nicht als medizinisches Fachbuch gedacht. Das Ziel, in dieser kurzen Fassung Menschen zum Nach-und Mitdenken anzuregen, wird aber erreicht. Es gibt einen umfassenden Eindruck des Problems AIDS. Mit seinen breiten HIV- und AIDS Buch-und Online-Literaturangaben ist dieses Werk ein mobilisierendes, praktisches, anrührendes und herausforderndes Arbeitsbuch, das in allen Be­reichen Standardwerk sein sollte, entweder als Grundlage oder Ergänzung zu den anderen Ba­siswerken, da AIDS ein multisektorales Problem ist, dass definitiv nicht nur medizinisch in den Griff zu bekommen ist.

Dr.med. Ulf Basting-Neumann, em 2008-2.

Dowsett, Rose (Hg.). Global Mission: Reflections und Case Studies in Con­textualization for the Whole Church (Globalization of Mission Series / World Evangelical Alliance Mission Comnission), Pasadena: Willi­am Carey Library, 2011.

Zur Vorgeschichte: Vom 10. bis 15. Oktober 1999 veranstaltete die Missions­kommission der Weltweiten Evange­lischen Allianz (WEA) im brasilia­nischen Foz de Iguassu/ Brasilien eine Konsultation, aus der die sogenannte Iguassu-Erklärung hervorging. 160 Mis­sionare, Missiologen und Kirchen­leiter aus 53 Nationen nahmen daran teil und reflektierten die Entwicklungen der Lausanner-Bewegung sowie die Anfor­de­rungen des anbrechenden 21. Jahr­hunderts an die christliche Mission.

Der Sammelband Global Mission ist der zwölfte Band aus der Reihe Globali­zation of Mission, mit der die WEA-Missionskommission an die bisherigen Forschungen und Gespräche anschließt; zugleich dient er als Begleitbuch zum Werk Local Theology for the Global Church: Principles for an Evangelical Approach to Contextualization, Matthew Cook (Hg.). Die Herausgeberin von Global Mission ist stellvertretende Vorsitzende der WEA-Missions­kom­mis­sion und arbeitete 40 Jahre mit OMF International u.a. in Asien. Die restlichen Mitwirkenden stammen aus bzw. ar­beiten auf allen fünf Kontinenten.

Der erste Teil des Bandes („Reflections and Foundations“) bietet mit zehn Artikeln eine grundsätzliche Perspektive zum Verhältnis von biblischer Theologie und menschlicher Kultur. Die Autoren gehen auf relevante Bibeltexte ein, beschäftigen sich mit diversen Metho­den, Definitionen sowie Hindernissen für eine gelingende Kontextualisierung.

Der zweite Teil („Contextualization at Work“) macht mit 21 Fallbeispielen den Hauptteil des Bandes aus und gibt Ein­blicke sowohl in die Praxis der Kon­textualisierung als auch in die jeweils dahinter liegende Theorie. Dazu be­richten die Autoren von unterschied­lichen Versuchen, Überlegungen, Ansät­zen und Lernerfahrungen aus ihrem jewei­ligen Arbeitskontext (Brasilien, buddhistischer Kontext, China, Europa, Guatemala, hinduistischer Kontext, Indien, islamische Welt, Kongo, Korea, mittlerer Osten, Neuseeland, Philippinen, Senegal, Sudan). Dazu drei Beispiele: Die Dozentin und Missionarin Ruth Julian erläutert, mit welcher Methodik im Kongo eine kontextuelle Theologie des Heiligen Geistes gefördert wird, ohne einen animistischen Denkrahmen zu bedienen (S. 115–119). Der japanische Gemeindegründer Yuzo Ima­mura hingegen malt den Lesern den Stellenwert des Weihnachtsfestes bei kambodschanischen Christen auf und erklärt, wieso welche Aspekte dort besonders betont werden (S. 161–163). Auch ein „christlicher Bruder“ aus Ägypten kommt zu Wort, der das C5-Modell vom muslimischen Kulturkreis aus kritisch evaluiert und aufzeigt, wie Kontextualisierung zum Hindernis für Evangelisation und Jüngerschaft werden kann (S. 213–216).

Am Ende jedes Artikels werden Fragen zur Reflexion gestellt, sowohl um eine Diskussion anzuregen als auch um zu einer eigenen begründeten Position zu verhelfen. Ein Literaturverzeichnis sowie ein Schlagwörterverzeichnis runden den Sammelband ab. Aufgrund der Vielfalt an Autoren und Themen unterscheiden sich die Artikel in Anliegen, Anspruch und Methodik. Einige Leser wird die fehlende Vertiefung und Kürze mancher Artikel stören. Der Band enthält nur teilweise akademische Erörterungen; die Literaturliste bietet mit 210 Titeln einen ersten Überblick zum Weiterforschen, wobei 70% der verwendeten Literatur nach 1990 erschienen sind. Dies weist auf die beständige Aktualität des Themas Kontextualisierung hin.

Insgesamt aber macht die inhaltliche Vielfalt gerade die Stärke des Bandes aus. Unterschiedliche Stimmen aus Asien, aus der muslimischen Welt, aus der westlichen Welt und aus dem globalen Süden kommen zu Wort und erklären, wie und warum sie in ihrem eigenen Kontext Kontextualisierung betreiben. Aktuelle Debatten (z.B. C1-C6; Evangelisation und soziales Engage­ment) werden in diesem Band ebenso aufgegriffen wie zukünftige Trends und bestehende Grundfragen einer evange­likalen Missiologie, die sich um eine biblische und relevante Kontex­tua­lisierung bemüht.

Als Zielgruppe werden die „’reflective practitioners’ of the global mission community.“ genannt (S. xi). Tatsächlich richtet sich der Sammelband in erster Linie an Praktiker mit dem Wunsch, ihren Dienst zu ‚verbessern’, gleichzeitig werden aber jene profitieren, die Global Mission als ein Arbeitsbuch verwenden, z.B. Dozenten und Studierende. Die einzelnen Berichte und Fragen laden zum Weiterdenken ein, bieten wertvolle Einblicke aus erster Hand und ermutigen zum reflektierten Dienst für das Reich Gottes, in dem Menschen aus allen Stämmen, Sprachen und Nationen Platz haben.

Daniel Vullriede, em 2014-4.

Dubach, Alfred; Roland J. Campiche (Hg.). Jede(r) ein Sonderfall? Religion in der Schweiz. NZN Buchverlag: Zürich, Friedrich Reinhardt: Basel, 1993.

Zerfall oder Aufwärtstrend der Religion – was stimmt heute in den sogenannten modernen westlichen Gesellschaften? Um ein präzises und umfassendes Bild der religiösen Situation zu bekommen, wurde 1988/1989 eine Studie von einem fünfköpfigen Expertenteam des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Insti­tutes in der Schweiz durchgeführt. Die dabei erzielten Ergebnisse sind von der religiösen Entwicklung in Europa nicht zu trennen. Dabei werden Themen wie die Individualisierung des Glaubens, die Stellung des einzelnen zu den Institutionen, die Glaubensorientierung vermit teln, der Grad der Loyalität der Schweizer zu ihren Kirchen, die wachsende Säkularisierung und das Verhältnis von Religion und Kultur behandelt. In den Schlußfolgerungen ver­knüpfen die Autoren diese Themen- und Fra­genkomplexe und geben Überlegungen und Anregungen für die Zukunft.

Die Experten haben wissenschaftlich sauber gearbeitet. In den gesamten Text sind präzisie­rende Tabellen und Graphiken eingearbeitet. Im Anhang finden sich eine Beschreibung der Stichprobe, der bei dieser Umfrage verwendete Fragebogen mit einer Häufigkeitsauszählung, sowie eine Bibliographie. Ablauf und Ergeb­nisse der Untersuchung können vom Leser geprüft werden.

Als Adressaten werden alle diejenigen angegeben, die im religiösen Bereich engagiert sind, die die religiöse Lage besser einschätzen wollen und die daran interessiert sind, heutige Religiosität zu verstehen oder fundierte Äuße­rungen zum Thema Religion machen wollen. Leider ist dabei die wissenschaftliche Sprache bei aller Genauigkeit zu hoch, sodaß nur der Experte, nicht aber der interessierte Laie den Inhalt versteht. Das ist sehr zu bedauern, da das Buch endlich Fakten zu diesem interessanten Thema liefert, und das nicht nur für Schweizer!

Veronika J. Elbers, em 1995-4.

Dudley-Smith, Timothy. John Stott: The Making of a Leader (Bd. 1), Leicester: IVP, 1999.

Dudley-Smith, Timothy. John Stott: A Global Ministry (Bd.2), Leicester: IVP, 2001.

Mit Recht wurde festgestellt: Billy Graham war der Motor und John Stott der Kopf des evangelikalen missionarischen Neuaufbruchs seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Lausanner Bewegung, deren Wurzeln bereits auf dem Weltkongreß für Evangelisation 1966 in Ber­lin gelegt wurden, ist geprägt von Stotts biblisch­theologischem Denken, verbunden mit ökumeni­scher Gesprächsbereitschaft, einer Weite des Hori­zonts und einer Haltung der Demut. John Stott ist der theologische Denker hinter der Lausanner Ver­pflichtung von 1974, dem Grunddokument gegen­wärtiger evangelikaler Missionstheologie in aller Welt.

Das Leben dieses missionstheologisch so bedeut­samen Mannes erzählt T. Dudley-Smith, ehemali­ger Bischof der anglikanischen Kirche und Freund John Stotts, in diesen beiden Bänden auf über 1000 Seiten. Jeder der acht Abschnitte der zweibändigen Biographie ist einem Jahrzehnt in Stotts Leben gewidmet (von den 1920ern bis in die 1990er Jah­re), und beginnt mit einer kurzen zeit- und kir­chengeschichtlichen Beschreibung des Jahrzehnts und konzentriert sich dann in mehreren Unterkapi­teln (insgesamt 28) auf Leben und Werk des „Pro­tagonisten“ in diesem Zeitraum. Im Zentrum des ersten Bandes stehen die formativen Jahre des jungen Stott (Bekehrung, Berufswahl), die u.a. durch einen durch Stott Pazifismus ausgelösten Konflikt mit dem Vater geprägt sind, und der prä­gende Dienst als Hauptpastor („Rector“) in der Londoner anglikanischen All Souls Gemeinde (seit 1950). Auch nach der Aufgabe dieses Amts 1970 bleibt Stott als „rector emeritus“ mit der All Souls Gemeinde verbunden. Der zweite Band beschreibt die weltweite Ausdehnung des Dienstes von Stott von den 1960ern bis in die 1990er Jahre. Hier be­kommt der Leser Einblick in Stotts Rolle in der Lausanner Bewegung, seine prägenden Teilnahme am Evangelikal-Römisch-katholischen Dialog über Mission (ERCDOM) oder das von ihm geführte missionarisch-apologetische Projekt des „London Institute for Contemporary Christianity“. Viel Raum bekommen auch theologische Entwicklun­gen in Großbritannien, wie z.B. die spektakuläre Auseinandersetzung um den Verbleib der Evangelikalen in der Church of England, in der John Stott und Martyn Lloyd-Jones 1966 konträre Positionen vertraten. Nicht alle diese Entwicklungen werden für den nicht-britischen Leser von erhöhtem Inte­resse sein. Darüber hinaus bietet Dudley-Smith immer wieder auch gründliche Einblicke in das literarische Schaffen Stotts, indem er die wichtigs­ten Publikationen in ihrer Bedeutung in den Le­benslauf integriert und darstellt. Dudley-Smith ist sich der Schwierigkeit, Biogra­phien über lebende berühmte Männer zu schreiben, sehr wohl bewusst, mit denen man auch befreundet ist. Wie zu erwarten hält er sich darum in seinem Urteil sehr zurück. Stott hat ihm allerdings vollen Zugang zu den privaten Papieren gegeben und ihn gebeten keine „Hagiographie“, sondern „eine ehr­liche Einschätzung meines Lebens und Wirkens zu geben – mit Ecken und Kanten“ (Bd.1, S.15, meine Übersetzung). Das ist auch weitgehend ge­lungen, wenn auch verständlichlicherweise die sympathische Beschreibung die kritische Analyse überwiegt. Streckenweise empfindet man die Dar­stellung als zu detailreich und weit ausholend, so dass man erst den roten Faden wieder suchen muss. Stott selbst faszinierten Biographien am meisten, die „nicht nur die Geschichte erzählen, sondern das Geheimnis aufdecken“ (Bd.1, S.12). Das kann und will dieses zweibändige Werk nicht bieten (obwohl am Schluss doch das „Geheimnis“ Stotts in drei Dingen festgestellt wird: rigorose Selbstdisziplin, völlige Demut und eine betende Geisteshaltung, Bd.2, S.453). Es ist vielmehr eine überaus gründliche und materialreiche Dokumen­tation über das Leben und Wirken Stotts vor dem bewegten Hintergrund des 20. Jahrhunderts und im Zeugnis vieler Zeitgenossen. Das Buch ist mit ausführlichen Fußnoten, einer Bibliographie (nicht der Werke Stotts – eine solche hat der Autor separat veröffentlicht) und einem Index versehen. Ein tabellarischer Lebenslauf wäre zur Übersicht hilf­reich gewesen. Insgesamt: ein authentisches und inspirierendes Bild eines herausragenden missiologisches Denkers des 20. Jahrhunderts, eine wichti­ge Quelle für evangelikale Missionsgeschichte im 20. Jahrhundert.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1.

Dueck, Gerry. Kids for The World. A Guide­book for Children’s Mission Resources. William Carey Library: Pasadena, 1990.

Dieses Arbeitsbuch läßt das Herz von Mitar­beitern in der Kinder- und Jugendarbeit höher schlagen. Auf 57 Seiten werden amerikanische Hilfsmittel zum Thema Mission für diese Altersgruppe aufgeführt und vierfach regi­striert: Lehrpläne, Bücher, Geschichten, Arbeitsmaterialien, Medien, Lieder, etc mit­samt Bezugsadressen. Die andere Hälfte bietet konkrete Anleitungen: einen 52-stündigen Lehrplan, Beispielstunden und -geschichten, Arbeitsanleitungen und Kopiervorlagen. Davon erscheint manches für uns adaptierbar. Besser wäre jedoch ein gleichartiges Verzeichnis für den deutschsprachigen Raum. Ein Anfang war in der Bibliographie evangelikaler Missionen (bem) enthalten. Wer hat Interesse?

Christof Sauer, em 1995-2.

Dyrness, William A. and Veli-Matti Kärkkäinen (Hg.) unter Mitarbeit von Juan Francisco Martinez und Simon Chan, Global Dictionary of Theology: A Resource for the Worldwide Church. Downers Grove, Illinois, [USA]: IVP Aca­demic; Nottingham, Eng­land: In­ter-Varsity Press, 2008.

Um Leserinnen und Lesern der Evan­ge­likalen Missiologie (em) diese post­mo­derne theologische “Fundgrube für die weltweite Kirche” kurz vorzustellen, ver­suche ich aus der Einleitung sowie aus einzelnen Beiträgen etliche Merkmale und Kennzeichen herauszuschälen, die der Absicht und dem Ziel der Heraus­ge­ber entsprechen. Das Wörterbuch bein­haltet über 240 Beiträge zu aktuellen The­men, die von fast 200 Theologen und theologisch orientierten Fachleuten aus vielen Ländern der Erde erarbeitet wor­den sind. Das umfangreiche Register der Bibelzitate (S. 960-972 – über 200 Verweise allein auf Matthäus) gilt als Nach­weis, dass die Schreiber ihre Aus­sagen biblisch zu begründen suchen. Nur Obadja, Jona, Nahum, Philemon sowie 2. und 3. Johannes bleiben unzitiert.

Etwa 40 der Artikel stammen von Pro­fessoren, Lehrbeauftragten und Dokto­ran­den am Fuller Theological Seminary (FTS), wo das Wörterbuch von den Her­aus­gebern auch konzipiert und in Zu­sammenarbeit mit InterVarsity Press bis zur Veröffentlichung begleitet wurde. In diesem Zusammenhang veranstaltete FTS ein Symposion über “Die Zukunft globaler Theologie”. Dazu schreibt der Dekan, Howard Loewen (Fuller Focus, März 2009, S. 24), dass das Wörterbuch als Markstein theologischen Denkens unserer Zeit zu bezeichnen sei. Nach de­mo­graphischen und geographischen Di­mensionen zu urteilen, trifft die Be­zeich­nung “global theology” durchaus zu, auch wenn manche Beiträge lokale und re­gionale Theologie reflektieren. Diese Merk­male werden schon auf dem er­wähnten Symposion in den Referaten von Ogbu Kalu über „An African View of the Future of Global Theology“ und von Simon Chan zum Thema „An Asian Per­spective of Global Theology“ ange­spro­chen.

Einerseits wollen die Herausgeber das Wör­terbuch nicht als ein universales Werk verstanden haben, da solche The­men wie die “Gott-ist-tot-Theologie” und andere radikale Theologien der 60er Jahre oder auch synkretistische Theo­lo­gien alter und neuer Religionen bewusst zurückgestellt bleiben. Andererseits fällt auf, dass hier postmodern-relevante The­men behandelt werden, die man sonst in traditionell-theologischen Wörterbüchern kaum findet, wie z. B. „Globalization“, „Green Theology“, „Children at Risk“, „Terrorism“ und „Animal Rights“, um einige zu nennen.

Die vielseitigen Gesichtspunkte der Auf­sätze bestätigen, dass es sich hier weder um ein Werk westeuropäischer noch an­glo­amerikanischer Theologen handelt, son­dern um ein Produkt theologischer Denker der jungen Kirche, die ihre ge­meinsame Arbeit als Frucht für die welt­weite und multinationale Kirche (A Re­source for the Worldwide Church) in Nord und Süd, Ost und West der be­wohnten Erde (Ökumene) verstanden haben wollen. Nicht nur die missio­na­rische, auch die theologische Einbahn­straße existiert heute nicht mehr. So se­hen es auch die Herausgeber, indem sie einen Satz John Mbitis, Kenya, zitieren: “Die Zentrale kirchlicher Universalität ist nicht länger in Genf, Rom, Athen, Paris, London oder New York, sondern in Kinshasa, Buenos Aires, Addis Abeba oder Manila zu finden” (S. ix).

In Übereinstimmung mit obigen Aus­sa­gen glaubt der Verleger, Daniel Reed (IVP), dass die Beiträge primär als kon­tinuierliche Gesprächsthemen und weni­ger als definitive Aussagen oder dok­trinäre Erklärungen gedacht seien. Daher spielen Begriffe wie “conversation”, “dialog” und “discussion” eine nicht un­wichtige Rolle. Das ist vor allem bei Artikeln der Fall, wo zwei oder drei Ver­fasser das gleiche Thema diskutieren. Wichtig ist, dass die beteiligten Autoren am Ende ihres „Gesprächs“ jeweils ge­mein­sam eine Bibliographie für das Wei­ter­studium zusammenstellen. Dazu et­li­che Beispiele:

1. H. K. Yeung betrachtet die Ahnen­ver­ehrung (Ancestor veneration) aus chine­sischer Sicht, während J. Nkansah-Ob­rem­pong die afrikanische Perspektive ver­ständlich zu machen versucht und Simon Chan in einem dritten Teilbeitrag zu demselben Artikel die religiöse Be­deu­tung der Ahnenverehrung aus der Sicht­weite des asiatischen Horizonts be­schreibt (S. 28-35).

2. In ähnlicher Weise diskutieren Veli-Matti Kärkkäinen, J. Levison und P. Pope-Levison die Lehre von der Person Christi („Christology“) von den ersten Glau­bens­formulierungen der Väterzeit bis hin zu den Aussagen heutiger Be­freiungstheologen im Kontext Afrikas, Asiens und Lateinamerikas (S. 167-86).

3. Auch Mark Baker, Timoteo Gener und Frank Macchia verwenden die gleichen Begriffe bei ihrer Diskussion eines län­geren Aufsatzes eines traditionellen The­mas wie „Systematic Theology“ (S. 864-69). Wer in diesem Zusammenhang ei­nen Ausgleich zur Systematik sucht, dem ist Elmer Martens’ Beitrag “Biblical Theo­logy” zu empfehlen (S. 109-11).

Fazit: (1) Außer knappen biographischen Hinweisen finden die Leser in diesem Wör­terbuch keine Lebensbeschreibung der Theologen, nur deren Ausdruck theo­logischen Denkens. (2) Während Wör­terbücher gleichen Umfangs die Themen in der Regel kurz darstellen, gibt es hier aus­führliche Beiträge in der Länge von Zeit­schriftenartikeln. (3) Sowohl die Viel­falt kultureller Hintergründe der Au­toren als auch die inhaltlich abwechs­lungsreiche Gestaltung der Thematik dürf­ten manche evangelikalen Leser des Westens zur Überprüfung ihrer bis­herigen Hermeneutik herausfordern. (4) Die Herausgeber gehen davon aus, dass christliche Theologie biblisch begründet sein muss, wobei aber die Rolle der Kontextualisierung (oder Inkulturation) nicht übersehen werden darf. (5) Alle Theologie ist kontextuell, auch die westliche. Ob aber jede Theologie bib­lisch kompromissfrei gestaltet werden kann, bleibt zu hinterfragen. (6) Ein per­sönliches Wort: Leser der em, die mit den Dokumenten ökumenischer und den Schriften evangelikaler Missionskonfe­ren­zen und -kongressen vorigen Jahr­hunderts vertraut sind, werden beim Gebrauch dieser „Resource for the Worldwide Church“ um so mehr profi­tieren. Eine biblische Hermeneutik bleibt für alle Leser unerlässlich.

Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-4.

Eber, Jochen. Johann Ludwig Krapf. Ein schwäbischer Pionier in Ostafrika. Riehen/Basel: Verlag arteMedia Win­teler, 2006.

Auf dem missiologischen Büchermarkt sind sowohl missionsmotivierende als auch wissenschaftlich fundierte Mis­sions­biographien eher die Ausnahmen, denn in der Vergangenheit neigte man dazu, Missionspioniere hagiographisch zu verklären. Das führte dazu, dass manch ein Leser sein eigenes Leben dem dieser „geistlichen Schwergewichte“ gegenüberstellte und frustriert feststellen musste, wie weit er von diesem Ideal noch entfernt war. Statt für Mission zu motivieren, entmutigten diese Bio­gra­phien ihre Leser. Wohltuend anders ist die Biographie von Jochen Eber über den Missions- und Entdeckungsreisenden J. L. Krapf. Ebers Bemühen um historische Akkuratesse lassen auch die „schwachen Seiten“ Krapfs nicht unerwähnt. So erfährt man beispielsweise, dass der eifrige Afrika-Missionar und später in der Heimat wirkende Missionsmotivator auch Phasen von „große(r) Unlust zur Mission“ (123) und Depression (153) empfinden konnte.

Im Hauptteil seiner Biographie zeichnet Eber Krapfs abenteuerliche Reisen nach Äthiopien und seine späteren Reisen im heutigen Kenia und Tansania nach. Dabei erfährt man viel sowohl über Land und Leute als auch über das zeit­genössische Reisen. Unter anderem kann man beispielsweise lesen, dass Krapf mit einer Luftmatratze reiste, die damals als eine der neuesten technischen Errun­genschaften galt und die ihm auch in der afrikanischen Wildnis eine erholsame Nachtruhe ermöglichte. Natürlich ist auch von den berühmten Entdeckungen die Rede. So hat Krapf den Mont Kenya „entdeckt“, während schon zuvor Krapfs Mitstreiter Johann Rebmann als erster Europäer den schneebedeckten Kili­man­djaro gesehen hatte. Das galt in der damaligen Zeit als Sensation, denn Schnee­berge am Äquator waren für Krapfs Zeitgenossen einfach un­vor­stellbar.

Auch die Theologie Krapfs wird von Eber dargestellt. Demnach lebte Krapf in gespannter eschatologischer Erwartung, die ihn zur unermüdlichen missio­na­rischen Tätigkeit und den gefährlichen Erkundungsreisen veranlasste. Unbe­ant­wortet bleibt jedoch die Frage, wie Krapf als begeisterter Missionar trotzdem Jo­hann Michael Hahns Theologie, mit ihren offensichtlich allversöhnerischen und unmissionarischen Tendenzen an­hängen konnte.

Die Lektüre dieser Biographie sei allen empfohlen, die sich für Missions­geschichte interessieren oder einfach Afrikabegeisterte sind, denn es handelt sich dabei um ein hervorragend illus­triertes mit vielen zeitgenössischen Abbildungen versehenes und gut aus Quell- und Sekundarliteratur schöpfen­des Buch. Zudem ist es gut lesbar, obwohl Eber einem historisch-wissen­schaftlichen Ansatz folgt. Statt Fußnoten sind jedem Kapitel Endnoten angefügt. Das Buch schließt mit einer umfang­reichen Bibliographie und hilfreichen Registern ab.

Elmar Spohn, em 2009-1.

Troeger, Eberhard. Zwischen Alexan­drien und Kairo. Die evangelische Mis­sionsarbeit in Unterägypten im 19. und 20. Jahrhundert. Nürnberg: Ver­lag für Theologie und Religions­wis­sen­schaft, 2013.

Muss die Mission unter Muslimen nicht als gescheitert angesehen werden? In keinem muslimischen Land gibt es Gemeinden mit einer großen Anzahl von Kon­vertiten durch Mission. Da macht Ägypten mit seiner großen koptischen Min­derheit keine Ausnahme und doch war die Missionstätigkeit im Nildelta alles andere als fruchtlos.

Eberhard Troeger, der von 1966 bis 1975 in Ägypten tätig war und bis 1998 die Mission der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO) leitete, die er wegen des häufig wechselnden Namens in seinem Buch „Wiesbadener Mission“ nennt, legt mit diesem Buch eine Ge­schichte der Missionsarbeit in Unter­ägyp­ten vor, die es in deutscher Sprache und in diesem Umfang noch nicht ge­geben hat.

Kairo und das Nildelta sind bis heute das Gebiet mit der stärksten Islamisierung in Ägypten. Die nachhaltigste Arbeit leis­te­te dort die Amerikanische Mission (AM) der Vereinigten Presbyterianischen Kir­che von Nordamerika (1854-1967). Sie erreichte mehr Muslime mit der Grün­dung von Gemeinden als irgendeine andere Mission. Sie legte großen Wert auf die Sprachkenntnisse der Missionare: „Predigt oder Unterricht durch Überset­zer wurde abgelehnt.“ Der Erneuerungs­prozess in der Koptischen Kirche wäre ohne die Herausforderung durch sie und deren Bildungsarbeit nicht möglich ge­wesen. Heute ist die evangelische Über­setzung der Bibel aus Beirut von 1867, die als Van-Dyke-Übersetzung bekannt ist, die Standardbibel der Koptisch-Ort­ho­doxen Kirche.

Troeger berücksichtigt nicht nur die großen Missionen wie die genannte Ame­rikanische Mission, die Egypt General Mission (EGM, 1898-1956) oder die Church Mission Society (CMS, 1825-1956), sondern auch kleinere Mis­sions­vetretungen, wie z.B. die ameri­ka­nische Peniel Mission (1895), die nur in Port Said tätig wurde oder die Hollän­dische Mission (1871) in Qalyûb, nörd­lich von Kairo. Es werden weitere Missionen erwähnt, wie z.B. die der Brüdergemeinde, Heiligungsgemeinde und Pfingstgemeinde, die auf der evan­gelisch-presbyterianischen Kirche auf­bau­ten.

Die ersten Missionare waren die Her­ren­huter von 1752-1783. Die Pilger­mission St. Chrischona versuchte das Pro­jekt „Apostelstraße“ mit dem Ziel Ab­besinien (Äthiopien) zu verwirk­lichen. Dies blieb jedoch eine Episode (1860-1870). Aber genau diese Initiative drückte damals schon etwas aus, das heute wieder aktuell ist, nämlich sen­dungsbewusste Gemeinden zu fördern. Troeger resümiert an dieser Stelle, was bereits Wirklichkeit geworden ist: „Die ganze Diskussion darüber hatte die Missionare (...) daran erinnert, dass ihr Ziel in Ägypten darin bestand, eine missionierende und evangelisierende Kirche zu gründen.“

Wer nach Zahlen sucht, findet sie an vielen Stellen in diesem Buch. So heißt es: Der Erfolg der Mission (AM) liegt bis 1900 bei 75 Taufen. 1890 bis 1894 wurden 20 Muslime getauft, bei 2165 neuen Gemeindemitgliedern insgesamt allerdings nicht viel. Man liest, dass Kompetenz nicht immer alles ist, so heißt es von Samuel Gobat, einem der frühen Basler Missionare im Dienst der CMS: „Er predigte gewöhnlich eine Stunde mit großer Leichtigkeit [auf Arabisch]. Es fehlt nur an Zuhörern.“

Troeger verzichtet – wie er selbst am Anfang betont – auf die Aus­ein­ander­setzung um die Fragen der Legitimität evangelischer Mission in einem seit Jahrhunderten christlich-orthodox und mus­limisch geprägten Land. Ihm geht es um die Geschichte der evangelischen Missionsgesellschaften und ähnlicher Ein­richtungen (z.B. Bibelgesellschaft). Er schreibt gegliedert über deren Prä­gungen, Methoden und Zielsetzungen. Es geht ihm dabei nicht um das En­ga­gement der evangelischen Kirchen in den letzten Jahrzehnten. Die berühmte Qasr id-Dûbȃra-Kirche am Kairoer Tahrîr-Platz, eine Gemeinde, die seit Jahr­zehnten mit großer Sendungskraft aktiv ist, wird daher nur als „City-Kirche“ am Rande erwähnt.

Nicht alle arabischen und englischen Ausdrücke werden als solche aufgeführt. Für diejenigen, die sich sprachlich auf die Mission in Ägypten oder der arabischen Welt vorbereiten, werden sich mit Begriffen oder Namen wie z.B. Khalȃs in-Nufûs, die nur in der Übersetzung als „Heil der Seelen-Bewegung“ genannt wird, nicht vertraut machen können. Troeger arbeitet den­noch detailliert und genau, davon zeugen die 1293 Fußnoten, verteilt auf 209 Seiten und ein ausführliches Register, das sehr dazu beiträgt, dieses Buch als Nachschlagewerk gebrauchen zu kön­nen.

Seine Arbeit berichtet vom Widerstand der Muslime durch politische Maß­nah­men, die „Verweigerung der Religions­freiheit durch die Behörden“, Boykotte, Beschimpfungen und Anzeigen. Was aber die Gewalt anbetrifft, die Mis­sio­naren widerfuhr, war das Schlimmste Steinwürfe gewesen. Es wurde in den zwei Jahrhunderten von keinem einzigen Mord an einem Missionar berichtet. Wenn man das gesamte Buch gelesen hat, wird man vielleicht am Ende fragen wollen: War es vielleicht nicht der Islam oder die Muslime, die die Missionsarbeit am meisten gehindert haben, sondern möglicherweise so vieles andere: die Krankheiten der Missionare, der zu frühe Tod etlicher außerordentlicher Mit­ar­beiter; der Krimkrieg (1853-56) und eine Meuterei gegen die Britische Herrschaft in Indien 1858 (beides strahlte nach Ägypten aus); eine theologische Kontro­verse mit dem Darbysmus 1868, Unfälle, der Urȃbi-Aufstand (1879-1882), die Cholera 1865, die beiden Weltkriege, die Säkularisierung der Amerikanischen Uni­versität (AUC) ab 1922, die Re­volution von 1952 (der „arabische So­zialismus“), die Suezkrise von 1956, der Sechs-Tagekrieg und nicht zuletzt die insgesamt viel zu geringe Zahl der Missionare. Troeger nennt zwar über 200 entsandte Verantwortungsträger und her­aus­ragende Persönlichkeiten mit Namen und alleine das macht das Buch schon lesenswert, aber in Relation zu dem Zeitraum, den dieses Werk insgesamt berücksichtigt, waren es zu wenige Mit­arbeiter. Sollte ein weiterer Grund vielleicht ein zu eigentümliches Ver­hältnis zum eigenen Auftrag gewesen sein? Über den EGM-Missionar Aubrey Whitehouse heißt es: „Er setzte sich dafür ein, dass die Mission ehrlich zu ihrem Auftrag steht (...) alle `Geheimnis­krämerei´ in der Korrespondenz und im Verkehr mit den Behörden sah er kritisch.“ Wurde die Arbeit einge­schränkt, weil Mission zu sehr im Under-Cover-Modus betrieben wurde? Mit diesen Fragen im Hinterkopf wird die Lektüre des Buches spannend.

Als Resümee lässt sich sagen: Durch die Geschichte, die Eberhard Troeger in gewissenhafter Recherche zusammen­ge­tragen hat, bekommt man eine Idee davon, welches Potential in der Ge­schichte der evangelischen Christenheit in Ägypten verborgen liegt. Wer einen Grund zur Inspiration und Hoffnung im Blick auf die Mission unter Muslimen sucht, wird es in diesem Buch finden.

Thomas Dallendörfer, em 2014-2.

Ekman, Ulf. Doctrine - The Foundations of the Christian Faith. Uppsala: Word Life Publicati­ons, 1996.

„Doctrine“ ist die englische Übersetzung der schwedischen Originalausgabe von 1995. Sie ist Ekmans Versuch einer systematischen Theologie. Herausgekommen ist dabei eher ein biblisch-theologisches Handbuch, in dem Ek­man seine Erkenntnisse und Einsichten addiert. Seine „Lehre“ besteht zu einem großen Teil aus einer Kette von biblischen Zitaten und Aufli­stungen (Extrembeispiele 27-38 und 219ff.)

Der Buchaufbau folgt den klassisch lutheri­schen Loci. Ekman, der ja ein dezidiert charis­matischer Vertreter und Anhänger einer Glau­benstheologie Haagin’scher Prägung ist, erwarb an der Universität Uppsala einen theologischen Grad. Nur wenige Aussagen (z. B. Rechtferti­gung schließt die körperliche Heilung mit ein, 186ff.) und allenfalls die kurz gehaltenen Ka­pitel über Pneumatologie und Angelologie (speziell der Abschnitt über Dämonenaustrei­bung) machen deutlich, daß hier nicht bloß ein lutherisch-evangelikal geprägter Pastor am Werke war. Bei der Soteriologie schlägt Ekmans Herz. Das beweist allein schon der Umfang des Kapitels. Allerdings zeigt sich hier auch eine besondere Schwäche des Buches, denn die Trennlinien, z. B. zur Christologie, werden nicht immer deutlich gezogen. Generell sind Gedankenführung und Kapitelaufbau nicht immer klar strukturiert; eine kreisende und sich häufig wiederholende Tendenz ist erkennbar.

Ekman kommt in seiner „Lehre“ mit nur ei­ner Fußnote aus (eine Erläuterung zur jüdi­schen Bar Mizwa). Eine Bibliographie sowie ein In­dex fehlen völlig. Biblische Aussagen erschei­nen als einzige Quellenangaben. Die drei im Nachwort aufgeführten altkirchlichen Be­kenntnisse (Apostolikum, Nizänum und Atha­nasianum), auf denen Ekmans Lehre ba­sieren soll, werden im Text nicht zitiert. Sollen sie die Kontinuität mit den Anfängen der christlichen Kirche ausdrücken oder ein refor­matorisches Selbstverständnis dokumentieren? Mehr als 40 DM sind für dieses Buch jeden­falls ein recht hoher Preis.

Joost Reinke, em 1997-4.

Elliot, Elisabeth. Amy Carmichael. Ein Le­ben in der Nachfolge. Neu­hausen: Hänssler, 1995.

Der bekannte indische Bischof und Missionshi­storiker Stephen Neill äußerte einmal, daß aus heutiger Per­spektive und aus Liebe zur Wahr­heit eine große Anzahl erbaulicher Missionars­biographien neu ge­schrieben werden müßten. Auch auf dieses Buch, das den Wer­degang Carmichaels von Irland über Japan, China und Ceylon nach Indien und die Entste­hung der Dohnavur-Fellowship zur Rettung von Tem­pelkindern beschreibt, trifft sein Urteil zu.

Für Neill war Amy Carmichael keine Unbe­kannte, denn er hatte sie in Dohnavur selbst kennengelernt. Er mußte die Arbeit aber bald verlassen, da sich unüberbrückbare Differenzen ergaben. Ohne den Einsatz und das Werk von Amy Carmichael und auch Elisabeth Elliot ge­ring schätzen zu wollen, empfinde ich diese Biographie als oft beschönigend und damit ein bißchen unehrlich. Die vielen Konflikte und Anfeindungen, denen die Dohnavur-Fel­lowship ausgesetzt war, sind nicht nur einfach Angriffe des Satans, wie sie es selbst empfun­den haben, sondern auch das Ergebnis eigenen Verschul­dens, von falschem Autoritätsdenken und Führungsver­ständnis bis zu Überängstlich­keit und Unflexibilität. Wenn die Dohnavur-Kinder beim Eintritt in ein College weder das indische Englisch noch Ta­mil richtig verstehen bzw. sprechen konnten, ist dies z. B. ein sehr deutli­cher Hinweis darauf, daß hier eine unge­sunde und auch ungeistliche Iso­lation stattge­funden hat.

Der Stil der Autorin (er soll wohl erbaulich sein) ist mir ein wenig zu süßlich und die Er­zählung oft unzu­sammenhängend. Bedauerli­cherweise kann ich daher diese Lektüre einem heutigen anspruchsvollen Missions­interes­sier­ten nicht empfehlen, sondern muß mich Neill in dem Rat an­schließen, eine neue Biogra­phie über Amy Carmichael zu verfassen.

Martin Sachs, em 1997-2.

Engel, James F. & William A. Dyrness. Changing the Mind of Missions – Where Have We Gone Wrong? Downers Grove: InterVarsity Press, 2000.

Dieses Buch ist ein hilfreicher Beitrag zur Diskussion um die Spannung zwischen Missionswerken und Gemeinden. Als jemand der seit vielen Jahren in der missionarischen Arbeit im Ausland tätig ist, muss man schon kräftig schlucken, denn manche traditionellen Überzeugungen werden in Frage gestellt. Die Autoren sind bekannte Missionswissenschaftler: Dyrness lehrt am Fuller Seminary und Engel im Ruhestand am Eastern College. Auch wenn sie den nordamerikanischen Kontext im Blick haben, ist ihre Kritik auch für europäische Missionswerke von Bedeutung.

Nach Ansicht der Autoren ist die westliche Missionsarbeit stark von der Moderne beeinflusst. Mission wird als Bewegung vom Zentrum zur Peripherie verstanden, der Glaube als persönliche Angelegenheit betrachtet, und Missionsstrategien sind pragmatisch begründet. Dies erweist sich in einer postmodernen Welt als negativ. Die große Chance für die Mission liegt darin, dass die Postmoderne wieder näher an den ursprünglichen Werten dran ist, wie sie besonders in der Zweidrittel-Welt geschätzt werden und wie sie Jesus zu seiner Zeit gelebt hat: Religiöse Vorstellungen haben auch im öffentlichen Leben Platz, die Realität des Bösen wird anerkannt, und Gemeinschaft ist wichtiger als Individualität.

Anhand der fiktiven Geschichte eines Missionsdirektors, seiner Missionsgesellschaft und einer mit ihnen verbundenen Gemeinde beschreiben die Autoren in spannender Weise die Herausforderungen im Verhältnis Missionsgesellschaft – Gemeinde sowie einen möglichen Lösungsansatz. Das Paradigma ihrer Missionsstruktur stammt von Jesu selber: die Aufrichtung und Ausbreitung des Reiches Gottes und seiner Herrschaft auf der ganzen Welt. Die Kernbotschaft lautet: „Mission in einer postmodernen Welt wird Gemeinde-zentriert sein, ausgerichtet auf Stärkung und Befähigung der Leute Gottes. Die Botschaft des Evangeliums wird wieder ganzheitlich gesehen, ausgedrückt durch Worte und glaubhaft gemacht durch das ‚Salz und Licht’ das von aufrichtiger Gemeinschaft kommt (Mt 5,13-16). Individuelle Initiativen werden der Arbeit in Netzwerken Platz machen, wobei die Stärken der Einzelnen sich gegenseitig ergänzen, indem Christen zusammen denken, arbeiten und beten um die Herrschaft Christi auszubreiten“ (S.80f.).

Das Buch ist lesenswert für Gemeindemitarbeiter denen das Anliegen der Weltmission am Herzen liegt. Eine Gemeinde, die sich nicht als Institution, sondern als lebendigen Organismus versteht, hat auch bei postmodernen Menschen große Chancen. Das Anliegen der Weltmission wird nicht nur durch finanzielle oder personelle Unterstützung gefördert, sondern die Gemeinde nimmt eine aktive Rolle ein: sie mobilisiert ihre eigenen Ressourcen und ergreift die Initiative, um einen bestimmten Auftrag auszuführen. Dies geschieht oft in Zusammenarbeit mit einer Missionsgesellschaft. Mission ist nicht nur ein Programmpunkt unter vielen, sondern das weltumspannende versöhnende Werk Gottes bestimmt alle anderen Gemeindeprogramme.

Die zweite Zielgruppe des Buches sind die Missionsgesellschaften. Sie werden nicht darum herumkommen, sich zu verändern, ein Prozess der Transformation ist gefragt. Dabei sollte sich eine Missionsgesellschaft u.a. folgende Frage stellen: „Welchen Unterschied würde es auf die Weltsituation bzw. auf die Gemeinden in den sendenden Ländern machen, wenn unsere Organisation nicht bestehen würde?“

Die Autoren haben nicht die Antworten auf alle Fragen, aber sie machen Mut, sich auf eine Pilgerreise in unbekanntes Land einzulassen. Ein spannendes Unternehmen!

Reinhold Strähler, em 2006-4.

Engel, James F. & William A. Dyrness. Changing the mind of Missions – Where have we gone wrong? Downers Grove: Intervarsity Press, 2000.

Kaum ein anderes missiologisches Buch hat zu einem solch radikalen Umdenken in der Weltmission aufgerufen, wie der vorliegende Band der beiden bekannten Missiologen James F. Engel und William Dyrness. Mit großer Sorge beobachten die Autoren die Anpassung vieler Missionswerke an den westlichen Wirtschaftspragmatismus (S. 18) und befürchten ihr Aussterben in den nächsten 10 Jahren, weil sie Mission stellvertretend für die Gemeinden statt mit ihnen zusammen tun. Viele Missionsleiter sähen Gemeinden lediglich als Quelle für Personal und Finanzen an, statt ihnen zu dienen (S.122). Gemeinden müsse ihre zentrale Rolle in der Mission wieder zurück gegeben werden (S.110-142). Das Modell der Glaubensmissionen, das auf Freiwilligen basiere (S. 146), die nur auf Gott vertrauten, sei weder biblisch begründbar noch werde es von Gemeinden in den Heimatländern länger hingenommen (S.75). Darum rufen die Autoren zu einer echten Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und Gemeinden in den Heimatländern (S.81,127) auf. Gemeinden sollten unmittelbar am Leben und Wirken ihrer Missionare beteiligt sein.

Zudem beklagen die Autoren, dass westliche Missionswerke weitgehend einem menschlichen Strategie- und Methoden-Denken (S. 67) zum Opfer gefallen sei, das sie mit Samuel Escobar als „Managerial Missiology” (S. 87) bezeichnen: Strategisches Planen und Problemlösung, numerische Ergebnisse, Finanzierungspläne (S. 68), Kommunikationstechniken (S.68), Marketingstrategien (S.69) und Fundraising (S.73) bis hin zu irreführenden Erfolgsstorys (S.72), das Vertrauen auf westliche Macht und Einfluß (S.45), Verquickung von Evangelium mit westlicher Kultur (S.80) bestimmten viele Aktivitäten. Dies basiere auf dem Leitbild der „Moderne” (S.61ff, 78), d.h. der Ideologie von Vernunft, Zahlen (S.68ff), Management und Methoden (S.106), die längst von der Postmoderne abgelöst worden sei (S.173ff). Dadurch verschließe man sich dem Wirken des Heiligen Geistes und werde taub für seine Leitung. Im gleichen Atemzug werde Mission auf Evangelisation (möglichst viele Menschen mittels vorgefertigter evangelistischer Methoden – „prepackaged evangelistic tools” genannt - mit dem Evangelium zu erreichen, S.64; 87) reduziert, die auf die örtliche Situation im Einsatzland wenig abgestimmt seien. Mission sei zu einer „Industrie” (S.50) verkommen, auf einen Massenartikel reduziert, den es zu vermarkten gelte (S.69). Mission sei stattdessen Gottes Mission; es geht um die Verherrlichung Gottes. ER ist verantwortlich für das Ergebnis, nicht wir Menschen (S.37). „Mission fließt aus dem Herzen von Menschen, die durch den Heiligen Geist transformiert wurden und alles verlassen, um Christus zu folgen” (S.36).

Im Zentrum des biblischen Missionsauftrags stehe zudem das „Jünger Jesu machen” (S.31,64), das Wachstum in der Heiligung (S.88), die Integration von Gläubigen in eine Gemeinde (S.102,117), Hingabe und Transformation des ganzen Lebens (S.29), die Herrschaft Jesu in seinem Volk (S.39; 115). Die Gemeinde solle ein Segen für die Umgebung darstellen („soziale Transformation”, S.64, 89). Aufrüttelnd sind die Worte eines afrikanischen Gemeindeleiters: „Your people brought us Christ, but never taught us how to live”(S.22). Das Evangelium sei nicht eine Privatsache ohne gesellschaftliche Relevanz (S.22, 65). Das schließe die Wahrnehmung von struktureller Sünde und Ungerechtigkeit (S.93) ein. Es gehe um Erlösung und Versöhnung, Evangelisation und soziale Transformation (S.64).

Dabei sei die Kooperation von Missionswerken untereinander (S.71; 96,181) wie auch mit lokalen Gemeinden im Einsatzland (S.76) zwingend erforderlich, statt Konkurrenzdenken und isolierten Einzelinitiativen (S.96) Raum zu geben. Entscheidungen sollten vor Ort getroffen (S.77) und große Allianzen (S.171; 181) in den Einsatzländern gebildet werden, statt wirtschaftlicher und politischer Macht (S.45f) und Kontrolle aus dem Westen (S.97). Da habe die alte Arbeitsweise mit der Abhängigkeit von externer Finanzierung (S.73) oft die Entwicklung von Eigeninitiative (S.73) und einheimischen Resourcen (S.20) eher behindert.

Die bisherigen Markenzeichen der westlichen Mission „Organisatorische Brillianz und zentralisierte Verwaltung” (S.67) müßten ersetzt werden durch schlanke Administration bei verstärkter Motivation und Befähigung von Mitarbeitern (Schulung von Führungskräften S.160). Statt der Fixierung auf Projektziele (S.113; 166) sollte jeder einzelne Mitarbeiter persönlich gefördert werden (S.124; 153ff). Statt hierarchischen Führungsstrukturen (S.113; 148) und Kontrolle von oben (S.23) werben sie für dezentralisierte Teams (S.158), lokale Initiativen (S.98) und die Ermöglichung alternativer Wege (S.158). „Gebet ist wichtiger als Aktion; Dienstbereitschaft und Selbstaufgabe wichtiger als Dominanz und Kontrolle” (S.166). Dieser fundamentale Richtungswechsel in der Mission müsse zügig eingeleitet werden (S.167). Dafür böte der gesellschaftliche Wechsel von der Moderne zur Postmoderne einen gute Chance, da letztere geprägt sei von dem Wunsch nach persönlichen Beziehungen, Vertrauen, Spontaneität, Spiritualität und ganzheitlichem Leben (S.81;173-183).

Diese markanten Thesen sind eingepackt in eine spannende Rahmengeschichte von einer fiktiven Gemeinde und einem Missionswerk, die aus der Not heraus beide den vorgeschlagenen Paradigmenwechsel wagen. Diese Geschichte zieht sich durch das ganze Buch hindurch - die Abschnitte sind am Seitenrand durch einen Balken klar gekennzeichnet - und überträgt die grundlegenden Gedanken auf die konkrete Situation von Missionswerken und Gemeinden.

Mit ihren mutigen Gedanken fordern die Autoren zum Neu- und Umdenken heraus und provozieren Widerspruch – kein missiologisches Buch wurde in letzter Zeit so heftig diskutiert (vgl. Mission Frontiers Dez. 2000, S.5, EMQ Jan. 2001, S.92-98); keinem anderen wurde so viel destruktive Kritik unterstellt. Es ist aber zugleich ein hoffnungsfrohes Buch, denn es zeigt neue Wege auf und macht Gemeinden und Werken Mut, Veränderungen zu wagen (S.143-172). Kein anderes Buch habe ich so inspirierend empfunden und mit so viel Gewinn gelesen.

Zwar kann ich mich der unkritischen Euphorie über die Postmoderne (mit ihren unbestreitbaren Vorzügen wie auch Nachteilen) nicht uneingeschränkt anschließen, ebenso wenig den scharfen Kontrasten, die sie zwischen dem alten und dem neuen Denken sehen – es ist aber gerade die Stärke der amerikanischen Denkweise, komplexe Fragen auf wenige Grundprinzipien zurückzuführen und einfache Antworten zu finden, die mit großem Engagement und Überzeugungskraft vorgetragen werden. Zudem sehe ich das Problem nicht nur auf Missionsgesellschaften und ihrer Leitung beschränkt – das radikale Umdenken ist ebenso bei den Missionaren gefordert, denn ihnen kommt eine entscheidende Rolle im Verhältnis zu ihren Heimatgemeinden und den Kirchen im Einsatzland zu – dieses Thema ist in dem Werk leider ausgeklammert.

Das Buch ist spannend geschrieben; die Leitgedanken werden in den verschiedenen Kapiteln immer wieder in neuer Form entfaltet und prägen sich so besser ein. Fußnoten verweisen auf weiterführende Literatur. Mit praktischen Fragen wird zum Überprüfen der Effektivität von Missionswerken eingeladen und die einzelnen Phasen des Veränderungsprozesses skizziert (S.143-173), auch wenn mir diese den Eindruck vermitteln, dass die Autoren doch wieder auf das sonst kritisierte Methoden-denken zurückgreifen mußten. Das äußerst praktische Buch schließt Checklisten mit provokativen Kernfragen ein, wie etwa: „1. Welchen Unterschied würde es für die Welt machen, wenn dieses Missionswerk aufgelöst würde? 2. Welchen Unterschied würde es für die Gemeinden in den Heimatländern machen? 3. Was können wir beitragen zum Leib Christi, der bereits in dieser Volksgruppe am Werk ist?” (S.150)

Von keinem anderen Missionsbuch bin ich so sehr inspiriert und herausgefordert worden wie dem vorliegenden. Es ist zum Lesen sehr empfohlen, ja es sollte Pflichtlektüre für jeden Missionsleiter und Missionar sein.

Dr. Detlef Blöcher, em 2001-3.

Enger, Philipp A. Die Adoptivkinder Abrahams. Eine exegetische Spurensuche zur Vorgeschichte des Proselytentums. Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums 53. Frankfurt/Main: Peter Lang, 2006.

Philipp Enger promovierte im Wintersemester 2002/03 mit einer Studie zur Vorgeschichte des Proselytentums an der Humboldt-Universität in Berlin, die er nun in überarbeiteter Form veröffentlicht. Der Studienleiter in einem Bildungswerk der EKD begibt sich hier auf die Suche nach Konversionsphänomenen im Alten Testament, also nach dem, was in der Missiologie auch als „Bekehrung“ bezeichnet wird.

Um dabei der Gefahr einer „Rechtfertigung der aggressiven christlichen Missionsideologie durch angebliche jüdische Vorläufer“ (S.31) zu entgehen, gründet Enger die seiner Untersuchung zugrunde liegende Definition von „Konversion“ auf die Ergebnisse moderner Human- und Religionswissenschaft. Von H. Mohr (Art. Konversion/Apostasie in Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe, 3: 436-45, 436, Hg. H. Cancik u.a., Stuttgart, 1993) übernimmt er drei Indikatoren für eine gelungene Konversion: (1) Die Veränderung der kognitiven Grundeinstellung, sichtbar oft durch Bekenntnisakte, (2) die Neuorientierung der Mentalitäts- und Verhaltensmuster und (3) der soziale wie religiöse Statuswechsel in Form einer Integration in die Gemeinschaft.

In dem ausführlichen exegetischen Teil seiner Monographie trägt Enger in kanonischer Rei-henfolge (Tora, Propheten, Schriften) die Texte von der Aufnahme des Fremden (Dtn 23,2-9 u.a.), dem Umgang mit den Gibeonitern (Jos 9), sowie das Tempelgebet Salomos (1.Kö 8,41-43) und die Erzählung von Naaman (2.Kö 5) zusammen. Hier finden sich zwei Exkurse zu Jitro (Ex 18,11) und Rahab (Jos 2,9-11). Es folgen Überlegungen zu den Deportierten in Samaria (2.Kö 17,24-41), dem Ausländer in Jes (56,1-8), dem ger („Fremdling“) in Hes, den Seeleuten und Niniviten in Jon, sowie zu Rut (1,16f) u.v.m.

Indem sich Enger im Bereich „Tora“ auf 250 Seiten fast ausschließlich mit den Gesetzes-texten zur Problematik des ger beschäftigt, reiht sich seine Studie in die einschlägigen Untersuchungen von C. Van Houten (The Alien in Israelite law, Sheffield, 1991) und C. Bultmann (Der Fremde im antiken Juda, Göttingen, 1992) ein, lässt jedoch eine Auseinandersetzung mit J.E.R. Kidd (Alterity and Identity in Israel, Berlin, 1999) und M. Zehnder (Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien, Stuttgart, 2005) vermissen.

Enger kommt in seiner Studie zu einem überwiegend negativen Ergebnis. Für die vorexilische und exilische Zeit könne in keinem Fall von Konversion gesprochen werden. Trotz aller Integrationsbestrebungen habe der ger letztlich keinen Zugang zur Versammlung (‘edah) und Gemeinschaft der „Söhne Israels“. Zur Aufnahme des Edomiters und Ägypters in die Versammlung (qahal) in Dtn 23,2-9 postuliert Enger eine Vorform des Texts, in der es lediglich um eine Duldung im Land gegangen sei. Erst in nachexilischer Zeit sei der Wunsch nach Integration in die „utopische Gemeinschaft“ hinzugekommen (S.296). Die Erzählung von Naaman diene „einzig der politischen und religiösen Selbstwertsteigerung jüdischer Leser“ (S.500), Elisa versage ihm in seiner Antwort die autoritative Anerkennung (2.Kö 5,19). Bei Rut sieht Enger ein Problem darin, dass „ihr Verhältnis zu ihrer moabitischen Heimatgottheit ungeklärt bleibt“ (S.505). Die Seeleute und Niniviten im Buch Jona durchleben keine Integration in die jüdische Gemeinschaft.

Lediglich fünf von Enger deutlich nachexilisch datierte Texte öffnen Nichtjuden den Zugang zum Judentum: Esr 6,21; Neh 10,29; Jes 56,1-8; Hes 14,5-7.11; Est 9,27. Nur die beiden letzten Stellen lassen Enger zu der Hypothese gelangen, „daß der historisch existente Konvertit zum Judentum ein Phänomen der östlichen Diaspora im 3. Jahrhundert ist.“ Enger schließt, dass diese Option einer Konversion in alttestamentlicher Zeit „weit von einer allgemeinen Akzeptanz, theologischen Etablierung oder gar förmlichen Institutionalisierung entfernt“ ist. Völlig abwegig sei von daher die Annahme missionarischer Werbung im Alten Testament (S.518).

Enger bietet eine hervorragende Zusammen-stellung und ausführliche exegetische Untersuchung zahlreicher missiologisch bedeutsamer Texte, insbesondere zur Problematik des ger. Auffällig ist hier das fast völlige Fehlen von Belegen aus den Narrativtexten der Tora, dem weiter hätte nachgegangen werden können. Trotz anfänglicher Bedenken (vgl. S.23, 54) stützt Enger einen großen Teil seiner Ergebnisse auf die Basis umstrittener literarkritischer Hypothesen. Vielfach unterstellt er den Texten tendenziöse Absichten und gibt sich hinsichtlich ihrer Historizität sehr pessimistisch.

Obwohl er in seiner Einführung nachzeichnet, wie sehr die Indikatoren für Konversion im Wandel begriffen sind, legt er sich auf ein wohl eher engführendes Modell fest und führt seine Untersuchung so zu einem negativen Ergebnis. So ist sein Werk, nicht nur aufgrund der 30 engbedruckten Seiten bibliographischer Anga-ben, herausfordernd und unverzichtbar für alle, die sich mit dem Phänomen der „Bekehrung“ im gesamtbiblischen Zusammenhang beschäftigen möchten.

Dr. Siegbert Riecker, em 2007-1.

Escobar, Samuel. A Time for Mission: The Challenge for global Christianity, The Global Christian Library, Leicestershire: Langham Literature & InterVarsity Press, 2003.

Samuel Escobar ist Peruaner und Professor für Missiologie am Eastern Baptist Theological Seminary sowie Präsident der United Bible Societies. Er war als Missionar und Dozent in verschiedenen Ländern der Welt tätig. Escobar legt uns mit seinem Buch einen einführenden Überblick über die missionarischen Herausforderungen der globalen Christenheit im 21. Jahrhundert vor.

Erschienen in der Reihe der Global Christian Library (Hg. John Stott u. David Smith) dient diese Einführung in die christliche Mission (so will Escobar das Buch verstanden wissen, S. 170) dem Ziel der Serie, der Verschiebung christlicher Gravitationszentren in die 2/3 Welt Rechnung zu tragen. Dabei sollen nicht-westliche Autoren relevante theologische Themen aus der Perspektive ihrer eigenen Kultur reflektieren.

Ausgehend von den Veränderungen der globalen Missionssituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwirft Escobar unter Berücksichtigung der Missionsgeschichte ein trinitarisch-theologisches Missionsmodell, um es für die gegenwärtige globale Situation fruchtbar zu machen. Neben den bekannten missiologischen Wandlungs-Phänomenen (geographische und soziale Veränderung der treibenden Kräfte christlicher Mission), beschäftigt sich Escobar intensiv mit den Auswirkungen der Globalisierung und der postmodernen und postchristlichen Gesellschaftsentwicklung auf die Mission. Dabei warnt er nachdrücklich davor, die materialistische und gewinnorientierte Ideologie der Globalisierung ähnlich unkritisch wie früher den Imperialismus als notwendigen Aktionsrahmen aller missionarischen Bemühungen anzunehmen. Die wirtschaftliche Verabsolutierung radikalisiert Armut und wird so zur Herausforderung ganzheitlicher Mission. Transkulturelle Missionskooperationen müssen gerade in einem global vernetzten Zeitalter nach dem Leitbild nonpaternalistischer, inkarnatorischer Zusammenarbeit gestaltet werden. Darüberhinaus kommt es durch die postchristliche und postmoderne Weltanschauung vor allem in Europa zu kulturellen Abgründen zwischen Kirche und säkularer Welt, die die Evangelisation fast unmöglich machen.

Nach dieser missiologischen, historischen und soziologischen Situationsanalyse erklärt Escobar, wie das Missionsvorbild Gottes die Kirche in eben dieser Situation bestimmen muss: Mission ist Gottes Initiative, Gott ruft Menschen zu sich um sie dann in die Welt zu senden. Christi inkarnatorisches Vorbild warnt vor Triumphalismus und ermutigt zu praktischer Barmherzigkeit und ganzheitlichem Dienst einerseits und klarer Konfrontation mit Ungerechtigkeit andrerseits. Da der Heilige Geist der Regisseur der Mission schlechthin ist, gilt es, seinem Wehen sensibel zu folgen. In der Anwendung seines inkarnatorischen Paradigmas auf den Umgang mit der Bibel betont Escobar, wie wichtig es ist, dass jede Kultur die Schrift aus ihrer eigenen Perspektive lesen lernt, um Antworten für eigene Fragen zu finden. Escobar beschließt sein Buch mit einem kommentierten Überblick zu weiterführender, missiologischer Literatur.

Der innere Aufbau des Buches, das eine Fülle von Themen auf weniger als 200 Seiten abhandelt, wirkt insgesamt durchdacht und logisch stringent. Allerdings tragen die Kapitelüberschriften nicht besonders gut dazu bei, die vorhandenen gedanklichen Strukturen zu verdeutlichen. Escobar leitet die Kapitel mit narrativen Beispieltexten ein und stellt damit einen plastischen Wirklichkeitsbezug her. Zusammenfassende Abschlussparagraphen fehlen jedoch völlig, was die Übersicht im Buch erschwert. Das thematisch untergliederte Literaturverzeichnis am Schluss ist ein gutes Hilfsmittel zur missiologischen Orientierung. Einen Index gibt es nicht.

Escobars Buch hat keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern stellt eine hilfreiche allgemeinverständliche, missiologisch reflektierte und evangelikal orientierte Einführung in die aktuelle weltmissionarische Thematik aus der Perspektive eines lateinamerikanischen Theologen dar. Es gelingt dem Autor, einen klaren Blick in die Missionsgeschichte mit einer kritischen Gegenwartsanalyse und einem trinitarisch-inkarnatorischen Leitbild der Mission zu verbinden. Besonders erwähnenswert erscheint mir Escobars Anliegen, ein umfassendes Problembewusstsein für die ideologischen Implikationen der Globalisierung für ein christliches Missionsverständnis zu schaffen.

Andreas Rauhut,em 2006-2.

Estep, William R. Whole Gospel, Whole World. The Foreign Mission Board of the Southern Baptist Convention 1845-1995. Broadman & Holman: Nashville, 1994.

Dieses Buch will keine Geschichte der Missi­onsarbeit der Southern Baptists sein, sondern nur die der Heimatleitung. Als solche kann uns das Buch helfen, die sich wandelnden Grund­sätze der SB Mission besser zu verstehen, die sich sowohl von denen der klassischen Missio­nen unterscheiden als auch von denen der ge­genwärtigen evangelikalen Missionen, mit Ideen wie „indigenous principle“ und „nationalization“.

Für das 150jährige Jubiläum geschrieben (und offiziell autorisiert), zieht der Autor die Entwicklungslinien von einer Missi­onsgesellschaft, die fast die Denomination schuf, über eine von der Denomination unab­hängige Mission zur voll in die Denomination integrierten und von ihr kontrollierten Missi­onsabteilung. Als solche wurde die SB Mission von der konservativ/progressiven Krise betrof­fen, die zum Rücktritt von Keith Parks als Prä­sident 1992, zur Krise um Rüschlikon und zur Gründung der Cooperate Baptist Fellowship führte.

Das Buch endet mehr mit einem Ton der Unsicherheit und des Nachdenkens als des Tri­umphes, zudem der weltweite Bold Mission Thrust auch kein voller Erfolg war. Mir scheint, daß der Autor die auseinandergehen­den Überzeugungen (Evangelisation und Un­terstützung der Missionare gegen Mission durch Institutionen) beide vertritt. Dieses Buch hilft, eine Mission, die uns in vielem fremd er­scheint, besser zu verstehen. Die von den SB gegründeten Kirchen spielen in dem Buch kaum eine Rolle.

Dr. Klaus Fiedler, em 1998-3.

Evangelisches Kirchenlexikon. Internatio­nale theologische Enzyklopädie. Herausge­geben von Erwin Fahlbusch, Jan Milic Lochman, John Mbiti, Jaroslav Pelikan und Lu­kas Vischer. Erster Band (A-F). Dritte Auf­lage. Neufassung. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht, 1986.

Die dritte Auflage und zugleich völlige Neu­fassung des bekannten Evangelischen Kir­chenlexikons (EKL), das in den 50er Jahren erstmals erschien, um eine „zusammenfas­sende Darstellung der theologischen Arbeit und des kirchlichen Lebens“ zu geben, liegt jetzt in ihrem ersten Band vor. Diese Neu­fassung des EKL sucht der veränderten
Weltsituation und in ihr den neuen Heraus­forderungen gerecht zu werden.

Der beschränkte Raum ermöglicht keine umfassende Besprechung, deswegen will ich mich hier auf die Themenkreise beschrän­ken, die em berühren. Als Lexikon dient das EKL zuallererst nicht der Stellungnah­me, sondern der Information, und es gelingt ihm, die weltweite Vielfalt des Christentums zu erfassen. Der konfessionellen und denominationellen Vielfalt versucht das EKL dadurch gerecht zu werden, daß häufig zu „katholischen“ Themen katholische Autoren schreiben (z.B. Ludwig Wiedemann über Adveniat) oder zu freikirchlichen Themen eben Freikirchler (z.B. Schütz und Seidel über die Ev. Freikirchen und Freien ev. Ge­meinden). So sind auch die „evangelikalen“ Themen an Evangelikale vergeben worden: Waldron Scott schreibt über die Evangeli­sche Allianz, Erich Geldbach über die Evan­gelikale Bewegung und Peter Beyerhaus über die Evangelikalen Missionen.

Hervorstechend ist der internationale Cha­rakter des EKL. Ein internationaler Heraus­geber- und Mitarbeiterkreis verantwortet das von Britta Hübener und Wolfgang G. Roehl redaktionell betreute Werk. Die Ar­tikel über die einzelnen Länder wurden, wenn eben möglich, an Autoren aus diesen Ländern vergeben (wobei sich manchmal Unebenheiten in der Übersetzung einge­schlichen haben, z.B. die „Muselmanen“, Sp. 430, in Benin). Es ist nicht nur für jedes Land der Welt ein Artikel vorgesehen, wich­tiger ist noch, daß auch bei thematischen Artikeln der geographischen Vielfalt Raum gegeben wird: so enthält der Artikel über Begräbnis neben einem Unterartikel „Be­gräbnis in der orth. Kirche“ auch Unterarti­kel über Begräbnis in Afrika und in den USA.

Natürlich kann nicht jeder geographische Bereich (und nicht jede der vielen Kirchen in diesen Bereichen) in jedem Fall gleich große Aufmerksamkeit erhalten, so daß bestimmte Artikel oder Unterartikel auch exemplarisch gesehen werden müssen, z.B. der Artikel über die „Assembleias de Deus no Brasil“ für die vielen ähnlichen Pfingstkirchen. Aber auch hier ist, sicher bewußt, eine Kirche aus dem Lande gewählt worden, in dem weltweit die Pfingstler am stärksten sind.

Erfrischend ist für mich die Tatsache, daß amerikanische Themen und Autoren so starke Berücksichtigung gefunden haben, denn deutschsprachige Theologie steht sonst manchmal in der Gefahr der Isolierung. Eine englischsprachige Ausgabe des EKL ist schon in Arbeit und wird von Eerdmans in Grand Rapids (USA) veröffentlicht wer­den. Hilfreich ist zum Beispiel der Artikel über die Brüderkirchen in Amerika (Donald F. Durnbaugh), der uns hilft, die wichtig­sten unter ihnen auseinanderzuhalten, oder der Unterartikel „Erweckungstheologie 2 Nordamerika“, selbst wenn man die Mei­nung des Autors Eldon G. Ernst nicht teilen kann, daß um 1850 die Verbindung der Er­weckungstheologie zur Theologie abgerissen
(und wohl auch nicht wiederhergestellt wor­den) sei. Ich denke, schon allein Ausbil­dungsstätten wie Fuller oder Trinity mit ihren Doktorarbeiten zu den Themenkreisen der Mission und des Gemeindewachstums bieten da ein anderes Bild.

Reiches Material zum Thema Mission bieten in diesem Band auch die Artikel „Britische Missionen“ und „China Inland Mission“ von Andrew Walls, „Deutsche Missionen“ von Niels-Peter Moritzen, „Frauenmission“ von Elisabeth Ottmüller und „Ärztliche Mission“ von Martin Scheel. Interessant ist auch der Artikel von Rene Blanc über die französi­schen Missionen; er wird aber insofern sei­nem Thema nicht gerecht, als praktisch nur die Pariser Mission (DEFAP) dargestellt wird und die interdenominationellen, frei­kirchlichen oder pfingstlichen Missionen gar nicht erwähnt werden, nicht einmal die 1927 gegründete Mission Biblique (die aber in John Mbitis Artikel „Elfenbeinküste“ ihren Platz hat). Als Missionstheologe hätte ich mir auch gewünscht, daß der Länderartikel „Finnland“ (Jouko Martikainen / Markku Heikkilä) den fast tausend finnischen Mis­sionaren ein paar Zeilen gewidmet hätte.

Das EKL ist natürlich kein evangelikales Werk, aber es bietet dem evangelikalen Le­ser eine große Fülle wertvollen Materials und verlangt keine Identifikation mit der theologischen oder historischen Auffassung der Autoren, so wie sich unter den Autoren auch verschiedene Tendenzen zeigen. Zum Beispiel werden zwei sehr unterschiedliche Verständnisweisen des Begriffs Fundamen­talismus vertreten, wobei ich der Definition Geldbachs (Sp.1187) gegenüber der inklusiven von James Barr (Sp.1404 ff.) eindeu­tig den Vorzug geben möchte.

Das EKL bietet dem, der bestimmte Infor­mationen sucht, weitreichende Möglichkei­ten, die dann Band V als Registerband noch erweitern wird. Als angenehm empfinde ich, daß bei Literaturangaben auch der Er­scheinungsort angegeben ist, so daß der Benutzer die genannten Bücher über den auswärtigen Leihverkehr bestellen kann. Gut ist auch, daß die Umlaute wie einfache Vokale behandelt werden. Das EKL ist ge­fällig gedruckt, nicht nur ein Nachschlage­werk, auch ein Buch zum Lesen.

Klaus Fiedler, em 1987-4.

Evangelisches Kirchenlexikon. Internatio­nale theologische Enzyklopädie. Herausge­geben von Erwin Fahlbusch, Jan Milic Lochman, John Mbiti, Jaroslav Pelikan und Lu­kas Vischer. Zweiter Band (G-K). Dritte Auflage - Neufassung, Vandenhoek & Ru­precht, Göttingen, 1989.

Nachdem 1986 der Band I der dritten, völlig neubearbeiteten Auflage des Evangelischen Kirchenlexikons (EKL) erschienen war (sie­he Rezension in em 4/1987), liegt nun Band II (G-K) vor. Er zeichnet sich wie der erste Band durch gewaltige Vielfalt aus, die sich schon im Reichtum der The­men der Artikel zeigt. Wichtiger ist aber die denominationeile Vielfalt. So werden viele wesentliche theologische Artikel aus unterschiedlicher konfessioneller Sicht be­handelt, oft von Autoren aus dem entspre­chenden Bereich. Diese Vielfalt der konfes­sionellen Verständnisweisen wird besonders deutlich bei der Behandlung des Stichwortes „Kirche“ und damit zusammenhängender Stichworte (Sp.1046-1293), aber z.B. auch beim Stichwort „Gemeindeaufbau“, das für die Volkskirche, die Freikirchen, die Kirchen der Dritten Welt, die Minderheitskirchen und die Kirchen in den USA getrennt be­handelt wird. Als Freikirchler gefiel es mir, daß der freikirchlichen Gottesdiensttradi­tion ein eigener Abschnitt (Sp.273-275) gewidmet wurde; schön hätte ich es gefun­den, wenn ihnen auch bei „Klerus und Laien“ und bei „Kirchenrecht“ ein paar Worte gewidmet worden wären, sonst könn­te der Eindruck entstehen, als hätten die Freikirchen beides nicht.

Kirche ist nicht nur interdenominationell, sondern auch international. Dieser Tat­sache wird das EKL mehr als jedes andere vergleichbare Lexikon dadurch gerecht, daß viele nicht deutschsprachige Autoren mit­arbeiten, und zwar nicht nur für die Län­derartikel, sondern auch bei den „allgemei­nen“ Themen. Daß bei internationalen Bü­chern die Übersetzung nicht immer leicht ist, zeigen Probleme bei der Übersetzung fremdsprachlicher Kirchennamen in einzelnen Artikeln, z.B. Kanada, wo von „propa­gandistischen Kirchen“ (Sp.930) gesprochen wird, oder im Artikel über Kolumbien, wo die Übersetzung eine Mission der „Evange­lischen Allianz“ schuf (Sp.1338). Hier wäre, wie in vielen anderen Länderartikeln dieses Bandes, eine Benutzung englischer oder spanischer Namen richtig. Diese Beobach­tungen sprechen aber ganz und gar nicht gegen die umfassende Beteiligung auslän­discher Autoren. (Nachahmenswert ist auch die Angabe der Übersetzer neben der An­gabe der Autoren.)

Da eine Gesamtbesprechung des Bandes zu umfangreich für diese Zeitschrift würde, möchte ich mich auf die auf em bezogenen Aspekte beschränken. Durch die Anfangs­buchstaben bedingt fehlen in diesem Band die großen evangelikalen Stichworte. Aber auch kleinere haben Bedeutung und werden solide behandelt, z.B. Gemeinschaftsbewe­gung, Heiligungsbewegung (beide Jörg Ohlemacher) und Glaubensmissionen (Peter Beyerhaus). Als Hilfe zur Unterscheidung evangelikal-fundamentalistisch kann der Ar­tikel von Ludwig Rott über den Internatio­nalen Rat Christlicher Kirchen (ICCC) die­nen, der eine faire Darstellung gibt, ihn aber doch gegenüber den Selbstdarstellungen des ICCC auf eine reale (kleine) Größe bringt.

Insgesamt wird das EKL dem freikirchli­chen und dem evangelikalen Bereich nicht nur durch entsprechende Artikel gerecht, sondern auch durch eine Vielzahl von oft treffenden Einzelinformationen (z.B. die Er­wähnung des TEAR Fund in Paul Oestrei-chers Artikel über Großbritannien und seine Feststellung, daß „die eigentlichen theologi­schen und soziologischen Trennungslinien zwischen Christen in Großbritannien heute im wesentlichen nicht mehr konfessioneller Art sind“).

Eine Vielfalt von religionswissenschaftlichen Informationen bieten die entsprechenden Artikel wie Hinduismus, Iranische Religio­nen, Islam, Islamische Philosophie, Jainismus, Judentum, Jugendreligionen u.a.m. selbst dann, wenn der Leser den von einigen Autoren deutlich gemachten Hoffnungen auf einen Dialog zwischen den Religionen nicht zustimmen kann.


Im direkt missiologischen Bereich finden sich der informative Artikel „Katholische Missionen“ (Josef Metzler) und der viele gängige Schablonen zerstörende Artikel „Kolonialismus und Mission“ von Hans-Werner Gensichen. Interessant (und aus­gewogen) ist auch der Artikel „Judenmis­sion“ von Arnulf Baumann, der u.a. auch die Lausanne Consültation on Jewish Evan-gelism und die Messianischen Juden er­wähnt. Artikel wie „Irische Missionen“ oder „Germanenmission“ vermitteln einen Überblick, wie ihn zugängliche Kirchenge­schichtsbücher so schnell nicht bieten.

Eine Fülle wichtiger Informationen bieten die Länderartikel. Es gefällt, daß in diesen Artikeln durchweg auch die nachklassischen Kirchen und Missionen genannt und ange­messen beschrieben werden, wie z.B. die Christian and Missionary Alliance und Ra­dio ELWA in John Mbitis Artikel über Guinea oder die soziale Tätigkeit der Afri-ca Inland Mission auf den Komoren (S.J. Kenneth Baker). Allerdings finden sich auch gelegentlich wenig ökumenisch klin­gende Urteile, z.B. über „Konversionskreuz­züge“ (Crusades) ausländischer evangelika-ler Gruppen in Indien (Sp.531) oder die Stereotype, daß „zum Schaden der Einheit der Indianer fundamentalistische evangelikale Gruppierungen, z.B. die New Tribes Mission oder die Wycliff-Bibelübersetzer, unter dem Vorwand des Missionsbefehls an Einfluß gewinnen“ (Sp.636 f).

Das EKL ist ein Lexikon, das in verständ­licher, umfassender und internationaler Weise Zugang zu der weiten Weit der Kir­che bietet (und darüber hinaus zu vielen Informationen, die damit in Zusammenhang gebracht werden können) und die jedem, der an der Kirche und ihrer weltweiten Tätigkeit interessiert ist, von Nutzen sind. Die qualitativ gute Gestaltung des Drucks macht es auch angenehm lesbar.

Klaus Fiedler, em 1990-4.

Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde (ELThG), Bd. 3 (O-Z), hg. von Helmut Burkhardt u.a., Wuppertal: Brockhaus, 1994.

Nun liegt das Lexikon komplett vor. Wieder sind zahlreiche (ca. 80) missiologisch interes­sante Artikel enthalten. Besonders hervorzuhe­ben sind die Artikel Ostasienmission (H. Hamer), Radiomission (H. Marquardt), Religi­on (P. Beyerhaus), Synkretismus (H. Burk­hardt), Türkei (R. Soramies), Georg Friedrich Vicedom (K.W. Müller) und Weltmissions­konferenzen (H. Wagner). Hinzu kommen zahlreiche religionswissenschaftliche Artikel von N.P. Moritzen. Schwach ist leider der
Artikel über J. Hudson Taylor. Die Tatsache, daß das Register nicht im letzten Band enthal­ten ist, sondern gegen eine Schutzgebühr nach­träglich angefordert werden muß, macht keinen guten Eindruck und läßt auf Probleme bei der Produktion schließen. Das Lexikon bleibt ein wertvolles allgemeines theologisches Nach­schlagewerk, das in manchem die erhältlichen missiologischen Lexika übertrifft, in vielem aber den Mangel an einem neueren evangeli­schen Missionslexikon deutlich macht. Für Missionare wäre es interessant, wenn der Ver­lag das Lexikon auf Diskette anbieten würde. Das erleichtert das Reisegepäck.

Christof Sauer, em 1995-4.

Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde (ELThG). Band 1. Hg. von Hel­mut Burkhardt. Wuppertal: R. Brockhaus, 1992.

Bereits der erste Band des ELThG (A-F) bietet erstaunlich viele Artikel, die für einen Missiologen interessant sein könnten (rund 80 von ca. 930 Einträgen). Am ertragreichsten sind missiologisch relevante, theologische Sachartikel, die durchweg das Lexikon zur Weltmission (1975) übertreffen und den Interessen von Evangelikalen eher entsprechen, als Rzepkowski (1992) oder das Lexikon missionstheo­logischer Grundbegriffe (1987): Absolutheit des Christentums (Ratschow), Allversöhnung, Anonyme Christen, Apologetik, Apostel/Apostolat, Bekehrung (Burkhardt), Berufung, Chri­stentum als Weltreligion (G. Sautter), Dialog (Beyerhaus), Erlösung, und Evangelisation. Kurz aber aktuell werden Missionswerke und -Vereinigungen beschrieben. Im Artikel „AEM“ wird freilich der AfeM als eine Gründung der AEM dargestellt, was der Artikel „AfeM“, nur eine Seite weiter, anders schildert.

Je stärker Einträge von rein missiologischem Interesse sind, umso weniger reichen sie aller­dings in vielen Fällen an ein Missionslexikon heran, was auch für Personenartikel gilt. Be­merkenswerte Ausnahmen sind u.a. die Artikel über Afrika, Animismus, Ärztliche Mission (H. Grüber), Basler Mission, Batak Kirchen/-Mis-sion, China, Ethnologie (L. Käser), Frankfurter Erklärung (Berneburg) und Walter Freytag (Rennstich). Weiter erhält man solide reli-gionskundliche Grundinformation (u.a. sechs Artikel von Moritzen). Schließlich informiert eine Vielzahl von Artikeln, wie sonst in keinem Lexikon, über den pietistischen, erwecklichen oder evangelikalen Hintergrund (inkl. Institu­tionen und Gründerpersonen) der meisten heu­tigen Missionen. Deshalb sei das ELThG als Ergänzung zu einem Missionslexikon und als allgemeines theologisches Nachschlagewerk wärmstens zur Anschaffung empfohlen.

Christof Sauer, em 1993-4.

Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde (ELThG). Band 2. G - N. Hg. von Helmut Burkhardt u.a., Wuppertal: Brockhaus, 1993.

Als Missiologe schlägt man zuerst den Buch­staben M auf und entdeckt zwei umfangreiche Artikel über Mission (H. Wagner) und über Missionswissenschaft (P. Beyerhaus). Weitere Missionsbegriffe sind Missionsfest, Missions­konferenzen (hier wird der AfeM erwähnt, der auf evangelikaler Seite wie eine Missionskon­ferenz wirke) und Missionsschulwesen (J. Triebel). Was zum ersten Band grundsätzlich und empfehlend gesagt wurde (em 93/4,120), bestätigt sich in den gut 100 missiologisch interessanten Artikeln des zweiten Bandes.

Deshalb ist es nicht kleinlich gemeint, wenn hier auch auf einige Schwachpunkte hingewie­sen wird. Am schwersten wiegen eigens aufge­führte Verweisstichworte, wo der genannte Artikel keinen einzigen Satz zum Thema auf­weist (Niederländische Missionsgesellschaften – Niederlande) oder es nur nebenbei gestreift wird (Nordamerikanische Missionsgesellschaf­ten - Nordamerika). In manchen Fällen wurden die Literaturangaben nicht akutalisiert, was besonders bei den Artikeln über H. Gundert (Jubiläumsjahr!) und S. Hebich auffiel. Druck­fehler – v.a. bei Namen – finden sich viele: Im bemerkenswerten Artikel über Islammission von R. Werner wurde aus K.G. Pfander ein S. Pfander, aus P. Parshall ein O. Pearshall, beim „Internationalen Missionsrat“ tagt eine Konfe­renz in Villingen statt in Willingen. Am entstellendsten wurde die erste Dissertation über eine deutsche Glaubensmission im Artikel über die Marburger Mission zitiert: N. Schmidt, Von der Evangelisation zur Kirchenführung (statt Kirchengründung!), Francke 1991.

Für Missionshistoriker interessant zu klären: War J.C.G. Krafft (1784-1845, ab 1818 Pro­fessor in Erlangen) der erste, der ein Kolleg über Missionsgeschichte hielt (so H. Kirchner, S.1172), wenn bereits 1801 J.F. Flatt in Tübingen einen besonderen missionswissen­schaftlichen Lehrauftrag erteilt bekam (Beyer­haus S.1350)?

Bei den zahlreichen Artikeln über einzelne Missionsgesellschaften entsteht der Eindruck, daß die landeskirchlichen Missionen mit weit­aus längeren Beiträgen bedacht sind als die evangelikalen. Der Artikel Gossnermission bietet zudem starke Doppelungen zum direkt vorausgehenden über J. Gossner. Der Artikel über Glaubensmissionen (K. Lagershausen) ist leider nicht so präzise wie er sein könnte (es werden hauptsächlich die Taylorschen Glau­bensprinzipien aufgezählt), und es ist nicht verständlich, warum der in den Literaturhin­weisen als Kronzeuge aufgeführte K. Fiedler nur zur Schweizer „Kooperation Evangelischer Missionen“ schreiben durfte.

Besonders positiv aus der Fülle lehrreicher Artikel ist noch zu verbuchen: ein ausführlicher Artikel über Judenmission (A. Burchartz) und ein interessanter Beitrag über den Begriff Hei­den (H. Wagner). Nach wie vor: herzliche Empfehlung zu einer lohnenden Geldanlage!

Christof Sauer, em 1995-1.

Felber, Stefan. Kommunikative Bibel­übersetzung: Eugene A. Nida und sein Modell der dynamischen Äquivalenz, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 2013.

Laut seinem Vorwort, möchte Felber in dieser Studie Nidas großes Lebenswerk würdigen. Damit solle aber zugleich „kritisch gefragt werden, ob die sprach­philosophischen, theologischen und praktischen Impli­ka­tionen und Folgen seiner Übersetzungs­theorie den Eigen­arten der Bibel … gerecht werden können – oder ob sie diesen Eigenarten gar zuwiderlaufen“ (12).

Der erste Teil des Buches bietet eine historische Einführung. Für die Theorie, dass sich der Sinn eines Textes in basic kernels (Elementarsätze) er­fas­sen und so mehr oder weniger verlustfrei von einer Sprache zur anderen trans­portieren lasse, erntete Nida auch aus dem säkularen Bereich viel Lob. Felber weist darauf hin, dass es heute zwar andere Theorien gibt, die das Feld beherrschen, aber anderer­seits immer wieder neue Bibel­über­set­zungen auf den Markt kommen, die noch dem dynamisch-äquivalenten Paradigma zu­zu­ordnen sind.

In dem zweiten Teil wird die dynamisch-äquivalente Über­setzungstheorie im Spie­gel der Schriften Nidas beschrieben. Nida baut seine Über­set­zungs­theorie auf allgemein gültigen Grund­sätzen auf. Für ihn gibt es keine theo­logisch oder philosophisch gewonnene Grundlage der Bibelübersetzung. Er sah sich als Lin­guist und Anthropologe. Sprache war für ihn Kommunikation und bei der Bibel­übersetzung hob er die informative Seite der Sprachfunktionen hervor, obwohl er auch über die Wich­tigkeit von anderen Funktionen schrieb. Eine Über­setzung soll verständlich sein. Nur was vom Empfänger verstanden wird und eine angemessene Reaktion aus­löst, gilt für ihn als kommuniziert. Wird et­was nicht korrekt verstanden, so ist die Über­setzung nicht korrekt. Übersetzung wird nun nicht mehr nur als philo­logischer Vorgang verstanden, sondern als lin­guistischer und soziologischer Kom­mu­nikationsprozess.

Laut Felber gab Nida zu Beginn dem Quellenbezug gegenüber dem Empfän­gerbezug noch mehr Priorität und er war darauf bedacht, dass eine Übersetzung sowohl Form als auch Inhalt des Ori­ginals repräsentieren solle. Durch den Einfluss Chomskys gewannen Syntax­fragen für ihn zunehmend Bedeutung, was letztlich zu freieren Widergaben der Oberflächenstruktur des Originals führte. In Chomskys Modell haben Be­deu­tungs­verschiebungen bzw. Sprach­ent­wick­lung, Metaphern, etc. keinen Raum. Ob­wohl Nida nicht alles von Chomsky akzeptieren konnte, benutzte er dessen Trans­formations­grammatik an grund­le­genden Stellen. Felber sieht (mit Hem­pel­mann) in Explikationen und der Ver­meidung von Ambiguitäten eine Nach­wirkung der rationalistischen Philo­so­phie. Nidas „Übersetzungstheorie trug dazu bei, die in der westlich-aufgeklärten Philosophie verankerte Geringschätzung von Mehrdeutigkeiten, Metaphern und Poesie als anthropologisch und theo­logisch angemessener Ausdrucksformen zu verfestigen“ (232).

Der dritte Teil ist Felbers Kritik an Nidas Übersetzungstheorie gewidmet. Felber meint, dass für die Übersetzung reli­giöser Texte andere Ansprüche gelten als für die von Ge­brauchstexten. Die Spra­che (d.h. Sprach­form) der religiösen Überlieferung ist für eine Bibel­über­setzung unentbehrlich und mit ihr Meta­phern als Schlüssel reli­giöser Kom­mu­nikation. Felber beklagt, dass Nida das Thema biblischer Aspekte zur Kom­munikation nicht mehr in An­griff genommen hat. In der Bibel kom­mu­niziert Gott ständig, aber die Hörer­reaktion bleibt aus, oder die Botschaft wird missverstanden. So kann man den Sinn der Worte nicht unbedingt aus der Reaktion der Empfänger erschließen. Felber meint auch, die dynamischen Übersetzungen würden „eine Präferenz für natürliche Vorgänge hegen, weil die­se in Alltagssprache ´naturgemäß‘ leich­ter ausgedrückt werden können“. Somit reihen sich diese Bibeln ein in eine „Tendenz zur Säkularisierung der Spra­che“ (315). Laut Felber herrscht in­zwischen ein großer Konsens, dass „zwi­schen Oberflächen- und Tiefen­strukturen nicht sinnneutral transformiert werden kann (Extended Standard Theory)“, d.h. „passive Konstruktionen sind nicht neu­tral auf aktive zurückführbar“. Trans­formationen fügen Sinn hinzu, ändern, oder lassen Sinn weg (316).

In dem vierten Teil, der mit „Per­spek­tiven“ überschrieben ist, weist Felber daraufhin, dass die Lutherbibel nicht ein­fach als ein Vorläufer für die dynamisch-äquivalente Übersetzung gesehen werden könne. Das Wort „dem Volk auf´s Maul sehen“ habe Luther nicht einfach volks­missionarisch oder als simple Kom­muni­kationstechnik gemeint. Bibel­übersetzer sollten viel­mehr die Fremd­heit der Aus­gangs­texte wertschätzen sowie ihre Ober­flächen­strukturen (linguistisch) und ihre Letzt­gestalt (theologisch). Auf sinn­verän­dern­de Transformationen sei daher zu verzichten. Felber ruft Bibel­gesell­schaf­ten zur Zu­sammenarbeit auf und schreibt: „Nach gemeinsamer Be­ratung und letztlich nach den Vorgaben von Theologie und Kirchenleitungen müssen Verlage, Bibel­gesellschaften, Kir­chenlei­tungen und Theo­logen zusam­men­wirken“ (386).

Dass es jetzt „Bibeln gibt, die auf die spezifische Sprache der Bibel verzichten und ihren Inhalt alltagssprachlich dar­stellen wollen“ (12), ist für Felber äußerst problematisch. Seine Kritik ist zum großen Teil theologisch motiviert. Er betont das objektive Heilshandeln Gottes, das auch dann stattfindet, wenn der Text ambivalent ist und vom Kontext her mehr die subjektive Annahme des Evan­geliums im Vordergrund steht. Auf diesem Hintergrund lehnt er Über­set­zungen ab, die ambivalente Texte gegen seine theologische Überzeugung explizit übersetzen. Darüber hinaus führt Felber weitere Kritik an, die meines Erachtens wert ist gehört zu werden, unabhängig davon, wie man zu seiner theologischen Bewertung steht. Das gilt insbesondere dafür, dass Übersetzer von dynamisch-äqui­valenten Übersetzungen manch­mal sorgsamer mit Trans­for­ma­tionen um­gehen sollten.

Leider geht Felber nirgends auf die Übersetzungstechnik der Septuaginta ein, obwohl er eben dies auch Nida vor­wirft. Doch die Übersetzungs­prin­zipien, die Felber auf die ratio­na­listische Philo­sophie zurückführt, findet man schon in der Septuaginta, wenn auch nicht durchgängig. Dass Felber versucht, die dynamischen Übersetzungen für eine Kirche verantwortlich zu machen, die fern ist von den Wasser­bächen des Wor­tes Gottes, ist meines Erachtens falsch. Zu verlangen, dass sich Verlage und Bibelgesellschaften nach den Vorgaben von Theologie und Kirchenl­eitungen rich­ten, ist unrealistisch. Doch trotz aller Kritik enthält diese Studie manches Nachdenkenswerte auch für Menschen, die eine andere theologische Position vertreten und nicht (nur) form­orientierte, sondern (auch) kommunikative Bibel­über­set­zungen favorisieren.

Dr. Gerhard Tauberschmidt, em 2014-3.

Feldkeller, Andreas; Theo Sundermeier (Hg.). Mission in pluralistischer Gesell­schaft. Frankfurt: Lembeck, 1999.

Um Mission im europäischen Kontext in lan­deskirchlich- und universitätstheologischen Kreisen wieder stärker ins Gespräch zu bringen „bedurfte es wohl erst des gegenwärtigen fi­nanziellen Einbruchs … und einer schonungslo­sen Analyse der volkskirchlichen Situation, wie sie uns durch die Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern vor Augen geführt wurde“ (Einleitung S.7).

Das Buch ist die überarbeitete und um einen Aufsatz des Heidelberger Missionswissenschaftlers Theo Sundermeier und drei Dokumentationen erweiterte Fassung der Nummer 6/98 der Zeitschrift "Evangelische Theologie" zum Thema "Missionarische Gemeinde". Der Schwerpunkt des Buches liegt in einer grundsätzlichen systematisch-theologischen Auseinandersetzung mit dem Konzept und der Praxis von „Mission“ im europäischen Kontext angesichts moderner, pluralistischer Anfragen.

Für Theo Sundermeier antwortet Mission auf die menschlichen Grundfragen nach Herkunft, Sein und Zielbestimmung in der dreifachen Gestalt von gemeinsamem Leben (Konvivenz), Dialog und Zeugnis, die voneinander zu unter­scheiden, aber nicht zu trennen sind. Das Zeugnis spricht von den großen Taten Gottes und lädt ein zum Fest, denn "nirgendwo ist man so sehr bei sich selbst und zugleich beim anderen wie auf dem Fest" (S. 24).

A. Feldtkeller betrachtet Mission als Weiter­gabe des Lebens in umfassender Weise. Die Tabuisierung der Mission in der Gesellschaft sei nichts Ungewöhnliches, sondern diene dem Schutz ihres Geheimnisses. Dies dürfe jedoch nicht zu einer Weigerung der Lebensweiter­gabe durch die Kirche führen. Einer pluralisti­schen Theologie der Religionen setzt er entge­gen, daß sie die „grenzüberschreitenden Im­pulse der Religionen“ abkappen würde (S.43)., die Weitergabe von Leben über die Verwandschafts- und Stammesgrenzen hinaus, wobei es gerade dieses Proprium der Mission sei, das ein pluralistisches Zusammenleben auch in Zukunft erst ermögliche. Die Zukunft des Christentums erkennt er in der spannungsvollen Beziehung zwischen Mission und volksreligiöser Inkulturation. Neben for­mal wichtigen Erkenntnissen hätte man sich hier allerdings ein deutlicheres inhaltliches Statement des christlichen Missionars ge­wünscht – über das pluralismusförderliche „Prinzip Mission“ (egal, durch welche Reli­gion) hinaus. Von daher ist auch zu fragen, ob die Zukunft des Christentums in Deutschland im Bezug auf „Konturen primärer Religion“ (d. h. Volks- und Stammesreligiosität) gesucht werden sollte, oder nicht vor allem in der Überwindung dessen, was C. Grundmann ein­mal den „Verlust der einstigen Glaubensge­wißheit“ nannte (Antrittsvorlesung Hamburg 1997).

Weitere grundlegende Aufsätze liefern M. Welker und H. Wrogemann, der mit seinem Konzept von „Positionalität“ doxologische, diakonische und zeugnishafte missionarische „Eckpunkte“ profiliert. Drei neuere kirchliche Dokumentationen zur Mission schließen den Band ab: (1) „Mission – Ökumene – Partner­schaft“, eine Erklärung der Evangelisch-Re­formierten Kirche, die u. a. den Aufruf zur Be­kehrung als Teil des Missionsauftrages thema­tisiert, (2) ein interessantes Grundsatzpapier der „Offenen Kirche Elisabethen, Basel“, das neben vielen inspirierenden Anregungen leider nur sehr undeutlich von der „Versöhnung mit der Wirklichkeit, die alles umfängt“ (S.142) als missionarischem Ziel spricht und (3) das missionarische Leitlinien-Papier der Evangeli­schen Kirche in Berlin-Brandenburg „Wachsen gegen den Trend“, in dem mit Recht die Not­wendigkeit der Verwurzelung der Kirche im Heiligen betont wird.

Alles in allem ein intellektuell anregendes Buch, das manch gute Denkanstöße gibt – vor allem, wenn es um die Notwendigkeit von Konvivenz und hörendem Dialog geht. Erfreu­lich auch, daß man die Fremdheit der unter­schiedlichen Religionen mitsamt ihrer „Absolutheitsansprüche“ und Missionsunter­nehmungen ernstnimmt. Die kreative Span­nung zwischen diesem Ernstnehmen der fakti­schen Pluralität und der Gewißheit, daß Jesus Christus der einzig(artig)e Retter und Herr ist, wird allerdings nicht immer ausgehalten. Je­denfalls hätte ich mir zu letzterem ein deutli­cheres Bekenntnis gewünscht, denn gerade darin dürfte der entscheidende Faktor für die Zukunft der christlichen Mission in der plurali­stischen Gesellschaft liegen.

Friedemann Walldorf, em 2000-2.

Feldtkeller, Andreas. Die ‚Mutter der Kirchen’ im ‚Haus des Islam’. Gegenseitige Wahrnehmungen von arabischen Christen und Muslimen im West- und Ostjordanland. Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Folge Band 6, Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, Erlangen 1998.

Diese umfangreiche Habilitationsarbeit des Religions- und Missionstheologen A. Feldtkeller, der inzwischen einen Lehrstuhl an der Humboldt-Universität in Berlin innehat, untersucht das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Jerusalem und Umgebung seit der arabisch-islamischen Eroberung bis heute. Da die Kirche von Jerusalem, die Mutterkirche der Weltchristenheit, seit dem 7. Jahrhundert – nur unterbrochen durch die Kreuzfahrerzeit - im Herrschaftsraum des Islam lebte und auch seit 1918 bzw. 1948 eng mit dem arabisch-islamischen Kulturraum verwachsen blieb, konzentriert sich der Verfasser auf das christlich-islamische Verhältnis. Er zieht eine Fülle alter und neuer, auch arabischer, Literatur heran und verwertet zahlreiche Gespräche, die er während eines mehrjährigen Forschungsaufenthaltes in der Region führen konnte.

Für Feldtkeller ist das komplizierte Gefüge der Koexistenz von dominierenden Muslimen und dominierten Christen (die zahlenmäßig allerdings lange in der Mehrheit waren) ein Beispiel für ein einigermaßen gelungenes Zusammenleben (Konvivenz) von Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher kultureller und ethnischer Herkunft (aramäisch-griechisch auf christlicher Seite, arabisch-türkisch auf muslimischer Seite) in einem Prozess gegenseitiger kultureller Durchdringung. Dabei legt der Verfasser vor allem Denkkategorien der Hermeneutik (Lehre des Verstehens und der gegenseitigen Wahrnehmung) und der Soziologie zugrunde. Entsprechend entfaltet er den Stoff nicht in geschichtlicher Abfolge, sondern in kultur-soziologischen Querschnitten. Als Beispiele nenne ich die Beziehungen von Bedrohung und Schutz (Kap. 2) sowie von Außen und Innen (Kap.4): Die von außen gekommenen und die Außenwelt beherrschenden Muslime gewährten den Christen äußeren Schutz, solange diese ihr Leben auf den Innenbereich von Kirche und Haus beschränkten – so wie ein arabischer Mann seiner Frau Schutz gewährt, solange sie sich auf den Bereich des Hauses beschränkt.

Feldtkeller sieht diese Balance der Konvivenz m.E. zu positiv. Denn eine Voraussetzung für die Duldung der Christen durch die Muslime war u.a. deren Verzicht auf die Verkündigung des Evangeliums unter den Muslimen, also auf ein Kernanliegen christlicher Existenz. Feldtkeller beschränkt sich zu einseitig auf soziologische Fragestellungen und blendet die theologische Diskussion der Probleme des Zusammenlebens von Christen und Muslimen zu sehr aus. Dadurch erscheint die Konvivenz – zu welchem Preis auch immer – als ein Wert an sich. Dennoch bietet das Buch eine Fülle interessanter und wertvoller Einsichten und Einblicke, die durch das umfangreiche Literatur- und Stichwortverzeichnis positiv ergänzt werden.

Eberhard Troeger, em 2001-3.

Feldtkeller, Andreas. Sieben Thesen zur Missionsgeschichte, Berliner Beiträge zur Missionsgeschichte, Heft 1. September 2000.

In dieser Thesenreihe von A. Feldtkeller, Professor für Religions- und Missionswissenschaft sowie Ökumene an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, wird Missionsgeschichte unter der Annahme betrachtet, dass eine Mehrzahl von „missionarischen Religionen“ (u.a. Buddhismus, Christentum und Islam) in einer gemeinsamen Geschichte miteinander verwoben seien. Die „missionarische Religion“ als ethnische Grenzüberschreitung sei nicht selbstverständlich. Sie unterscheide sich von der Abstammungs-Religion, in der Menschen außerhalb der eigenen Gemeinschaft als fremd und bedrohlich angesehen würden. „Es mag vielen heute selbstverständlich erscheinen, dass Leben mit allen Menschen zu teilen ist, aber wir hätten dieses Kulturgut nicht, wenn es nicht ursprünglich einmal durch den missionarischen Impuls des Christentums in unsere Lebenswelt eingeführt worden wäre“ (S.7). Gerade diese wichtige Beobachtung wirft die Frage auf, ob man so generell-verallgemeinernd von „missionarischen Religionen“ sprechen kann, und ob nicht - auch im Bereich der kulturellen Auswirkungen – gravierende Unterschiede zwischen z.B. islamischer, buddhistischer und christlicher Grenzüberschreitung bestehen? Zeichnen sich wirklich alle „missionarischen Religionen … durch das Bemühen, Gemeinschaft zwischen Menschen verschiedener Kulturen herzustellen“ aus (vgl. Pressemitteilung), oder ist dies westliches Wunschdenken?

Feldtkeller interpretiert Missionsgeschichte als Geschichte kultureller und religiöser Grenzüberschreitung. In ihr sei ein erheblicher Teil der Konstitutionsbedingungen gewachsen für heutiges Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften und in einer entstehenden Weltgesellschaft. Der auf Gemeinschaft über Grenzen hinweg zielende missionarische Impuls trete notwendig in eine Beziehung zum politischen Leben; er werde darin jedoch auch missbrauchbar, bzw. führe zur Verfolgung von politisch Unerwünschten. Entscheidend für den Aufbruch der modernen Missionsbewegung (seit W. Carey) sei die Idee der Religionsfreiheit (und damit verbunden vor allem der Missionsfreiheit) und die Hoffnung auf deren Umsetzung in aller Welt gewesen. Diese Idee der Entflechtung von Macht (Politik) und Mission sei in der Folge auch von islamischen, hinudistischen und buddhistischen „Missionaren“ übernommen worden, die nun Mission nach dem Vorbild des Westens im Westen trieben. Nicht zuletzt diese Erfahrung habe zur Desillusioniserung der modernen Missionsbewegung beigetragen. Hier ist zu fragen: war es wirklich die Hoffnung auf Religionsfreiheit, die zum Hauptmotivator der modernen Mission wurde? Ist diese These angesichts der vielen Märtyrer christlicher Missionsgeschichte haltbar?

Grundlegend für Feldtkellers Thesen ist das Anliegen, den Missionsbegriff für die moderne, pluralistische Gesellschaft zu rehabilitieren und so auch die Missionsgeschichte als relevant aufzuweisen (These 1). Dazu definiert er Mission nicht mehr spezifisch christlich-theologisch, sondern in religions­wissenschaftlicher Weite als „Weitergabe von Leben“ (S.4). Weil es sich dabei um ein göttliches Geheimnis handele, werde Mission zu Recht in der westlichen Gesellschaft als Tabuthema behandelt. Nicht berechtigt allerdings sei es, auch die Missionsgeschichte zu tabuisieren, und sich mit ihr nicht mehr ernsthaft auseinanderzusetzen. Sie enthalte trotz der bekannten Problematiken „sehr viel Bemühung um Gerechtigkeit“ (S.5). Der Historiker müsse versuchen, dieser Tatsache gerecht zu werden und könne dabei aus dieser Geschichte Maßstäbe dafür gewinnen, „was Gerechtigkeit in der Gegenwart heißen kann“(S.6).Während Feldtkellers Thesen insgesamt eine Reihe von beachtenswerten Überlegungen enthalten und mit Recht die profangeschichtlichen Implikationen der Missionsgeschichte in den Blick nehmen, ist vor allem zur ersten grundlegenden These kritisch anzumerken, dass das zutreffend beobachtete Missions-Tabu in der westlichen Gesellschaft wohl kaum auf ein Gespür der Gesellschaft für das geheimnisvolle Handeln Gottes zurückzuführen ist, sondern wohl eher einerseits eine (verständliche) Reaktion auf europäisch-westliche Überheblichkeiten in der Vergangenheit ist und andererseits in der modern-individualistischen Haltung, daß Glaube Privatsache sei und im „Verlust der einstigen Glaubensgewissheit“ (C. Grundmann) begründet liegt. Inwieweit Feldtkellers Aufnahme einer vorwiegend religionsgeschichtlichen Sichtweise des Phänomens „Mission“ eine Abkehr von einer biblisch-theologischen Missionbegründung impliziert und so als Indiz eben dieses Verlustes der Glaubensgrundlagen auch in der Missionswissenschaft selbst gedeutet werden muß, ist eine offene Frage. M.E. kann die Missionsgeschichte der christlichen Kirche mit ihren Licht- und Schattenseiten und ihren welt- und kultur- und religionsgeschichtlichen Implikationen nur unter Einbeziehung ihrer biblisch-theologischen und geistlichen Identität, Begründung und Motivation angemessen verstanden werden.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.

Feneberg, Rupert. Der Jude Jesu und die Hei­den. Biographie und Theologie Jesu im Markus­evangelium. 2. Aufl., Herders Biblische Studien 24, Freiburg, Basel, Wien: Herder, 2001.

Seit der Diskussion der späten fünfziger Jahre über Jesu Verhältnis zu den Heiden (vgl. z.B. J. Jeremi­as, Jesu Verheißung für die Völker, 1953; D. J. Bosch, Die Heidenmission in der Zukunftsschau Jesu: Eine Untersuchung zur Eschatologie der sy­noptischen Evangelien, 1959) hat es kaum weitere Studien zu diesem Thema gegeben. Dem katholi­schen Theologieprofessor Rupert Feneberg geht es in diesem Buch um das Erfassen des Verhältnisses Jesu zu den Heiden in der Gesamtstruktur und theologischen Entwicklung des MkEv. Dabei ver­tritt er folgende These: „Markus schrieb sein Evan­gelium unter dieser Leitfrage: Wo und wie im Le­ben Jesu, in seinen Worten und Taten, ist diese Entwicklung zur Heidenkirche angelegt?“ (153). Hierbei handelt es sich um eine Fragestellung, die gut zu den heidenchristlichen Empfängern des MkEv passt. Von besonderem Interesse ist der ent­scheidende Abschnitt „Jesus und die Heiden“ (Mk 6,14-8.30 tw. mark. Sondergut, 145-95). Nach F. hat die Begegnung Jesu mit dem besessenen Gerasener und seine Heilung in Mk 5,1-20 diesen Ab­stecher Jesu in heidnisches Gebiet ausgelöst. F. spricht hier von einem „neuen Schlüsselerlebnis für Jesus“ (136-44). „Was nur als Rückzugsbewegung begonnen hatte, bekam jetzt eine unerwartete eige­ne Perspektive“ (153). Die in diesem Abschnitt thematisierte Frage nach der Person Jesu, die im Messiasbekenntnis gipfelt (8,27-30), wird vor al­lem durch das Verhalten Jesu gegenüber den Hei­den bestimmt. Was inhaltlich bei Matthäus und Lukas u. a. in den Kindheitsgeschichten geschieht, bereitet Mk durch seinen Bericht des Wirkens Jesu vor.

F. behandelt und vergleicht die beiden Brotvermehrungen bei Juden am Westufer (6,32­-44) und bei Heiden am Ostufer des Sees Genezareth (8,1-9, vgl. 7,31), denen Jesus, ohne die beson­dere Erwählung Israels aufheben zu wollen, sym­bolisch Anteil an der Heilsgabe gibt. Jesu Lehrrede über „rein“ und „unrein“ (7,1-23) unmittelbar vor Aufbruch in nicht-jüdisches Gebiet dient „im Zu­sammenhang des Evangeliums der theoretischen Vorbereitung der bevorstehenden Ereignisse im Heidenland“ (176; vgl. auch den kompositioneilen Aufbau von Apg 10, wo die Vision des Petrus dem konkreten Auffrag, das Haus eines Heiden zu betre­ten, vorausgeht). Aus der Abfolge des MkEv ergibt sich, dass Jesus seinen Abstecher ins Heidenland theoretisch vorbereitet hat und sein dortiges Han­deln, einschließlich der Tischgemeinschaft mit Hei­den (im Rahmen des zweiten Speisungswunders), vorbereitet hat.

Auf der Reise geschehen vier Wunder unter und an Heiden: die Speisung und drei Exor­zismen bzw. Heilungen: 7,24-30; 7,31-37; 8,22-26. Der ungewöhnliche Charakter der Heilung des Taubstummen in der Dekapolis und des Blinden in Bethsaida an dem mit Heiden assoziierten Ostufer des Sees Genezareth erklärt sich aus der Lokalisie­rung in heidnischem Umfeld: „Die zwei ‘komplizierten’ Heilungswunder… erzählen von der Liebe Gottes auch zu den Heiden in einer Art und Weise, dass durch diese Heilstat Gottes der Unter­schied in der Erwählung [von Juden und Heiden] nicht aufgehoben wird“ (377). Die eingeschobene Zeichenforderung der Pharisäer in 8,10-13 (zurück am Westufer des Sees, 8,10) ist direkt auf das Spei­sungswunder unter den Heiden zu beziehen: Mit ihrer Forderung bezweifeln die Pharisäer, „dass Gott ein solches Heilszeichen auch für die Heiden wollen kann. Der Sauerteig [der Pharisäer, vor dem Jesus anschließend bei der Rückfahrt die Jünger warnt, 8,15] meint also an dieser Stelle nicht eine bestimmte Lehre oder Haltung der Pharisäer, son­dern gezielt ihre Ablehnung der von Jesus gezeig­ten Liebe zu Heiden“ (184f). Auch das in 8,27-30 folgende Christusbekenntnis ist aus dieser Signal­wirkung tragenden Reise zu den Heiden zu verste­hen: „Die Hinwendung Jesu zu den notleidenden Heiden führt dazu, dass Petrus und die Jünger über den Prophetentitel hinaus zum Christusbekenntnis kommen“ (188). Nach den Eindrücken dieser Reise gab es für die Jünger nur zwei Möglichkeiten: „Die Jünger konnten sich jetzt nur von Jesus abwenden, weil sie ihn nicht mehr verstanden, oder sie muss­ten ihn in ihrem Nichtverstehen auf seinem Weg in das Heidenland auf eine neue Weise qualifizieren und ihn anders sehen lernen“ (189). F. unterstreicht die Bedeutung dieses Abschnitts für die Struktur und theologische Entfaltung des MkEv: „Erst durch die Heidenreise in Mk 6,45-8,26 ist das Messiasbe­kenntnis des Petrus in Mk 8,29 überhaupt möglich geworden. Denn erst damit hat sich inhaltlich ge­klärt, in welche Richtung Jesu besondere Aufgabe gehen sollte. Jesus ist für Petrus der Christus ge­worden, das heißt: der jüdische Gesalbte Gottes, der sich in einer verschwenderischen Großzügig­keit und Liebe auch für die Not bei den Heiden einsetzen und auch bei ihnen Gottes Heil anzeigen und wahrmachen soll“ (191). Diese Entwicklung entfaltet F. im weiteren Verlauf seiner Studie. Als König verkündet Jesus sein Programm im Tempel (11,1-13,37).

In einzelnen Beobachtungen am Text, in der Beur­teilung der Historizität des Itinerars von Mk 3,7­-8,30 („Ein Leitfaden für den Weg Jesu zwischen Juden und Heiden“, 152-62) sowie in den topogra­phischen Kenntnissen des Markus und der Datie­rung des MkEv kann man mit guten Gründen auch zu anderen Ergebnissen als F. kommen. Der Ge­samtthese des Bandes ist jedoch zuzustimmen, dass die Heiden und die Heidenmission kein Nachge­danke des Auferstandenen oder eine Rückprojekti­on der Gemeinde waren, sondern schon zu Jesu irdischen Lebzeiten in seinem Blick waren, bzw. durch göttliche Führung mehr als nur in den Blick gekommen sind und dass Jesus als der Christus Gottes nicht nur für das jüdische Volk ein Evange­lium war (vgl. die interessanten Schlussfolgerun­gen zum Verhältnis der Erwählung und Stellung Israels und den Heiden, 376-78). Dies ist missions­theologisch für die Verankerung der Mission im Wirken und Willen Jesu – über die oft angeführten Missionsbefehle hinaus – von grosser Bedeutung. Die Kirche dieses Christus kann und muss den Menschen, die ihn nicht kennen, nach dem Beispiel Jesu begegnen, der sich keine Provokation scheu­end ihrer Not gegenüber nicht verschlossen hat (7,14-8,9; 8,22-26).

Dr. Christoph Stenschke, em 2003-3.

Fermor, Gotthardt. Ekstasis. Das religiöse Erbe in der Popmusik als Herausforderung an die Kirche. Praktische Theologie heute, Band 46. Stuttgart: Kohlhammer, 1999.

Zunehmend wird in der wissenschaftlich­theologischen Forschung das Phänomen der Popmusik wahr- und ernstgenommen. Das ent­spricht durchaus ihrer Bedeutung in der postmo­dernen Lebenswelt und damit auch der Heraus­forderung, die sich für die Gemeinde Jesu Chris­ti damit verbindet. Die Zugänge und Interpreta­tionen sind allerdings sehr unterschiedlich. In dieser Bonner Dissertation fragt der Autor nach der Bedeutung ekstatischer Religiosität (oder religiöser Ekstase) in der säkularen Popmusik für die praktische Theologie und die Praxis der evangelischen Volkskirchen. Er tut dies in ei­nem methodisch komplexen Untersuchungs­gang, in dem kulturanthropologische, religions­soziologische und theologische Zugänge mitein­ander verknüpft werden, den er als „hermeneutisch-phänomenologisch“ bezeichnet. Zunächst stellt der Verfasser verschiedene inter­disziplinäre (musikwissenschaftlich, psycholo­gisch, ethnologisch, politisch-ökonomisch etc.) und theologisch motivierte Untersuchungen zur „Lebenswirklichkeit Popmusik“ dar. Äußerst kritisch setzt er sich in diesem Zusammenhang mit der evangelikalen Studie Horst Neumanns (Diss. Tübingen, 1985) auseinander, dem er zwar eine große „Nähe zu den Phänomenen“ bescheinigt, aber eine generelle Dämonisierung der Popmusik – (angeblich) basierend auf einer „Hermeneutik der Unhinterfragbarkeit“ der bib­lischen Texte – vorwirft (S. 75). Im Folgenden zeigt sich, dass Fermor in den Analysen weitge­hend Neumanns „Religionisierungs“-Ansatz bezüglich der Beurteilung der Popmusik teilt (d.h. eine bestimmte Rhythmik impliziert religi­öse Ekstase- und Geisterfahrungen), in der theo­logischen Bewertung allerdings aufgrund offen­barungstheologischer Weichenstellungen zum gegenteiligen Ergebnis kommt: statt von Dämonisierung spricht Fermor (aufgrund einer kosmi­schen Pneumatologie) von der positiven „Theologizität“ der säkularen Popmusik. Der Autor zeigt auf, wie die Bewegungs-, Bild-und Wortebenen der Popmusik in Konzerten (z.B. bei Michael Jackson) zu einem religiös­ästhetischen Inszenierungs-Ritual der Ekstase verschmelzen, das sowohl religiös-ethisch „ent­grenzend“ als auch (gerade in der Entgrenzung) „vergemeinschaftend“ wirkt. Diesem Phänomen der Ekstase geht er an den Wurzeln der Popmu­sik zunächst in der musikalischen Religiosiät Afrikas, dann im Bereich der afro­amerikanischen Entwicklungen des Spiritual, Blues und Gospel und schließlich des Rock’n’ Roll nach. Durch die oben erwähnte und m.E. falsche Religionisierung der sog. „off-beat“-Rhythmik interpretiert Fermor die Spirituals unzutreffenderweise als „synkretistische Religi­onsform“ (S.132) und unterbewertet die Tatsa­che, dass Rhythmus und Ekstase auch anthropo­logische Kategorien sind und sich durchaus mit genuin christlicher Aussage verbinden können (vgl. Theo Lehmann, Negro Spirituals: Ge­schichte und Theologie, Neuhausen, 1996). Die Ergebnisse der Konzertstudien und des Gangs durch die Geschichte der Popmusik dis­kutiert Fermor nun auf dem Hintergrund kultur­anthropologischer Ritualtheorien (V. Turner), religionssoziologischer Entwürfe und biblisch-kirchengeschichtlicher Beobachtungen. Letztere machen (entgegen Fermors Interpretationslinie) deutlich, dass ekstatische Musikalität biblisch­theologisch in der durchaus konstruktiven Span­nung zwischen „Ablehnung heidnischer Kult­praktiken“ (S.198) und „humanschöpfungsgemäßer Vollzugsform“ verstanden werden kann, also nicht automatisch eine Entgrenzung bib­lisch-christlicher Glaubensinhalte und Lebens­weisen impliziert. Gerade diese biblisch „be­grenzte“ Ekstase allerdings ist Fermor immer wieder ein Dorn im Auge. So kritisiert er im Bereich der christlichen Popmusik, dass die „ri­tuellen Dimensionen … mit nur ,angezogener Handbremse’ erlebbar gemacht“ werden (S.164) und die „normativen Gestaltungsvorgaben vor allem im Bereich der Sexualmoral“ die Ge­fahr bergen, die entgrenzenden „Gehalte dieser Musikerfahrungen wieder zu verspielen“ (S.165). Er zitiert dazu einen Kommentar zu christ­lichen Popkonzerten: „Sex und Gott vertragen sich nicht gut. Das ist das große Problem aller Christen-Acts“ (Fußn.304). Abschließend bietet Fermor seine eigene theo­logische Perspektive zur kritischen Würdigung ekstatischer Musikalität in der säkularen Pop­musik. Grundlegend verortet Fermor seinen An­satz in Paul Tillichs Kulturtheologie, die von „der Komplementarität von Kultur und Religi­on“ (S.234) ausgeht. Diesen Ansatz erweiternd greift Fermor neuere Konstrukte einer kosmi­schen Pneumatologie (Moltmann, Welker, Schroer) auf, die den Geist Gottes weder an den biblischen Christus noch die Kirche gebunden sieht und dadurch „einen offenen Dialog zwi­schen Kirche und Kultur und Kooperation mit allen kulturschaffenden Kräften“ ermöglichen möchte (S.235). Kriterium zur theologischen Beurteilung popmusikalischer Ekstase- und Ent­grenzungserfahrungen sind weder Bibel noch Kirche, sondern (1) die Wahrung der Persön­lichkeit und (2) der Verweis auf eine unverfüg­bare Transzendenz (S.236). „Die Besonderheit einer christlichen Perspektive“ zu ekstatischen Erfahrungen in der säkularen Popmusik liegt nach Fermor darin, „Lebenskraftsteigerung“ und „Gebrochenheit“ (S.241) in ihrem dialektischen „Zusammenhang zu bewahren“ (S.241). Prakti­sches Ziel für die Kirche müsse sein, die säkula­re Popmusik theologisch zu deuten als Über­windung von „religiösen Identitätsbildungen“ und „Rückbindung an … das Geheimnis, das Unverfügbare, das Zwischen“, das auch als „die unendlichen Möglichkeiten Gottes“ beschrieben werden kann (S.242).

Ein brilliant geschriebenes, manchmal allerdings fachterminologisch überladenes Buch, das auf einen wichtigen Kontext gegenwärtiger christli­cher Theologie und Mission hinweist. Hilfreich für weiterführende Studien ist die 27-seitige kategorisierte Bibliographie zu „Popmusik und Religion“ im Anhang, neben einem alphabeti­schen Literaturverzeichnis. Die interdisziplinäre Beschreibung und Analyse der popmusikali­schen Lebenswelt ist methodisch sehr interes­sant, inhaltlich oft zutreffend, allerdings durch „ideologische“ Vorentscheidungen geprägt und dadurch m.E. manchmal verzeichnend. Die Fra­ge, die sich am Schluß dem Leser stellt, ist, worin die spezifisch christlich-theologische Identität dieser (in einer praktisch-theologischen Reihe erschienen) Arbeit besteht, deren Ziel parado­xerweise die Entgrenzung, d.h. z.T. auch Über­windung, biblisch-christlicher Glaubens- und Lebensweise zugunsten einer diffusen ekstati­schen Religiosität ist. M.E. benötigt die Ge­meinde Jesu als Mit-, Für- und Gegenkultur eine solche Grundlegung nicht, um in einem lebendi­gen und missionarischen Dialog auch mit einer popmusikalisch geprägten Welt zu stehen. Im Gegenteil: gerade dieser Dialog benötigt Ge­sprächspartner mit einer biblisch begründeten Identität. Auch der „Religionisierung“ popmusi­kalischer Rhythmik, die diese Arbeit auf eine inhaltliche Stufe mit den sog. „evangelikalen Warnschriften“ (S. 300f) stellt, ist zu widerspre­chen. Gerade die Spirituals und nachfolgende musikalische Entwicklungen in bibelgläubigen Gemeinden zeigen, dass christliche Glaubens­ und Lebensweise (als religiös-theologischer Inhalt) und popmusikalische Ausdrucksformen (als anthropologische Kategorien) sich nicht widersprechen müssen. Die „angezogene Hand­bremse“ wollen wir dann gerne akzeptieren – besser als ohne Bremsen in den Abgrund zu rauschen.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-2.

Fernando, Ajith. The NIV Application Commentary: Acts, Grand Rapids: Zondervan, 1998.

„Es ist wichtig”, so höre ich noch Dick Dowset auf der ESMA Tagung 2004 sagen, „dass wir mehr darauf hören, was unsere afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Geschwister über Mission sagen und schreiben.“ Der NIV Application Commentary über die Apostelgeschichte, geschrieben von dem Srilankesen, Ajith Fernando, ist meines Erachtens das beste Beispiel für die Wahrhaftigkeit dieser Aussage. Doch erst ein paar Worte zu der Serie in der das Buch 1998 erschien.

Die NIV Application Commentary Serie verfolgt das Ziel, über die fachgerechte Auslegung des Textes hinaus, den Bogen zu der Anwendung in der Gegenwart zu spannen. Jeder Textabschnitt wird in drei Teilen besprochen. Im ersten Teil, „Original Meaning“, wird das Verständnis des Textes für die Hörer im 1. Jahrhundert nach Christus verdeutlicht. Wie in jedem anderen Kommentar werden alle Elemente einer traditionellen Exegese diskutiert. Im zweiten Teil, „Bridging Contexts“, wird eine Brücke vom Kontext der ersten Leser zum Kontext des heutigen Lesers geschlagen. Dabei werden besonders die zeitgebundenen, von den nicht zeitgebundenen Aspekten des Textes unterschieden. Im dritten Teil, „Contemporary Significance“, wird die Anwendung des Textes in der Gegenwart diskutiert. Etwas überschwänglich formulieren die Herausgeber, dass dieser Abschnitt es erlaube, die biblische Botschaft heute genauso vollmächtig zu verstehen, wie sie damals geschrieben wurde (:11).

Es ist offensichtlich, dass vielen Christen im 21. Jahrhundert die Anwendung der Bibel auf ihre Lebenswelt aufgrund des großen zeitlichen Abstandes zwischen Niederschreibung und heute schwer fällt. Die Dreiteilung der Textbesprechung in den „Application Commentaries“ zwingt den Autor und somit seine Leser dazu, nach der Bedeutung der Bibel heute zu fragen.

Zurück zu Ajith Fernandos Kommentar zur Apostelgeschichte. Was kann uns ein Kommentar zur Apostelgeschichte für die Mission heute lehren? Die Apostelgeschichte beschreibt wie kein anderes Buch der Bibel die Anfänge der Mission. Wie kein anderes Buch wurde aber auch die Apostelgeschichte oft dazu benutzt, so genannte „rein biblische“ Gemeinde- und Missionsmodelle zu postulieren. Durch seine gute Exegese zeigt Ajith Fernando auf, wie dieses Geschichtswerk uns zu legitimen Ansätzen für die Mission heute führt. Er studiert z.B. ausführlich die Reden der Apostel und die Gebete der Gemeinde. Sehr deutlich arbeitet er dabei Mängel der heutigen Verkündigung heraus. Wie sehr war den ersten Christen in der Verkündigung das Leben Jesu bedeutsam und wie sehr beschränken wir uns heute oft auf seinen Tod und seine Auferstehung. Wie sehr beharren wir evangelikale Christen in der Mission auf den Fakten des Glaubens, ohne die so nötige subjektive Seite des Lebens im Heiligen Geist und der Freude der intimen Gemeinschaft mit Gott zu betonen. Wie sehr stellt das Beten und Leben der ersten Christen das Verständnis unserer individualistischen Gesellschaft von Verantwortung füreinander, Gemeinschaft untereinander und vor allem unsere Leidensbereitschaft in Frage? Die Missachtung dieser Aspekte, so folgert Ajith Fernando, macht unsere missionarische Verkündigung leer und das daraus entstehende Christsein blutarm und lau.

Ajith Fernando, der eine integrierte Besprechung der Aspekte „Original Meaning“, „Bridging Contexts“ und „Contemporary Significance“ bevorzugt hätte (:16), versteht es meisterlich den Text der Apostelgeschichte in den Kontext der postmodernen Welt zu bringen. Mit Scharfsinn und überraschender Klarheit deckt er unbeachtete Aspekte auf. Seine Beobachtungen, auch wenn an manchen Stellen etwas zu ausführlich, hinterfragen, regen zum Nachdenken an, und ermutigen den Leser, die alte Botschaft der Apostelgeschichte neu zu entdecken.

Ajith Fernandos Kommentar zur Apostelgeschichte ist daher eine äußerst lohnenswerte Lektüre, nicht nur für Bibelschullehrer oder Gemeindepastoren. Vor allem Verantwortliche in der Mobilisation, in der Missionsleitung und im Gemeindedienst werden im persönlichen Bibelstudium mit diesem Buch biblisch-theologisch für ihren Dienst zugerüstet. Dies gilt besonders, wenn sie sich mit Gemeindebau, mit Fragen von Gemeindestruktur und Gemeindeordnung sowie mit Missionsstrategien, hier oder in Übersee, beschäftigen. Aber eigentlich sollte jeder bewusste Christ sich gründlich mit der Apostelgeschichte beschäftigen. Ajith Fernandos Kommentar wird ihm dabei helfen, in rechter Weise die geschichtlichen Anfänge seines Glaubens auf seinen Alltag heute zu übertragen. Er ist verständlich geschrieben und ein gutes Werkzeug für jeden, der tiefer ins Wort Gottes hinein wachsen will.

Wahrscheinlich werden alle, die Ajith Fernandos Kommentar zur Apostelgeschichte in Händen hatten, Dick Dowset recht geben, der ermahnte mehr auf unsere nicht westlichen Geschwister zu hören. Leider sind aber viele ihrer Stimmen bisher nur denen vorbehalten, die zumindest der englischen Sprache mächtig sind. So ist auch dieser Kommentar bisher nicht auf Deutsch erhältlich.

Sabine & Hans Walter Ritter, em 2004-4.

Fiedler, Klaus. Ganz auf Vertrauen. Ge­schichte und Kirchenverständnis der Glau­bensmissionen. Gießen/Basel: Brunnen, 1992.

Ein großes Werk, das nicht wenig leistet: Es erschließt die Bewegung der Glaubensmissio­nen in ihrer geschichtlichen Eigenart, Zusam­mengehörigkeit und Dynamik als ein eigen­ständiges Ergebnis von Erneuerungsbewegun­gen im Protestantismus, die ihrerseits einer beachtlichen Anzahl von Kirchen mit z.T. be­achtlicher Größe (jedenfalls in Afrika) zu Ent­stehung und Wachstum verholten hat.

Diese Bewegung ist leider nicht voll wahr­genommen worden, weil sie nicht in den Raster einer Kirchengeschichte der Denominationen paßt – da liegt sie als eine Reihe von Störfak­toren am Rande. Und nicht viel besser ist es in der Sicht der Missionsgeschichte der „Klassi­schen“ Missionen, die zur Entstehung der öku­menischen Bewegung beigetragen haben und sich an ihr orientiert haben. Damit wird auch deutlich, inwiefern die evangelikalen Missio­nen als eine zusammenhängende Gruppe nicht eine Randgruppe Unzufriedener sind, sondern eine eigene geistliche Qualität und Vitalität haben.

Der Verfasser leistet diese Arbeit mit den Methoden des Historikers, der seine Aussagen mit Quellen belegen kann. Die Fußnoten um­fassen oft ein Drittel der Seite (und mehr) und bringen nicht nur den Fundort, sondern Zusatz­informationen und kleine Exkurse. 22 engbe­druckte Seiten, ca. 600 Titel, umfaßt das Lite­raturverzeichnis. Andere Quellen wie Archiv­material, Protokolle, Briefe, Interviews und Zeitschriften (85) sind noch einmal über 600. Das verarbeitete Material ist immens, und es wird übersichtlich: 10 Karten, 8 Zeittafeln, 7 Tabellen, 5 Graphiken und Übersichten machen Zusammenhänge überschaubar. Ein Register von 17 Seiten (doppelspaltig) erleichtert das Nachschlagen; eine Reihe von „Glaubens­grundlagen“ (doctrinal Statements) bringt 9 wichtige Texte, die aber auch im Text selbst
durch Zitate zu Wort kommen. Bei aller Mate­rialfülle ist das Buch eine spannende Lektüre, die auch dem Kenner der Missionsgeschichte recht viel Neues zu bieten hat.

Der erste Teil stellt die Glaubensmissionen geschichtlich dar, in drei Kapiteln: als Teil der Evangelischen Missionsbewegung, ihre Ent­stehung und Grundkonzepte und ihre Ge­schichte in Afrika im Überblick (9-178). Das wäre schon ein beachtliches Werk.

Nun aber geht es dem Verfasser darum, das Kirchenverständnis der Glaubensmissionen zu erheben, und zwar mehr aus ihrem Handeln als aus Texten zur Ekklesiologie. Denn sie haben Kirche gegründet, und sie haben in christlicher Gemeinschaft gehandelt, also Fragestellungen der klassischen Ekklesiologie explizit und im­plizit beantwortet. Es blieb nicht nur beim Glauben an eine rein geistliche Einheit.

Diese Darstellung erfolgt in zwei Arbeitsgängen. Zuerst werden die Attribute der Kirche nach dem Nizänum als Leitbegriffe verwendet: Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität. Dabei wird immer auch dargestellt, wie die übernommene Botschaft in der afrikani­schen Kirche rezipiert und modifiziert wurde.

Zweitens werden die konstituierenden Merkmale der Kirche nach den reformatori­schen Bekenntnissen (Wort, Sakrament und Amt) in ähnlicher Weise behandelt. Ein letztes Kapitel über Denominationalisierung und In­ternationalisierung rundet die Darstellung ab. Ein umfangreiches Material wird hier in dieser Form zum ersten Mal wissenschaftlich bear­beitet: nur wenige Ausschnitte sind zuvor kri­tisch dargestellt worden. Der Autor vermeidet Verallgemeinerungen, die nicht durch genau dargestellte Beispiele belegt und veranschau­licht sind, und läßt Ausnahmen nicht uner­wähnt. Von dieser Materialfülle bedeutet das Werk einen großen Gewinn, das wird kaum zu bestreiten sein.

Der Ansatz bei der Ekklesiologie bewirkt eine kritische Darstellungsweise; die Sichtwei­se ist ungewohnt, das Phänomen „interdenominationell“ zwar nicht unbekannt, aber selten so genau erfaßt, so deutlich definiert: Fragen der Kirchengestalt haben keinen Vorrang. Aber die konkreten Kirchen (Denominationen) werden zwar kritisiert, aber auch herausgefordert und transzendiert.

Ekklesiologie ist unter diesen Attributen ein unerwartetes Thema, und die Vorgehensweise ist neuartig. Die vier klassischen Attribute der Kirche finden sich vorrangig in Beziehung auf Individuen und deren Handeln wieder, ähnlich die reformatorischen Merkmale der Kirche. Aber das soll nicht heißen, daß sie auf Ethik reduziert sind! Jedenfalls ist hier eine Erschlie­ßung dieser Bewegung gelungen, wie sie bisher fehlte.

Niels-Peter Moritzen, em 1993-1.

Findeisen, Sven. Unter dem weiten Bogen. Mein Leben, Wuppertal: Brockhaus, 2002.

Dass Mission nicht nur in Afrika, sondern mitten in Deutschland geschieht, wissen wir schon länger. Die vorliegende Autobiographie erzählt persönliche und theologische Facetten der seelsorgerlichen Mission eines Theologen unter Theologiestudenten und unter Arbeitern. Der Autor, Sven Findeisen, ist der Begründer der 1971 begonnenen Krelinger Theologiestudentenarbeit und war lange Jahre evangelischer Pastor in der Industriestadt Neumünster in Schleswig-Holstein. In diesem Buch erzählt Findeisen seine Geschichte – und damit auch die Geschichte der Mission Gottes in seinem Leben. Sie reicht von Estland über Leipzig, Föhr, Bethel, Stockholm bis nach Neumünster und Krelingen. Auf einer Abiturientenfreizeit wird Findeisen von einem Bibelwort über der Tür des Hermannsburger Missionsseminars getroffen: „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“. Das empfand er als neuen und guten Gedanken: „Hier wäre der Weg in unserer Welt“ (S.79). Dieser Weg wird ihm zur Gewissheit und zieht sich von nun an durch Höhen und Tiefen seines Lebens. Findeisen erzählt von prägenden Begegnungen im Studium, vor allem mit Hellmuth Frey in Bethel und Karl Barth in Basel; er berichtet von der nüchternen Realität der missionarischen Arbeit unter deutschen Matrosen im Vikariat in Stockholm und von den Herausforderungen und Früchten des missionarischen Gemeindeaufbaus in Neumünster. Bemerkenswert sind auch die eingeflochtenen Erfahrungen zweier Asienreisen.

Doch das Buch bietet nicht nur Einblicke in das missionarische Ringen eines Gemeindepastors in einer Arbeiterstadt, sondern auch in das Ringen um theologische Grundlagen in Kirche, Universität und Gesellschaft am Ende der 1960er Jahre. Der Leser erlebt die Entstehungsgeschichte der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ mit, zu deren Vorstand Findeisen lange gehörte. Hier wurden wichtige Grundlagen für die Mission in Deutschland und weltweit erarbeitet. Doch als die Bekenntnisbewegung sich in den 90er Jahren gegen die missionarische Arbeit von ProChrist und Ulrich Parzany zu wenden begann, „fiel ich einfach heraus wie durch ein kaputtes Netz, in dem mich nichts mehr hielt“ (S.243). Findeisen wollte Fundamente, aber keine Festungen; er suchte die biblischen Grundlagen und den Auftrag Jesu an seine Gemeinde – für die verlorene Welt. Davon ist auch die mit Heinrich Kemner zusammen aufgebaute Studentenarbeit in Krelingen geprägt: hier konnten und können junge Frauen und Männer sich von der Weisheit Christi her kritisch mit den ideologischen Voraussetzungen der modernen Bibelkritik auseinandersetzen, um sich auf die seelsorgerliche und missionarische Arbeit in der Kirche vorzubereiten. Findeisens Ansatz dabei war immer eine Theologie des Weges (wenn er das auch selbst nicht so bezeichnet), die sich nicht auf theologische Systeme und dogmatische Sicherungen verlässt, sondern ihren Grund in der täglichen Nachfolge Jesu, im Hören und geschenkten Vertrauen auf das biblische Wort findet. Doch nicht nur Theologie und Kirche spielen in diesem Buch eine Rolle. Persönliche Einblicke zeigen auch die Bedeutung von Ehe, Familie und nicht zuletzt von Urlaub, Natur und Kunst im Leben des Autors und seiner Mission. Eine ehrliche und interessante Biographie, die auf persönliche Art auch wichtige Facetten der neuesten Missionsgeschichte in Deutschland beleuchtet.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-1.

Fischer, Jörn; Oliver Gräf. Zivi weltweit - Der „andere Dienst im Ausland als Alterna­tive zum Zivildienst“. interconnections: Frei­burg, 1999.

Kurzeinsätze im Ausland erfreuen sich heute großer Beliebtheit - im Gegensatz zum Wehr- und zivilen Ersatzdienst, den junge Männer ge­zwungenermaßen ableisten müssen. Daß als Alternative zum Zivildienst auch der „andere Dienst im Ausland“ geleistet werden kann, nach dessen Abschluß der Betreffende vom Zi­vildienst befreit wird, ist wenig bekannt. Dabei läßt die gesetzliche Grundlage (Förderung des friedlichen Zusammenlebens der Völker) viel Freiheit in der Gestaltung und Trägerschaft ei­nes Einsatzes, auch wenn dieser Dienst nur ge­ringe staatliche Unterstützung erfährt, so daß soziale Absicherung und Finanzierung weitge­hend dem Trägerverein bzw. Bewerber über­lassen bleiben.

Das vorliegende Buch informiert umfassend über Möglichkeiten und Grenzen, gesetzliche Grundlagen und Vorbereitung, Leben im Aus­land und Rückeingliederung. Erfahrungsbe­richte von Teilnehmern ergänzen den Band, ebenso ein umfangreiches Adreßverzeichnis von bereits anerkannten Trägervereinen in Deutschland, darunter auch eine Reihe von evangelikalen Missionswerken. Das Buch wurde von den jungen Autoren interessant ge­schrieben. Es wendet sich vor allem an junge Männer, die einen solchen Auslandseinsatz er­wägen, ist aber in gleicher Weise empfehlens­wert für mögliche Projektträger in den Ein­satzländern, sowie für Missionsleiter in Deutschland, die an einem rechtlichen Rahmen für Kurzzeiteinsätze interessiert sind.

Dr. Detlef Blöcher, em 1999-4.

Fischer, Moritz. Pfingstbewegung zwischen Fragilität und Empowerment. Beobachtungen zur Pfingstkirche „Nzambe Malamu“ mit ihren transnationalen Verflechtungen (Kirche – Konfession – Religion 57) Göttingen: V&R unipress, 2011

Dieser Band beschäftigt sich mit der Pfingstbewegung im besonderen Kontext der Pfingstkirche „Nzambe-Malamu“, einer Kirche mit Ursprung in der Demokratischen Republik Kongo (offizielle Grün-dung 1967) und mittlerweile transnationalen Verflechtungen (Angola, Deutsch¬land, Finnland, England, USA). Ihm liegt die Habilitationsschrift des Verfassers zugrunde, für die er am 1. 11. 2011 den „Henning Schröer-Förderpreis für verständliche Theologie“ erhielt. 

Das Einführungskapitel (S.19-63) setzt sich im ersten Abschnitt mit dem (neueren) Pfingstlich-Charismatischen Christentum auseinander. Es folgt ein Forschungsüberblick und methodische Fragen mit besonderem Bezug auf die vor-liegende Studie. Anschließend stellt der Verfasser in drei Teilen sein Arbeit dar.

Im ersten Teil (Missionsgeschichtliche Fragestellungen – S.65-200) verfolgt Fischer historische und missionsgeschicht-lich ausgerichtete Fragestellungen. Kernstück bildet nach einer theoretischen Einführung die Biographie des Gründers der Nzambe-Malamu Kirche, Apostel Alexandre Aidini Abala (1927-1997) und seiner Nachfolger bis in unsere Gegenwart.

Im zweiten Teil geht es um die Klärung ekklesiologischer Probleme (S.201-253). In drei Abschnitten widmet Fischer sich der Transnationalität und dem Netzwerk der Nzambe-Malamu, deren Verbindung zur New-Order-of-the-Latter-Rain-Move-ment sowie der Beziehung des Pfingstlers Tommy Lee Osborn zu Nzambe-Malamu.

Der dritte Teil (Performanz, Ritual und Heilung) versucht schließlich eine Beurteilung von Nzambe-Malamu aus ritual-wissenschaftlicher Perspektive zu geben (S.255-307). Dazu präsentiert Fischer einen „theoretischen Beitrag zur Performanz des pfingstkirchlichen Heilungsrituals“ gefolgt von der Fragestellung, wie „die konkrete Handlung des Heilens … ritualwissenschaftlich zu verstehen und zu dekonstruieren sind“ (S. 255). Ein Literatur-, Stichwort- und Namensverzeichnis schließen den Band ab (S. 311-349). 

Die Studie ist aus meiner Sicht in dreifacher Weise bemerkenswert. Erstens, als evangelisch-lutherischer Theologe wagt Fischer sich in eine „Landschaft“ innerhalb des globalen Protestantismus, die von der evangelisch-lutherischen Kirchentradition und Institution in vielfacher Weise „weit entfernt“ ist. Zweitens, Fischers Forschungsansatz schließt als wichtige Dimension die Selbst-aussagen von Nzambe-Malamu ein, weil er dadurch versucht „die jeweiligen Identitätsbestimmungen, durch welche sich Menschen, die mit Nzambe-Malamu verbunden sind, ernst zu nehmen“ (S.47). Das geschieht m. E. selten genug. Mit diesem Ansatz ist er gefordert, nicht nur eine reine Literaturstudie über Nzambe-Malamu zu verfassen, sondern sich selbst als Akteur (Teilnehmende Beobachtung, Interviews) einzubringen. Dies wiederum nötigt ihn drittens eine, wie er sie nennt, „transdisziplinäre Perspektive“ (S.13) einzunehmen.

Ein (nötiger) transdiziplinärer Ansatz heißt für den Forscher jedoch auch, sich auf wissenschaftlich fremdes Terrain zu begeben, in dem er nicht als „Fachforscher“ agieren kann. Damit steht er im-mer im Zugzwang bestimmte „Zulieferungsdienste“ in Anspruch nehmen zu müssen, so z.B. das Konzept des wounded healers im Sinne von C.G. Jungs Archetyps des „Wounded healers“ (der Protagonist ist zugleich Held und Versager), das Fischer auf Aidini Abala als religionspsychologisches Konzept anwendet und das damit „theologisch fruchtbar gemacht werden soll“ (S119). Hier stellt sich allerdings die Frage, wie man mit diesem Konzept in Bezug auf Paulus oder Jesus selbst als „Religionsstifter“ umgehen würde? Ist Jesus „Held“ und „Versager“ oder nicht vielmehr victor quia victima (Sieger, weil Opfer), (Pöhlmann 1980)?

Insgesamt gesehen ist es ein empfehlenswertes Buch. Der Verfasser hat viel Material zusammengetragen und gründlich recherchiert. Es eröffnet nicht nur einen Einblick in die Entstehungsgeschichte einer afrikanischen Kirche im südlichen Afrika, sondern auch deren Verflechtungen mit Gemeinden in Deutschland. Für 49,90€ bekommt man guten Inhalt in einem gebundenen Band.

Dr. Robert Badenberg, em 2013-1.

Flemming, Dean. Contextualization in the New Testament: Patterns for Theo­logy and Mission, Downers Grove: IVP, 2005.

Der Autor des vorliegenden Buchs ist Dozent am European Nazarene College in Deutschland (Büsingen). Er verfügt über interkulturelle Erfahrung, war Pastor in Japan, unterrichtete auf den Philippinen und in den USA. Mit seiner umfangreichen Monographie zum The­ma Kontextualisierung im Neuen Testa­ment verfolgt er zwei große Ziele. Er möchte einerseits herausfinden, wie die neutestamentlichen Autoren „context-sensitive theology“ betrieben (S. 15), andererseits möchte er „patterns“ für die heutige Aufgabe der Anpassung an Kontexte herausarbeiten. Dabei kon­zen­triert er sich insbesondere auf Paulus als interkulturellen Missionar im helle­nistisch-römischen Umfeld (sechs von zehn Kapiteln).

Der Autor beginnt seine Studie mit der Apostelgeschichte, der er die ersten zwei Kapitel seines Buches widmet. Zuerst untersucht er die Apostelgeschichte als kontextuelles Dokument, wendet sich aber anschließend dem Apostelkonzil zu. Im zweiten Kapitel durchleuchtet Flem­ming die drei großen Paulusreden in Antiochien (Apg 13,13-52), Lystra (Apg 14,8-20) und Athen (Apg 17,16-34), wobei letzterer ein besonderes Gewicht beigemessen wird. Es folgen drei aus­führliche Kapitel über die Paulusbriefe im Allgemeinen, über Paulus Stellung zur Kultur und über seine Hermeneutik. Hieran schließen sich zwei Kapitel mit Fall­beispielen anhand des ersten Korinther- und des Kolos­serbriefes an, in denen Flemming das Problem des Göt­zenopferfleisches (1Kor 8-10), die Auf­er­stehung (1Kor 15) und die Situation der Kolosser in ihrer multireligiösen Umgebung, behandelt.

Darauf folgt ein knappes Kapitel über die Evangelien. Er bestimmt das Genre Evangelium und präsentiert den speziellen Kontext für den der jeweilige Evangelist schrieb. Daraus leitet er ab, dass Christen auch in heutiger Zeit lernen müssen, dass Evangelium in „different keys“ (S. 265) zu „singen“. Als letztes Buch behandelt er die Offenbarung. Das Buch schließt mit einem Kapitel über die heutige, praktische Anwendung der erarbeiteten Erkenntnisse und Methoden. Flemming kommt zu dem Schluss, dass das Evangelium eine Erzählung ist, die aus verschiedenen Perspektiven wiedergege­ben werden kann, wie es bereits das Neue Testament selbst erkennen lässt. Trotz der Gefahren, die in der Kontextualisierung liegen, hält er sie für unverzichtbar, denn „all theology is contextual theology“ (S. 298). Und trotz der verschiedenen Perspektiven kommt Flemming zum Ergebnis, dass das neutestamentlich bezeugte Evangelium eine kohärente Botschaft ist.

Flemming bietet eine fundierte biblische Grundlagenstudie zu dem heiß um­kämpf­ten Thema Kontextualiserung. Dass in einer solch umfangreichen Studie das ein oder andere Detail dis­kussionsbedürftig ist, ist nicht ver­wunderlich. Gerade beim Thema Syn­kretismus und der praktisch-metho­di­schen Anwendung der Kontex­tua­li­sierung bleibt Flemming etwas un­präzise. Betrachtet man die Offen­barung stellt sich speziell die Frage, ob Johannes diese Ereignisse nicht doch tatsächlich sah, obwohl er, wie Flem­ming richtig erkennt, antike Mythen­erzählungen ver­arbeitet. Insgesamt ist er sehr stark auf Paulus konzentriert. In den Evangelien gäbe es sicherlich noch viele zu hebende Schätze. Besonders schwer­wiegend ist allerdings, dass die all­gemeinen Briefe, die ja eine breite Zielgruppe hatten, nicht behandelt wer­den. Bei all diesen Aus­lassungen ist Flemming jedoch zu Gute zu halten, dass er sich an diese um­fangreiche Arbeit gewagt hat – zeitliche und platz­technische Grenzen sind da zu erwarten. Mit seinem Buch hat Flem­ming ein herausragendes Beispiel für eine Untersuchung geschaffen, die wissen­schaftliche Theorie und ge­meindliche Praxis vereint. Nicht umsonst wurde sein Werk im Jahr 2005 vom International Bulletin of Missionary Research (IMBR) zu den fünfzehn hervorragenden Mis­sions­studien gezählt und im Jahr 2006 von Christianity Today zum wichtigsten Buch in der Sparte Mission/Global Affairs gekürt.

Es ist eine wertvolle Ressource für kultur­orientiertes, bib­lisches Arbeiten – sei es kulturüber­greifend oder im west­lichen post­mo­dernen Umfeld. Dieses Werk ist zweifellos ein „Must-Have“ für jeden, der sich für Kontextualisierung inte­ressiert!

Bart P. Thompson, em 2009-1.

Flury-Schölch, André. Abrahams Se­gen und die Völker. Synchrone und dia­chro­ne Untersuchung zu Gen 12,1-3 un­ter besonderer Berücksichtigung der intertextuellen Beziehungen zu Gen 18; 22; 26; 28; Sir 44; Jer 4 und Ps 72 (Forschungen zur Bibel 115), Würz­burg: Echter Verlag, 2007.

Mit Vehemenz und zahlreicher Gefolg­schaft vertritt der Tübinger Alttesta­mentler Erhard Blum das Urteil, nach welchem „es einen ‚Segen für andere’ in den Verheißungen der Genesis nicht gibt“ (Komposition der Vätergeschichte, WMANT 57, Neukirchen-Vluyn: Neu­kir­chener, 1984, S. 352). Er übersetzt Genesis 12,3b nicht passiv („und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“), sondern reflexiv („durch dich werden sich (gegenseitig) Segen wün­schen“) – ein Segen als frommer oder verzweifelter vergeblicher Wunsch der Völker, nicht jedoch als effektives Handeln Gottes durch Abraham. Den Oxforder Theologen Keith N. Grüne­berg führte jüngst seine um­fang­reiche syn­chrone Untersuchung Abra­ham, Blessi­ng and the Nations. A Philological and Exegetical Study of Genesis 12:3 in its Narrative Conext, BZAW 332, Berlin: De Gruyter, 2003 zu genau dem ent­gegengesetzten Urteil: Das Nifal von brk „segnen“ in Gen 12,3; 18,18; 28,14 ist passiv zu übersetzen (das Hitpael in Gen 22,18; 26,4 hingegen reflexiv). Unab­hän­gig von ihm und unter Verwendung dia­chroner Methoden kommt André Flury-Schölch in seiner Dissertation an der Ka­tho­lisch-Theo­lo­gischen Fakultät der Uni­versität Luzern bei Ivo Meyer zu exakt demselben Er­gebnis: „Es handelt sich da­bei [nur bei dem Nifal] um ein theo­lo­gischen Selbst­anspruch Israels, ein Se­gen für andere Nationen zu sein, ohne dass diesen Na­tionen irgendwelche Be­din­gungen ge­stellt würden“ (S. 326). Somit gibt es nun zwei aktuelle, groß an­ge­legte Mono­graphien, welche das Urteil Blums als äußerst fragwürdig erscheinen lassen.

Flury-Schölch möchte in seiner Unter­su­chung vor allem eine Motivgeschichte kon­struieren, welche die traditions­ge­schicht­liche Entwicklung von Gen 12,3b und Parallelstellen nachzeichnen soll (S. 233). Demnach sei der Gedanke des Se­gnens der Völker ein Importprodukt as­syrischer Ideologie, welches auf den Krö­nungshymnus Assurbanipals SAA III, 11 (669 v.Chr.) zurückgehe: (1) Auf den jungen König Josia (639-09) bezo­gen sei der erste Beleg in Ps 72,17, worin sich die unterworfenen Nationen wünschen, so gesegnet zu sein, wie der is­raelitische König. (2) Die wohl noch spätvorexilische Verheißung Gen 22,8 (vgl. 26,4) übertrage diesen Herrschafts­segen auf das Volk. Dieser Passus diene der nachträglichen Legitimation des Ge­bots in Dtn 13, seinen Sohn eigen­händig zu töten, ein Gedanke, der Flury-Schölch sichtlich Probleme bereitet (vgl. S. 158-67 und 332). (3) Eine inhaltliche Modi­fi­ka­tion erhalte der Satz mit Jer 4,2 (eben­so in der Zeit Josias, vgl. Jer 3,6), hier gründet der Segenswunsch der Völ­ker nicht in der Herrschaft, sondern der Um­kehr Israels zu Jhwh. (4) Kritik und ent­scheidende Transformation findet in den spät­nachexilischen Texten Gen 12,3; 18,18; 28,14 statt, die den Ruf Israels zur Herrschaft ablehnen, und stattdessen eine Be­rufung zur aktiven Vermittlung des Segens aufrufen.

Auch wenn sich Flury-Schölch gegen das Vierquellenmodell, insbesondere „E“ und „J“, gegen Gerhard von Rads nega­tive Sicht der Urgeschichte, gegen Julius Well­hausens Sicht der Väterreligion als Rückprojektion aus der Königszeit und gegen Albrecht Alts Unterscheidung zwi­schen sesshaftem und nomadischem Re­ligionstyp wendet, entscheidet er sich ebenso weiterhin gegen das Selbst­zeug­nis der Texte (S. 1f und 233f). Dabei stellt seine Motivgeschichte das, was von dem einstigen historisch-kritischen For­schungskonsens geblieben ist, ein wei­teres Mal auf den Kopf (Gen 12 war bis­her immer noch Ausgangspunkt, wenn auch oft spät datiert) und bezeugt damit ein­drucksvoll den spekulativen und flüch­tigen Charakter der alten dia­chro­nen Methodik. Dem gegenüber stellt die ka­nonisch vor­gezeichnete Motivge­schich­te eine solide Alternative dar: Das Reden Gottes in Gen 12,3b zu Abraham (um 2092 v.Chr.) und dessen sorgfältige Verschriftlichung ist Ausgangspunkt und Bezugspunkt viel­fältigster alt­tes­ta­ment­li­cher Tra­di­tio­nen. Sehr schön deutet Flury-Schölch in Gen 12,2 das „große Volk“ als Mose­pro­lepse und den „großen Namen“ als Da­vid­prolepse (S. 69-77). Er verzichtet je­doch auf eine strukturelle Ana­lyse der To­ledot Terach (Gen 11,27-25,11), wel­che Gen 12 und 22 als rah­mende Ele­mente einer Lebensgeschichte literarisch und historisch in direkten Bezug zueinander bringt. Flury-Schölch scheint ferner den Wert von Septuaginta, Tar­gu­mim, Sir 44,21 (in Bezug auf die Hitpael-Stellen!), Gal 3,8 und Apg 3,25 zu unterschätzen, welche als früheste Aus­legungen der Texte Nifal und Hit­pael, also sämtliche Belege in Genesis unisono passiv deuten (S. 95f, 129 und 180‑5). Ps 72 (laut Überschrift in der Zeit Salomos, 971-31) und Jer 4,2 führen das Motiv des Völkersegens schließlich in die entstehende messianische Erwar­tung hinein und bieten dort mit pole­mi­scher Spitze den babylonischen und as­sy­rischen Hegemonialansprüchen ein selbst- bzw. Gottes-bewusstes Paroli.

Trotz der genannten Bedenken kann das Werk vor allem im Detail überzeugen. Flury-Schölch arbeitet sich in detail­lier­ter Fleißarbeit durch die einzelnen Ar­gu­mente der Forschungs­diskussion und ver­sucht sie ehrlich zu gewichten. Seine Versauslegung (S. 45-125) erweist sich als einer der tief­schürfendsten mo­der­nen Kommen­tare zu Gen 12,1-3. Gut be­grün­det ist seine deutliche Verab­schie­dung der verlocken­den rezeptiven „Ver­le­gen­heits­lösung“ für das Nifal („für sich Se­gen finden“, ähnlich dem griechischen Me­dium, S. 113f). Seine kritische Aus­ein­ander­setzung mit den Argumenten von Oswald T. Allis, „The Blessing of Abraham“, PTR 25 (1927): 263-98 war längst fällig, da diese über Walter C. Kaisers alttestamentliche Theologie und Victor P. Hamiltons Genesis-Kommentar bis heute kaum geprüft in zahlreiche Pub­likationen übernommen wird (S. 99-107). So wird man der Arbeit kleinere Lücken in der Sichtung relevanter Lite­ra­tur (etwa Wilfried Warning, „Ter­mi­no­logische Verknüpfungen und Genesis 12,1-3“, Biblica 81 (2000): 386-90) und Korrigenda (etwa S. 100, Anm. 2: „432“ statt „###“, S. 237: „ect.“, S. 271: zweimal „1.)“) leicht verzeihen.

Dr. Siegbert Riecker, em 2010-1.

Foster, Paul. Community, Law and Mission in Matthew’s Gospel. WUNT II, 177, Tübingen: Mohr Siebeck, 2004.

Die vorliegende Studie widmet sich der sozialen Verortung der sog. matthäischen Gemeinde, der Rolle, die das Gesetz in dieser Gemeinschaft spiel­te und deren Haltung zur Heidenmission. Der Kon­sens in der Matthäusforschung geht dahin, hinter dieser Gemeinschaft eine innerjüdische, sich ab­sondernde Gruppe zu sehen, die Jesus von Naza­reth für den Messias Gottes hielt. Daher haben ihre Anhänger jeglichen Kontakt mit Heiden vermieden und ihre abgesonderte Existenz bewahrt. Die Hei­den spielten allenfalls in der Zukunftserwartung eine Rolle (77f). Gegen dieses Bild, das auf einer Reihe von fragwürdigen historisch-kritischen Prämissen beruht und wichtige Aussagen des MtEv übersieht oder aber weg erklären muss, will Forster zurecht zeigen, „that at the time of compo-siton of the gospel the group had been decisively rejected by other parties in formative Judaism, and that the gospel was both a supersessionary docu­ment claiming many of the prerogatives of Judaism as its own, but also a pedagogical document en­couraging and instructing the community with dominical authority, to continue and enlarge upon an outwardly focused Gentile mission“ (1). Spe­ziell für die Mission will Forster zeigen, wie sich die Aussagen in Mt 10.5b-6 („Geht nicht auf den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter …“) und andere Aussagen zur Mission zueinander verhalten: „Any treatment must deal with both the negative outlook in chapter 10 as well as integrating the larger corpus of texts that call for the inclusion of Gentiles within the Matthean communities“ (20). Zuerst gibt F. in „The Social Location of the Matthean Community“ einen Forschungsüberblick über die Matthäusforschung seit 1945 (22-79). Nach einem knappen Kapitel über den Qumrantext 4QMMT und die halachischen Debatten (80-93), untersucht F. die Antithesen der Bergpredigt (Mt 5,21-48, 94-143). Dem folgt eine ausführliche Un­tersuchung von Mt 5,17-20 (144-217). Im sechsten Kapitel untersucht F. die Mission im MtEv (218­-52). F. will dabei die einschlägigen Texte berück­sichtigen, aber auch deren Bedeutung in der Ge­samtstruktur der Erzählung. Er beginnt mit den beiden „restriktiven“ Texten Mt 10,5-23 und 15,21-28 (220-30). Alle weiteren Texte stehen der Eingliederung von Heiden in die Gemeinschan positiv gegenüber: 21,43; 24,14; 26,13 und 28,16-­20. Abschließend begründet F. überzeugend, dass die Restriktion in 10,5-23 nicht mehr in späterer Zeit gegolten hat. Für die Interpretation von Mt 28,16-20 sieht F. einen Gegensatz zu den in 28,15 erwähnten Juden, die die Auferstehung Jesu ge­leugnet haben. Speziell aufgrund dieser Enttäu­schung sollen die Junger sich an die Heiden wen­den. Dieser Bezug ist fraglich, da mit 28,15 die Auferstechungsberichte abgeschlossen werden und mit 28,16 ein narrativer Orts- und Szenenwechsel erfolgt. F. zeigt ferner, dass die Heidenmission keine leichte Aufgabe sein wird (24,9-14) und schließt: „The picture that emerges from the rele­vant texts in the gospel in relation to mission is that of unqualified support by the evangelist for proselytising activity among the Gentiles to be undertaken by the community in its contemporary situation. … Hence the gospel he wrote was seen, to a certain degree by the evangelist himself, as a celebration of Gentile participation in the Kingdom of heaven“ (252). Und weiter: “… the incorporation of Gentiles into the group is not only the way for­ward but to fail in this task is to fail to take up the direct challenge of the risen Jesus“ (260). Trotz einiger problematischer Grundannahmen (z. B. im MtEv geht es weniger um Leben und Lehre des irdischen Jesus als um die Anliegen und Stim­me seiner Nachfolger in der zweiten und dritten Generation) gibt das Kapitel über die Mission ei­nen guten Überblick über sämtliche missionsrele­vanten Stellen und zeigt, wie die restriktiven und universalisitischen Aussagen zusammengesehen werden können. (Zum Missionsbefehl vgl. ferner P. Stuhlmacher, „Zur missionsgeschichtlichen Bedeutung von Mt 28,16-20“, EvTh 59,1999,108-­29 und in id., Biblische Theologie und Evangeli­um: Gesammelte Aufsätze, WUNT 146, Tübingen: Mohr Siebeck, 2002).

Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-3.

Foyle, Marjory F. Gestreßt, verletzt und ausgebrannt. Risiken und Nebenwirkungen des vollzeitlichen Dienstes. Basel und Gießen: Brunnen Verlag, 1995.

Marjory F. Foyle, von Beruf Fachärztin für Psychiatrie, schrieb dieses Buch vor dem Hin­tergrund einer über dreißigjährigen Erfahrung in der medizinischen Missionsarbeit auf dem indischen Subkontinent. Das englische Origi­nal, 1987 unter dem Titel „Hounorably Woun­ded“ erschienen, liegt in der Übersetzung von Barbara Trebing nun auch einer deutschspra­chigen Leserschaft vor.

Die Autorin beschreibt Formen und Auswir­kungen von Streß in ver­schiedenen Bereichen und Phasen des missio­narischen Dienstes in ei­nem anderen kulturel­len Umfeld. Dem Leben als Single, Missionar­sehen, Kindern, Heran­wachsenden, der Aus­wahl von Mitarbeitern, dem Kulturschock, zwischenmenschlichen Be­ziehungen, der Rückkehr in die eigene Heimat und den Kraft­quellen für Missionare sind je­weils eigene Ka­pitel gewidmet. Allgemeinver­ständlich führt sie in psychologisches Grund­wissen ein und macht es dann für den Spezial­fall und die be­sonderen Bedingungen des Le­bens und Arbei­tens von Missionaren fruchtbar. Zu den beson­deren Bedingungen gehören dabei z. B. das Le­ben in einer anderen Kultur, rela­tive Isolation bzw. das enge Zusammenleben mit anderen Menschen. Psychologische Ein­sichten und geistliche Perspektiven verbindet sie im­mer wieder in gekonnter Weise. Die Stärke des Buches liegt im engen Bezug zur Praxis und den vielen Hilfen und Lösungs­mög­lich­keiten, die aufgezeigt werden. „Es ist so wich­tig, daß man über sich selbst la­chen kann (192)“, schreibt sie z. B. im Kapitel zu „Re-entry“-Streß. Eine Empfehlung, die si­cher auch für alle anderen Bereiche ihre Be­rechtigung hat.

Foyle richtet sich damit an alle in der Mis­sion Tätigen, aber auch an Men­schen, die noch fragen, ob hier ihre Aufgaben liegen werden. Allen für die Auswahl von Missions­personal Verantwortlichen sei vor al­lem das Kapitel „Das Auswahlverfahren“ empfohlen. Denn eine geeignete Auswahl ver­meidet bei allen Beteiligten später unnötigen Streß.

Philipp Hauenstein, em 1996-3.

Francke, August Hermann. Segensvolle Fus­stapfen. Geschichte der Entstehung der Halleschen Anstalten von August Hermann Francke selbst erzählt. Gießen: Brunnen Verlag, 1994.

August Hermann Franke (1663-1727), einer der Väter des deut­schen Pietismus, war seiner Zeit weit voraus. Seine bahnbre­chenden Lei­stungen im sozial-karitativen Bereich förderten den Aufbau des vom 30-jähri­gen Krieg zer­mürbten und zer­störten Deutschland. Es ist das Verdienst des Herausgebers Mi­chael Weltes, diese zu ihrer Zeit weit verbreitete Schrift Franckes ein in unserer Zeit eher in Verges­senheit geratenes Werk, einem größeren Leser­kreis wieder zu­gänglich zu machen.

Das Buch erscheint 300 Jahre nach den be­scheidenen Anfän­gen einer kleinen Ar­menschule im Pfarrhaus Franckes vor den To­ren der Stadt Halle a. d. Saale.

Francke selber griff fleißig zur Feder, um Entstehung und Werdegang seines Lebenswer­kes zu dokumentieren. In nur 15 Jahren ent­standen neben her­vorragenden Erziehungs- und Bildungseinrichtungen zahlrei­che gewerbliche Betriebe, die vielen Menschen in Landwirt­schaft, Apotheke, Buchdrucke­rei und Buchhand­lung Beschäfti­gung und damit Brot geben. Die Halleschen Anstalten können mit Recht als ei­nes der ersten Glaubenswerke be­zeichnet wer­den. Aus nah und fern trafen kleine und große Gaben zum Unterhalt des Werkes ein.

Franckes „Fußtapfen“ mit ih­ren sieben Fort­setzungen er­schienen in den Jahren 1694-1709 und lesen sich wie ein Re­chenschaftsbericht. Das sich schnell ausbrei­tende Werk mußte sich schon früh gegen Ver­leumdungen schlimmster Art zur Wehr set­zen.

Francke nimmt durch seine demütige und offene Art der Darstellung den meisten Kriti­kern den Wind gründlich aus den Segeln. Seine Ausführun­gen wirken wie eine außeror­dentlich effiziente Werbeschrift, die unge­wöhnlich weite Ver­breitung fand.

Die „Fußtapfen“ zeugen auch davon, das Francke Initiator und Förderer der ersten prote­stantischen Missionsbemühun­gen von deut­schem Boden aus war. 1705 reisten zwei seiner Schüler auf Veranlassung des dänischen Kö­nigs nach Tranqe­bar/Ostindien aus. 1707 veröf­fentlichte Francke die ersten Briefes Zie­genbalgs in der Halli­schen Korrespondenz. Auf diese Weise wird der Missisonsauftrag in den weiten Kreisen des halli­schen Pietismus wir­kungsvoll eingeführt. Francke ist somit auch Herausgeber des Ersten Deutschen Missions­blattes. Diese großherzige Geste Franc­kes bleibt nicht ohne Wirkung: 1. Erkennen viele evangelische Christen die dringende Notwen­digkeit der Heidenmission. 2. Wird eine große Schar von Be­tern für die Mission gewonnen. 3. Gehen zahlreiche Spenden zugunsten der Mis­sionare ein. 4. Wurden zu Lebzeiten der Dä­nisch-Hallischen Mission ca. 60 Missionare allein aus Halle aus­gesandt.

Fazit: Auch wenn sich die Ausführungen Franckes auf­grund des im „Lutherdeutsch“ ver­faßten Stils zeitweise etwas holprig lesen las­sen, sind die „Fußtapfen“ außerordentlich le­senswert. Ich wünsche dem Buch in unserer Zeit eine so weite Verbreitung wie zur Zeit Franckes.

Hartmut Burghoff, em 1996-3.

Franz, Andreas. Mission ohne Grenzen. Hudson Taylor und die deutschsprachigen Glaubensmissionen. Brunnen (TVG): Gießen/ Basel, 1993.

Dieses Buch geht auf eine Dissertation zurück, die 1991 von der Evangelischen Theologischen Fakultät in Heverlee/Belgien unter dem Titel: Hudson Taylor und die deutschsprachigen Glaubensmissionen angenommen wurde.

Der Haupttitel scheint mit dem jetzigen Untertitel im Widerspruch zu stehen: Mission ohne Grenzen, aber begrenzt auf eine Person und einen geographischen Raum (China). Doch soll von vornherein klargestellt sein: auch wenn für den Rahmen einer solchen Disserta­tion zeitliche (1889-1905, Todesjahr Taylors) und räumliche Einschränkungen (deutschspra­chiges Ausgangsgebiet) vorgenommen werden mußten, bleibt doch das grenzüberschreitende Missionsverständnis der Glaubensmissionen sichtbar. Damit ist im Haupt- und Untertitel eine ihrer Besonderheiten bereits anvisiert. Verglichen mit den damals etablierten klassi­schen Missionen überwanden - auch die deutschsprachigen - Glaubensmissionen kon­fessionelle, soziale, kulturelle und zumindest teilweise auch nationale Grenzen, wobei sich ihre Zielgebiete ständig erweiterten.

Der englische Arzt Hudson Taylor (1832-1905), ein Mann des Glaubens und des Gebe­tes, war einzig von dem Gedanken beseelt, das Evangelium von Jesus Christus bis in die ent­ferntesten Winkel Chinas zu tragen. Mit 23 Jahren reiste er in das „Reich der Mitte“. Hier unternahm er ausgedehnte Reisen in das Innere des Landes und übernahm die Leitung eines kleinen Hospitals in Ningpo. In der Missionarin Maria Dyers, mit der er sich 1858 vermählte und mit der er eine überaus glückliche Ehe führte, fand er eine Lebensgefährtin, die bis zu ihrem Tode (1870) seine geistliche Vision teil­te. Im Juli 1860 mußten die Taylors aus ge­sundheitlichen Gründen nach England zurück­kehren. Er schloß sein medizinisches Studium


mit der Promotion ab und übersetzte mit einem chinesischen Gehilfen das Neue Testament in den Ningpo-Dialekt. Um die Missionsarbeit unter den Chinesen verstärkt fortsetzen zu kön­nen, gründete Taylor Ende Juni 1865 die China-Inland-Mission. In seinem im selben Jahr veröffentlichten Buch „Chinas geistliche Not und Anspruch“ appellierte er an die Verantwortung eines jeden Christen für die Missionierung Chinas. Die Leitung der Mission war nicht, wie üblich, im Heimatland, sondern auf dem Missionsfeld. Er selbst, ständig von Krankheiten geplagt, befand sich in pausenlo­sem Einsatz. Allein elfmal legte er die Monate dauernde Seereise zwischen England und China zurück und versuchte auch auf dem europäischen Kontinent, in Amerika und Australien, Helfer und Beter zu gewinnen. Weltweit entstanden Bewegungen und Organisationen für die CIM, so auch im deutschsprachigen Raum, wo sie sich heute zumeist als evangelikale Missionen verstehen.

Bei den Glaubensmissionen handelt es sich gegenüber den bereits existierenden mehr oder minder kirchlich geprägten klassischen Mis­sionen um neuartige Missionen. Dieses Neuar­tige und für sie Charakteristische betrifft drei Bereiche: Missionsmotive, Missionsmethoden und Missionsprinzipien, die Franz in seinem ersten Kapitel über „Taylors Grundsätze“ dar­legt. Taylors Missionsmotive liegen begründet im Mitleid mit den vielen Menschen, die ohne Christus ewig verloren sind sowie im eschato-logischen Motiv, nach dem die Wiederkunft Christi durch die Mission beschleunigt wird. Daraus folgen die Missionsmethoden, die pri­mär nicht von der Gründung von Missionssta­tionen, sondern von der Reisetätigkeit geprägt sind. Die Missionsprinzipien betreffen vor allem das Glaubensprinzip, nach dem die Mis­sionare (und Missionarinnen) ihre materielle Versorgung von Gott und nicht von Menschen zu erbitten und zu erwarten haben, mithin nicht über ein festes Einkommen verfugen; ein indi­viduelles Berufungserlebnis; die Rekrutierung von Mitarbeiter/innen aus allen protestanti­schen Kirchen; die Stellung der Missionarsfrau als dem Mann gleichgestellte Missionarin; den Einsatz lediger Missionarinnen auch im Pio nierdienst; eine bestimmte neutrale Stellung zur staatlichen Obrigkeit.

Das nächste Kapitel behandelt Taylors Ein­fluß auf den deutschsprachigen Raum. Dieser Einfluß entstand durch Berichterstattung über Taylor, durch verschiedene Reisen deutsch­sprachiger, glaubenserweckter Personen nach China und vor allem durch mehrere ausge­dehnte Vortragsreisen Taylors in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die folgenden Kapitel stellen ausführlich die Gründung, die Besonderheiten und die Arbeit jener deutschsprachigen Glaubensmissionen dar, die direkt oder indirekt auf Taylor zurück­zuführen sind, nämlich die Deutsche China Allianz-Mission, der China-Zweig der Pilger­mission St. Chrischona, die Kieler Mission, die Liebenzeller Mission, ferner als mit der CIM assoziierte Missionen nach 1906 die Friedens­hort-Mission, der Deutsche-Frauenmissions­bund, die MBK-Mission und die Yünnanmission. Über diese spezielle Missionshistorie hinaus erfährt man manche interessante Ein­zelheit und Eigenart bezüglich des Frömmig­keitsverständnisses, des geistlichen Lebens und des missionarischen Wirkens derer, die maß­geblich in diesen Werken tätig waren, nicht zuletzt im Blick auf Hudson Taylor selbst.

Im abschließenden Kapitel behandelt Franz die deutschsprachigen Glaubensmissionen im Spannungsfeld nationaler und internationaler Beziehungen. Spannungen und Probleme zwi­schen den deutschsprachigen und den übrigen, vorwiegend angelsächsischen Glaubensmissio­nen, lagen in der Tatsache begründet, daß von den drei die Glaubensmissionen tragenden Bewegungen, nämlich der Heiligungsbewe­gung, der Prophetischen Bewegung und der Brüderbewegung, im deutschsprachigen Raum die Heiligungsbewegung dominierte und ihre prägende Kraft entfaltete. Erhalten blieb das Verständnis von Bekehrung und Wiedergeburt und ein ungebrochenes Verständnis der Heili­gen Schrift als inspiriertem Gotteswort.

Bibliographie, Index und englische Zusam­menfassung beschließen dieses gelungene Buch, das gut informiert, sich spannend liest und eine Lücke füllt in der wissenschaftlichen Würdigung der evangelikalen Missionen im
deutschsprachigen Raum, die mittlerweile den größten Anteil der protestantischen Missionare ausmachen.

Heinrich Brandt, em 1995-1.

Fugmann, Wilhelm (Hrsg.). Christian Key­ßer, Bürger zweier Welten. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler Verlag, Edition C (153), 1985.

Nach einer kurzen Einleitung läßt W. Fug­mann den Missionar Christian Keyßer aus seinen hinterlassenen Schriften zu Wort kommen: Anfang und Auswirkung der Mis
sionsarbeit in einem Gebiet Papua Neugui­neas, Lehre und Methodik in Gemeinde­arbeit und Mission. Dabei ist der Ansatz Keyßers bedeutsam: Er wendet sich einer­seits gegen die Übernahme von Schablonen in der Missionsarbeit sowie starrer Formen lutherischer (bzw. europäischer) Kirchlich­keit, obwohl selbst lutherischer Herkunft; anderseits tritt er stark für das genaue Kennenlernen von Kultur und Brauchtum ein, worüber er selbst einige Arbeiten ver­faßt hat. Das Buch bietet vielfältige Bei­spiele für die Verwirklichung des Prinzips der „Selbständigkeit“ der Gemeinde in Amtsbefugnissen, Verwaltung, Gemeinde­ordnung und Mission, wobei eine genauere Quellenangabe hilfreich gewesen wäre. Das von Fugmann hiermit wenigstens teilweise zugänglich gemachte Werk Keyßers ist eine Widerlegung der These, daß Mission die Identität der Völker zerstöre.

Jürgen Kuberski, em 1986-2.

Fuller, W. Harold. People of the Mandate: The Story of the World Evangelical Fellow­ship. Paternoster: Carlisle, UK, 1996.

Das Buch des Kanadiers W. H. Fuller erschien zum 150. Jubiläum (1846-1996) der in über 100 Ländern vertretenen Weltweiten Evangeli­schen Allianz (World Evangelical Fellowship - WEF). Es bildet eine interessante Ergänzung und Fortführung der zehn Jahre zuvor erschie­nen Geschichte des WEF mit dem Titel „A Dream that would not die“, von David M. Ho­ward. Während Howard die Geschichte dieser ältesten ökumenischen und evangelikalen Be­wegung bis 1986 schrieb, vermittelt Fuller dem Leser Geschichten und Persönlichkeiten (vor allem aus der Zwei-Drittel-Welt), die diese Ge­schichte bis 1996 belebten. In vierzehn Kapi­teln berichtet er u. a. von der Enstehung der Evangelical Alliance in London 1846, von der spannenden Neu-Gründung als WEF 1951 in Woudschoten, Holland und von der Rolle der nationalen Allianzen, die in vielen Ländern an der Front neuer Entwicklungen und missionari­schen Wachstums stehen. Asien, Afrika und Lateinamerika befinden sich im Zentrum evan­gelikaler Wirklichkeit heute. Ein Kapitel ist der missiologisch bedeutsamen Missions-Kommis­sion der WEF gewidmet. Religiöse Freiheit, sowie Frauen und Jugend sind weitere themati­sche Schwerpunkte. Erwähnenswert sind die zehn Anhänge, die interessante Dokumente bieten, z.B. einen Brief der japanischen Allianz mit der Bitte um Verzeihung für die von ihrer Nation ausgegangenen Aggressionen in der asiatischen Geschichte, die Glaubengrundlage der WEF, die Singapur-Missionserklärung der WEF u. a. m. Hilfreich sind Index und Litera­tur-Verzeichnis zu theologischen und ge­schichtlichen Aspekten der evangelikalen Be­wegung.

Friedemann Walldorf, em 1999-3.

Gabriel, Carlo. Die Josefsgeschichte in Bibel und Koran, Unterschiede, Widersprüche, Maß­stäbe. Uhldingen: Stephanus Edition, 1996.

Nicht nur ein Vergleich der Josefsgeschichte in Bibel und Koran ist das Thema dieses Buches: Carlo Gabriel möchte darüberhinaus allge­meine Beurteilungskriterien für den Islam und den Koran liefern. Die Frage, ob Christen und Muslime an den gleichen Gott glauben, beant­wortet Gabriel mit einem klaren Nein. Bemer­kenswert ist auch die Folgerung, daß aus einer „Theologie der Werkgerechtigkeit“ zwangsläu­fig „Glaubensunsicherheit“ und fehlende Heilsgewißheit folgen muß, wie es im Islam ja tatsächlich auch der Fall ist. Durch die Gegen­überstellung der biblischen und koranischen Josefserzählung wird die Verkürzung und in­haltliche Verflachung des koranischen Be­richtes sehr gut deutlich. – Bei einer Neuauf­lage sollte unbedingt der archaische und für Muslime herabsetzende Begriff „Mohammedaner“ (z.B. S. 135, 140) gegen die korrekte Bezeichnung „Muslim“ ausgetauscht werden.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-3.

Garrison, D.V. Church Planting Move­ments: how God is redeeming a lost world. Midlothian, VA/USA: WIG Take Resources, 2004. [Deutsch: D. V. Garri­son, Gemeindegründungsbewegungen: Wie Gott eine verlorene Welt rettet. Bonn: Verlag für Kultur und Wis­senschaft, 2007.]

Obwohl die Erstveröffentlichung gerade einmal sieben Jahre zurückliegt, hat das vorliegende Werk bereits eine er­staun­li­che Wirkungsgeschichte entfaltet. In­zwi­schen gibt es kaum eine evangelikale Mis­sionskonferenz oder Strategie­pla­nung unter Missionaren, wo nicht das von David Garrison geprägte Stichwort „Ge­meindegründungsbewegung“, re­spek­tive das englische Kürzel „CPM“ fällt. Die Einsichten dieses Werkes sind in der weltweiten Missionsarbeit schnell zentral geworden. Der Autor war selbst viele Jahre lang Missionar des Inter­na­tion­al Mission Board (IMB) der South­ern Baptists (USA), gegenwärtig ist er der Regionalleiter für Süd-Asien. Garri­son führt einen Ph.D. der Universität von Chicago.

Garrisons Buch kommt aus der Praxis. Der Leser spürt dem Autor sein Ringen ab, eine verlorene Welt für das Evan­ge­lium zu gewinnen. Es ist zugleich für die Praxis geschrieben. Garrisons Absicht ist nicht in erster Linie, einen akademischen Beitrag zu liefern, wiewohl seine Ein­sichten akademischer Forschung ent­springen. „How would he [God] have us participate?“ ist die dringliche Frage, die er schon im Vorwort (S. 11) aufwirft. Er vergleicht seine Forschungsarbeit mit Reverse Engineering, der Tätigkeit eines Ingenieurs, der Produkte der Konkurrenz in ihre Einzelteile zerlegt, um sie dann nachbauen zu können (S. 11). Garrison möchte den Methoden Gottes auf die Spur kommen (S. 28). Die For­schungs­arbeit, die dem Werk zugrunde liegt, hat ihren Anfang im Jahr 1994. Seitdem be­obachten er und sein Team „mehr als 30 Orte“ rund um den Erdball (S. 19). Gar­ri­son geht so vor, dass er Be­we­gun­gen analysiert, die seiner Definition einer Ge­meindegründungsbewegung ent­spre­chen. Der Ansatzpunkt seiner Forschung ist also in einer funktionalen Theorie be­gründet. Der Untertitel deutet den theo­logischen Ansatz des Werkes an: „Wie Gott eine verlorene Welt rettet“. Der er­ste Schritt der Untersuchung ist de­skrip­tiver Natur. Garrison beschreibt, was in diesen Bewegungen geschieht, er un­ter­sucht sie empirisch. In dem zweiten Schritt werden deduktiv sämtliche Phä­no­mene analysiert und wiederkehrende Elemente in den ver­schiedenen Bewe­gungen eruiert. Diese Elemente unter­sucht der Autor dann in einem dritten Schritt auf ihre biblische Basis hin und stellt die Frage: Finden sie sich im Dienst von Jesus Christus und der Ur-Gemeinde? Die vorläufigen Forschungs­ergebnisse, die empirisch und deduktiv gewonnen wurden, werden anhand der nor­mativen Theorien des biblischen Zeug­nisses verifiziert. Der vierte Schritt mündet in die Frage nach der praktischen Anwendbarkeit und Um­set­zung der ge­fun­denen theoretischen Ein­sichten. Gar­ri­son kleidet diese Frage in ein Gebet: „Finally we will submit all that we’ve learned to the lordship of Christ asking: ‘In light of what you’ve shown us, O Lord, what should we now do?’

Es wird deutlich, dass der Forschungs­ansatz ein geistliches Element hat, das sich der Objektivierung wissenschaft­licher Untersuchung entzieht. Zum einen bringt Garrison die Prämisse in seine Forschung, dass Gebet eine Methode der Erforschung von Gemeindegründungs­be­wegungen ist. Zum anderen ist seine Denkvoraussetzung, dass es nur in einer Beziehung zu Christus – „under his lordship“ – möglich ist, die Implika­tio­nen der Daten angemessen auszuwerten. Dies führt zu einem stark durchscheinen­den Absolutheitsanspruch.

Kapitel 2 liefert eine Definition von Gemeindegründungsbewegung. Garrison definiert sie als „a rapid multiplication of indigenous churches planting churches that sweeps through a people group or population segment.“ (S. 21) In den Ka­piteln 3 bis 10 liefert er eine Vielzahl von spannenden Beschreibungen von tat­sächlichen Gemeindegründungs­bewe­gun­gen. Kapitel 11 enthält das Kernstück des Werks, es nennt die Elemente, die in jeder (untersuchten) Gemeinde­grün­dungs­bewegung vorhanden sind. Der Zentralität ihrer Bedeutung wegen sollen sie hier genannt werden: (1) Extra­ordinary Prayer, (2) Abundant Evan­gelism, (3) Intentional Planting of Re­producing Churches, (4) The Auth­ori­ty of God‘s Word, (5) Local Leadership, (6) Lay Leadership, (7) House Churches, (8) Churches Planting Churches, (9) Rapid Reproduction, (10) Healthy Church­es.

Weiterhin identifiziert Garri­son zehn zu­sätzliche Elemente, die in den meisten, jedoch nicht allen Ge­meinde­gründungs­bewegungen erscheinen. Der Rest des Buches beschäftigt sich mit der Um­setzung dieser Einsichten.

Eine Fragestellung, die nicht eindeutig geklärt wird, ist was genau die mensch­liche Rolle im Zustandekommen von Ge­meindegründungsbewegungen ist. Garri­son stellt klar, dass einer Formel zu folgen nicht automatisch eine solche Be­wegung produziert (S. 255.273). Den­noch, „God has given Christians vital roles to play in the success or failure“ (S. 26). Er kommt zu dem Schluss, dass die Frage: „Wie kann man eine Ge­mein­de­gründungsbewegung starten?“ die fal­sche Frage ist. „A better one might be: ‘What is preventing a Church Planting Move­ment from happening here?’ “ (S. 239) Inwieweit aber der Missionar eine solche Bewegung zustande bringen kann, darin bleibt Garrison unklar. Die Frage ist allerdings, ob die Spannung diesseits der Ewigkeit geklärt werden kann.

Das Buch ist sehr gut und übersichtlich gegliedert. Tatsächlich fassen die Über­schriften die Hauptinhalte des Werkes so gut zusammen, dass der beschäftigte Le­ser nur diese zu lesen braucht und bereits mit den Hauptinhalten des Buches ver­traut ist. Es sei hingewiesen auf die wert­vollen Hilfsmittel, die angeboten wer­den. Ein Kapitel enthält Tabellen, mit de­ren Hilfe der Leser den eigenen Dienst bewerten, Lücken feststellen sowie Schrit­te unternehmen kann, diese zu schlie­ßen. Weitere Werkzeuge finden sich im Anhang, es sind dies Trainings­konzepte für Evangelisation, für par­ti­zi­patorisches Bibelstudium sowie Koran­verse, die als Brücken in der Evan­ge­lisation von Moslems verwendet werden können.

Zusammenfassend könnte der Missions­forscher Avery Willis mit seiner Emp­fehlung Recht behalten. Er sagt in seiner Rezension voraus, dass Garrisons Buch Gemeindegründungsbewegungen ein Klas­siker des 21. Jahrhunderts werden wird. In jedem Fall ist dem Werk ein weit reichender Einfluss auch im deutsch­sprachigen Raum zu wünschen.

Emmanuel Prince, em 2011-2

Garth, Alexander. Die Welt ist nicht genug – Wenn Menschen Gott ent­decken, Asslar: Gerth Medien, 2010.

Der evangelische Pfarrer Alexander Garth arbeitet als Gründer der Jungen Kir­che Berlin unter der Trägerschaft der Berliner Stadtmission. Der Buchtitel ist an­ge­lehnt an den gleichnamigen James-Bond-Film und wurde als Kontrast ge­wählt zu einer Gesellschaft, deren Fun­damental­satz allgemein lautet „Die Welt ist ge­nug“. Aufgrund seiner Arbeit in einem kon­fessionslosen Kontext be­han­delt Garth in diesem populären Sachbuch das Phä­no­men der Are­li­gio­sität als lo­gi­sches Konzept und die Frage, wie Men­schen zu einem „Para­digmenwechsel“ ge­lan­gen. Der Autor präsentiert das be­schriebene Phänomen entgegen der The­se, dass alle Menschen in irgendeiner Form religiös seien. Be­griffe wie Gott, Himmel oder Hölle sag­ten Betroffenen nichts und seien weder ein mögliches noch un­mögliches Thema. Letztlich ver­trete die­se post-atheistische Welt­an­schau­ung ein materialistisches und star­res Weltbild. An­schließend stellt Garth die Frage, wie eine völlig neue Sicht auf das Leben ent­stehen kann. Im Fokus stehen Menschen, die bisher nicht nach der Existenz eines lebendigen, er­fahr­baren und kom­mu­ni­zierbaren Gottes ge­fragt hatten. Der Au­tor erkennt drei Fak­toren, durch die areligiöse Menschen auf Gott aufmerk­sam werden.

Der erste Faktor sei die Begegnung mit lebendiger Spiritualität. Gemeint sind Got­tes­erfahrungen, die das eigene Welt­bild erschüttern, bei denen man gleich­zeitig erschrocken und fasziniert mit dem Heiligen konfrontiert wird. Garth weist hier auf die kleinen Dinge hin, die oft einen Prozess des Fragens einleiten. Als zweiten Punkt nennt der Autor die Erfahrung des himmlischen Beistandes, etwa wenn Menschen die helfende Zu­wendung Gottes im eigenen Leben oder bei anderen erfahren. Hier argumentiert er, dass Menschen nicht widerwillig ka­pi­tulieren, sondern sich freiwillig für Gott öffnen sollen. Zuletzt stellt Garth die Sinnfrage, erörtert die christliche Weltsicht und hinterfragt unter­schied­liche Dinge, die areligiösen Menschen oft als Sinngeber dienen.

Ein weiteres Kapitel diskutiert Unter­schie­de im spirituellen und ma­te­ria­lis­tischen Wirklichkeits­ver­ständ­nis. Zudem bietet es Informationen aus der Sterbe­forschung als Argumente für ei­ne um­fassendere Sicht auf die Realität. In einem letzten Kapitel zieht Garth Kon­sequenzen für die kirchliche Praxis. Über eine Institution hinausgehend plä­diert er für eine Kirche als Katalysator, durch die areligiöse Menschen ins Fra­gen kommen und Gottes Hilfe erleben. An diesem Punkt sollen Christen den Men­schen respektvoll auf Augenhöhe be­gegnen, wobei der eigentliche Dienst der Kirche von Vollmacht und Glauben ge­prägt sein müsse. Die persönliche Lei­den­schaft der Gläubigen und die Fähig­keit, das Evan­gelium verständlich und kre­a­tiv zu kommunizieren seien essen­ziell wichtig, um sodann mit der nötigen Selbst­kritik als Kontrastgesellschaft zu leben.

Alexander Garth liefert mit Die Welt ist nicht genug einen vielseitigen Einblick in die Lebenswelt areligiöser Menschen. Er stellt die Menschen in den Vorder­grund und zeigt mit anschaulichen Bei­spielen aus seinem Dienst, wie wichtig ein erfahrungsorientierter Ansatz in der mis­sionarischen Arbeit der Postmoderne ge­worden ist. Garth schreibt aus der Sicht eines Praktikers und argumentiert zu­gleich auf intellektueller Ebene mit Il­lu­strationen aus Naturwissenschaft, Mu­sik, Geschichte und Philosophie. Sein Buch verbindet wissenschaftliche mit prak­tischen Anliegen für den lan­deskirch­lichen Gemeindekontext in Deutsch­land. Trotz der treffenden Dar­stellung wirken man­che seiner Gedanken einseitig. So scheint der Autor teilweise die Er­fah­run­gen seiner Mit­men­schen als maß­geb­li­ches Argu­ment für seine The­sen zu ge­brau­chen. So wichtig spirituelle Erfah­run­gen auch sind, sie sollten den Be­trof­fenen von der Bibel her als Maß­stab „ge­deutet“ wer­den, damit das Evan­ge­lium wirk­lich nachvollziehbar wird. Garth selbst belegt mit Beispielen, dass gele­gent­lich als „modern“ und damit als über­holt an­ge­sehene Argumentations­weisen auch in der Postmoderne ihren Platz haben. Alles in allem hat der Autor ein lesenswertes Buch vorgelegt, in dem sich solide Apo­logetik und wichtige Ge­danken zu missionarischer Gemeinde­ar­beit finden lassen, die nicht nur für den landes­kirchlichen Kontext bedenkens­wert sind.

Daniel Vullriede, em 2011-1

Gaudeul, Jean-Marie. Called from Islam to Christ: Why Muslims become Christians. Monarch Books: Crowborough/UK, 1999.

Dr. Jean-Marie Gaudeul, ein Missionar der Weißen Väter, hat viele Jahre in Tansania ge­arbeitet. Er ist Doktor der Islamwissenschaften und der arabischen Sprache und unterrichtet zur Zeit am Katholischen Institut in Paris.

Gaudeul geht der Frage nach, warum Muslime Christen werden. Er beschreibt sieben Haupt­gründe und erläutert diese anhand zahlreicher Beispiele: (1) Die Persönlichkeit Jesu ist für viele Muslime attraktiv. (2) Viele sind ange­trieben vom Durst nach Wahrheit und innerer Gewißheit. (3) Menschen ohne Familien haben den Wunsch nach Gemeinschaft. (4) Manche sind auf der Suche nach Gottes Volk (God’s Community) und entdecken es in der Kirche. (5) Manche sind auf der Suche nach Verge­bung und werden von der zentralen Botschaft des Evangeliums angezogen. (6) Manche ha­ben Hunger nach Gott und nach Gemeinschaft mit ihm, und (7) Manche werden von Gott di­rekt gerufen (durch Träume und Visionen).

Bei Gaudeuls Einleitung merkt man an einigen Stellen, daß er Katholik ist und auch Muslime als Leser seines Buches im Auge hat. Er ver­sucht, es für sie einsehbar und annehmbar zu machen, daß Muslime Christ werden. Gott ist es, so Gaudeul, der Muslime führt und manche von ihnen – auch aufgrund ihrer besonderen Persönlichkeit, Bedürfnisse und Lebensum­stände – in Jesus Christus Frieden und Erfül­lung finden läßt. Er betont dabei, daß dies kein negatives Licht auf den Islam wirft und nicht heißt, daß das Christentum besser sei. Gott führt den einen vom Christentum zum Islam und den anderen vom Islam zum christlichen Glauben. Ob Muslime ihm das abnehmen?

Gaudeul geht in seiner Einleitung auch auf die Zahl der Übertritte zum Christentum ein. Er ist vertraut mit dem Buch von A. T. Willis, das für 1965 bis 1971 in Indonesien von zwei Millio­nen Übertritten vom Islam zum christlichen Glauben spricht. Er schätzt die Zahl der jährli­chen Konversionen in Afrika auf einige Tau­send. Neuere Informationen über Bangladesh und den Iran seit der Revolution im Jahre 1979 fehlen leider.

Gaudeuls Verständnis von Bekehrung und Konversion wird von Evangelikalen sicherlich als oberflächlich, psychologisierend und hu­manistisch eingestuft werden. Er betrachtet Konversion in großem Maße als Wechsel von einem Wertsystem zu einem anderen, wobei Islam und Christentum als gleichwertige Reli­gionen betrachtet werden. Der ganze Prozeß ist auf menschliche Anstrengung und Entschei­dung reduziert. Der Anruf Gottes, von dem Gaudeul im Titel spricht, ist nicht mehr als der im Menschen innewohnende Hunger und Durst nach dem Ewigen und Heiligen.

Die Stärke des Buches liegt in den biographi­schen Informationen und Erlebnissen der Kon­vertiten. Gaudeul erlaubt es Konvertiten so zu reden, wie sie empfinden, auch wenn dies sei­nem Verständnis nicht entspricht. Dieser (größte) Teil des Buches ist für jeden, der mit Muslimen lebt oder unter ihnen arbeitet, sehr informativ, interessant und hilfreich. Elf Seiten mit 78 Literaturangaben zum Thema Konver­sion, viele aus dem evangelikalen Bereich, hel­fen weiter, sich in das Thema zu vertiefen und Gaudeuls Schlußfolgerungen zu überprüfen.

In Sprache und Stil ist das Buch leicht zu lesen. Das französische Original erschien 1991 bei Cerf in Paris (Appelés par le Christ: Ils vien­nent de l’Islam).

Dr. Dietrich Kuhl, em 2000-2.

Gehring, Roger W. Hausgemeinde und Mis­sion: Die Bedeutung antiker Häuser und Hausgemeinschaften - von Jesus bis Paulus. Brunnen: Gie­ßen, 2000.

Gehring, langjähriger Mitarbeiter von Campus für Christus und seit Ab­schluß der vorliegen­den Promotion unter Peter Stuhlmacher ‘adjunct’-Profes­sor in den USA, faßt hier mi­nutiös zusammen, was exegetisch und ar­chäologisch über die Bedeutung der Häuser als Versammlungsort der Je­susanhänger zu sagen ist. Er geht dabei von der grundsätzlichen histori­schen Glaubwürdigkeit der neutesta­mentlichen Berichte über sol­che Häu­ser aus, auch wenn er Eph, Kol, 1+2Tim und Tit für nachpauli­nisch hält, aber dennoch untersucht. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem ex­egetisch-historischen Aspekt. Die Bedeutung der Häuser für die Arbeit von Jesus und Paulus wird zwar festgestellt, aber dabei werden kaum missionsstrate­gische Überlegungen angestellt. Der „Ausblick: Die ekkle­siale und mis­sio­na­ri­sche Bedeutung des Hausgemeinde-Mo­dells für die Gegenwart“ am Ende macht ganze 15 von 500 S. aus und enthält kaum etwas missiolo­gisch Relevantes oder Neues, verläßt den Bereich der Lan­deskirche über­haupt nicht, stellt vor allem Fragen und trägt nichts zur ge­genwärtigen weltweiten Debatte zum Thema bei. Kurzum, das Buch ist zum ersten Teil des Titels eine ausgezeichnete Aufarbeitung des For­schungsstandes, zum zweiten Teil des Ti­tels jedoch wenig ergiebig.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.

Gensichen, Hans-Werner. Invitatio ad Fra­ternitatem. 75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Missionswissenschaft (1918-1993). (Beiträge zur Missionswissenschaft und Inter­kulturellen Theologie Bd. 1). Mün­ster/Hamburg: Lit Verlag, 1993.

Hans-Werner Gensichen, der als profilierter deutscher Missionswissenschaftler 25 Jahre den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Missi­onswissenschaft (DGMW) inne hatte (1965 - 1990), ist sicher dafür prädestiniert, zum 75-jährigen Jubiläum dieser Gesellschaft in einer geschichtlichen Darstellung über deren Werden und Wollen Rechenschaft zu geben.

Durch seine guten Kenntnissen der jüngeren Missionsgeschichte gerät das Buch zu ei­nem knappen und übersichtlichen Abriß der Ent­wicklung missionswissenschaftlichen Den­kens in Deutschland überhaupt. Gensichen spannt den Bogen von den ersten theoretischen Ansät­zen, die sich bei G. W. von Leibnitz fin­den über Justian von Welz und Konrad Mel zu den ersten pietistischen Missionaren Ziegenbalg und Plütschau, die als Sendboten der Dänisch-Halleschen Mission in Verbindung mit August-Hermann Francke eine glückliche Verbindung von Missionstat und Missionstheorie lebten. Der dahinter lie­gende Konflikt zwischen Theo­rie und Praxis, zwischen dem sog. Mis­sionsbetrieb durch die Missionsgesellschaften und dem kritischen Nachdenken über die Mis­sion sollte den Kampf von Männern wie Karl Graul und Gustav Warneck bestimmen, denen es gelang, die Missionswissenschaft im Be­reich der deutschen Universitäten fest zu eta­blieren. So kam es noch in den letzten Mo­naten des ersten Weltkrieges 1918 zur Grün­dung der Deutschen Gesellschaft für Missi­onswissenschaft, damals einzigartig in der Welt. Gensichen erhellt durch die Veröffentli­chung bisher unzugänglichen Materials die Motive der Gründungsväter der DGMW, und zeigt auf, wie in den schwierigen Zeiten zwi­schen und nach den großen Krie­gen durch Männer wie Carl Mirbt, Martin Schlunk, Julius Richter, Johannes Warneck, später dann auch Walter Freytag, Karl Harten­stein, Georg F. Vi­cedom und Gerhard Rosen­kranz die Ar­beit der Gesellschaft gestaltet wurde. Bedeu­tung er­langte sie besonders durch Nachwuchs - und Literaturförderung und Her­ausgabe zweier missionswissenschaftlicher Schriftenreihen. Dabei gelingt es Gensichen, durch knappe Übersichten Inhalt und Bedeutung dieser Ver­öffentlichungen dar­zustellen. Im Gegensatz zu dem guten ge­schichtlichen Überblick der wei­ter zurücklie­genden Zeit wird Gensichen in der Analyse der Entwicklung der letzten 25 Jahre merkwür­dig blaß und zeigt zuwenig auf, wie sehr die jüngere Missionswissenschaft in den Strudel der theologischen Substanzauflösung des Chri­stentums geraten ist. Kritisch sei hier bemerkt, daß Gensichen mit keinem Wort auf die hoff­nungsvollen Neuansätze des wissenschaftli­chen Nachdenkens über Mission im evangelika­len Lager eingeht, welche durch den Verfall der klassischen Missionswissen­schaften provo­ziert wurden. Wie kann eine Missionswissen­schaft, die den „… Mißlichkei­ten religiöser Pro­paganda und Kirchengrün­dung“ entgehen will, um „…der wahren Wirk­lichkeit der heutigen Welt“ (S.93) eher standzuhalten noch „als der Mission dienende Wissenschaft“ verstanden werden, so wie es Rosenkranz anläßlich der Fünfzigjahrfeier pro­grammatisch für die DGMW formulierte (S.4)? Hier liegt das Di­lemma der heute im Be­reich der Ökumene be­heimateten Missionswis­senschaft. Wenn die Missionstheorie nichts Po­sitives mehr zur Mis­sionspraxis beitragen kann, dann verwirkt sie ihre Berechtigung. Trotz der angedeuteten Schwächen ist das Buch eine gute Einführung in die Geschichte der deutschen Missionswis­senschaft insgesamt, die in den letzten 75 Jah­ren von der DGMW mitgestaltet wurde. Ich möchte dem Buch, auch wenn der Einband et­was steril wirkt und der Titel allzusehr nur akademische Zirkel an­spricht, eine breitere Le­serschaft wünschen.

Bernd Brandl, em 1996-2.

Gerhards, Albert. Heinzgerd Brakmann (Hg.), Die koptische Kirche. Einführung in das ägyp­tische Christentum. Stuttgart: W. Kohlhammer.

Ein wirklich lesenswertes Buch für alle, die sich mit der Missions- und Kirchengeschichte christlicher Minderheiten in der islamischen Welt beschäftigen. Die Aufsatzsammlung be­handelt außer der Geschichte einer der ältesten christlichen Kirchen überhaupt – die vorwie­gend die Geschichte einer Märtyrerkirche war und ist – Themen wie das koptische Mönchtum, die Liturgie (einschließlich Eucharistiefeier), koptische Kunst und das in den vergangenen Jahren verstärkte Dialogbemühen der kopti­schen Kirche mit orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirchen unterschiedlicher Prägungen. Hier haben Annäherungen in dem rund 1500 Jahre alten Streit um Chalcedon stattgefunden, und daher sollte die koptische Kirche nicht mehr als monophysitisch bezeich­net werden. Im Kapitel zum Leben koptisch-orthodoxer Frauen wird deutlich, daß sich im Vergleich zwischen muslimischen und kopti­schen Frauen erstaunlich wenige Unterschiede ergeben (Heiratsvermittlung, Wertschätzung der Frau erst durch die Mutterschaft sowie Mädchenbeschneidung sind hier wie dort gän­gige Praxis). Für Missiologen von besonderem Interesse ist die – angesichts zahlreicher Re­pressalien seitens des Islam - bemerkenswerte Tatsache, daß die innere Erneuerung der kopti­schen Kirche in der jüngsten Vergangenheit maßgeblich auf die umfangreiche Sonntags­schularbeit dieser Kirche zurückzuführen ist.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-2.

Giesbrecht, Heinz Dieter. Mennoni­tische Diakonie am Beispiel Para­guays: Eine diakonietheologische Un­ter­su­chung (Veröffentlichungen des Dia­ko­nie­wissenschaftlichen Instituts 45) Hei­delberg: Universitätsverlag Winter 2011.

Heinz Dieter Giesbrecht ist Nachkomme deutsch-mennonitischer Einwanderer in Paraguay. Er ist Pastor einer Mennoniten Brüdergemeinde in Filadelfia (Chaco – Paraguay) und Dozent für Praktische Theo­logie an der theologischen Fakultät der Evangelischen Universität Para­guays. Mit der vorliegenden Unter­su­chung promovierte er im September 2008 an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Heverlee (Leuven)

Die Monographie umfasst acht Kapitel. Im ersten Kapitel werden die grund­le­genden Begriffe „Diakonie“, „Dia­ko­nie­theologisch“ und „mennonitisch“ de­fi­niert. Unter diesen Aspekten formuliert Giesbrecht die Ziele seiner Unter­su­chung. Erste Absicht sei es, „anhand theo­logischer Kriterien die Praxis men­no­nitischer Diakonie in Paraguay zu be­schreiben und zu bewerten...“ (27). Weiter möchte Giesbrecht herausfinden, „welche theologischen Überzeugungen sich hinter dieser diakonischen Praxis ver­bergen“ (27). Explizit möchte diese Arbeit theologisch ausgerichtet sein und keine sozialwissenschaftliche Unter­su­chung leisten, die die Folgen men­no­ni­tischer Diakonie unter den Emp­fängern erforscht.

Kapitel 2 erarbeitet den theologischen Rah­men, um die diakonische Praxis in Pa­ra­guay ab Kapitel 5 zu bewerten. Gies­brecht stellt sich dafür zwei Leit­fragen: 1. „Wie wird diakonisches Han­deln biblisch-theologisch begründet und/ oder profiliert?“ 2. „Welche theo­lo­gi­schen Leitlinien lassen sich für die Ziel­setzung und Gestaltung diakonischen Han­delns feststellen?“ (30). Zur Be­ant­wortung der ersten Frage orientiert sich Giesbrecht an den wesentlichen heils­geschichtlichen Grunddaten (Schöp­fung, Sündenfall, Inkarnation, pneu­ma­tischer Ursprung der Gemeinde und Escha­to­logie). Dabei geht er auch auf theo­lo­gische Diskussionen ein, wie das Ver­hältnis von Wort und Tat und von Schöp­fung und Erlösung. Aus dieser theo­logischen Grundorientierung defi­niert er anschließend Ziel und Inhalt dia­konischer Praxis (z.B. Hilfe zur Selbst­hilfe).

Anschließend untersucht Giesbrecht im dritten Kapitel, wie mennonitische Theo­logen des 20. und 21. Jahrhunderts zu dem in Kapitel 2 erarbeiteten theo­lo­gischen Rahmen Stellung nehmen. Grund­sätzlich stellt Giesbrecht hier zwei Tendenzen fest: Erstens akzentuieren Theologen wie H.S. Bender, J.H. Yoder, u.a. die diakonietheologische Bedeutung von Christologie und Ekklesiologie in der Betonung ihrer ethischen Relevanz. Die zweite Tendenz halte grundsätzlich an der ethischen Relevanz von Chris­to­logie und Ekklesiologie fest, sehe diese jedoch in der Soteriologie und Pneu­ma­tologie verankert. Da der Gnaden­cha­rak­ter hervorgehoben werde, wehre letz­tere einer latenten ethischen Über­frach­tung der Diakonie.

Um die diakonischen Initiativen der Men­noniten in der Kapiteln 5-7 besser zu erfassen, erforscht Giesbrecht in Ka­pitel 4 den diakonischen Gedanken im Kolonie-Mennonitentum, dessen An­fän­ge sich historisch im Preußen des 16. Jahrhunderts befinden und ab dem 18. Jahrhundert in Russland zur vollen Reife gelangten. Eben dieses Kolonie-Men­nonitentum wurde gemäß seines rus­si­schen Vorbildes ab den 1920ger Jahren nach Paraguay verpflanzt. Giesbrecht be­ob­achtet, dass der ursprüngliche im Glau­ben wurzelnde Gedanke der Lie­bes­tat als Zeichen des wahren Glaubens in den mennonitischen Kolonien immer mehr institutionalisiert bzw. sozialisiert und säkularisiert wurde. Jedoch kam es unter dem Einfluss der pietistischen und baptistischen Erweckungsbewegungen zu einer Erneuerung des diakonischen Ge­dankens, was sich in einer Vielzahl von geistlich-motivierten karitativen Wer­ken in Russland niederschlug. Die Erfahrungen der Erweckungsbewegung und die im Leid nach 1917 erfahrene Hilfe bei Flucht und Neuansiedlung durch das Mennonitische Zentralkomitee (MCC) haben dazu geführt, dass man in Paraguay eine missionarisch-orientierte und transkulturelle Entwicklungs­dia­ko­nie aufbaute.

In den anschließenden drei Kapiteln unter­sucht Giesbrecht sieben diakonische Institutionen der Mennoniten in Para­guay. Diese sind nach dem Kriterium der Trägerschaft (Gemeinde, gemischte Trä­gerschaft aus Gemeinde und Kolonie und privater Vereinsträgerschaft) gegliedert. Jede dieser Institutionen wir anhand der eigenen Geschichte und Zielsetzung dar­gestellt. Anschließend gibt Giesbrecht einen diakonietheologischen Kommen­tar, wobei ihm die in Kapitel 2 und 3 erarbeiteten Kriterien als Maßstab die­nen. Wesentliche Resultate werden dann in Kapitel 8 zusammengefasst und be­wertet.

Giesbrechts Monographie ist auf jeden Fall eine lohnende Lektüre für Diakonie-engagierte Christen. Es gibt dem Leser einen guten und ausgewogenen Einblick in die gegenwärtigen theologischen Dis­kussionen um das Thema Diakonie und exemplifiziert diese an konkreten Bei­spielen.  Zum ersten Mal werden somit dem deutschen Raum wesentliche Er­fahrungen und Erkenntnisse menno­ni­tischer Diakonie (aus Paraguay) und Theologie zugänglich gemacht. Er­fah­rungen und Reflexionen aus anderen Kon­texten bereichern die eigene Wahr­nehmung. Das Lesen dieses Buches ist eine angenehme Erfahrung, da Gies­brecht sich immer wieder bemüht, we­sentliche Inhalte zusammenzufassen und zu präzisieren. Der Leser dieser Un­ter­suchung sollte jedoch über dogmatische Grundkenntnisse verfügen, da diese in manchen theologischen Diskussionen vorausgesetzt sind. Für die Diakonie in Paraguay ist dieses Buch eine Heraus­forderung. Die solide theologische Ar­beit fordert eine weiterführende sozio­logische Untersuchung der Geber- und Empfängergruppen, um zerstörerische Faktoren der mennonitischen Diakonie zu orten und zu korrigieren. Giesbrecht zählt beeindruckende Fakten auf, die von einem Erfolg mennonitischer Diakonie in der verbesserten Lebensqualität der Empfänger zeugen. Soziologisch müsste erforscht werden, ob dieser quantitative Erfolg zu einem dauerhaften qualitativen Fortschritt führt (z.B. ob Abhängigkeiten langsam aufgehoben werden, Über­win­dung einer häufig paternalistischen Hal­tung) und welche kulturell ange­mes­se­nen Schritte in diese Richtung unter­nommen werden müssten.

Rainer Siemens, em 2012-3.

Glaser, Ida; Napoleon John. Partners or Pri­soners? Christians thinking about women and Islam. Paternoster: Carlisle, 1998.

Wo liegen die wirklichen Unterschiede zwi­schen Islam und Christentum, wenn es um die Beurteilung und Stellung der Frau geht? Ist das Kopftuch wirklich ein ‘Instrument der Unter­drückung’ und wäre deshalb mit dem christli­chen Glauben nie und nimmer vereinbar? Ent­hält nicht auch die Bibel Aussagen zum Thema Frau („… sie sollen zu Hause ihre Männer fra­gen“ u. a.), die ganz und gar nicht zum westli­chen, freiheitlichen, gleichberechtigten Chri­stentum zu passen scheinen und eigentlich fast „islamisch“ klingen?

Diese Fragen möchten die Autoren auf den Punkt bringen, ohne einerseits altbekannte Vorurteile gegen den Islam neu zu schüren, aber andererseits auch ohne den biblischen Textbefund zu relativieren. Sie scheuen sich ebensowenig, Musliminnen in ihren apologeti­schen Äußerungen selbst zu Wort kommen zu lassen und positive Seiten der islamischen Kultur zu benennen wie Verirrungen der christlichen Kirchengeschichte und Exegese anzuführen, denn sie möchten „unter allen Um­ständen der Versuchung widerstehen, die be­sten Seiten des Christentums mit den dunkel­sten Kapiteln des Islam zu vergleichen“ (14).

Das Buch möchte nicht polemisieren, aber auch nicht nur wissenschaftliche Vergleiche ziehen: Der Leser erfährt als Resümée aus der sehr sachkundigen, ausführlichen Koran- und Bibelexegese, aus dem Studium von Sekun­därliteratur und islamischer Überlieferung, daß für Glaser und John nur das biblische Gottes- und damit auch Menschen- und Frauenbild Würde und Freiheit vermitteln, aber auch nur das Christentum als einzige Religion Aufga­benverteilung und Platzzuweisung ohne Unter­drückung kennt.

Viele langjährig gereifte Überlegungen wer­den hier in großer Dichte klar und prägnant zu­sammengefaßt. Manche Überlegungen zum bi­blischen Frauenbild sind durchaus herausfor­dernd. Aber auch wer den Autoren nicht in al­
len Schlußfolgerungen zustimmen mag, wird - wenn er in Kontakt mit muslimischen Frauen steht – ein tiefschürfendes, packendes, sehr kenntnisreich geschriebenes, praxisnahes Buch in der Hand halten.

Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-3.

Glasser, Arthur. Announcing the Kingdom: The Story of God’s Mission in the Bible. Grand Rap­ids: Baker Academic 2003.

Ganz selten habe ich es gewagt, ein Buch eines meiner geschätzten Lehrer zu zensieren. Dann und wann aber sind Ausnahmen nicht nur berechtigt, sondern geboten. Wer Professor Glasser einmal erlebt hat, vielleicht sogar ein oder zwei Semester bei seinen Vorlesungen dabei war und jetzt dieses Buch liest, der wird unwillkürlich an den apostoli­schen Aufruf denken müssen: „Gedenkt eurer Leh­rer, die euch das Wort Gottes gesagt haben! Be­trachtet genau das Ende ihres Lebens und folgt ihrem Glauben nach!“ (Hebr 13,7). Beim Lesen dieses Buches kann jeder Lernende vernehmen, wie sein ehemaliger Lehrer immer noch von den großen Taten Gottes redet und herausgefordert werden, das gleiche zu tun.

Dr. Glasser schreibt nicht als Theoretiker, sondern als einer, der sein Leben lang die Dringlichkeit der missionarischen Sendung gelebt und gelehrt hat. Selbst im Alter von über neunzig Jahren bleibt er missionarisch engagiert. Sowohl bei seinen Predig­ten und Vorlesungen hinter Kanzel und Katheder, ais auch bei seinen schriftlichen Arbeiten am Schreibtisch ging es ihm von jeher nicht darum, marklose Bruchteile und Fragmente biblischer Wahrheiten wiederzugeben. Er war vielmehr dar­um bemüht, die Zusammenhänge in ihrer ganzen Tiefe des Evangeliums vom Reich Gottes zunächst selbst zu erkennen, davon gepackt und überwältigt zu werden, und erst dann an seine Hörer und Leser zu vermitteln. Nach wie vor möchte er die Nach­folger des Herrn motivieren, die heilbringende Botschaft von Jesus Christus unter allen Völkern der gefallenen Welt zu verkündigen. Dabei geht es immer – wie Glasser nachweist – um einen gewal­tigen Machtkampf zwischen Jahwe und Baal (S. 114-116), zwischen Jesus Christus, dem Licht der Welt, und den Fürsten und Mächten der Finsternis (S. 207-208; 250-256; 330-337). Das Reich Gottes eben ist nicht von dieser Welt.

Das Buch bietet keine oberflächliche Lektüre an, ist auch nicht für denkfaule Leser geschrieben. Diesen tiefgründigen Wesenszug des Autors hat Professor Paul Hiebert, ehemaliger Kollege von Dr. Glasser, im Vorwort auf den Punkt gebracht: „Die meisten Christen reden von ihrem persönli­chen Heil und was Gott in ihrem Leben für sie getan hat. Sie haben eine Theologie der Anbetung und Gemeinschaft, des Gesundheitszustands materiellen Wohlstands und der Besorgnis ur Bedürftigen. Aber sie geben sich in ihrem Denken wenig mit einer Welt verschiedener Völker ab, machen sich kaum Gedanken über die in Übel und Sünde verstrickte Erde; sie denken weder über Geschichte nach, die sich von vor der Schöpfung bis hin in die Ewigkeit erstreckt, noch geben sich Rechenschaft über den Grund, weshalb und wozu sie eigentlich in dieser Welt existieren“ (7). Glassers Theologie geht tiefer und weiter über den Rahmen solcher Oberflächlichkeit hinaus. Wie der vielfarbige Regenbogen sich unserm Gesichtskreis von Horizont zu Horizont erstreckt und uns an Gottes Gnadenbund mit den Menschen innert, so versucht Arthur Glasser seinen Lesern einen Gesamtüberblick von Gottes geschichtlichem Heilshandeln zu gewähren. Er interpretiert die großen Heilstaten Gottes als das eigentliche Missionsthema der Bibel, wie es sich in der Offenbarungsgeschichte zwischen Weltschöpfung und Weltvollendung als ununterbrochene Ankündigung des Reiches Gottes entfaltet. Wer das Buch als Systematiker oder als Dispensationalist liest, darf von vorne herein mit Enttäuschungen rechnen. Glassers hermeneutischer Ansatz ist am besten als der eines Bibeltheologen zu verstehen. Er versucht nach den kanonische Schriften („canonical Scriptures“, wie er die Bibel mit Vorliebe nennt) zu zeigen, wie Gott das gesamte missionarische Handeln kontinuierlich in drei großen Zeitepochen durchführt: Die Urgeschichte mit ihrem Universalcharakter berichte Gottes Wirken bei der Schöpfung, dem Sün­denfall und Gericht, so wie in der Sprachenverwir­rung und Zerstreuung beim Turmbau zu Babel (1Mo 1-11). Die zweite Epoche von 1Mo 12 durch­gehend bis Apg 1 bezeichnet Glasser als „particular history“ (Sondergeschichte). Hier gibt sich Gott vorwiegend mit seinem auserwählten Volk Israel und dessen Verhältnis zu den Völkern ab, und zwar von der Berufung Abrahams bis zur Sendung des Messias und den damit zusammenhängenden Heilsgeschichtlichen Ereignissen. In der dritten und letzten Epoche greift Glasser zurück auf das Thema der Universalgeschichte, die durch das Kommen des Heiligen Geistes und den Aufbruch der Gemeinde (Apg 2) weitergeführt und von Gott selbst vollendet wird (Offb 22; vgl. die Zusam­menfassung auf S.29-30).

In sechs weiteren Hauptteilen, die jeweils aus drei, vier, oder fünf Kapiteln bestehen, detailliert der Autor die umfangreiche Mission Gottes, und zwar wie sich diese schon in den ersten Berichten der Bibel deutlich kundtut (S.17-68); wie sie dann von Israel, dem Volke Gottes, empfangen und getragen wird (S.71-124); wie die Botschaft – einschließend die prophetische Verheißung vom Messias – über Israels Grenzen hinaus zu den Na­tionen kommt (S.127-179); wie das Reich Gottes in Jesus, dem Christus Gottes, konkret in Erschei­nung tritt (S. 183-256); wie die Gemeinde Jesu die Mission verkörpert und in der Kraft des Heiligen Geistes von Jerusalem ausgehend die Botschaft vom Reich Gottes in der ganzen Welt verkündigt (S.259-325). Endlich weist Glasser nach, dass die Mission Gottes alle Grenzen übersteigt und bis an das Ende der Erde und Zeit hinausreicht. (S.329­-373).

Bei all den theologischen und historischen Ausfüh­rungen beruft sich Glasser einzig auf die biblischen Aussagen in ihrem Zusammenhang. Dazu hat er nahe an 3.000 Schriftstellen alten und neuen Tes­taments zitiert und viele davon bearbeitet, Er will seinen Lesern nicht nur ein umfangreiches und einheitliches Bild von der Missio Dei zeigen. Vielmehr möchte er ihnen Gott selbst in seiner ewig-majestätischen Größe und Dreifaltigkeit als den Vater, Sohn und Heiligen Geist präsentieren. Sie sollen ihn in seiner heiligen, gerechten und liebevoll-erlösenden Einzigartigkeit als den Gott der Mission kennenlernen (S.243-245). Gott er­kennen, Jesus Christus als einzigen Weg zum Heil akzeptieren, ihm als Herrn dienen und dem Heili­gen Geist gehorchen ist der Sclüssel zu einem fruchtbaren Leben in der Beteiligung an der Missi­on Gottes.

Sowohl ein umfangreiches Bibelstellen- und Sach­register als auch die vielen Zitate aus der Bibel und anderen Quellen sind eine wertvolle Hilfe, sich weiter mit der Thematik auseinanderzusetzen. Was den Leser weiter beeindruckt, ist eine zehnseitige Bibliographie, in der mehr als 250 relevante Bü­cher und Artikel zum Thema aufgelistet sind. Die­se Liste kann aber auch täuschen. Man findet z. B. unter den vielen Quellen kein Buch, das nach Pe­restroika oder nach dem Sturz der Mauer zwischen Ost und West dem motivierten Leser den Vorhang lüftet und einen Einblick in das missionstheologi­sche Denken der ehemaligen „Zweiten Welt“ ge­währt. Das trifft allgemein auf die letzten zehn bis zwanzig Jahre zu. Solche Vernachlässigung kan man von Dr. Glasser im Kontext seiner Wirkungs­zeit verstehen, aber kaum von seinen jüngeren Kollegen, die auf der Titelseite als Mitarbeiter genannt werden. Trotz dieses Mangels kann ich das Buch nur empfehlen. Noch ein Wort zum Schluß.

In der Einführung zum ersten Kapitel kündet Dr. Glasser seine grundsätzliche Haltung zur Heiligen Schrift an: „Die ganze Bibel alten und neuen Tes­taments ist ein missionarisches Buch; sie ist die Offenbarung der missionarischen Absichten und Aktionen Gottes in der Geschichte der Mensch­heit“ (S.17). Nachdem er dieses große Thema in 23 Kapiteln behandelt hat, schließt der Autor sein Werk mit einem bescheidenen Bekenntnis ab: „Am Abschluß dieser Untersuchung stehen wir unter dem eindeutigen Eindruck, dass unsere Erkenntnis begrenzt geblieben ist, und dass unser Verständnis der Wahrheit weder vollkommen noch vollendet ist (1Kor. 13,9.12). Gelegentlich stießen wir bei unserer Auseinandersetzung auf scheinbaren Wi­derspruch, indem wir bestimmte Wahrheiten sa­hen, aber die Zusammenhänge nicht voll und ganz verstehen konnten. Wir haben jedoch das Vertrau­en, dass das, was geschrieben wurde, den Eindruck einer aufrichtigen und lautern Bemühung vermit­telt, auf Gottes Wort des kanonischen Textes der Heiligen Schrift hinzuhören“ (S.373).

Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2005-1.

Goldsmith, Martin (Hg.). Ein Herz für Mis­sionare. Marburg: Francke, 1992.

Nur die gute Hälfte dieses Buches befaßt sich mit der Unterstützung von Missionaren. Es zeigt sich schnell, daß uns Autoren aus Groß­britannien (alle irgendwann Mitarbeiter der OMF/ÜMG) kulturell näher sind als der Ame­rikaner Pirolo. Was sie zu den drei Themenbe­reichen Gebet, Ausreise und Rückkehr sagen, weckt Verständnis. Dennoch bleibt der Wunsch nach einem nicht übersetzten Buch zum


Thema. Die andere Hälfte des Buches berichtet über weltweite Trends in der Mission und argumentiert mit biblischen Begründungen gegen Vorbehalte gegenüber der Mission.

Christof Sauer, em 1994-3.

Goldsmith, Martin. Islam und Christliches Zeugnis. Verlag C. M. Fliß: Hamburg 1993.

Der Autor kennt die aktuellen Entwicklun­gen im Islam, hat Erfahrung im Umgang mit Mus­limen und besitzt eine fundierte Kenntnis der islamischen Geschichte und Theologie. Sein Ziel ist es, Christen zum Zeugnis zu motivie­ren, trotz aller Probleme, die bei der Weiter­gabe des Evangeliums an Muslime auf­treten. Dies gelingt ihm nicht zuletzt durch eine kurze und gut verständliche theologische Ein­führung in den Islam. Eine prägnante Abhand­lung über die Vorzüge des christlichen Glau­bens, sowie praktikable und teils ungewöhnli­che Tips zum Zeugnisgeben schließen sich dem an. Die Überlegungen, wie aus dem Islam Bekehrte ihr Christsein ausleben können, sowie eine ermutigende Bestandsauf­nahme von Be­kehrungen im Islam aus aller Welt runden das Buch ab. Insgesamt versteht der Autor tief­gründige Zu­sammenhänge auf einfache und interessante Art und Weise zu schildern.

Michael Wimmer, em 1996-2.

Goldsmith, Martin. Life’s Tapestry. Reflec­tions and Insight from my Life. OM Publis­hing: Carlisle (GB), 1997.

„Bleib unter dem Tisch, du bist Missionar!“ Ist Martin Goldsmith beleidigt, ärgerlich, als er von einem Indonesier so zurechtgewiesen wird? Nein, denn seine Grundeinstellung ist es, in jeder neuen Situation - und es sind deren viele - neu zu lernen, immer andere zu motivie­ren, ja sogar, ihnen die Ehre des Erfolges zu überlassen. Abgehoben? Sicher nicht! Gold­smith macht den Lernprozeß humorvoll deut­lich, aber diese Demut bei aller fachlichen (Oxford) und geistlichen Kompetenz stellt den Leser in Frage und fordert ihn auf, nur für Je­sus zu leben. Das macht frei, jede neue Kultur aufgrund der Bibel zu beurteilen und nicht vor dem eigenen Hintergrund. Mit der Haltung des Dieners erwirbt man sich das Vertrauen der Leute, nicht mit der Parole: „Jetzt komme ich, jetzt geht es los!“ Leicht? Sicher nicht, aber in der Zeit des Postkolonialismus das Beste.

Nach Singapur, Thailand, Indonesien geht der Weg für Goldsmith nach Malaysia und bringt die schmerzliche Erfahrung, daß sich Erfolgs­strategien nicht so einfach von einer Kultur in die andere übertragen lassen.

Martin und Elizabeth Goldsmith kennen das schwarze Loch, wenn man Gott und Menschen nicht mehr versteht. Aber sie haben gelernt, daß Bitterkeit die Wurzel vieler Übel ist. So sind sie frei, einen Ruf an das „All Nations Christian College“ in Großbritannien anzu­nehmen und merken, wie Gott sie vielfach ohne ihr Wissen Schritt für Schritt in einen welt­weiten Vortragsdienst führt. Und was ist das Vermächtnis ihres Lebens, nach dem Mar­tin Goldsmith im Vorwort fragt? Es ist, daß Je­sus in allem den Vorrang habe und daß der Knecht nicht höher stehe als sein Herr! Das Buch macht Mut dazu und fordert heraus, für das ei­gene Leben nicht mit weniger zufrieden zu sein.

Ingrid v. Torklus, em 1998-4.

Goldsmith, Martin. Matthew & Mission: The Gospel through Jewish Eyes. Carlisle: Paternoster, 2001.

M. Goldsmith, weitgereister Vortragsredner und Autor vieler Bücher zu missiologischen und missionspraktischen Themen, war Missionar der ÜMG in Singapur, Malysien, Indonesien und Thailand, lehrt am All Nations Christian College in Großbritannien und gehört als jüdischer Christ zum Vorstand des europäischen Zweiges der Jews for Jesus-Bewegung. Mit diesem Buch legt Goldsmith eine missiologisch-exegetische Studie zum Matthäusevangelium vor, die sowohl die wissenschaftliche Diskussion (wenn auch ohne Fußnoten) als auch die praktische missionarische Erfahrung berücksichtigt. Dabei stellt die jüdische Perspektive, die der Autor mitbringt, eine weitere Bereicherung der Auslegung dar. In 14 Kapiteln, die sich am Aufbau des Textes orientieren, nimmt Goldsmith den Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise, die mit dem Hinweis auf die missionarische Gegenwart Jahwes in Jesus Christus als „Immanuel“ (Gott mit uns) beginnt (Mt. 1,23) und mit der missionarischen Verheißung der Gegenwart Jesu endet: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt. 28,20). Zwischen dieser literarischen „Klammer“ (inclusio) entfaltet sich die Mission Jesu Christi und seines Jüngerteams, die schließlich in der weltweiten Sendung der Gemeinde an alle Völker – Juden und „Heiden“ gipfelt. Immer wieder zieht Goldsmith die missionstheologische Linie aus in die Gegenwart (z.B. in der religionstheologischen Auseinandersetzung) und illustriert seine Aussagen durch eigene Erfahrungen im weltweiten Dienst. Besonders die heutige Situation jüdischer Christen weltweit und in Israel und die besonderen Herausforderungen der Verkündigung des Evangeliums unter Juden treten immer wieder in den Fokus. Am Ende des Buches findet sich eine kurze Bibliographie. Das Buch stellt keinen wissenschaftlichen Anspruch, ist aber eine inspirierende Lektüre, die sowohl frische Einsichten in das Studium des Matthäus-Evangeliums vermittelt als auch wichtige Horizonte für den missionarischen Auftrag in der Nachfolge Jesu heute vermittelt - an Juden, nachchristlichen und anderen „Heiden“.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2003-2.

Goldsmith, Martin. What in the World is God Doing? Eastbourne: Monarch, 1991.

Solch ein Streifzug um die Welt mit missiona­rischer Perspektive, allgemeinverständlich und kurz gehalten, fehlt uns auf Deutsch. Ein wich­tiges Motivations- und Informationsbuch für die Gemeinde. Nachahmenswert erscheint auch die „All Nations Series“ (der gleichnamigen internationalen Missionsschule in England), in der dieser Titel erscheint, mit dem vierfachen Ziel: Grundlegendes über Mission zu lehren, den westlichen Kirchen Mission wichtig zu machen, Unterstützung der Mission durch Ge­bet und Handeln anzuregen und den Kirchen im multikulturellen Westen zu helfen, von den Erfahrungen der weltweiten Kirche zu lernen. Wäre die FHM oder die AEM zu einem ähnli­chen Gemeinschaftprojekt fähig?

Christof Sauer, em 1994-1.

Gottwald, Eckart und Folkert Rickers (Hg.), www.geld-himmeloderhölle.deDie Macht des Geldes und die Religionen. Anstöße zum interreli­giösen Lernprozess im Zuge der Globalisierung. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2002.

Geld – für die einen der Himmel, für die anderen die Hölle? Oder für jeden der Himmel? Oder für jeden die Hölle? Oder immer beides zugleich? – Ohne Zweifel ist Geld eine allgegenwärtige Macht, die gerade im Zuge der Globalisierung ihre gesell­schaftliche Wirkung verstärkt entfalten kann und für viele Menschen - insbesondere unter Einfluss der Medien - zur Ersatz- bzw. Lifestylereligion geworden ist. Damit stellt das Geld eine bislang unterschätzte Gefahrdung für die Religionen dieser Welt und eine Herausforderung für die Religions­pädagogik dar. Die Herausgeber stellen daher als Religionspädagogen die Frage, inwiefern die Reli­gionen eine kritische Potenz gegenüber dem Geld enthalten und entfalten können.

Das Buch ist mit seinen zehn Beiträgen so aufgebaut, dass nach einem volkswirtschaftlich orientierten Grundlagenbeitrag zur modernen Geld­wirtschaft die Haltung der vier Religionen Chris­tentum, Islam, Bahä’i und Buddhismus zum Geld dargestellt wird, indem jeweils ein Vertreter dieser vier Religionen zu Wort kommt. In den anschlie­ßenden Beiträgen wird versucht, religionspädago­gische Folgerungen zu ziehen und Alternativen zur kapitalistischen Geldwirtschaft aufzuzeigen.

Die Selbstdarstellung der einzelnen Reli­gionsvertreter bezüglich der Einstellung ihrer Reli­gion zum Geld ist zwar nicht erschöpfend und auch nur begrenzt selbstkritisch, sie gibt dem Leser aber einen interessanten Einblick in die wesentlichen Einstellungen und Handlungen und in die Begriff­lichkeiten (Zakat, Zinsverbot, Jobel- und Erlass­jahr, Ich-Illusion, HuququUah usw.) der jeweiligen Religion zum Thema „Geld“. Selbstkritik kommt bezeichnenderweise primär aus dem christlichen Lager. Hier sei der Anspruch aber auch am höchs­ten, weil allein das Christentum grundsätzlich eine Problematik im Geld sehe: Gott sei ein Gott der Armen. In den anderen Religionen werde nur die Gefahr des Geldbesitzes aufgezeigt, Geldbesitz an sich sei dort aber nicht negativ behaftet.

Als Leitlinie der religionspädagogischen Ausführungen wird gefragt, was das jeweils Bin­dende unseres Lebens sei. Es werden weitere Fra­gen angerissen, die den Leser zum Nachdenken über die Macht des Geldes bringen sollen, ohne fertige Antworten zu liefern: Was sind die struktu­rellen bzw. gesellschaftlichen Komponenten der Macht des Geldes? Wie kann man andere Werte noch neben dem Wert des Geldes halten? Was sind Möglichkeiten erfüllten Lebens, die sich nicht am Materiellen orientieren? Als Alternativen zur mo­dernen Geldwirtschaft werden unter anderem Leih-und Schenkgemeinschaften, Stiftungen, Kleinkre­ditprojekte in der Dritten Welt und Tauschringe vorgestellt, wiederum jeweils von einem Mitarbei­ter dieser Projekte. Diese Initiativen stellen aber als idealistische, teils auf Spendenbasis finanzierte Klein- oder Entwicklungsprojekte keine Alternati­ve zu unseren großen, anonymen Märkten dar. Ein­zig die Ethik- und Ökofonds haben sich inzwischen zu einer respektablen Alternative zur rein kapitalis­tischen Geldwirtschaft entwickelt.

Das Buch ist insgesamt gut leserlich ge­schrieben und in der Lage, den Leser für die Prob­lematik des eigenen Umgangs mit dem Geld zu sensibilisieren und vereinzelt Alternativen aufzu­zeigen. Nicht verschwiegen werden darf allerdings, dass das Buch insgesamt an einer zu undifferen­zierten und teilweise auch unberechtigten Kritik an unserem Wirtschaftssystem leidet. An diversen Stellen fehlt es an Sachkunde, gängige Klischees werden unkritisch übernommen. Biblische Verse werden - teils auf Basis historisch-kritischer Grundannahmen - interessegcleitet interpretiert. Für den missiologisch interessierten, kritischen Leser kann es dennoch gewinnbringend sein, die gelieferten Grundinformationen über den Umgang mit Geld in anderen Religionen und alternativen Projekten zu reflektieren.

Andreas Mitschke, em 2003-3.

Graham, Billy. So wie ich bin: Die Autobio­graphie. Brunnen Verlag: Gießen, 1998.

Mit diesem Buch liegt nun die deutsche Über­setzung der Erinnerungen des wohl bekannte­sten Evangelisten der Welt an sein Leben und seinen Dienst vor. Den inhaltlichen Schwer­punkt legt Billy Graham dabei auf seine Reisen in verschiedene (z.T. „verschlossene“) Länder und auf seine Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten.

Missiologisch interessierte Leser werden sich daran freuen, daß das Buch einige inter­essante Hintergrundinformationen über die Ge­schichte und Arbeitsweise der Billy Graham Evangeli­stic Association enthält. Eine andere Gewich­tung der Themen wäre jedoch – aus mis­siologischer Sicht – wünschenswert gewe­sen: So fallen z.B. die Abschnitte über die Kon­gresse in Berlin 1966 und Lausanne 1974 sehr viel kürzer aus, als etwa die ausführlichen Beschrei­bungen der Begegnungen Grahams mit den einzelnen amerikanischen Präsidenten.

Das Beeindruckende an dieser Autobiogra­phie ist, daß der Leser spüren kann: Da lebt ein ein­facher, „von Natur aus schüchterner“ Mensch konsequent seine gottgegebene Beru­fung: die Verkündigung des Evangeliums. So erscheint es geradezu typisch für Graham, wenn er es im letzten Teil des Buches nicht lassen kann, dem Leser zu erklären, was „Wiedergeburt“ meint und wie sie geschehen kann (S.669).

Trotz seiner 700 Seiten ist das Buch leicht zu lesen, wozu auch vier Bildteile bei­tragen.

Andreas Baumann, em 1999-3.

Grandjean, Samuel. Orano. Genf: Haus der Bi­bel, 3. Auflage 1989.

Drei interessante und vielen Menschen unbe­kannte Bereiche eröffnen sich dem Leser in diesem Buch: Nordafrika, ein Leben ohne An­gehörige und ein Leben in Blindheit. Der drei­jährige blinde Orano wird von seiner Mutter ausgesetzt und muß ohne Angehörige seinen Weg ins Leben finden. Waisenhaus, Schule, Erlernen der Blindenschrift, Ausbildung im Ausland (Frankreich), Erlebnisse als Blinder unter Sehenden und anderen Blinden und nicht zuletzt das Staunen darüber, wie Gott sich ihm offenbart und neues Leben schenkt - dies alles verpackt in spannende, kurze Abschnitte - ma­chen das Buch zu einer wertvollen Lektüre für die ganze Familie. Als Kinder unserer so abge­sicherten Umgebung treffen uns die tragischen Erlebnisse des Orano ganz besonders. Deshalb scheint mir das Buch als „Gute-Nacht-Ge­schichte“ für sensible Kinder weniger geeignet zu sein.

Der Autor beider Bücher, Samuel Grand­jean, ist vor allem im französischsprachigen Raum aufgrund seiner zahlreich veröffentlich­ten Kin­derbücher und Arbeitsmaterialien für Kinder­stunden bekannt.

Michael Wimmer, em 1997-2.

Grandjean, Samuel. Sebti der Furchtlose. Genf: Haus der Bibel, 1990.

Diese aus dem Französischen übersetzte, span­nende, wahre Geschichte eines algerischen Jungen, der mit seiner Familie nach Nord­frankreich kommt, ist nicht nur für Kinder eine wertvolle Lektüre. Zwei Kulturkreise treffen im Leben des Jungen Sebti immer wieder auf­einander: nordafrikanische Tradition und west­licher Materialismus. Viele kleine, spannende Abenteuer prägen seine Kindheit, zuerst im kleinen algerischen Dörfchen, später in ver­schiedenen Gebieten Frankreichs. Er muß ler­nen, was es bedeutet, Ausländer zu sein, in Ei­senbahn­waggons zu leben und mit den oft ne­gativen Einflüssen seiner Spielkameraden zu­recht zu kommen. Der unerwartete Besuch von Missionaren, die bereits in seiner Heimat gear­beitet haben, bringt eine ganz neue Perspektive in sein Leben. Durch freundliche und hilfsbe­reite Christen lernt er schließlich auf einem Jungscharlager Jesus als seinen persönlichen Herrn kennen. Die Stärke dieses Buches ist, daß es nicht mit Sebtis Bekehrung aufhört nach dem Motto „Ende gut, alles gut“, sondern daß das letzte Drittel Sebtis neuem Leben mit Jesus gewidmet ist.

Michael Wimmer, em 1997-2.

Greenway, Roger S., Timothy M. Monsma. Cities: Mission’s New Frontier. Baker Book House: Grand Rapids, 1989.

Die beiden Autoren, die beide schon durch Veröffentlichungen zur Großstadtmission hervorgetreten sind, versuchen in diesem Band das Thema Großstadtmission umfas­send zu behandeln. So umfassen die 20 Ka­pitel eine kaum zu überbietende Spann­breite, wie ein Blick in die Liste der The­men beweist, die sich leicht verlängern ließe: Großstadtmission im AT und im NT; ethnische Gruppen in Großstädten; die Fa­milie des Großstadtmissionars; Statistiken; Slums und Armut, eine 44seitige Bibliogra­phie; Gemeindewachstum und das Verhält­nis zur politischen Führung.

Sicher sind die Kapitel von unterschiedli­chem Wert. Erfreulich sind die drei bibli­schen Einführungskapitel, auch wenn es mir fraglich erscheint, ob man eine spezielle Großstadtmission aus dem Neuen Testament erheben und zum Muster machen kann. Die Aufgabe der Großstadtmission für die Evan­gelisation ihrer Umgebung, die bei Paulus eine solch große Rolle spielt, wird kaum betont.

Um so besser sind viele der praktischen Kapitel. Sie stellen einerseits dar, wie vie­lerorts gearbeitet wird, und machen an­dererseits Vorschläge, wie die Missionsar­beit auf die Großstadtsituation der Zukunft eingehen sollte. Man spürt dem ganzen Buch die Begeisterung und Hingabe ab, mit der die Autoren die Millionenstädte dieser Welt für Christus gewinnen möchten. Da­durch ist das Buch nicht nur für Großstadt­missionare zu empfehlen, sondern auch für solche, die es bis jetzt noch nicht werden wollen.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1990-2.

Gremels, Georg (Hg.), Alles beginnt einmal ganz klein. Klaus Vollmer im Spiegel seiner Weggefährten. Mit Beträgen von Ulrich Parzany, Reinhard Deichgräber, Klaus Eickhoff u. a., Marburg a. d. Lahn: Francke, 2012.

Das Phänomen geistlicher „Denkmalorte“ – in diesem Fall Hermannsburgs –, „wo sich die Fülle des christlichen Gemeingeistes konzentriert zur allgemeinen Wiederbelebung des christlichen Sinnes und zur christlichen Regeneration der im allgemein[en] verfallenen geselligen Zustände“ (Johann Hinrich Wichern), schließt interessanterweise auch die Möglichkeit der Regeneration ein. Unter Aufnahme von mit den Gründern verbundenen Impulsen wie „die Kirchengemeinde als Trägerin von Mission und Diakonie“ und des Gebets von Ludwig Harms (1808-1865), dem Begründer der Hermannsburger „Missionsgemeine“, geschieht mitunter wirkungskräftige Erneuerung, die neue Impulse aufnimmt oder ältere auswählt und verstärkt. Mit der Berufung des Neutestamentlers Dr. Olav Hanssen († 2005) vom Johanneum in Wuppertal an das Missionsseminar in Hermannsburg 1957 durch Landesbischof Dr. Hanns Lilje vollzog sich eine solche „Regeneration“, die sich personal an seinem nicht immer konfliktfreien Zusammenwirken im „Viergestirn“ mit dem Volksmissionar Klaus Vollmer (1930-2011), Hanssens Schüler am Johanneum, Dozent Reinhard Deichgräber (* 1936) und Pastor Wolfgang Bartholomae († 2008) festmachen lässt. Es ist doch überraschend, wie viel Geist des Johanneums/Wuppertal mit seiner Hochschätzung des griechischen Neuen Testaments für die Predigerausbildung mit Olav Hanssen auch nach Hermannsburg gelangte, so wie bereits die Missionarsgeneration nach dem zweiten Weltkrieg, zu großen Teilen aus Flüchtlingen und Vertriebenen bestehend, die traditionelle Hermannsburger Rekrutierung verändert hatte. Das Moment der Gemeinde als Gemeinschaft der „familia Dei“ ent¬fal-tete in bruderschaftlicher Art unter Betonung von Meditation und Spiritualität für die Zeit von 1960-1990 eine große Anziehungskraft, die nicht nur das Ausbildungsinstitut der Mission (seit 1977 Ev.-luth. Missionswerk in Nieder-sachsen), das 1849 begründete Missions-seminar, neu belebte, sondern auch Institutionen wie die „Missionsbräute-schule“ als weibliche Mitarbeiterschule erfasste und eine Mitarbeiterschule für junge Männer entstehen ließ. In der Zeit der studentischen Proteste um und nach 1968 fanden viele junge Menschen neue Orientierung in den verschiedenen Zweigen der „Koinonia“, die sich um Her-mannsburg sammelte. Mit dem Namen Klaus Vollmer sind die Gruppe 153, dann die „kleinen Brüder vom Kreuz“, später „Geschwisterschaft“, verbunden.

Wenn eine Phase der Erneuerung und Verlebendigung in der Kirchengeschichte neuen Entwicklungen Platz macht, artikuliert sich zunächst das Bedürfnis nach Erinnerung der Beteiligten. Georg Gremels, vielfältig mit dem ELM verbunden, zuletzt Leiter der Abteilung Deutschland und Stellvertreter der Di-rektorin, gebührt der Verdienst nach seinem Erinnerungsbuch an Olav Hanssen „Unterwegs zur Mitte. Bausteine einer Biographie“ (Marburg 2005) nun auch Klaus Vollmer ein entsprechendes Buch gewidmet zu haben. Rechtzeitig zur Jährung des Todestages am 3.6.2011 wurde das Buch in Hermannsburg vorgestellt. 66 Beiträge von Weggefährten und Weggefährtinnen – unterschiedlich lang – sind in dem Band versammelt, der im Titel einen für Klaus Vollmer zentralen Gedanken lutherischer Kreuzestheologie „Alles beginnt einmal ganz klein“, neu formuliert von Hermann Bezzel, aufnimmt. Interessanterweise wurde damit eine sich schon bei Ludwig Harms artikulierende Auslegung des Gleichnisses vom Senfkorn aus der Missionsbewegung des 19. Jh. variiert, ohne dass diese Kontinuität sprachlichen Ausdruck gefunden hätte. Blitzlichter persönlicher Erinnerung können keine wissenschaftlich verantwortete Kirchen-geschichtsschreibung ersetzen, aber sie weisen als Schrift gewordene „oral history“ doch zukünftiger kirchen-geschichtlicher Würdigung eine Richtung und liefern ihr einen Teil des Quellenmaterials. In diesem Sinn liegt hier ein bedeutendes Buch vor, das in einer Reihe von Beiträgen klar ausweist, dass die Wirkung des zunächst als Sozialsekreträr 1955 an die evangelische Akademie Loccum gekommenen, dann 1958 in die „Kammer für Volksmission“ der Landeskirche berufen, 1962 zum Pfarrvikar eingesegnet und 1972 zum Pastor ordinierten Predigers Vollmer sich in einem spezifischen historischen Kontext entfalten konnte. Die mit der Erschütterung von nach der Zeit des Nationalsozialismus an sich schon in Frage gestellten Traditionen 1968 er-möglichten dem rhetorischen Naturtalent und vollmächtigen Verkündiger Vollmer bei Zelt- und anderen Evangelisationen weite Wirkungsmöglichkeiten in Niedersachsen, bundesweit und dann auch in Südafrika. Vollmer vermochte es auch, viele Theologiestudierende zu sammeln, im Göttinger „Johanniskreis“ der 1980er Jahre, über die „Studentenmission in Deutschland“ (SMD). Zu einem nicht geringen Teil familiär religiös sozialisierte junge Menschen fanden in seiner Verkündigung eine Öffnung des Glaubens zu naturwissenschaftlichen und philosophischen Fragestellungen. Was sich als Erweckung darstellt, ist dann wie vergleichbar im 19. Jh. eine unter den Bedingungen pluralistischer Gesellschaft neu persönlich plausibel gewordene christ¬liche Existenz, die natürlich an frühere erschütterte Prägungen anknüpft.

Vollmer spürte in den Jahren nach der Wende 1990, in denen er versuchte, im Osten Deutschland zu wirken, dass sich der Kontext verändert hatte und An-knüpfung sehr viel schwerer war. Nichts desto trotz hat er auch hier, solange es die körperlichen Kräfte zuließen, unermüdlich gewirkt. Um eher historisch strukturierte Abschnitte wie einen Lebensabriss (Kristin Vollmer, Georg Gremels, Klaus Schulz; S. 19-41) und „Die kleinen Brüder vom Kreuz – Ein geschichtlicher und systematischer Einordnungsversuch“ (Georg Gremels, S. 156-170) gruppieren sich persönliche Erinnerungen. Hervorgehoben seien die Ansprachen aus verschiedenen Anlässen von Arend de Fries (S. 15-18), Jörg Homann (S. 252-258), Hans Christian Brandy (S. 259-263) und Dr. Klaus Schulz (S. 266-271).

Der „christliche Denkmalort“ Hermannsburg verdankt Klaus Vollmer, der hier ab 1968 seinen Wohnsitz nahm, viel an regenerativer Kraft.

Dr. Jobst Reller, em 2013-1.

Gremels, Georg (Hg.). Die Hermannsburger Mission und das „Dritte Reich”. Zwischen fa­schistischer Verführung und lutherischer Be­harrlichkeit. Quellen und Beiträge zur Ge­schichte der Hermannsburger Mission und des Ev.-Luth. Missionswerkes in Niedersach­sen. Bd. XIII, Münster: LIT Verlag, 2005.

Die Verwicklungen der deutschen Missionen in die NS-Diktatur sind bis heute noch nicht hinrei­chend erforscht. In diesem kleinen Aufsatzband wird mit Konzentration auf die Hermannsburger Mission versucht, diese Forschungslücke ein wenig zu schließen. (Am Rande sei hier be­merkt, dass die evangelikalen Missionen in der kirchengeschichtlichen NS-Forschung bisher kaum aufgenommen wurden). In diesem Band geht es nicht nur um die lutherische Hermanns­burger Mission. Außerhalb der Hermannsburger Thematik stehen Hugald Grafes und Werner Ustorfs Beiträge.

Während Grafe einen kurzen historischen Über­blick über die Leipziger Mission in der NS-Zeit gibt, setzt sich Ustorf mit der Frage nach der politischen Gesinnung der Vertreter des Deut­schen Evangelischen Missions-Rats (DEMR) in den 1930er Jahren auseinander. Leider enthält Ustorfs Beitrag keine neuen historischen For­schungsergebnisse, die über seine Monographie von 2000 Sailing on the next tide hinausweisen würden. Dennoch ist das Ergebnis seines Auf­satzes aufschlussreich. So seien die Vertreter des DEMR, die zumeist eine pietistische Linie vertraten, der Weimarer Republik gegenüber kritisch eingestellt gewesen und auch sonst hiel­te man progressive politische Denkweisen wie Demokratie, Sozialismus oder Liberalismus für die Dämonen einer liberalen Zivilisation und eines autonomen neuzeitlichen Bewusstseins. Damit impliziert Ustorf, dass die christlich-kon­servative Weltsicht der Missionsführer jener

Zeit, sie anfällig für das christlich-konservative Blendwerk des Nationalsozialismus machte. Da­bei muss jedoch beachtet werden, dass die Ver­treter des DEMR von Ustorf nicht ausreichend historisch-biographisch beschrieben werden und die halbsatzartigen Hinweise über ihre NS-Verwicklungen kaum zu einem adäquaten Verständ­nis der Mentalitätslage jener Zeit beitragen kön­nen. Eine gründliche historische Quellenunter­suchung, die alle Vertreter des DEMR ein­schließt, hätte Ustorfs Beitrag gut getan. Weitere Beiträge sind von Gerhard Lindemann zum Schicksal des „halbjüdischen“ Pfarrers Ru­dolf Gurland, der in der Hermannsburger Mis­sionsanstalt Unterschlupf fand und von Ernst Bauerochse zum Verhalten der Hermannsburger Missionare zu den abwechselnden totalitären Ideologien in Äthiopien.

Herausragend ist der Aufsatz „Die Missions­anstalt Hermannsburg in der Zeit des National­sozialismus“ von Gunther Schendel. Darin wird kenntnisreich die Geschichte der Auseinander­setzung zwischen der Hermannsburger Mission und dem Nationalsozialismus aus umfangrei­chen Archivmaterialien schöpfend nacherzählt. Zusammenfassend kommt Schendel zu dem Fa­zit, dass die Hermannsburger Mission sich bis auf einige Ausnahmen resistent gegen national­sozialistische Vereinnahmungsversuche zeigte. Allerdings gab es auch keinen Widerstand gegen das verbrecherische Nazi-Regime. Interessant und das Fazit von Schendel bestätigend, ist der Beitrag von Martin Tamcke über die Hermanns­burger Kontakte zur Assyrermission. Darin zeigt Tamcke, wie die Hermannsburger Missionslei­tung aus Furcht vor Repressalien davor zurück­schreckte, auf die schrecklichen Gräueltaten und Pogrome gegen die assyrische Minderheit im Irak öffentlich hinzuweisen. Im Hintergrund stand die forcierte Annäherung des national­sozialistischen Deutschlands an die Araber und speziell an den Irak. Deswegen – so Tamcke – vermied man in Hermannsburg die öffentliche Bekanntgabe der unsäglichen Pogrome an den christlichen Assyrern.

Nach der Lektüre dieses Bandes wird deutlich, dass es den deutschen Missionen in der NS-Zeit vor allem um Existenzsicherung ging. Mutiger Widerspruch oder gar Widerstand aus christ­licher Überzeugung waren wegen der lutheri­schen Zweireichelehre und der ängstlich-konser­vativen Weltsicht nicht vorhanden.

Elmar Spohn, em 2008-2.

Grigg, Viv. Mit den Armen leben. Ein Auf­ruf zur Mission hinter dem sozialen Vor­hang [engl: Companion to the Poor]. Lörrach: Simson , ²1990.

Grigg, Viv. Cry of the Urban Poor. Monro­via/CA: MARC, 1992.

Der Neuseeländer Viv Grigg ist Elektroinge­neur, studierte „community development” an der University of the Philippines und erwarb ein Diplom der Fuller School of World Mis­sion. Seit 1979 arbeitete er in den Slums von Mani­la. Er ist Leiter der Urban Leadership Foun­dation und half ähnliche Missionswerke in an­deren Teilen der Welt zu gründen. Heute baut er eine christliche Arbeit in einem süd­asi­a­tischen Land auf.

In seinen beiden Büchern fließen sowohl die per­sönliche Erfahrung als auch intensives For­schen zusammen und ergeben einen abgerun­de­ten Überblick über Missionsarbeit unter der ar­men Stadtbevölkerung. „Mit den Armen le­ben“ erzählt seine persönliche Geschichte und be­faßt sich aus evangelikaler Sicht mit den The­men, mit denen sich ein Missionar in den Slums aus­einandersetzen muß: Berufung, Ar­mut, Slum­kultur, soziales Engagement vs. Evan­gelisation, einfacher Lebensstil, Einsam­keit, Power Encounter, Gemeindegründung, wirt­schaftliche Entwicklung, politische Ge­rech­tigkeit, Qualifikation des Missionars usw.

Intensive Forschung und weltweite Erfah­run­gen machen den 2. Band, „Cry of the Urban Poor“, zu einer umfangreichen Einführung für Mis­sionsstrategen. Im ersten Teil werden die neu­en Mega-Städte unter politischen, wirt­schaft­lichen und sozialwissenschaftlichen Gesichts­punkten betrachtet und christliche Prä­senzmodelle und Strategien skizziert. Als zwei­tes gibt er einen informativen Überblick über Gemeindegründungsmodelle, um seinem Traum einer christlichen Massenbewegung in den Slums der Weltstädte näher zu kommen.

Zusammen geben beide Bände in einer an­sprechenden Aufmachung einen gelungenen Ein­blick in die Mission unter der armen Stadtbe­völ­kerung und sind eine Herausforde­rung für Chri­sten und ihre Leiter in dem rei­chen Teil der Welt.

Martin Sachs, em 1996-2.

Grim, Brian J. and Roger Finke. The Price of Freedom Denied: Religious Perse­cution and Conflict in the Twenty-First Century. Cambridge: Cam­bridge Uni­versity Press, 2010.

Dies ist vielleicht die beste und wich­tig­ste Veröffentlichung zum Thema Re­li­gi­onsfreiheit der letzten Jahre. Zwei Re­li­gi­ons­statistiker, B.J. Grim, Chefforscher der Studie Glob­al Re­stric­tions on Religion des Pew-Forums (http://pew forum.org/docs/?DocID=491), und Ro­ger Finke, Sozio­logie­professor und Di­rek­tor der Association of Religion Data Archives, zeigen, dass Religionsfreiheit zum Frieden und Be­stand einer Ge­sell­schaft beitragen, nicht diese gefährden. Ihre Grundthese, die mit enormem Auf­wand an Beispielen, Sta­tis­tiken und Über­prüfung anderer Thesen unter­mauert wird, ist einfach: In Ländern mit Religionsfreiheit ist der soziale Frieden größer als in Ländern ohne. Oder anders gesagt: Das Argument vieler Länder mit einer dominierenden Mehr­heitsreligion, sie müssten um des sozia­len Friedens willen kleinere Religionen in Schach hal­ten, wird von der Wirk­lich­keit widerlegt. Die Beschränkung von Religionsfreiheit ist oft erst der Grund für gewalttätige Kon­flikte (S. 67). Reli­giöse Homogenität garantiert keine Frei­heit vom Konflikt, son­dern begünstigt of­fen­sichtlich Span­nungen. Mit besonde­rem Aufwand set­zen sich die Autoren mit der von Samuel Huntington aus­gehenden These aus­ein­ander, die Gewalt und Unruhe als Folge eines Zusammen­stoßes der Zivili­sa­tionen darstellt. Diese These, so die Autoren, wird der internen Vielfalt der Religionen und Kulturen nicht gerecht (S. 62-68), et­wa der Span­nung zwischen Sunniten und Schiiten innerhalb eines islamischen Landes. Alle verfügbaren Zahlen wider­le­gen die The­se, dass es die Spannungen zwischen den Kulturen seien, die weitere Span­nungen auslösten (S. 77-82). Viel­mehr sei es ge­wissermaßen die Unter­drückung dieser Span­nungen zugunsten einer vermeint­lichen Monokultur im Land, die die Span­nungen verschärfe. Zwischen Mitte 2000 und Mitte 2007 gab es unter 143 Län­dern 123 Länder (= 86%), in denen Menschen aufgrund ihrer Religions­zu­ge­hörigkeit Gewalt oder Ver­treibung erlitten („physically abus­ed or displaced“, S. 18). In 25 Ländern wa­ren davon mehr als 10.000 Menschen be­troffen (S. 20), darunter auffällig viele islamische Länder. Die Religionsfreiheit, so belegen Grim und Finke, hat aufs Gan­ze gesehen in den sechzig Jahren von 1945 bis 2005 in den christlichen Län­dern zugenommen und in den isla­mi­schen abgenommen (S. 172). Das heißt, dass es aufs Ganze gesehen heute in is­la­mischen Ländern weniger Religions­frei­heit gibt als vor einem Jahrhundert – und die Entwicklung ist immer noch rück­läufig! Zwei Beispiele dazu: 1. In is­la­mischen Ländern (dazu S. 160-201), in de­nen es fast ohne Ausnahme keine Re­ligionsfreiheit gibt, ist der Pegel der Ge­walt und die Neigung zu Bürgerkrieg sehr hoch. 2. Terroristische Bewegungen kom­men überwiegend aus Ländern ohne Religionsfreiheit (S. 198). Die wenigen Aus­nahmen richten zum Einen in ihren Län­dern viel geringeren Schaden an, zum Anderen wirken sie nicht inter­na­tio­nal, sondern national. Speziell dar­ge­stellt werden in dem Buch unter den freieren Ländern (S. 88-119) Japan (große Re­li­gions­freiheit), Brasilien (Re­li­gions­frei­heit mit einigen Spannungen), Ni­geria (religiös gespaltenes Land); unter den un­freien Ländern (S. 120-159) China (Re­ligion als Bedrohung), Indien (Re­li­gion als soziales Monopol) und Iran (Re­li­gion als soziales und politisches Mono­pol) sowie eigens die islamischen Länder insgesamt (S. 160-201). Das aus­ge­zeich­ne­te Buch ist ein Beweis dafür, dass die Forschung zum Thema Reli­gions­freiheit immer mehr Fahrt auf­nimmt. Es setzt Maßstäbe für die Zu­kunft.

Thomas Schirrmacher, em 2012-2.

Grimes, Barbara F. (Hg.). Ethnologue. 14. Ausgabe. 2 Bände + CD-ROM. International Academic Bookstore (SIL International): Dallas (TX), 200114 [Academic_Books@sil. org oder www.sil.org]  
Band 1: Languages of the World.        
Band 2: Maps and Indexes.
CD-ROM-Version (Windows 95ff und Mac).

Der 1951 zuerst erschienene ‘Ethnologue’ des Summer Institute of Linguistics ist der Klassi­ker der evangelikalen Missionsforschung schlechthin. Er erfaßt 6.800 bekannten Spra­chen und Dialekte der Welt, ordnet sie lingui­stisch und geographisch zu, beschreibt sie kurz und gibt den Stand der Bibelübersetzung an. Umfangreiche Register in Band 2 (z. B. allein 41.000 Namen und abweichende Namen der Sprachen) erschließen die Datenmenge in jeder Hinsicht. Die Verbreitungskarten haben an Zahl zuge­nommen und sind noch übersichtli­cher gewor­den. Längst ist der Ethnologue auch in säkula­ren Kreisen als Standarderfassung der Welt aus linguistischer Sicht anerkannt. Ein­malig ist der Familienstammbaum aller Spra­chen auf 140 S. im Band 2. Mit der neuen, leicht zu benutzenden CD-ROM wird das Su­chen noch viel einfacher und der Missionar muß nicht mehr zwei dicke Bände mit aufs Missionsfeld schleppen …

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.

Gründer, Horst. Welteroberung und Chri­stentum. Ein Handbuch zur Geschichte der Neuzeit. Gütersloher Verlagshaus, 1992.

Mission und Kolonialismus ist kein neues Thema. Neu ist aber, daß ein Historiker (Professor für neuere und neueste Geschichte in Münster) darüber eine Zusammenschau der inzwischen zahlreichen Einzelstudien vorlegt, ein Handbuch.

Für die an Missionsgeschichte Interessierten ist dieses Buch so, als sei der Teppich, den sie betrachten, umgekehrt – und dort hat er ein anderes Muster, weniger leuchtende Farben. Aber gerade deswegen darf man sich dieser Zusammenschau nicht entziehen.

Sie ist nicht an der Frage nach der Wahrheit des christlichen Glaubens (oder anderer Reli­gionen) orientiert, also auch nicht an der Frage, welche Konfession gültig, welche Missionsform sachgemäß ist, sondern von der Suche nach aufzeigbaren Zusammenhängen. Und so wird konstatiert, daß der Missionsfaktor eine „erstaunliche Kontinuität“ aufweist (596) und ein „konstitutives Bestandteil des westlichen Kolonialexpansionismus“ gewesen ist (597). Diese Kontinuität geht von den Konquistadoren bis zu den Glaubensmissionen! Denn auf die eine oder andere Art sollen die „Eingeborenen“ in die richtige Kultur integriert werden und ihre moralische Depraviertheit ablegen. „Aber auch die von Anfang an von den christlichen Send­boten übernommene Rolle als ‚Anwälte der Eingeborenen’ blieb stets systemimmanent und betraf so gut wie nie das Kolonialsystem als Ganzes“ (596). Gründer ist nicht blind für die Kritik der Missionen an europäischer Kultur und Kirche und an den Siedlern und führt diese wohl zutreffen auf die Leitbilder der Reiches Gottes zurück.

Ein Problem bleibt der Verallgemeinerungs­charakter der zusammenfassenden Aussagen: „so gut wie nie“, „fast immer“. Korea wird mehrfach als Ausnahme genannt, aber nicht geschildert - schwer zu begreifen, ist doch die Christianisierung Koreas ganz sicher auch von einer Zuwendung zu westlichen Lebensformen begleitet.

Der Wert des Werkes ist aber eine ausführ
liche Behandlung der sehr verschiedenen Pro­zesse in 17 Kapiteln, die weniger chronolo­gisch als geographisch umgrenzt sind. 122 Titel umfaßt die Liste der abgekürzt, d.h. oft zitierten Werke, aber weit mehr: 82 Seiten die Fußnoten - ausführliche Quellenangaben sowohl aus säkularem wie aus kirchlich-missionarischem Ursprung, 65 Bilder und Karten und ein Regi­ster von 50 Seiten machen das Handbuch ei­nerseits lesbar, andererseits brauchbar als Nachschlagewerk.

Im Einzelfall kann man über die Perspektive streiten, die Livingstone kaum, Stanley aus­führlich erwähnt (520 ff), oder die meint, es habe in der Geschichte Indiens nur wenige christliche Märtyrer gegeben, und es sei kein nennenswerter Einbruch in die oberen Bereiche des Kastenwesens gelungen (307) und die Kultur Indiens sei nur peripher vom europä­isch-abendländischen Christentum angetastet. Vor allem werden immer wieder Bildaus­schnitte vergrößert um aufzuzeigen, was als relevant gilt: die intensive und explizite Ko­operation.

Zum Ganzen muß gesagt werden, daß Gründers Werk nicht einseitig missionskritisch ist. Dazu sind seine Kenntnisse viel zu umfas­send, dazu ist seine Sicht zu problembewußt und human-antiideologisch. Er verkennt nicht das Eintreten für Unrecht Leidende etwa, auch nicht die Eigendynamik der Nichteuropäer, die sich durchaus das Christentum zu eigen ma­chen konnten, er verkennt auch nicht das emanzipatorische Potential solchen Christen­tums. Er insistiert aber darauf, daß die den Kolonialismus legitimierende, Europas Kultur normativ setzende Wirkung der Mission nicht spo­radisch, kein Versehen war. Darin sind er und seine Quellen ernst zu nehmen.

Niels-Peter Moritzen, em 1993-2.

Gründer, Horst. Welteroberung und Chri­stentum. Ein Handbuch zur Geschichte der Neuzeit. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1992.

Der Münsteraner Geschichtsprofessor und Kolonialhistoriker Horst Gründer legt nach seinen bisherigen Quellenstudien zum Verhält­nis von Mission und Kolonialismus einen aus der Literatur erarbeiteten Gesamtüberblick der gesamten christlichen Kolonialgeschichte weltweit vom 15. Jahrhundert bis in die Ge­genwart vor. Er breitet eine ungeheure Fülle von historischem Material aus und legt als Hi­storiker eine erstaunliche Kenntnis der Missi­onsgeschichte an den Tag, wenn ihm auch viele theologische Zusammenhänge verborgen blei­ben. Dies gilt etwa für die Besonderheiten pietistischer Grupperierungen und der Glau­bensmissionen, die sich sicher nicht so einfach in Gründers Schema einordnen lassen. Für ihn ist nämlich „Mission – trotz aller Einschrän­kungen im einzelnen – ein konstitutiver Be­standteil des westlichen Kolonialexpansionis­mus gewesen“ (S. 597). Prinzipiell ist Gründer natürlich zuzustimmen, aber die Zahl der Ein­schränkungen ist erheblich zu vermehren, ste­hen doch für Gründer staatlich durchgeführte oder sanktionierte Aktionen gegenüber denen kleinerer, privat organisierter Missionsgesell­schaften, die oft viel unabhängiger agierten, zu sehr im Vordergrund. Immerhin spricht Grün­der aber bei aller Missionskritik von einer ‚Dialektik’ der Christianisierung (S. 577ff), da die Christianisierung für die einheimischen Völker durch Ausbreitung von Bildung und Bewußtseinsweckung viele positive Folgen hatte, wie Gründer mit Zitaten afrikanischer Missionskritiker aus Nigeria und Ghana belegt (S. 583), die etwa darauf verweisen, daß bis heute praktisch ihre ganze Führungsschicht in Politik, Recht, Verwaltung, Medizin, Wissen­schaft und Bildungswesen auf Missionsschulen ausgebildet wurde. Gründer schreibt sogar weiter: „Vor allem war es jedoch die Lehre der Bibel, die eine wichtige Voraussetzung für die Begründung der Ablösung des Kolonialismus schuf“ (S.585).

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-2.

Grundmann, Christoffer H. Gesandt zu heilen! Aufkommen und Entwicklung der ärztlichen Mission im 19. Jahrhundert. (Bd. 26 Missionswiss. Forsch.) Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1992.

Der Autor, Jg. 1950, studierte Theologie in Hermannsburg und Hamburg: dort erwarb er den Magistertitel. Im Anschluß: Vikariatsjahr in Caracas. 1978-1983 Dozent am Tamil Nadu Theological Seminary in Indien. Seit 1983 theologischer Referent am Deutschen Institut für ärztliche Mission, Tübingen.

Die erweiterte Dissertation ist ein „Jahr­hundertwerk“ in doppeltem Sinn: Zum einen, eine sorgfältig recherchierte Geschichte der ärztlichen Mission (AM). Das 19. Jhdt. wird zwar schwerpunktmäßig behandelt, dar-überhinaus aber auch das ganze Spektrum der Vorläufer der AM bis hin zu den sich anbah­nenden Neuentwicklungen nach 1900. Zum anderen dürfte die gründliche Arbeit das her­ausragende Referenzwerk dieses Jahrhunderts über die AM sein. Die chronologisch-geschichtliche Darstellung wird u.a. ergänzt durch spezielle Kapitel über Strukturen, Geo­graphie, Diversifikation und theologische Problematik der AM. Das Besondere: Grund­mann ist es gelungen zeitgeschichtliche Zu­sammenhänge zur Entwicklung der AM in Be­ziehung zu setzen. Das Buch liest sich flüssig, da die über tausend Quellenzitate und zahlrei­che (oft fremdsprachliche) Originalzitate in Fußnoten untergebracht sind. Eine wahre Fundgrube! Wer weiß schon, was „KellogsCornflakes“ und Erdnußbutter mit AM zu tun haben? (S.216) Durch die Fülle des Materials bedingte Beschränkungen sind verständlich. In der Behandlung der theologischen Problematik wäre eine Erweiterung wünschenswert, die z.B. die Konfrontation der AM mit animisti-schen und anderen Medizinsystemen im 19. Jhdt. einschließen könnte. Oder: Die Rolle des Gebets und die „dynamis Kyrios“ in der „imitatio Christi“, die damals als eine der Hauptbegründungen der AM galt. Anderer­seits hat Grundmann verschüttete Quellen er­schlossen, wie z.B. ein Manuskript Schlunks oder Informationen über das weitgehend un­bekannte erste deutsche „Medicinische Missi­onsinstitut zu Tübingen“, 1841-1848. Auch die Rolle Gützlaffs für die AM interpretiert Grundmann neu. Ein Folgeband über die Ge­schichte der AM im 20. Jhdt. wäre sehr begrüßenswert!

Nicht nur für missiologische, theologische und medizinische Bibliotheken sondern auch für Missionen und Bibelschulen ist dies her­ausragende, preiswerte Referenzwerk ein „Muß“. Die betroffenen Berufsgruppen und selbst Studenten und informierte Laien werden es trotz seines wissenschaftlichen Charakters mit Gewinn lesen.

Hans L.E. Grüber, em 1992-4.

Gundert, Hermann. Brücke zwischen Indien und Europa. Begleitbuch zur Hermann-Gun­dert-Ausstellung im GENO-Haus Stutt­gart vom 19. April bis 11. Juni 1993 in Ver­bindung mit der Dr. Hermann-Gundert-Kon­ferenz Stuttgart 19. bis 23. Mai 1993. Hg. von Albrecht Frenz. Süddeutsche Verlagsgesell­schaft: Ulm, 1993.

Hesse, Johannes. Aus Dr. Hermann Gun­derts Leben. Calwer Familienbibliothek. 34. Bd. Verlag der Vereinsbuchhandlung: Calw/Stuttgart, 1894 (Reprint Stutgart 1993), geb. 368 S., DM 48.00

Rebmann, Jutta. Julie Gundert. Missionarin in Indien und Großmutter Hermann Hesses. Biographischer Roman. Stieglitz Verlag: Mühlacker, 1993.

Der Studienband „Brücke zwischen Indien und Europa“ stellt mit über 100 Beiträgen nicht den Missionar, sondern den Sprachwissenschaftler Hermann Gundert in den Mittelpunkt. Erst für die Gundert-Konferenz 1993 versuchte man, die Werke Gunderts zur Erforschung der Ma­layalam Sprache möglichst vollständig zu er­fassen: Heute sind fast 50 Titel von ihm auf Malaya­lam bekannt. Hinzu kommen Werke zur Kulturanthropolo­gie und Linguistik, die durch die ‚Ausgrabung’ mehrerer, bis 1986 unbe­kannter Werke in der Universitätsbibliothek Tübingen und Kerala/Indien, sowie in den Ar­chiven der Basler Mission zu Tage kamen. Der vorliegende Band über Gundert, der in Nord­malabar großer „Guru von Kerala“ und bisher als einziger Ausländer „Pandit“ (Gelehrter) be­titelt wurde, ist weit mehr als ein Ausstellungs­katalog, da hier das umfang­reiche wis­senschaftliche Werk Gunderts aus­giebig ge­würdigt wird. Dabei ist die Zu­sammenstellung der Malayalam-Werke Gun­derts nicht nur von histori­schem Interesse; sein Wörterbuch, seine Grammatik und seine Lehrbü­cher haben für das Studium der südindi­schen Sprachen auch noch heute Bedeutung. Außerdem verfaßte Gundert eine Bibelüber­setzung, Kirchen­lieder und Liturgien sowie Schriften über das Brauchtum und die Litera­tur Keralas; ferner befaßte er sich eingehend mit der Geo­graphie des Lan­des. Ergänzt wird diese Darstellung durch Beiträge zur Geschichte und Kultur Ke­ralas in Vergangenheit und Gegenwart. Etliche Originalquellen in Form von Karten, histori­schen Abbildungen, Original­schriften und Photographien wurden für den wissenschaftlich und künstlerisch ausgezeichnet gestalteten Band zusammengestellt.

Mit dem Frakturnachdruck „Aus Dr. Her­mann Gunderts Leben“ von Johannes Hesse (1847-1916) aus dem Jahr 1894 wird erneut ein persön­liches Zeugnis zu Leben und Werk des Indienmissionars, Sprachforschers und späte­ren Verlegers Hermann Gundert zugänglich gemacht, nachdem schon 1986 die dreibändi­gen Gunderttagebücher veröffentlicht wurden. Dieses Zeugnis stammt aus der Feder von Gunderts Schwiegersohn, des Indienmissionars und Vaters Hermann Hesses, das die bereits 1983 und 1986 veröffentlichten Tagebücher Gunderts ergänzt; lediglich die bisher nichter­schlossenen Briefe Gunderts bleiben eine Lücke. Die vorliegende Biographie wurde erstmals bereits kurze Zeit nach Gunderts Tod heraus­gegeben und 1907 erneut überarbeitet. Sie lebt von den zahlreichen Selbstzeugnissen und beschreibt anschaulich und lebendig die Person Gunderts, sein Umfeld und vor allem seinen Werdegang zum Missionar in Südin­dien. Der Verfasser hat keineswegs eine „Heiligenvita“ geschrieben, sondern vermittelt Einblick in die Probleme und Spannungen in Gunderts Leben. Der Bericht umfaßt drei Le­bensabschnitte: 1. die Jugend mit dem Theolo­giestudium in Maulbronn und Tübingen mit der inneren Ent­wicklung vom zweifelnden An­hänger David Friedrich Strauß’, Hegels, Fichtes und Spinozas zum überzeugten „Biblizisten“, 2. die Missionsarbeit in Indien und 3. nach der Rückkehr die Verlagstätigkeit in Calw. Ein le­bendiges Zeitzeugnis des 19. Jahrhunderts über Hermann Gundert und seine ganze Familie.

Licht von einer ganz anderen Seite auf Her­mann Gundert als Ehemann und Vater wirft der biographische Roman über Julie Dubois. Julie Gun­dert war 1809 im Schweizer Jura geboren worden. Sie galt als energisch und tatkräftig und baute nach ihrer Heirat 1838 mit ihrem Mann unter schwierigen Bedingungen mehrere Missionsstationen, Mädchenerzie­hungsstätten und Heime für geschiedene, verwitwete und unverheiratete indische Mädchen auf. „Daneben“ war sie Mutter von acht eigenen Kin­dern. Häufig litt sie unter ihrer, wie sie meinte, im Vergleich zu Gundert mangelhaften Schulbildung und intellektuellen Unterlegen­heit. Dennoch lernte sie im Verlauf der Jahre mehrere indische Sprachen und hatte dafür doch nur sehr beschränkte Hilfsmittel an Lernmaterial zur Verfügung. In diesem Buch wird weniger die „offizielle“ Missionsge­schichte erzählt; vielmehr wird dem Leser ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Er erfährt von Streitigkeiten zwi­schen Missionaren und ihren Missionsgesellschaften, Schwierigkeiten der Pioniermission in Südindien und den per­sönlichen Problemen mit Krank­heit, Tod, Ent­täuschungen, Widerstand der Hindubevölke­rung, Depres­sionen, Rückschlägen, aber auch von den Erfolgen der Familie Gundert. 1837/38 schreibt Hermann Gundert:

„Soll ich von hier berichten, so ist mein er­stes, daß Gottes Gnade mit uns hier in Chittoor fortlebt, daß wir einander noch nicht aufgefres­sen haben, daß ich mit den Brüdern in Dharwar und Tirunelveli noch nicht gebrochen habe, daß auch K. in Ma­dras mir noch nicht fremd geworden, daß nicht alle Traktate, die ich ver­teile, zerrissen werden, vielleicht auch nicht alle Worte, die ich gesprochen, zu Boden ge­fallen sind. Ihr werdet vielleicht den­ken, das sei ein miserabler Bericht, aber ich kann nicht helfen: So ist es eben!“ (S.117).

Der letzte Teil des Romans ist dem Leben der Familie Gundert in Calw gewidmet. Ein Regi­ster und Anmerkungen zu den Zitaten hätten den Ro­man vervollständigt, da nicht immer deutlich wird, welche Informationen di­rekt auf unveröffentlichte Briefe und Manu­skripte aus Privatbesitz zu­rückgehen. Teilweise hätte man sich ergänzende Erläuterungen zu Be­griffen wie Calvinismus (er wird aus­schließlich nega­tiv belegt), Pietismus (er wird häufig als „Schwärmerei“ bezeichnet) oder auch Hinter­grundinformationen etwa über die Haltung der britischen Krone gegen­über der Missionsarbeit in Indien gewünscht.

Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2.

Haarmann, Harald. Die Sprachenwelt Euro­pas: Geschichte und Zukunft der Sprachna­tionen zwischen Atlantik und Ural. Campus: Frankfurt, 1993.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus rücken viele Völker und Sprachen Europas – vor allem Mittel- und Osteuropas – ganz neu in den Mittelpunkt, und auch Missionare und Missionsgesellschaften haben einen großen Nachholbedarf an Wissen über die in ganz Europa gesprochenen Sprachen. Harald Haar­mann, der in Finnland lebende deutsche Sprachwissenschaftler, der schon zahlreiche Werke über die europäischen Sprachen geschrieben hat – vor allem sein dreibändiges Werk über die ‘Elemente einer Soziologie der kleineren Sprachen Europas’ – bietet in dem vorliegenden Buch einen Überblick, der durch die fachliche Kompetenz, die sich ausgespro­chen flüssig liest, besticht. Haarmann läßt die Geschichte der Sprachen und ihrer Völker ebenso lebendig werden wie ihre Gegenwart, geht aber auch gründlich auf die Rolle der Sprachen in Europa überhaupt ein, was einen ganz neuen Einblick in die gegenwärtigen ethnischen Auseinandersetzungen etwa in Jugoslawien, dem Baltikum – aber natürlich auch in Frankreich, Spanien oder innerhalb der EG als ganzer gewährt. Ich glaube, daß die sprachliche Vielfalt Europas gerade auch im Bereich der protestantischen Mission oft genug nicht genügend berücksichtigt wurde und leicht hinter der Vorherrschaft einiger weniger wich­tiger Sprachen, vor allem von Englisch und Französisch, zurückgetreten ist.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1995-4.

Haarmann, Volker. JHWH-Verehrer der Völker. Die Hinwendung von Nicht­is­raeliten zum Gott Israels in alt­tes­ta­mentlichen Überlieferungen. Abhand­lun­gen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments 91. Zürich: Theo­lo­gischer Verlag, 2008.

Ist im Alten Testament der Eintritt in eine Gottesbeziehung gleichbedeutend mit einer Integration in Gottes Volk? Die­ser Frage stellt sich die von Erhard Blum (Tübingen) betreute Dissertation des Wuppertaler Vikars Haar­mann. Wie sehr der Autor von seinem Stu­dienjahr in Jerusalem bei Alexander Rofé profitiert, zeigt sich in dem Fundus an rabbinischer Literatur und modernen hebräischen Werken, auf welche er zu­rück­zugreifen weiß. Hier findet er auch den Ansatz­punkt für die These seiner Untersuchung. Während nämlich die alt­tes­tamentliche Wissenschaft „in der Re­gel“ (S. 16) un­dif­ferenziert von (Vor­läu­fern von) Pro­se­lyten rede, unter­schei­det das rab­bi­nische Judentum zwischen dem ger zedeq (Pro­selyt) und dem ger to­schab (Righteous Gentile). Deshalb führt Haar­mann nun auch im Blick auf das Al­te Tes­tament einen neuen Termi­nus ein, den des „JHWH-Verehrers der Völker“. Ein sol­cher wird nicht in das Volk Israel in­te­griert, vollzieht dennoch eine „reli­giö­se Hinwendung zum Gott Is­raels“ (S. 55). Diese „Hin­wendung“ ist zu un­ter­schei­den von dem rabbinischen Be­griff der „Konversion“. Damit stehen sich zwei Modelle gegen­über: Die Kon­ver­sion des Proselyten zum Volk – Die Hin­wendung des JHWH-Verehrers zu Gott.

Die eigentlichen Untersuchungen be­schäf­tigen sich zum großen Teil mit lite­rarkritischen Fragen. Dem aktuellen Trend der his­to­risch-kritischen For­schung am Alten Te­sta­ment (strukturelle Einheit und Spät­datierung) folgend da­tiert der Blum-Schü­ler alle unter­suchten Texte nach­exi­lisch. In mühe­voller Klein­arbeit weist er Stück um Stück eine literar­kri­tische „Auf­split­terung“ der Tex­te bishin zur Un­kennt­lichkeit zurück. Er zeigt, dass Wieder­holungen und Gegen­sätze nicht unbe­dingt auf Quellen oder Schich­ten hin­deuten, sondern als be­wusst ein­ge­setzte Stilmittel verstanden werden kön­nen (vgl. etwa S. 140f; leider setzt er sich bei seinen Vorschlägen zur syn­chro­nen Struktur nur im Hinblick auf 1.Kö 8 mit der aktuellen For­schungs­dis­kussion aus­einander). Problematisch er­scheint, dass er dasselbe literarkritische In­stru­men­tarium, dessen Fragwürdigkeit er so eindrücklich nachzuweisen vermag, an an­derer Stelle kritiklos übernimmt, um die Texteinheiten aus ihrem Kontext iso­lieren und umdatieren zu können. Damit verbaut er sich den Blick für eine mög­licherweise bewusst angelegte theo­lo­gi­sche Funktion der Texte in ihrem ma­kro­strukturellen Zusammenhang.

Untersucht werden die Hinwendung Ji­tros, Rahabs, Naamans und der See­leute zu dem Gott Israels (Ex 18; Jos 2; 2.Kö 5; Jon 1) sowie die Texte 1.Kö 8,41-43 und Jes 56,1-8. Als „Ge­gen­pro­be“ wird die Erzählung von Rut als Modell einer Integration in das Volk über­prüft. In Jitro sieht Haar­mann ein Kon­trastmodell zu dem Pharao und zu den Amalekitern. Im Hinblick auf die Rahab-Erzählung er­kennt er unter an­de­rem Bezüge zum Schilfmeerlied (Ex 15) und zur Achan-Erzählung (Jos 7), schweigt jedoch zu der deutlich an­ge­leg­ten Parallele zwi­schen Jos 2,10 und 9,9f (dem Bekenntnis der Gibeo­niter). Hier ist seine Er­klärung des Ver­hältnisses von Rut zu dem so­ge­nannten „Moabiter­paragra­phen“ interes­sant. Er deutet die qahal jhwh „Ver­samm­lung JHWHs“ (Dtn 23,4) nicht als Volks­gemeinschaft, son­dern als Ver­samm­lung der israe­li­tischen Männer zum Kult. Für Rut als Frau ist dieser Vers von daher ohne Be­deutung (S. 263). Da diese Deu­tung exe­getisch recht anfechtbar ist, hätte man sich hier die Diskussion ei­ni­ger der zahlreichen alter­nativen Lö­sungs­ansätze ge­wünscht. Dass Naaman in Damaskus ei­nen Altar für JHWH bauen möchte, steht dem Gesetz nicht entgegen, da nur ein Is­rae­lit (oder Pro­se­lyt) auf Jerusalem ver­pflichtet ist. Die Ge­gen­überstellung der Gottesfurcht der See­leute und der Flucht von Jona (ähn­lich Achan und Gehasi) zeigt, dass Israel von den JHWH-Ver­eh­rern lernen kann.

Die Untersuchung führt zu dem Er­geb­nis, dass JHWH-Verehrer zwar nicht in dem Volk Israel aufgehen, ihre Gottes­be­zie­hung jedoch von einer besonderen „Is­rael­bezogenheit“ geprägt ist. Gemein­sam, an der Seite Israels, verehren sie den Gott Israels und verstehen sich als Freun­de Israels. Hierin sieht Haarmann ein mögliches Modell für das Verhältnis von Kirche und Israel heute: „An der Sei­te Israels, nicht als Israel verehrt die Kir­che JHWH, den Gott Israels“ (S. 290; eine solche These bedarf einer Prü­fung am Neuen Testament, Röm 9‑11; Eph 2). Haarmanns Alter­na­tive zu dem Prosely­ten­begriff ist sicher­lich kei­ne Neuent­deckung (leider bleibt die bei Eck­hard Schnabel, Urchristliche Mis­sion. Wup­per­tal: Brockhaus, 2002, S. 125-135 dar­gestellte For­schungs­dis­kus­sion unbe­ach­tet), wenngleich eine not­wendige Kor­rek­tur bis heute gängiger Sicht­weisen. Sein Werk weist einmal mehr in ein­dringlicher Weise darauf hin, dass es Menschen außerhalb des Bundes­vol­kes gibt, die den Gott der Bibel ver­ehren.

Dr. Siegbert Riecker, em 2009-2.

Haas, Waltraud Ch. Erlitten und Erstritten. Der Befreiungsweg von Frauen in der Basler Mission 1816 - 1966. Basileia Verlag: Basel, 1994.

Die Motivation, sich gerade diesem Thema zu stellen, läßt sich für Waltraud Haas, einer langjährigen Mitarbeiterin der Basler Mission in Kamerun und der Schweiz, wohl am besten mit den Worten eines Afrikaners, des damali­gen Moderators der Presbyterianischen Kirche in Ghana, Rev. E. M. L. Odjidja, während einer Festpredigt in Basel formulieren: „Ich bin über­rascht zu hören, daß man so wenig von der Ar­beit der Missionarsfrauen (erg.: und der unver­heirateten Missionarinnen) spricht. Wir tun so, also ob es allein auf die Arbeit der Männer an­käme. Das ist nur die Hälfte der Geschichte. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich bezeu­gen, daß die Arbeit der Missionarsfrau ent­scheidend mitgeholfen hat, die Gemeinde auf­zubauen. Wenn ich die Gabe dazu hätte, würde ich ein dickes Buch darüber schreiben…“

Waltraud Haas hat sowohl die Gabe als auch den Mut besessen, diese Herausforderung an­zunehmen. Auf der Basis von umfassenden Ar­chivstudien für einen Zeitraum von 150 Jahren versucht sie, beide Ebenen miteinander zu ver­binden. Einerseits stellt sie anhand der Wir­kungszeiten und des Selbstverständnisses der Inspektoren der Basler Mission die Strukturen einer patriarchalisch organisierten Missionsge­sellschaft dar, andererseits liefert sie ausführli­che Quellenstudien und Interviews mit noch lebenden Missionarinnen, die sie zu faszinie­renden Momentaufnahmen verwoben hat. Es sind „Lebensbilder“, farbig, realistisch, ehrlich, schmerzlich und ermutigend. Die beiden Pole „Leiden“ und „Streiten“ geben immer wieder Orientierungspunkte für das Leben und den Dienst der einzelnen vorgestellten Frauen vor. Die Autorin versteht ihr Werk nicht als einen kompletten Abriß der Geschichte der Frauen innerhalb der Basler Mission, sondern vielmehr als eine Studie, in der Kurzbiographien in einen missionshistorischen und einen theolo­giegeschichtlichen Rahmen eingebettet wer­den, und dadurch Lesern und Leserinnen un­gewöhnliche Einsichten ermöglicht. Gehorsam, Verzicht, Ordnung und Unterordnung als zen­trale ethische Werte neben und über dem Evangelium von der befreienden Gnade Gottes in Jesus Christus für Männer und Frauen wer­den am Beispiel der Basler Mission in ihren Auswirkungen auf Leben und Dienst der ihr anvertrauten Missionarinnen und Missionare aufgezeigt.

Waltraud Haas vereint in ihrer Person bei­des: die Frauen der Basler Mission betrachteten sie als eine der Ihren und vertrauten ihr ihre Lebensgeschichte an; aufgrund ihrer langjähri­gen Tätigkeit im Archiv der Basler Mission hatte sie auch Zugang zu allen relevanten Quellen, die dieses Werk in seiner vorliegen­den Form zu einer Pionierarbeit machen.

Die Bedeutung dieser Arbeit geht weit über den Rahmen einer nur an der Basler Mission oder an missions- oder theologiegeschichtli­cher Frauenforschung interessierten Leser­
schaft hinaus. Es bietet eine herausfordernde, spannende Lektüre sowohl für Missionare und Missionarinnen im Dienst und im Ruhestand, als auch für Missionsdirektoren, Personalleiter, Missionsseelsorger, Kandidatensekretäre und Dozenten der Missionsgeschichte. Das Motto des Buches ist verdichtet in Julie Würz’ Aufruf auf dem Sterbebett an die Basler Missions­schwestern enthalten: „Sag’ ihnen, sie sollen ein starkes Leben führen! (S.233)

Friedhilde Stricker, em 1998-1.

Halter, Hans; Wilfried Lochbühler. Ökologi­sche Theologie und Ethik. 2 Bände. Verlag Styria: Graz/Wien/Köln, 2000.

Diese zwei Bände wollen nennenswerte Texte aus Vergangenheit und Gegenwart zusammen­stellen, die sich aus theologischer oder ethi­scher Sicht mit der internationalen Umweltpro­blematik beschäftigen. Damit ist von vorneher­ein klar, dass die Bände keine bestimmte Sicht protegieren, sondern alle Stimmen von Ge­wicht zu Wort kommen lassen. Das Ziel ist aber eindeu­tig, nämlich die Ökologie nicht an­deren zu überlassen, sondern als her­ausragendes Thema der christlichen Ethik zu begreifen.

Ob es also die klassischen Texte sind, die dem Christentum die Schuld an der Umwelt­katastrophe geben (z. B. Lynne White, Eugen Drewermann), ob es ältere theologische Vor­denker sind (z. B. Franz von Baader 1765-1841, Fritz Blanke), ob es Evangelikale (z. B. Francis Schaeffer), katholi­sche (z. B. Julius Kardinal Döpfner) oder säkulare Stimmen sind, ob sie die Umweltkatastrophe überzeichnen oder Teile davon für übertrieben halten, ob Naturvölker als Vorbild gepriesen werden (z. B. Eugen Drewermann) oder diese Sicht als Fiktion aufgewiesen wird (z. B. Thomas Bar­gatzky), alles findet sich hier mit einschlägigen Texten versammelt. Alle Texte sind gut aus­gewählt und gegebenfalls gekürzt, mit guten kurzen Einleitungen versehen und aufeinander bezo­gen, so dass die beiden Bände gut als Ar­beitsbuch zu gebrauchen sind und lange Lite­ratursuche überflüssig ma­chen.

Das Buch wird dadurch auch zum guten Ausgangspunkt für eine evan­gelikale, d.h. von der Bibel ausgehende Aufarbeitung der The­matik- wie ich sie in meinem Buch „Drewermann und der Buddhismus“ (VTR: Nürn­berg, 1999) versucht habe. Denn wenn die ‘Umwelt’ wirklich Gottes Schöpfung ist, kön­nen wir ihre Würde als Gottes Schöpfung ebenso wie ihr dem Gericht Ausgeliefertsein als gefallene Schöpfung nicht für uns behalten.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.

Hamel, Martin. Bibel - Mission - Öku­mene: Schriftverständnis und Schriftge­brauch in der neueren öku­menischen Missi­onstheologie. Gießen: TVG Brunnen, 1993.

Wie wird in der neueren Ökumenischen Missi­onstheologie die Bibel verstanden und ge­braucht? Was sind im Ökumenischen Rat der Kirchen die eigentlichen Quellen und die Norm theologischer Erkenntis? Diesen Fragen geht Martin Hamel mit dieser 1992 in Tübingen eingereichten Dissertation nach. Der z.Zt. in Sach­sen tätige Theologe versucht dabei, in acht Kapiteln die Entwicklung des Schriftverständ­nisses, des Ökumeni­schen Kirchenrates von Wadham 1949 bis San Antonio 1989 nachzu-zeichnen. Im Mittelpunkt steht dabei die Weltmissionskonferenz in Melbourne 1980, der drei Kapitel gewidmet sind: Vorbereitung – die Konfe­renz selbst – Echo. Die ersten drei Kapitel schildern die frühere Entwicklung ökumenischer Hermeneutik. Den Abschluß bilden je ein Kapitel zur weiteren Entwicklung in San Antonio und eine Zusammenfassung mit Ergebnis und Kritik.

Zunächst werden die Studien zu Glauben und Kirchenverfassung von Wadham 1949, Montreal 1963, Bri­stol 1967, Löwen 1971 und Loccum 1977 gesichtet, und der Weg von einer heilsgeschichtlich-christozentri­schen zur histo­risch-kritischen Sicht der Bibel aufgezeigt. Im zweiten Kapitel wird der endgültige Paradig­menwechsel zwischen den Vollversammlungen in Neu Delhi 1961 und Nairobi 1975 aufge­zeigt. In einem weiteren Kapitel wird vertie­fend auf die hermeneutischen Ansätze mit Ein­fluß auf Melbourne eingegangen, insbesondere auf die kontextuellen Dritte-Welt-Theologien und die materialistische-sozialgeschichtliche Ex­egese.

Zusammenfassend hält Martin Hamel die Grundzüge ökumenischer Hermeneutik fest: 1) Die biblischen Schriften werden als zeit- und kontextbedingte menschliche Erfahrungszeug­nisse betrachtet; 2) Eine marxi­stische Gesell­schaftsanalyse und Geschichtsbetrachtung und die Deutungen von Befreiungsbewegungen und nichtchristlichen Religionen werden als neue theologische Erkenntnisquellen eingeführt; 3) Die Bibel wird kontextuell aus der Erfahrungs­perspektive der kämpfenden Armen gelesen.

In den Kapiteln 6 und 8.2 kommt auch Kri­tik gegenüber dem Bibelverständnis der ökumeni­schen Weltmissionskonferenzen, ins­be­sondere Melbourne, zur Sprache. Vor al­lem wird eine ungenügende Sorgfalt im Um­gang mit der Bi­bel bemängelt. Durch die kon­textuelle Methode wird die Bibel ideologisch uminterpre­tiert und als Steinbruch für vorge­faßte Meinungen mißbraucht. Heilsgeschichte wird säkulari­siert und Weltgeschichte sakra­lisiert. Es stellt sich hier die Frage, ob man der Bibel sachgerecht entgegentritt, in­dem man ihre Au­torität und Normativität bei­seite schiebt und sie durch den erfahrenen sozi­alpolitischen Kontext des Befreiungskampfes der Armen er­setzt.

Lobenswert ist die intensive Quellenarbeit des Autors, der viele bisher unveröffentliche Do­kumente aus dem Genfer Archiv unter­suchte. Sehr hilfreich sind auch die kurzen Zusammen­fassungen am Ende fast jeden Kapitels, durch die man sich schnell einen Überblick über den Inhalt des Buches verschaf­fen kann. Allge­mein Interessierten dürfte es genügen, einzelne Ka­pitel (z.B. Kapitel 3, 6, 7 oder 8) bzw. die Zusammenfas­sungen zu lesen. Wer aber tiefer in die ökumenische Missions­theologie eindrin­gen will, wird das gesamte Buch mit Gewinn durcharbeiten.

Martin Sachs, em 1997-4.

Han, Sang-Chan. Die Beziehungen zwischen dem Schamanismus und dem Verständnis des Heiligen Geistes in der protestantischen Kirche in Korea. Religionsphänomenologi­sche und missionstheologische Untersuchung. Ammers­bek: Verlag an der Lott­bek Peter Jen­sen., 1991.

Inkulturation geschieht z.T. ungeplant. Dabei spielen Erwartungen und Vorstellungen aus der vorchristlichen Religion und Weltanschauung eine Rolle. Diesen Einflüssen geht Sang-Chan Han in Korea nach. Ähnliche Phänomene wie im Schamanismus erkennt er in der koreani­schen charismatischen Bewegung. Christliche Verkündiger erfüllen die Erwartung, die früher an den Schamanen gestellt wurden. So wird der irdische Segen wichtig, schamanistische Jen­seits- und Krankheitsvorstellungen werden ins Christentum übernommen, der Heilige Geist wird zur Kraft, die Wunder wirkt. Das Geld für die Kollekte wird gegeben, um Segen zu er­halten. Vor allem geht dabei der ethische, ge­sellschaftliche und politische Bezug des Glau­bens verloren.

Diese Hamburger Dissertation in Missiolo­gie gibt Einsicht in koreanische Geschichte, Theologie und kirchliche Verhältnisse, zeigt Gefahren der charismatischen Bewegung auf (z.B. in der Form eines Wohlstandsevangeli­ums) und läßt vor allem den langen und schwierigen Weg der Inkulturation des Evan­geliums erahnen. Wenn der Autor Kranken­heilung, Exorzismus, Zungenrede, Gei­stestaufe, Prophetie und Segenserwartung als für die charismatische Bewegung typisch her­ausstellt und in diesen Phänomenen in Korea einen schamanistischen Einfluß erkennt, den er von der Bibel her kritisiert, frage ich mich, in­wieweit er damit auch die weltweite charisma­tische Bewegung überhaupt meint. Han macht auf jeden Fall deutlich, daß die Kirchen die tri­nitarische Verkündigung des Heiligen Geistes ernst nehmen müssen, um zu Theologie und Gesellschaftsbezug zu gelangen, die heutiger Missiologie entsprechen.

Walter F. Rapold, em 1997-3.

Hasselhorn, Fritz. Bauernmission in Südaf­rika. Die Hermannsburger Mission im Spannungsfeld der Kolonialpolitik 1880-1939. Erlanger Monographien Bd. 6. Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission, 1988.

Ein Profanhistoriker widmet sich der Mis­sionsgeschichte, die ja nicht nur Teil der Kir­chengeschichte, sondern auch der Kolonialge­schichte ist. Dabei erweist sich eine sozialkriti­sche Fragestellung, wie sie Vf. in seiner Dis­sertation anwendet, als Bereicherung der Ge­schichtsschreibung. Wichtig ist, daß hier Archivmaterial aus Südafrika erstmals wissen­schaftlich ausgewertet wird.

Die Arbeit konzentriert sich auf die Frage des Landbesitzes der Hermannsburger Mission in Südafrika. Aus finanziellen Gründen war sie darauf angewiesen, zugleich näherten sich die Missionare damit aber auch (oft unbewußt) der weißen Siedlergesellschaft, mit der sie sich dann oft mehr solidarisierten als mit den (schwarzen) Afrikanern. Dies prägt die Arbeit, die Mission wird zum Handlanger der regie­rungsamtlichen Bemühungen der Rassentren­nung und damit letztlich der Apartheid.

Es ist das Verdienst Hasselhorns, diese Zusammenhänge und Entwicklungen sachlich aufzuzeigen, ohne vorschnelle Schuldzuwei­sungen vorzunehmen. Vielmehr spürt man ihm Solidarität ab, die an einer gründlichen und offenen Aufarbeitung der Missionsgeschichte interessiert ist. Deshalb ist es ein wichtiges Buch.

Johannes Triebel, em 1994-4.

Hattaway, Paul. Operation China. William Carey Library: Pasadena (CA) & Piquant (c/o IVP): Carlisle (GB), 2000.

In Anlehnung an den englischen Titel von ‘Gebet für die Welt’, ‘Operation World’ legt hier ein Chinakenner eine umfangreiche Enzyklo­pädie aller chinesischen Völker, Sprachen und Provinzen vor, die neben detaillierten statisti­schen Angaben zu Politik, Wirtschaft, Religion und christliche Kirchen einfühlsam und mit weit über 1000 farbigen Bildern die jeweilige Kultur vorstellt. Dabei wird auch erstmals gründlich die küsntliche Einteilung Chinas in 56 Völker seitens der chinesischen Regierung widerlegt. Für das Gebet sind alle Ein­träge auf alle Tage des Jahres verteilt. Umfang­reiche Register und Literaturlisten ergänzen den Band. Eine gi­gantische Meisterleistung der Mis­sionsfor­schung in sehr attraktiver Aufma­chung zu ei­nem sehr niedrigen Preis!

Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.

Haubert, Katherine M. Women as Leaders. Accepting the Challenge of Scripture. Mon­rovia: MARC, 1993.

Das von namhaften evangelikalen Theologen empfohlene Büchlein der amerikanischen Pa­storin Haubert versucht, die Wahrnehmung von geistlichen Leitungsämtern durch Frauen in der Kirche nicht nur als biblische Möglichkeit zu rechtfertigen, sondern als Notwendigkeit auf­zuzeigen, ohne deren Verwirklichung die Kir­che nicht zur „Fülle Christi“ (Eph 4,13) heran­reifen könne (S.lf).

Methodisch geht die Autorin so vor, daß sie in 10 Kapiteln die biblische Zuordnung der Geschlechter einer grundlegenden Neuinter­pretation unterzieht und - entgegen einer fast 2000-jährigen Auslegungstradition - alle Stel­len, welche die geistliche Führung in der Familie bzw. Kirche dem Mann zuordnen, uminterpretiert oder für zeitbedingt erklärt. Positiv zu vermerken ist, daß sie sich bemüht, ihre Sicht durch 161 Anmerkungen und 60 herangezogene Veröffentlichungen abzusi­chern. Dabei fällt freilich auf, daß sie nur eng­lischsprachige Literatur (und auch diese recht selektiv!) benutzt: Wesentliche Untersuchun­gen, die ihre These bestreiten (etwa die grund­legenden Monographien von Clark, Hauke,
Hurley u.a.), werden leider ignoriert. Aber auch abgesehen von der selektiven Handhabung der Literatur ist ihr Versuch, die biblischen Aus­führungen zum Hauptsein des Mannes und zur Unterordnung der Frau rein partnerschaftlich und egalitär zu interpretieren, angesichts des denkbar klaren Wortlautes der Bibel (z.B. Kol 3,18f; Eph 5,22ff; 1Petr 3,1-7) exegetisch in keiner Weise überzeugend. Indem die Autorin den Gedanken der Unterordnung fälschlich mit dem Begriff der Minderwertigkeit identifiziert (S.12 u.ö.), muß sie zwangsläufig die grundle­gende Unterscheidung von Gleichwertigkeit und Verschiedenartigkeit der Geschlechter ver­fehlen, ohne die das biblische Nebeneinander von Gleichheit (im Hinblick auf die Erlösung) und Verschiedenheit (im Hinblick auf den geistlichen Dienst) nicht verstanden werden kann. Angesichts der Anstößigkeit der bibli­schen Sicht für das moderne Denken wird man freilich befürchten müssen, daß die Autorin trotz der gravierenden exegetischen Defizite ihres Büchleins viele Leser von der Plausibilität ihrer Sicht überzeugen wird.

Werner Neuer, em 1994-3.

Hauenstein, Philipp. Fremdheit als Cha­risma. Die Existenz als Missionar in Ver­gangenheit und Gegenwart am Beispiel des Dienstes in Papua-Neuguinea. Erlanger Ver­lag für Mission und Ükumene: Erlangen, Mis­sionswissenschaftliche Forschungen, NF Bd. 10, 1999.

Der Verfasser dieses Buches mit dem interes­seweckenden Titel ist Jahrgang 1957. Er war sieben Jahre Pfarrer, Missionar und Leiter einer Gemeindehelferausbildung in der Evang.-Luth. Kirche in Papua-Neuguinea. Vor dem Hinter­grund der eigenen Lebenserfahrung in einem anderen Kulturkreis und der Aufgabe der Mit­arbeitervorbereitung für Übersee ist vorlie­gende Arbeit entstanden, die 1998/99 von der Theologischen Fakultät Erlangen-Nürnberg als Dissertation angenom­men wurde. Seit 1992 ist Hauenstein Dozent und seit April 2000 Leiter des Missionskollegs Neuendettelsau.

In der Einführung beschreibt er sein Inter­esse: „Wohl wissend, daß es Gottes eigene Mission ist, um die es geht, gilt es, die Mitwir­kenden dieser Mission in ihrer konkreten histo­rischen Situation in den Blick zu bekommen. Ziel eines solchen Unternehmens kann nur sein, dazu bei­zutragen, daß Gott in seiner Mis­sion bei uns und mit uns zum Zuge kommt“ (13). Dement­sprechend werden gut 100 S. der ge­schichtlichen Entwicklung der von Neuen­dettelsau ausgehenden evang.-luth. Mission gewidmet. Der Bogen reicht von der klassi­schen Pioniermission (1886) über die Zeit des Auf- und Ausbaus innerhalb einer Missi­onskirche bis 1996 und der selbständigen ELC-PNG (Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea).

Auf den folgenden 40 S. theologischer Stand­ortbestimmung wird u. a. ausgeführt, wie die „trinitarische Begründung“ und das „integrale Verständnis von Mission“ als Im­pulse aus der neueren Missionswissenschaft die Funktion, Rolle und das Selbstverständnis von Mitarbei­tenden in Überseee zu klären imstande sind und wie „Leben als missionstheologischer Leitbegriff“ (140ff) fruchtbar zu machen ist.

Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit der „Fremdheit als Charisma“ (bes. 211 ff). Hauen­stein begreift „Fremdheit“ als Gnaden­gabe mit der Zielrichtung des Gemeindeauf­baus. „Von außerhalb Gesandte können diese besondere Gabe einbringen. Was sie zu sagen haben, wird oft kontrovers bleiben. Ob ihr Beitrag brauch­bar ist oder nicht, das entschei­den nicht sie, sondern die Gemeinde bzw. einheimische Kir­che. Sie sind ein Ferment, nicht mehr, aber auch nicht weniger“ (13).

Praktische Hilfestellungen zum be­trachtenden Gebet, die menschliche Begleitung der Mitar­beiter in Übersee, den hilfreichen Hu­mor (!) und Bewährung in alltäglichen Kon­fliktfeldern schließen dieses Buch ab. Es bie­tet eine missi­onstheologische Fundgrube und zugleich Hil­fen für alle, die als Lehrer oder Lernende in Ausbildungsstätten stehen. Dies gilt nicht nur für Missionare, sondern auch für Prediger, Pfarrer und Pfarrerinnen, die ja auch in gewis­sem Sinne mit dem Phänomen der Fremdheit zu tun haben, wenn auch nicht im Ausland.

Pfr. i. R. Reinhard Fritsche, em 2000-3.

Hauzenberger, Hans. Einheit auf evangeli­scher Grundlage. Gießen/Zürich : TVG, Brunnen, 1986.

Wenn auch die 1846 in London gegründete Evangelische Allianz sich nie direkt mit der Weltmission befaßt hat, so hat sie doch für das weltmissionarische Bemühen im evan­gelischen Raum im allgemeinen und im heute als evangelikal bezeichneten Raum im besonderen eine wesentliche Rolle ge­spielt. A. B. Simpson, der Gründer der Chri­stian and Missionary Alliance, oder Fredrik Franson wurden durch Veranstaltungen der Evangelischen Allianz angeregt, ihre Mis­sionen als Allianzmissionen zu bezeichnen, und eine ganze Reihe von Glaubensmissio­nen übernahm die „Basis“ der Evangeli­schen Allianz als ihre Glaubensgrundlage. Bisher gab es kaum Gesamtdarstellungen ihrer Entstehung (Peter Schneiders Vor­wort). Hauzenberger gibt diese Darstellung. Außerdem macht er in einem Anhang (S. 375-478) wichtige Dokumente aus der Frühzeit der Evangelischen Allianz im Wort­laut zugänglich, wobei er auch die verschie­denen Schritte der Entwicklung der „Basis“ der evangelischen Allianz aufzeigt. Im drit­ten Teil „Das Wesen der Evangelischen Allianz“ werden die systematischen Schwer­punkte der Gründungszeit (1845/46) be­schrieben. Im vierten Teil zieht Hauzen­berger eine Bilanz unter der Überschrift „Einheit auf evangelischer Grundlage“. Be­sonders interessant für heutige Fragestel­lungen sind seine Begriffsklärungen „Evan­gelikal – ökumenisch – katholisch“ und sein Schlußabschnitt „Ist die Evangelische Allianz eine evangelikale Allianz?“

Klaus Fiedler, em 1988-1.

Heim, Karl. Das Heil der Welt, Die Botschaft der christlichen Mission und die nichtchrist­lichen Religionen, herausgegeben und er­läutert von Friso Melzer, Brendow Verlag, Edition C, 1986.

Im Oktober 1986 trafen sich in Assisi Ver­treter der Weltreligionen, um für den Frie­den zu beten. Vielen war das ein Grund zur Freude, denn sie sahen, wie die trennenden Mauern zwischen den Religionen abgebaut wurden. Andere verhielten sich ablehnend, weil sie die Wahrheit des Evangeliums an eine unerlaubte Religionsmischerei (Syn­kretismus) verraten sahen. Das Problem, das sich hier darstellt, hat die Christenheit
zu allen Zeiten beschäftigt: In welchem Verhältnis steht Christus ‑ und damit das Christentum ‑ zu den Religionen dieser Erde?

Einer, der sich klar und verständlich zu die­ser Frage geäußert hat, ist der langjährige Professor für Systematische Theologie in Tübingen Karl Heim (1874-1958). Als jun­ger Theologe war er in der weltweiten christlichen Studentenbewegung tätig ge­wesen und hatte später an mehreren Welt­missionskonferenzen teilgenommen. So hat­te er sich gründlich mit diesem Problem beschäftigt und wußte wegweisende Ant­worten zu geben, die auch heute noch gül­tig sind.

Es ist dem Brendow Verlag und dem Schü­ler Karl Heims Friso Melzer zu danken, daß die wichtigen Äußerungen Karl Heims zu diesem Thema gesammelt und uns in einem Taschenbuch zugänglich gemacht wurden. Sie helfen uns, in der Wirrnis dieser Zeit einen klaren Blick zu bekommen für die Einzigartigkeit der Christusbotschaft als Heilsbotschaft für die ganze Welt.

Alexander Prieur in: Praxis der Verkündigung (Oncken) 3/89. Em 1989-4.

Heimbach-Steins, Marianne und Heiner Bielefeldt (Hg.). In Kooperation mit der deutschen Kommission Justitia et Pax, Religionen und Religionsfreiheit. Menschenrechtliche Perspektiven im Span­nungsfeld von Mission und Kon­version (Judentum – Christentum – Is­lam. Bamberger interreligiöse Studien Band 7) Würzburg: Ergon, 2010.

Dem Herausgeber und der Kommission Justitia et Pax ist für diesen sehr an­regenden Sammelband zu danken. Die Vielfalt der sechzehn Beiträge ist auf gut zweihundert Seiten mit Sicherheit eine Stärke, auch wenn der Leser heraus­gefordert wird, den Überblick zu be­hal­ten. Die Herausgeber helfen dabei mit ihrer grundlegenden und den Leser orien­tierenden Einleitung „Religionen und Religionsfreiheit im Spannungsfeld von Mission und Konversion – men­schen­rechtliche Perspektiven. Eine Ein­leitung“ (S. 11-17). So gewinnt man auch einen Einblick in die Arbeit der deutschen Kommission Justitia et Pax, die in den Jahren 2004-2009 schwer­punkt­mäßig das Thema Religionsfreiheit diskutierte. Zunächst stand dabei die Kon­zilserklärung „Dignitatis humanae“ („Über die Religionsfreiheit“) im Mittel­punkt. Eine grundlegende Reflexion war für die Zeit des Konzils und danach geboten, da die katholische Kirche lange Zeit Religionsfreiheit nicht mit offenen Armen begrüßte. In der folgenden zwei­ten und dritten Phase der Diskussionen rückten die katholische Politikberatung und die Advocacy-Arbeit sowie das un­mit­telbare Gespräch mit Politikern in den Mittelpunkt. Der vorliegende Sammel­band dokumentiert eine Tagung zu inter­nationalen und interreligiösen Aspekten der Religionsfreiheit (vierte Phase). Die Reihenfolge der Beiträge erweist sich als sehr hilfreich.

Heiner Bielefeldt arbeitet in seiner rechts­politischen Erörterung die „Sper­rigkeit“ des Menschenrechtes auf Reli­gionsfreiheit heraus, führt grundlegende Aspekte und Definitionen ein und öffnet damit den Raum zur Diskussion, den er durch seine Weichenstellungen auch in gewisse Bahnen lenkt. Neben Bielefeldts Beitrag dienen die Aufsätze von Gerhard Robbers, Asma Jahangir, Ömer Özsoy und Marianne Heimbach-Steins „einer multiperspektivischen Annäherung an und einer Verständigung über das Her­aus­forderungspotential des Menschen­rechtes auf Religionsfreiheit“ (S. 11).

Der zweite Teil des Sammelbandes stellt sich der Herausforderung das Men­schen­recht auf Religionsfreiheit vor allem unter dem Aspekt des Rechtes auf Mis­sion zu vertiefen. Die Autoren der sechs Beiträge repräsentieren dabei eine ka­tho­lische (Katja Heidemanns), eine in­do­nesisch-katholische (Johannes Müller), eine evangelikale (Thomas Schirr­ma­cher), eine christlich-orthodoxe (Kon­stan­tinos Delikostantis), eine jüdische (Jo­nah Sievers) und eine islamische Per­spektive (Bülent Ucar). Im dritten Teil beleuchten zwei Beiträge (Saskia Wen­del, Dagmar Mensink) die dem Men­schenrecht eigenen Spannungen auf reli­gionsphilosophischer bzw. theologischer und religionspolitischer Ebene. Die Re­fle­xionen von Rotraud Wielandt und Da­niel Bogner bringen die vorliegenden Beiträge und solche, die nicht im Sam­melband enthalten sind, ins Gespräch und runden diesen wertvollen Band ab.

Insbesondere die Zusammenstellung im zweiten Teil des Buches unterstreicht das Bemühen der Organisatoren, ver­schie­de­ne Perspektiven zu Wort kommen zu las­sen. Auf diese Weise werden die be­son­de­ren Herausforderungen eines sol­chen Dis­kurses sichtbar, wie beispiels­weise im Beitrag von Delikostantis. Er ver­deut­licht, dass westliche Diskurse zu Men­schen­rechten unter anderem unter dem As­pekt „der Überlegenheit des Wes­tens gegenüber den anderen Kul­turen“ be­trachtet werden können. „Ihr Inhalt, ihr An­spruch und ihre Reichweite werden über­zogen, sie werden huma­nis­tisch um­ge­bogen, privatisiert und indi­vi­dua­li­siert“ (S. 137). In Kontexten, in denen Re­ligion und ethnisch-kulturelle Identität sehr eng verbunden sind oder Re­ligion sogar deren Kern ausmacht, wird die Diskussion über Men­schen­rech­te eine Herausforderung. Dies gilt ins­be­sondere wenn Menschen für anti-west­li­che Argumentationen empfänglich sind. De­likonstantis setzt sich kritisch mit dem gegenwärtigen Stand der Dis­kus­sion in orthodoxen Kirchen aus­ein­an­der. Dabei fordert er dazu heraus, die „rei­che und tiefe theologische Tradition“ der Or­tho­doxie für die Begegnung mit den Men­schenrechten zu entdecken und in der Auseinandersetzung theologische Kri­terien anzuwenden statt sich von Er­fah­rungen mit den verschiedenen Aus­prä­gungen der Moderne bestimmen zu las­sen (S. 141). Dem Beitrag sind das En­ga­ge­ment und das Ringen um einen or­thodoxen Weg in dieser Frage deutlich ab­zuspüren. Delikonstantis wehrt sich ve­hement gegen die Einschätzung, dass die Orthodoxie fundamentalistisch und dia­logunfähig sei: „Wie kann eine Kir­che, die sich in ihrer Diakonie an der Sei­te der Mühseligen und Beladenen wuss­te und weiß, eine Kirche die unter un­vorstellbarem Leid, großen Opfern und mit zahllosen Märtyrern in feind­li­chen Regionen überlebt hat, eine Kir­che des Kreuzes und des tiefsten Glau­bens an die Auferstehung, wesenhaft mit den Menschenrechten inkompatibel sein?“ (S. 143). Dieses Ringen ver­deut­licht mei­nes Erachtens wenigstens zwei wich­ti­ge Aspekte der Fragestellung: 1. Eine Dis­kussion außerhalb westeuro­päischer Demokratien ist nicht nur eine Dis­kus­sion zu den Menschenrechten. Es geht auch um anderes, und nicht selten aus der Sicht dieser Menschen um mehr, näm­lich um theologische und nationale/ eth­nische Identität sowie um theolo­gi­sches und nationales/ethnisches Ge­schichts­verständnis. 2. Die grund­sätz­li­che Stellung zu westeuropäischen Län­dern spielt in die Diskussion um Men­schen­rechte hinein. Diese ist nicht selten durch geschichtliche Erfahrungen ge­prägt.

Diese Beobachtungen fordern zu wei­terer Reflexion heraus, von denen nur einmal zwei verschiedene Linien an­ge­deutet werden sollen. Was ist die an­ge­messene Reaktion darauf, dass Men­schen­rechte auch als „westeuropäisches“ Produkt der Moderne angesehen und als solches abgelehnt werden? Sollte man um­so eindringlicher und unnachgiebiger deren Akzeptanz einfordern oder geht es nicht vielmehr darum – wie dies Deli­kon­stantis tut – nach Anknüpfungs­punk­ten in dem jeweiligen Kontext zu suchen, wie die Menschenrechte jeweils ver­mit­telt und „heimisch“ werden können?

Eine zweite Linie sei auch nur kurz angedeutet, die sich meines Erachtens auch gut an der Situation der orthodoxen Kirchen nachvollziehen lässt. Welche Be­deutung hat die sozial-politische Stellung dessen, der das Menschenrecht auf Religionsfreiheit diskutiert? Spricht man aus der Perspektive einer Mehrheit oder einer Minderheit? Heidemanns stellt diesen nicht unwesentlichen Aspekt an den Anfang ihres Beitrages: „Von Min­derheitenkirchen und –bewegungen und ihrem Freiheitskampf sind wichtige Impulse für ein christliches Verständnis der Bedeutung von Religionsfreiheit aus­gegangen“ (S. 83). Und doch gewinnt man den Eindruck, dass sie (wie andere Beiträge) dies nicht weiterführend re­flek­tieren.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es dem Sammelband gelungen ist, wich­ti­ge Beiträge zur Diskussion zu doku­men­tieren. Diese fördern sicherlich die weitere Diskussion und hoffentlich ver­mehrt auch das Umsetzen des Men­schen­rechtes auf Religionsfreiheit.

Heiko Wenzel, em 2012-1

Heimbach-Steins, Marianne; Rotraud Wielandt und Reinhard Zintl (Hg.). Religiöse Identität(en) und gemeinsame Religions­freiheit. Eine Herausforderung pluraler Ge­sellschaften. Judentum - Christentum - Islam. Bamberger interreligiöse Studien 3. Würz­burg: Ergon, 2006.

Die vorliegenden Beiträge gehen auf Symposien des Bamberger Zentrums für Interreligiöse Stu­dien im Jahre 2004 zurück. Sie behandeln den Mensch als Staatsbürger und die Frage von religiöser Identität in pluralen Gesellschaften und dokumentieren das Anliegen des Zentrums, einen Beitrag zur interreligiösen, interkultu­rellen und politischen Bildung zu leisten. Dieses Anliegen wird durch die Vielfalt der Beiträge und durch nachdenkenswerte Thesen umgesetzt. In ihrer Einführung (S.9-24) beschreibt Marian­ne Heimbach-Steins Religionsfreiheit als Selbst­begrenzung des Staates (S.13) und Verpflich­tung der religiösen Akteure (S.15). Diese umrahmen den (gegenseitigen) Lernprozess von säkularem und religiösem Bewusstsein wie auch den Lernprozess innerhalb der jeweiligen reli­giösen Gemeinschaft.

Die ersten fünf Aufsätze konzentrieren sich auf die Beziehung des Staates und seiner Organe zu religiösen Gemeinschaften. Stefan Huster be­schreibt in seinem Beitrag (S.35-54) die wert­volle Unterscheidung zwischen Begründungs­neutralität und Wirkungsneutralität des Staates. Das erste ist eine Verpflichtung des Staates; das zweite kann er nicht garantieren und ist auch nicht wünschenswert. Eine Konkurrenz von Überzeugungen würde nämlich dann verhindert werden (S.39-40). Es bleibt die Frage, ob sich alle religiösen Gruppierungen darauf einlassen. Heiner Bielefeldt stellt in seinem Beitrag (S.55-evangelikale missiologie 23[2007]4 74) das vielfältige Spektrum im Raum des Islams vor. Er ist optimistisch, dass die „lebens­weltliche Flexibilität“ im Raum des Islam eine Eingewöhnung ermöglicht. Dieser Optimismus wird von Duran Terzi (S.75-79) und Reza Hajatpour (S.81-86) geteilt. Wolfgang Thierse hinterfragt diesen Optimis­mus zu Recht: „Für den Wahrheitsanspruch einer Religion bleibt es ein Stachel, der religiösen Überzeugung des Anderen dieselbe Dignität zuzumessen wie der eigenen“ (S.29). In seinem Beitrag (S.27-34) argumentiert er ande­rerseits im Rückgriff auf Lessings Toleranz­begriff, dass „die Erfahrung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit den Islam so ändern könnte, dass er von sich aus unsere grundlegenden Prinzipien und Maßstäbe akzeptieren kann“ (S.32). Thierse sieht in der sogenannten „inter­kulturellen Kompetenz“ (S.33) eine Schlüssel­qualifikation der Zukunft. Ob das ausreicht, kann alleine die Zukunft zeigen. Weitere vier Aufsätze beleuchten die Rolle des Individuums im Rahmen dieser übergeordneten Beziehungen. Es beginnt damit, dass jeder Mensch das Recht hat, Rechte zu haben, wie Christa Schnabl anhand von Hannah Arendt aus­führt (S.89-104). Karl-Wilhelm Merks be­schreibt die Trennung von Politik und Religion als eine große Leistung des Abendlandes in sei­nem Aufsatz (S.105-135). Damit betont er „die Einsicht in die Autonomie des Sittlichen“, wel­che „die Moral sowohl aus der staatlichen wie aus der kirchlichen Bevormundung freigibt“ (S.128). Das Ethikverständnis muss daher empi­risch verwurzelt und säkular sein (S.126). Nur in diesem Rahmen kann man die Verantwortung eines Christen im Staat denken und überhaupt scheint die Vermittlung der (christlichen) Reli­gion nur im Engagement für Menschlichkeit möglich (S.133). Die Geistesgeschichte des Abendlandes wird damit implizit zum Maßstab erhoben. Der Islam hat nämlich in seiner Ge­schichte die Trennung von Politik und Religion nicht vollzogen, wie Merks selbst betont (S.128). Wie schwierig es ist, solche Gedanken in einem islamisch-geprägten Land zu denken und umzusetzen, veranschaulicht Cevat Kara in seinem Beitrag zur Jungtürkenzeit (1908-1914) (S.137-155).

Ob eine offene (und gewaltfreie) Konkurrenz von Überzeugungen gewünscht ist und prakti­ziert wird, hängt entscheidend von der Bereit­schaft der einzelnen Bürger ab - und damit ist jeder einzelne gefragt. Diese Bereitschaft muss verpflichtend sein. Zur Realisierung bedarf es sicherlich „dialogfähiger Identitäten“. Mit die­sem Stichwort beschreibt Regina Ammicht Quinn (S.157-165) ein für mich nicht klar fass­bares „zwischen“ im interreligiösen Dialog. Sie grenzt diese Identität von einer defensiven und einer offensiven Identität ab. Erstere versucht Bestehendes zu bewahren, z.B. das sogenannte „christliche Abendland“. Letztere kann Begeg­nung mit „anderen“ nur als „Bekehrung“ begrei­fen. Dialogfähigkeit, die den anderen nicht zum Objekt macht, ist sicherlich gefordert. Des­wegen muss aber der Wahrheitsanspruch der eigenen Überzeugung nicht zwangsläufig rela­tiviert werden. Es muss möglich sein, dem Gesprächspartner als Mensch zu begegnen und die eigenen Überzeugungen uneingeschränkt zu vertreten.

Diese Beiträge fordern auf vielfältige Weise zum Nach- und Weiterdenken heraus und sind allen zu empfehlen, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen wollen.

Heiko Wenzel,em 2007-4.

Hein, Uwe. Indische christliche Seelsorge. (Bd.14, Erlanger Monographien aus Mission und Ökumene). Erlangen: Verlag der Ev. Luth. Mission, 1991.

Diese Heidelberger Dissertation hat eigentlich das Gewicht einer Habilitationsschrift. Der Verfasser hat alles herangezogen, was indische Christen unserer Zeit zur Frage geschrieben haben, und hat durch wiederholte Reisen an Ort und Stelle beobachtet und sich berichten lassen. Der Verfasser hat recht daran getan, daß er zunächst Umwelt und Überlieferung indischer Kultur beschrieben hat (Kaste, Yoga, Ashram, Guru-Chela-Beziehung usw.). Darauf handelt er ab S.148 die christliche Seelsorge indischer Gestalt in 3 Schritten ab: zunächst die Frage der Form (Sprache und Kultur, Kunst und
Liturgie, Beichte, Heilung, Sterben usw.); sodann den Kontext (Gemeinschaft, Familie, Aktion zur Bewußtseinsbildung zur Befreiung); schließlich die Person des Seelsorgers. Hier bewegt ihn besonders „Spiritualität und Meditation“. Leider wird nicht deutlich, worin sich hinduistische und christliche Meditation voneinander unterscheiden, wie sie sich in verschiedener Blickrichtung bewegen. Hier wie auch sonst muß die Frage des Synkretismus deutlich in den Blick genommen werden.

Indische Frömmigkeit und Seelsorge läßt das, was man heute abschätzig „starre Dog­men“ nennt, hinter sich. Sie sucht Erfahrung und blickt nur auf Jesus, allerdings ohne die Heilsgeschichte mitzubedenken. Man wünschte sich, daß deutlicher gezeigt würde: der Seel­sorger muß die Ganzhingabe an Christus (seif­surrender to Christ) vollzogen haben und ein Mann des Gebets sein. Zu recht wird wieder­holt auch Sadhu Sundar Singh genannt, und nach dem englischen Wortlaut seiner Schriften zitiert. Warum fehlt ein Hinweis darauf, daß eine deutsche Übersetzung mit Erläuterungen vorliegt?

Das Buch schließt mit „Anregungen für die deutsche Seelsorgearbeit“. Das Literaturver­zeichnis ist überwältigend umfangreich und für künftige Arbeit zum Thema unentbehrlich (294-320). Nun sollte aber auch ein Inder zum Thema das Wort nehmen und aus der Praxis heraus an Beispielen zeigen, wie Seelsorge geschieht: auf dem Dorf, in der Stadt, bei Chri­sten, die aus den Kastenlosen kommen, und bei anderen usw. usw.

Friso Melzer, em 1993-1.

Heiner, Wolfgang. Schüsse am Schlangen­fluß. Neuhausen: Hänssler, 1993 (Nachdruck von 1979).

Drei Männer sind sich in Brasilien begegnet: Gerhard Lutasch, Sohn eines deutschen Kolo­nisten, Josué de Marco, Sohn eines brasiliani­schen Kolonisten und Pedrinho, der Indianer­häuptling. Zwei Morde führen dazu, daß alle drei über Brasilien zerstreut werden. Wolfgang Heiner erzählt, wie durch die Arbeit von Mis­sionaren alle drei zum Glauben an Jesus Chri­stus finden. Zwischen spannenden Abschnitten enthält das Buch eine Menge – manchmal zu langatmiger – Informationen über die Religion, Geschichte und Missionsituation in Brasilien. Wer das Buch Kindern ab 12 Jahren vorliest oder erzählt, kann das Wesentliche herausfil­tern.

Christof Sauer, em 199-3.

Hempelmann, Heinzpeter. Wahrheit ohne Tole­ranz - Toleranz ohne Wahrheit? Chan­cen und Grenzen des Dialogs mit Anders­gläubigen. Wuppertal: R.Brockhaus, 1995.

Sobald ein Christ unter Nichtchristen seine Überzeugung äußert, daß Jesus der einzige Weg zu Gott ist, gerät er häufig unter schweren Beschuß. Es sei intolerant, so zu denken, und fundamentalistisch. Manchmal wird er sogar mit politisch aktiven Islamisten in einem Atemzug genannt. Daß dieser Vorwurf ungerechtfer­tigt und sogar falsch ist, zeigt Heinzpeter Hempelmann in seinem knapp 70 Seiten umfassenden, gut lesbaren Büchlein. Er gibt begründete, sachliche Denk- und Argu­mentationshilfen für Christen und Nichtchri­sten bei der kritischen Frage nach Wahrheit und Toleranz.

Durch seine philosophischen und theologi­schen Studien und Veröffentlichungen, beson­ders im Bereich der Erkenntnistheorie, ist der Autor für eine derartige Schrift besonders qua­lifiziert. Seit 1995 ist er Studi­enleiter des Theologischen Seminars der Lie­benzeller Mis­sion.

Dieses, trotz mancher philosophischer Fachbe­griffe, sehr lesenswerte Büchlein sollte weite Verbreitung finden und ist allen, die sich mit missionarischen und apologetischen Fragen auseinandersetzen, wärmstens zu empfehlen. Es hilft, Klarheit über einen christlichen Stand­punkt zu gewinnen und diesen ohne defensiven Unterton zu vertreten.

Martin Sachs, em 1997-4.

Herbst, Michael; Jörg Ohlemacher, Johannes Zimmermann (Hg.). Missionarische Perspek­tiven für die Kirche der Zukunft: Beiträge zur Evangelisation und Gemeindeentwicklung Bd. 1, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Ver­lagsgesellschaft, 2005.

Der vorliegende Sammelband ist die erste eige­ne Veröffentlichung des im April 2004 gegrün­deten „Instituts zur Erforschung von Evangelisa­tion und Gemeindeentwicklung“ der Theologi­schen Fakultät der Universität Greifswald. Zugleich ist es der erste Band seiner damit be­gründeten wissenschaftlichen Publikationsreihe, der „Beiträge zur Evangelisation und Gemein­deentwicklung“, deren Herausgeber identisch sind mit den Herausgebern dieses ersten Bandes. M. Herbst und J. Ohlemacher sind Professoren für Praktische Theologie in Greifswald und die (nebenamtlichen) Direktoren des Institutes. Herbst hat sich bereits mit seiner Dissertation „Missionarischer Gemeindeaufbau in der Volkskirche“ (Stuttgart, 1990), Ohlemacher mit seiner historisch-theologischen Studie zur deut­schen Gemeinschaftsbewegung „Das Reich Got­tes in Deutschland bauen“ (Göttingen, 1986) um das Thema Mission in Deutschland verdient gemacht. H. Zimmermann ist (vollamtlicher) wissenschaftlicher Geschäftsführer, finanziert von der Württembergischen Landeskirche. Im Wesentlichen dokumentiert der Band die Beiträge eines Symposiums in Greifswald, das mit der Eröffnung des Instituts verbunden war. Der Band hat drei Teile. Im ersten grundlegen­den Teil bietet der katholische Pastoraltheologe Paul M. Zulehner (Univ. Wien) missionstheolo­gische Perspektiven: „christentümliche“ Gesell­schaften seien einer „atheisierenden“ Kultur gewichen und verlangten von den Kirchen nicht nur „rückbauende Verschlankung“, sondern einen missionarischen Aufbruch. Die säkulare Offenheit für Spiritualität sei ein Anknüpfungs­punkt für eine „mystagogische Mission“, die davon ausgeht, dass Gott alle retten will, in allen schon wirkt und nach konkreten Wegen sucht, ,jene, die Gott uns ,hinzufügt’ (Apg. 2,47), zu gewinnen… damit seine Kirche leben und wir­ken kann“ (S. 23). M. Herbst beschreibt in sei­nem Beitrag, in dem er das Institut vorstellt, zunächst den pommerschen, hochschulischen und kirchlichen Kontext des Institutes. Er erin­nert an die Gründungsimpulse aus der Leipziger Synode 1999 und der davon inspirierten EKD-Studie „Das Evangelium unter die Leute brin­gen“ (EKD-Text, 2000). Er beschreibt den kon­zeptionellen und strukturellen Weg der Grün­dung von 2001-2004 und die ersten durchgeführten Projekte. Das Institut versteht sich als bisher einmalige universitäre Forschungsstelle für Mission in Deutschland im Rahmen der ev. Landeskirchen. Träger sind die Pommersche Landeskirche und die Arbeitsgemeinschaft Mis­sionarischer Dienste (AMD) des Diakonischen Werkes der EKD. Darüber hinaus finanziell und personell beteiligt sind einzelne Landeskirchen (Pommern, Baden, Württemberg) und Stiftun­gen. Das Konzept besteht darin, historische, theologische und praktische Aspekte der Evan­gelisation und missionarischen Gemeindeent­wicklung in den ev. Landeskirchen zu erfor­schen und zu vermitteln – durch Lehrveranstal­tungen an der Fakultät, durch Weiterbildung für Pfarrer und Ehrenamtliche und durch Disserati-onen und Habilitationen. „Zusammengehalten werden diese verschiedenen Aktivitäten durch die Überzeugung von der „prinzipiellen Ge­meindlichkeit des Glaubens“ (S.41). Im zweiten Teil zeigt der Greifswalder Neutes-tamentler Christfried Böttrich die Legitimation und Enfaltung des missionarischen Auftrag der Kirches nach dem NT auf. Überzeugend legt er die Vielfalt und Tiefe neutestamentlicher Missi­onspraxis dar. Zutreffend auch die Deutung zu Römer 9-11, dass „Israel seiner Erwählung auch durch ein Nein zu Christus nicht einfach verlus­tig geht“. Nicht überzeugend allerdings finde ich seine Schlussfolgerung, nämlich dass darum für Paulus nach der Ablehnung des Evangeliums durch Israel die Heidenmission (unter Aus­schluss Israels) „das nun einzig angemessene … Zeugnis gegenüber seinem Volk“ sei (S.67). Hat Paulus nicht auch nach seinem Römerbrief weiterhin (auch in Rom), den Juden das Evange­lium bezeugt?

Hans-Jürgen Abromeit, Bischof der Pommerschen Landeskirche, unterzieht die Werke Bon-hoeffers einer bemerkenswerten und inspirie­renden missiologischen Re-Lektüre. Nicht die Religionslosigkeit und Mündigkeit an sich sei das Zentralthema Bonhoeffers gewesen, sondern die Frage: „Wie kann Christus der Herr auch der Religionslosen werden“ und damit auch die an die eigene Identität rührende Frage, „wer Chris­tus heute für uns eigentlich ist“ (S. 71) . Daraus folgernd entwickelte Bonhoeffer sowohl ekkle-siologische als auch Neuansätze in der theologi­schen Ausbildung. Die Kirche müsse von der Volkskirche zur Missionskirche werden. Im Finkenwalder Predigerseminar lehrte Bonhoef­fer sowohl Seelsorge als auch Homiletik unter dem Aspekt „Christum zur letzten Entschei­dung“ zu predigen. Er entwickelte das Modell der Volksmissionswochen mit team­missionarischen Einsätzen. J. Zimmermann zieht aufschlussreich Bilanz zu 25 Jahren missionarischem Gemeindebau und zeigt auf, dass zwar manche Erwartungen uner­füllt blieben, aber dennoch mehr geblieben ist als Einzelansätze und ein neues Bewusstsein für „Gemeinde“ als erkennbares Profil im Pluralis­mus gewachsen ist.

Im dritten Teil des Buchs werden verschiedene Kontexte reflektiert. Zulehner stellt die katholi­sche Studie zu Atheismus und Glaube in zehn postkommunistischen Ländern vor, wobei auf­fällt, das Ostdeutschland einen wesentlich inten­siveren Atheismus als beispielsweise Polen auf­zuweisen hat. Weitere Beiträge (L. Szabö) wid­men sich dem Gemeindeaufbau im Rahmen der Ev. luth. Kirche in Ungarn und dem missionari­schen Konzept der Ev. luth. Church of America (Brent Dahlseng). Letzterer stellt lediglich einen Programmentwurf dar, ohne die konkrete Situa­tion zu reflektieren, die sich doch sehr von der in Deutschland unterscheidet. Die ELCA stellt in den USA ein eher kleine und kulturell eher eine Nischenkirche dar. Der Beitrag steht von daher etwas zusammenhanglos da. Abgeschlos­sen wird der Band durch einen Beitrag des Ros­tocker praktischen Theologen Thamas Klie zur missionarischen Bedeutung kirchlicher Räume, der mit Recht darauf hinweist, hier „gewonnene Deutungsofferten“ zu entdecken. Fazit: Der Band ist Ausdruck eines bemerkens­werten Neuansatzes zur ReflektiDn missionari­scher Arbeit in Deutschland im Bereich univer­sitärer evangelischer Theologie. Der Neuansatz scheint geprägt von dem positiven, unpolemi­schen Willen, eine breite, aber zugleich nicht pluralistische, sondern dem neutestamentlichen Evangelium verpflichtete und gemeindebezoge­ne Basis für missiologische Reflektion im Rah­men der ev. Landeskirchen zu schaffen. Diese erste Veröffentlichung bietet einige bemerkens­werte und inspirierende Beiträge, wobei das Zentralstück des Bandes Herbsts „Gründungser­zählung“ (S. 11) über das neue Institut ist, die auch den roten Faden vermittelt. Insgesamt setzt die Dokumentation des Gründungssymposiums einen wichtigen Doppelpunkt für zu erwartende weitere Veröffentlichungen des vielverspre­chenden landeskirchlich-theologischen Instituts. Das Buch ist also eine lohnende Lektüre für alle, die an der missionarischen Herausforderung in Deutschland - auch über den evangelisch-landeskirchlichen Rahmen hinaus - mitdenken und -arbeiten wollen.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.

Hesselgrave, David J. Scripture and Stra­tegy. The Use of the Bible in Postmodern Church and Mission. Evangelical Missiologi­cal Series 1. Pasadena (CA): William Carey Library.

Rommen, Edward; Harold Netland (Hg.), Chri­stianity and Religions: A Biblical Theology of World Religions. Evangelical Missiological Series 2. Pasadena (CA): William Carey Library.

Dies sind die ersten beiden Bände einer neuen missiologischen Buchreihe des amerikanischen Gegenstücks zum AfeM. Der Titel des ausge­zeichneten ersten Bandes ist ebenso irreführend wie der Untertitel, denn Hesselgrave stellt vor allem das Anliegen zehn führender evangeli­kaler Theologen und Missiologen vor: Carl F. Henry (Biblische Autorität), Erich Sauer (Heils­geschichte), William J. Larkin (Aus­le­gung der Bibel), Paul G. Hiebert (Kontex­tua­li­sie­rung), Hans-Ruedi Weber (Dialog und Kon­frontation), Trevor McIlwain (Jün­ger­schu­lung), Timothy M. Warner) Geist­liche Kampf­füh­rung), John Piper (Gemeinde und Mission) und Ralph D. Winter (Ausbildung von Leitern der Zukunft). Natürlich geht es auch darum, wel­che bedeutende Rolle die Bibel für alle diese Theologen spielt, aber vor allem wird deren zentrales Anliegen darge­stellt, um aus diesem Mosaik ein Gesamtbild evangelikalen Missi­onsdenkens zu gewinnen. Damit wird das Buch zu einer ausgezeichneten ersten Einführung in die evangelikale Missio­logie der Gegenwart.

Im zweiten Band der Serie untersuchen 14 Autoren eine biblische Sicht der nichtchristli­chen Religionen. Im Mittelpunkt stehen exege­tisch-systematische Aufsätze jeweils zu den großen Teilen der Bibel: Pentateuch, Weis­heitsliteratur, Propheten, Evangelien & Apo­stelgeschichte, Paulusbriefe und restliches Neues Testament - ein ausgezeichnetes Vorge­hen, das auch einmal die weniger bekannten Bibeltexte zum Thema erfaßt. Daneben finden sich historische und zusammenfassende Bei­träge. Insgesamt wird versucht, die Einzigar­tigkeit Jesu und des von ihm geschaffenen Heilswegs mit einem möglichst wenig kon­frontativen Umgang mit anderen Religionen zu verbinden.

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-1.

Heyden, Ulrich van der. Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Westafrika, Selignow-Verlag, 2., überarbeitete Auflage, Mai 2001.

1681, fünfundzwanzig Jahre vor Beginn des Dänisch-halleschen Missionsprojektes in Tranquebar/Indien, schloß der Kapitän des preußischen Schiffes „Wappen von Brandenburg“ im Auftrag seines Fürsten einen Vertrag mit drei afrikanischen Häuptlingen zur Errichtung eines kolonialen Stützpunktes. Ein Jahr später wurde in Emden eine preußische Handelskompanie gegründet und zwei Jahre später (1683) wurde die Festung „Großfriedrichsburg“ im heutigen Ghana gebaut. Zum nun beginnenden brandenburgisch-preußischen Kolonialhandel gehörte auch ein einträglicher Sklavenhandel. Als Stützpunkt für die Sklavengeschäfte mietete Preußen 1685 einen Teil der karibischen Insel St. Thomas an. Der Sohn des Großen Kurfürsten, der pietistisch geprägte Friedrich Wilhelm I. (der „Soldatenkönig“), allerdings sah das „afrikanische Komerzienwesen“ seines Vaters als „eine Chimäre“ (Hirngespinst) an und verkaufte 1717 alle afrikanischen Besitzungen für 6000 Dukaten an die Niederländisch-Westinische Kompanie. Erst in der Phase des deutschen Imperialismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts (Carl Peters, O. v. Bismarck) wird die Erinnerung an diese Episode wieder heraufbeschworen und der Große Kurfürst als „Pio-nier“ geehrt.

Ulrich van der Heyden, Kolonialhistoriker und Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, schildert in diesem schön gestalteten Bildband die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe dieses Unternehmens, würdigt die Leistungen brandenburgischer Bauleute, Schiffbauer, Matrosen und Soldaten und gibt Einblicke in die schreckliche Realität des Sklavenhandels. Ebenso wird die frühe „Begegnung“ von Vertretern zweier so unterschiedlicher Kulturen, wie die Brandenburg-Preußens und die der westafrikanischen Küste berücksichtigt. Der attraktive Band enthält neben dem Textteil Fotos, alte Drucke, Landkarten, zeitgenössische Texte sowie eine Zeittafel und eine ausführliche Bibliographie. Abgerundet wird er mit Aufnahmen vom heutigen Zustand und Berichten über die aktuelle Nutzung in einem Entwicklungsprojekt.

Obwohl es hier also nicht um Missionsgeschichte geht, bietet der Band interessante Einblicke in die missionsgeschichtliche „Umwelt und Zeitgeschichte“ des 17. und 18. Jahrhunderts und macht e contrario die gegensätzlichen Motivationsfelder kolonialer und missionarischer Aktivität deutlich.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.

Hiebert, Paul G., Transforming world­views. An anthropological under­stand­ing of how people change, Grand Rapids: Baker Academic 2008.

„Hiebert at his best“ (Scott Moreau). Nach etwa 40 Jahren Lehrtätigkeit als Professor für Ethnologie und Missiologie hat Paul Hiebert sein missions­wissen­schaftliches Forschen zusammengefasst in dem Sachbuch „Transforming World­views“, das etwa ein Jahr nach seinem Le­bens­ende erschienen ist. Viele The­men aus seinen früheren Ver­öffent­li­chun­gen finden sich hier wieder, diesmal neu strukturiert und eingeordnet in eine um­fassende Gesamtdarstellung. Dabei ist Hiebert – wie immer – gut zu lesen. Sein Aufbau ist übersichtlich, sein Gedanken­gang schlüssig, seine Ausdrucksweise klar und gut zu verstehen. Es gelingt ihm, komplexe Sachverhalte einfach dar­zustellen, ohne zu simplifizieren. Dass an einzelnen Stellen Wiederholungen vor­kommen, lässt sich thematisch nicht vermeiden.

Nach einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Konzepts „Weltbild“ fasst er in einem aus­führ­lichen zweiten Kapitel die Charak­teris­tika von Weltbildern zusammen. Geleitet wird er dabei von der Arbeitsdefinition „[Worldview is] the foundational, cogni­tive, affective and evaluative assump­tions and frameworks a group of people makes [sic.] about the nature of reality which they use to order their lives“ (S. 25f). Dabei bedenkt Hiebert sowohl die synchrone Struktur eines Weltbilds als auch die diachrone Dimension der Ent­wicklung und Veränderung eines Welt­bilds. Er bezieht Sprache und Logik, Vor­stellungen von Raum und Zeit, me­cha­nische und organische Grund­muster des Weltverstehens ebenso ein wie Oplers These der kulturellen The­men und Gegenthemen.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Ver­hältnis von Weltbild und Kontext, und Kapitel 4 untersucht Methoden, mit deren Hilfe Weltbilder analysiert werden kön­nen (ethno-semantische Analyse, Rituale, Mythen). Es folgen fünf Kapitel über Grundzüge von Weltbildern in unter­schied­lichen Kontexten und Kul­tu­ren, angefangen bei Stammes- und Bauern­kulturen über das Weltbild der Moderne bis hin zu Weltbild-Charak­teristika der so genannten Postmoderne und der Post-Postmoderne, dem „glo­kalen Weltbild“, wie Hiebert es nennt. Hiebert folgt hier der Inter­pre­tation von Smith und Laudan, die den post­mo­der­nen Skepti­zismus als eine Über­gangs­phase in ein post-post­mo­der­nes Zeitalter verstehen. In diesen Kapi­teln werden jeweils einige charak­te­ris­tische Elemente skizziert, die für Welt­bilder dieser Kul­turen typisch sind. Diese Charak­te­ri­sie­rung ist als Überblick und Ausgangs­punkt für eigene For­schung im konkreten kulturellen Um­feld gedacht. Am aus­führlichsten ist dabei die Darstellung des modernen Welt­bilds, das in der jüngeren Missions­geschichte einen großen Ein­fluss auf die Missionspraxis der west­lichen Kirchen gehabt hat. Ein­drücklich sind hier die Passagen, in denen Hiebert aufzeigt, wie stark unsere Kirchen und unser theo­logisches Denken in der west­lichen Welt beeinflusst sind von Grundmustern der Moderne (z. B. der Club-Charakter unsrer Gemeinden, die Betonung des indi­vi­dualistischen Cha­rakters eines persön­li­chen Glaubens etc.). Es folgt ein Kapitel, in dem Hiebert einige Grundzüge eines biblischen Welt­bilds skizziert. Hierbei handelt es sich nicht um eine definitive Darstellung eines ‚supra-kulturellen bib­li­schen Welt­bilds’. Vielmehr macht Hiebert auf­merk­sam auf einige grund­legende kognitive, affektive und eva­lua­tive Themen, die aus der biblischen Gesamtgeschichte er­wach­sen. Es handelt sich um einen Ge­sprächsanstoß, der zu einer kritischen Reflexion eines spezi­fischen Weltbilds im Licht der biblischen Gesamt­ge­schich­te anregen möchte.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit grundlegenden Prozessen von Weltbild-Transformation (Bekehrung als Welt­bild-Transformation; wie kommt es zu einem Paradigmenwechsel?) und dem Verhältnis der Weltbild-Transformation zu anderen Systemen (soziales System, multi-individuelle Entscheidungen).

Dieses Buch lädt ein, einem Mis­sions­wissenschaftler in der Endphase seines Wirkens über die Schulter zu schauen und zu sehen, wie Erkenntnisse aus un­ter­schiedlichen Phasen seines For­schens zu einem Gesamtbild zusammen wach­sen. Hiebert arbeitet dabei heraus, dass Mission nicht nur auf die Ver­änderung von Verhaltensweisen oder die Über­nahme bestimmter religiöser Über­zeu­gungen zielt. Menschen begegnen Gott in der Gesamtheit ihres Lebens und Denkens. Diese Begegnung muss Folgen haben für alle Bereiche des Lebens und Denkens, einschließlich der verborgenen und unbewussten Aspekte des Weltbilds. Das Ziel christlicher Missionsarbeit muss deshalb sein, das Evangelium so weiterzugeben, dass es zu einer Begeg­nung mit dem jeweiligen Weltbild kommt und damit zu einer kritischen Auseinandersetzung auf tiefster Ebene. Dieses Buch wird jedem interessierten Missionar helfen, die aus dieser Be­gegnung resultierenden Verän­de­rungs­prozesse besser zu verstehen und zu begleiten. Und es wird für all die­jenigen von großem Interesse sein, die versuchen Menschen den Horizont zu weiten für andere Sichtweisen der Welt und dabei zu einer kritischen Aus­ein­andersetzung mit dem eigenen Weltbild anleiten wollen.

Dr. Jürgen Schuster, em 2009-4.

Hille, Rolf. Das Ringen um den säkularen Menschen. Karl Heims Auseinandersetzung mit der idealistischen Philosophie und den pantheistischen Religionen. Gießen/Basel: Brunnen 1990.

Rolf Hille erwarb mit der vorliegenden Inau­guraldissertation nicht nur den Titel eines Dr. theol. (München 1990), er sicherte sich auch die Anerkennung und den Dank gegenwärtiger und zukünftiger Karl-Heim-Forscher: Hilles umfangreiches Werk bietet auf S.446-597 das gesamte Schrifttum von und über Karl Heim, übersichtlich gegliedert und mit wissenschaft­licher Akribie erstellt. Somit steht nun erstmals eine wirklich umfassende Karl-Heim-Biblio
graphie zur Verfügung (vgl.17f), die auch neues, bislang nicht zugängliches Material be­inhaltet.

Manch ein Leser, der sich bereits mit Heim beschäftigt hat, wird wohl schon bei der Lek­türe der Vorbemerkungen (9ff) eine Überra­schung erleben: Wir sind es gewohnt, mit dem Namen Karl Heim die Person und das Werk jenes Theologen zu verbinden, der durch seine umfassende theologische, philosophische und naturwissenschaftliche Bildung bestach und den interdisziplinären Dialog mit den moder­nen Naturwissenschaften pflegte. Er hegte das erkenntnistheoretisch und apologetisch moti­vierte Interesse, das ganze der Wirklichkeit vom christlichen Glauben her zu erkennen, zu denken und als denk-möglich zu erweisen. Wir kennen Heim als den Theologen, der „die gei­stige Auseinandersetzung mit dem naturwis­senschaftlich begründeten Säkularismus“ (llf) bzw. der „materialistischen Konzeption des Säkularismus“ führte (16).

Hille stellt uns einen bisher kaum bekannten Heim vor: Einen religionswissenschaftlich in­teressierten Theologen, der sich mit den ost­asiatischen Hochreligionen auseinandersetzte und im „asiatische[n] Pantheismus“ das welt­anschauliche Pendant zum „abendländische[n] Idealismus“ sieht, und zwar insofern, als er in beiden äquivalente Formen des „Mystizismus“ findet (16). Im Mystizismus erkennt Heim nun wiederum eine bestimmte Ausprägung des Säkularismus, so daß sein Säkularismusbegriff insgesamt „sowohl das Phänomen des Materia­lismus“ als auch „das des Mystizismus“ umfaßt (16). Diese Erkenntnis ist für das Verständnis der Heimschen Theologie grundlegend, da er den abendländischen Idealismus bzw. den asia­tischen Pantheismus durchweg als „die andere große Herausforderung der christlichen Theo­logie sachlich gleichberechtigt neben dem Pro­blem des Materialismus thematisiert“ (16). Damit wird eine Präzisierung des Karl Heim-Bildes notwendig: Der bisher kaum bekannte Heim ist der wahre - ihn und seine apologeti­sche Konzeption möchte Hille dem Leser na­hebringen, um so das theologische Gespräch über das durchaus aktuelle, leider aber kaum rezipierte Werk Heims anzuregen (7f; llf; 16). Nachdem Hille den bei Heim wichtigen Zusammenhang von Biographie und Theologie entfaltet hat (Verwurzelung im Pietismus), schildert er Heims Begegnung mit dem Säku­larismus und dessen Analyse dieses wichtigen Phänomens. ‚Säkularismus’ meint hier „das menschliche Bemühen, dem verfügbaren, welt­haften Sein göttlich-ewige Qualität zu verlei­hen“ (83). Im folgenden stellt Hille dar, wie Heim jenes Bemühen anhand der drei genann­ten Formen des Säkularismus entfaltet, den Mystizismus dann umfassend kritisiert und eine eigene Begründung des theologischen Perso­nalismus vorlegt. Hilles „Kritische Anmerkun­gen zur Würdigung der missionarischen Apo­logetik Karl Heims“ (410ff), die diesen Titel wegen ihrer Sachkenntnis und Ausgewogenheit zu Recht tragen, sowie eine Thesenreihe beschließen das Werk. Hier ist Hille darin zuzustimmen, daß Heim seine stärkste Leistung in der Apologetik gegenüber dem Materialis­mus zeigt (vgl. S.443). Allerdings sind Heims religionswissenschaftliche Darstellungen und Analysen des Hinduismus und Buddhismus des öfteren so undifferenziert und religionswissen­schaftlich problematisch, daß ich Hilles dies­bezügliche Kritik (vgl. 232ff; 405ff; 443ff) noch schärfer und grundsätzlicher formulieren würde.

A. James Findeisen, em 1993-2.

Hollenweger, Walter J. Charismatisch-pfingstliches Christentum: Herkunft, Situa­tion, Ökumenische Chancen. Vandenhoeck & Ru­precht: Göttingen, 1997.

Da es nur wenig fundierte Literatur zur Ge­schichte der pfingstlichen und der charismati­schen Bewegungen gibt, diese aber stän­dig an Bedeutung zunehmen, wird kaum einer an die­ser Darstellung eines der besten Ken­ner der Materie weltweit vorbeikommen. Was Hol­lenweger zusammenge­tragen und gründlich belegt hat, wird vielen inner­halb und außerhalb die­ser Bewegungen neu sein. Viele Aufbrüche und Pfingsttheologen werden erstmals theolo­gisch beschrieben und eingeord­net, insbeson­dere in Län­dern wie Korea, Mexiko, Chile und Südafrika. Hollenwegers Klassifizierun­gen verschiedener Strömungen (bes. S.198) und Analysen von typischen Entwicklungen sind geradezu klassisch. Als Missionswissenschaft­ler be­zieht Hollenweger ständig den internatio­nalen Bezug und die missionari­sche Kompo­nente der Pfingsbewegung mit ein. Er be­handelt auch aus­drücklich die „Pfingstliche Missionswissenschaft“ (S.330-337), die er stark von dem Anglikaner Roland Allen beein­flußt sieht.

Hollenweger will mit seinem Buch aber auch ganz bewußt der Pfingstbe­wegung sagen, wie sie sich in Zukunft entwickeln sollte. In etli­chen Din­gen wird man ihm sicher zustim­men, etwa seiner wiederholten Kritik, daß viele Pfingstkirchen zu wenig gegen den Lebensstil superreicher Evangeli­sten unternehmen, ob­wohl die Pfingstbewegung doch gerade unter Unter­privilegierten ihren wesentlichen Beitrag leistet. Auch das Erstaunen über die Eschatolo­gie der Pfingstbewegung ist sicher berechtigt. „Man wird erwar­ten, daß die Pfingstler einen starren Dispensationalismus kritisie­ren“, der Geistesgaben für erloschen hält. „Merkwürdig ist nur, daß die Pfingstler in allen anderen Punkten sich immer noch auf die Methode des Dispensatio­nalismus berufen“, obwohl dieser doch ihrer Erfahrung und ihrer Exegese wider­spricht“ (S.347-348; vgl. 229-230).

Aber bei Hollenwegers Änderungswünschen an die Pfingsbewegung fließen auch schon im ge­schichtlichen Teil und erst recht in seinen Empfehlun­gen ständig viele Elemente seiner Theologie ein, die manchmal sogar recht wenig mit dem Thema zu tun haben. Er schreibt etwa: „Meine eigene Schlußfolgerung ist, daß wir für einen theologisch verantworteten Synkre­tismus plädieren müssen“ (S.342). Er empfiehlt „eine neue Soteriologie“ (S.284-286), die auf den Gedanken der Hölle und des ewigen Verloren­seins verzichtet (S.285). Den „Prozeß der Evangelikalisierung“ (S.391) der Pfingstge­meinden sieht Hollenweger eindeutig als nega­tiv, wie überhaupt ein anti-evangelika­ler Zug das ganze Buch durchzieht. Wenn möglich - so Hollenweger - sollte ein meist ökumenisch be­ginnender charismatischer Aufbruch die meist folgende evangelikale Phase über­springen und gleich zur späteren noch weitherziger ausge­richteten Phase eintreten. (Erst recht wendet sich Hollenweger gegen jede Art von Funda­mentalismus, wobei sich allerdings kaum ein Evangelikaler als Funda­mentalist sehen würde, wenn er Hollenwegers Definition zugrundele­gen würde.)

Die Übersetzung ist im übrigen sehr holprig, weswegen sich für manche Details der ge­schichtlichen Darstellung eine Rückversiche­rung anhand des englischen Originals emp­fiehlt, bevor man das Buch zitiert. (Das deut­sche Buch ist dabei Band 2 des englischen Ori­ginals ‘The Pentecostals’.)

Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-4.

Holthaus, Stephan. Heil – Heilung – Heiligung. Die Geschichte der deutschen Heiligungs- und Evangelisationsbewegung (1874-1909), Kirchengeschichtliche Monographien 14, Giessen, Basel: TVG Brunnen, 2005.

Dem Autor, Dekan der Freien Theologischen Fakultät in Giessen, ist nach Jahren der Forschung ein großer Wurf gelungen: seine Arbeit besticht durch Materialfülle, Detailwissen und neue Forschungsergebnisse. Zum ersten Mal wird in diesem Buch die bis dato fast völlig unerforschte deutsche Heiligungsbewegung (HB) aus dem Dunkel des Vergessens und Verschweigens einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Autor setzt sich zum Ziel, die wichtigsten geschichtlichen Eckpunkte der Heiligungs- und Evangelisationsbewegung zu beschreiben und die historischen Fakten zu liefern, die einen Gesamtüberblick ermöglichen sollen. Wohltuend erkennt der Leser dabei an, dass sich der Autor in seinen Urteilen zurückhält und um Objektivität bemüht ist.

Holthaus schlägt einen beeindruckenden Bogen von den Anfängen der HB im Methodismus und anderen Kreisen Nordamerikas Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Aufbrechen der Pfingstbewegung in Deutschland um 1910. Eingebettet in diesen Rahmen untersucht der Autor zunächst den europäischen Beginn der HB. In kurzen Biographien werden die wichtigsten Vertreter der HB im deutschsprachigen Raum skizziert, angefangen von Carl Heinrich Rappard, Otto Stockmayer, Theodor Jellinghaus bis hin zu Freiherr Julius von Gemmingen (125-166). Zur HB gehörten dann auch verschiedene Konferenzen, z.B. die Allianzkonferenz in Bad Blankenburg, denen der Autor ein weiteres Kapitel widmet (169-188). Aufgrund eigener Forschungen zeigt der Autor, wie die HB sich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einer Evangelisations- und Missionsbewegung weitete (191-265). Die Glaubensmissionen, die heute den Kern der evangelikalen Missionen in Deutschland bilden, gehen z.B. ausnahmslos zurück auf die Impulse der HB (237-258). Die Heilungsbewegung sieht der Autor als radikalisierten Zweig der HB, der nicht die ganze Bewegung repräsentierte (393). Durch die hier zum ersten Mal in dieser Ausführlichkeit geschehene Zusammenführung der verschiedenen neuen Werke und Initiativen (Glaubensmissionen, Heilungsbewegung, Evangelisten- und Missionsschulen, Verlage und Publikationen, Diakonische Einrichtungen und das Liedgut) gelingt dem Autor ein aufschlussreicher Überblick über die verschiedenen Fassetten der HB.

Interessant und anregend sind die vom Autor aufgegriffenen speziellen Themen und Probleme, die von der HB aufgeworfen werden. So widmet der Autor den Frauen in der HB ein ganzes Kapitel (467-507). Da mag es manchen überraschen, dass der Autor zu dem vorsichtigen Urteil kommt, dass „...die Frauen dieser Bewegung in eingeschränktem Maße der religiöse Ausdruck der gesellschaftlichen Frauenemanzipation Ende des 19.Jahrhunderts verkörperten“ (509).

Wichtig zum Verständnis der HB als internationaler und interdenominationeller Bewegung ist auch ihr Einfluss auf die Freikirchen, der kenntnisreich dargestellt wird (299-331). Noch bedeutsamer war jedoch der Impuls, der durch die HB ausging und zur Entstehung des Gnadauer Verbandes führte. Diesem Prozess geht der Autor nach (268-298). In seinem letzten Kapitel geht Holthaus auf die Entstehung der Pfingstbewegung ein (551-592). An den schmerzlichen Vorgängen um den Gründer der deutschen Pfingstbewegung, Jonathan Paul, die durch ihn hervorgerufene Spaltung der Gemeinschaftsbewegung und den Folgen der Berliner Erklärung 1909 zerbrach die HB. Hier legt der Autor den Finger auf eine wunde Stelle. Mit Recht beklagt er, dass die Gegner der Pfingstbewegung eigene Defizite und Mitverantwortung für die Fehlentwicklungen später leugneten (594). Die negativen Ereignisse wurden der ganzen HB zur Last gelegt, damit verwarfen die Väter der Gemeinschaftsbewegung jedoch ihre eigenen Wurzeln (594). Dies überzeugend herausgearbeitet zu haben, ist ein Verdienst des Autors. Leider bricht hier das Buch ab. Die immer noch notwendige „theologische“ Auseinandersetzung mit den Fragen, die die historische HB uns stellt, auch angesichts des Bruchs mit der damaligen Pfingstbewegung, ist bis heute noch nicht wirklich geführt. Vielleicht gelingt es nun, nachdem Stephan Holthaus mit der historischen Darstellung der HB gewissermaßen eine Schneise in den geschichtlichen Dschungel geschlagen hat, auch ausführlich auf die Theologie der HB einzugehen. Das umfangreiche Werk wird erschlossen durch eine fast 80-seitige Bibliographie und ein Namensregister.

Fotos der wichtigsten erwähnten Persönlichkeiten ergänzen den Text. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung. Möge es dazu helfen, die Wurzeln besser zu verstehen, aus denen die Identität der deutschen evangelikalen Bewegung erwachsen ist und zum Gespräch zwischen den verschiedenen Gruppen beitragen.

Dr. Bernd Brandl, em 2006-3.

Holzhausen, Andreas (Hg.). Mission unter Beschuß. Missionspraktiker antworten auf kritische Fragen. Neuhausen: Hänssler, 1996.

Wenn ein Thema von Kritikern unter Beschuß genommen wird, greifen die Verteidiger gern zum gleichen Mittel: Sie schießen zurück. Ge­nau dies aber tun die Autoren der 18 Beiträge nicht, die Andreas Holzhausen hier zusam­mengestellt hat. Sie greifen auch nicht nur die gängigen groben Vorwürfe auf, die gegen die Arbeit der Missionen erhoben werden, sondern auch die subtileren, argumentativ schwieriger zu behandelnden. Manche Autoren gehen be­sonders geschickt damit um: Behauptungen von seiten der Kritiker werden in aller Ruhe mit einem Fragezeichen versehen zurückge­reicht. Es wird gelassen argumentiert, hinter­fragt und abgewogen. Ideologische Verzeich­nungen finden sich höchstens andeutungs­weise.

Holzhausen hat mit 9 Beiträgen den Löwen­anteil des Werks verfaßt. Er ist ein Kenner der Materie. Die Praxis der Mission kennt er aus seiner Arbeit als Wycliff Bibel­übersetzer in Nepal, den Beschuß durch die Kritik aus seinen langjährigen Erfahrungen als Referent für Öf­fentlichkeitsarbeit des deut­schen Zweiges von Wycliff. In vorbildlicher Weise läßt er immer wieder erkennen, daß er nicht so tun will, als blieben keine Fragen of­fen, sondern er spricht aus, daß er in manchen Fällen keine befriedi­gende Antwort hat. Auch bezieht er einen Aspekt mit ein, den Kritiker der Mission grundsätzlich vernachlässigen: In der Samm­lung kommen auch Betroffene zu Wort, vier Afrikaner und ein Perser. Wer - um bei der mi­litärischen Metapher zu bleiben - treffsichere Argumente sucht, die für die Arbeit der Mis­sionen sprechen, der findet sie hier, in unkom­plizierter und flüssiger Spra­che ge­schrieben.

Prof. Dr. Lothar Käser, em 1996-3.

Horie, Hildegard. Tsega, oder Die Sehnsucht der Gefangenen. Hänssler Verlag: Holzgerlin­gen, 1999.

Tsega wächst mitten im Bürgerkrieg in Eritrea auf. Sie wird aus ihrem behüteten Zuhause her­ausgerissen und wandert heimatlos von Konti­nent zu Kontinent - und wird doch die Sorge um die zu Hause zurückgelassene Familie nicht los. Trotz alledem wendet sich Tsega nicht von Gott ab, sondern erfährt ihn in allem Leid um so konkreter.

Der Leser wird in dieser authentischen Erzäh­lung in die Welt der Menschen in Eritrea, in ihre Sorgen, ihre Arbeit und Schicksale mithineingenommen. Da viele Dinge, wie die Traditionen oder die Rolle der Frau auch heute noch Gültigkeit haben und der orthodoxe Glaube in vielen Familien bis heute starken Einfluß hat - leider nicht immer so positiv, wie im Buch für den Großvater Tsegas beschrieben - kann man sich, vor allem, wenn man in Äthiopien lebt, in vieles sehr gut hineindenken.

Bedrückend ist, daß gerade in dieser Region wieder Krieg herrscht und ähnliche Schicksale in Eritrea wie in Nordäthiopien gerade jetzt zu finden sind.

Das Buch vermittelt viel Verständnis für Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten, da viele sich in unserem behüteten Deutschland gar nicht vorstellen können, wie es ist, als Kind in so einer Situation aufzuwachsen. Das Buch ist für jeden interessant, der äthiopische oder eri­treische Freunde hat, aber auch für Leute, die ein bißchen über den Tellerrand ihrer eigenen Kultur hinausschauen möchten.

Monika Wiegand, em 2000-3.

Houston, Tom. Scenario 2000. A Personal Forecast of the Prospects for World Evangelization. MARC: Monrovia, 1992.

So knapp es irgend geht, skizziert der Direktor der Lausanner Bewegung, Tom Houston, die Aussichten für die Weltevangelisation. Zugrunde liegen Barrett, Johnstone und Jansen, sowie die eigene Erfahrung des Autors, der einst Direktor der British and Foreign Bible Society und von World Vision International war. Wie kaum einer hat er die Trends beob­achtet. Kapitelweise werden relativ homogene Gebiete charakterisiert: Islam, Hinduismus, Buddhismus, Marxismus, Westeuropa, Latein­amerika, Nordamerika und Afrika. Daraus fol­gen neun missiologische und missionarische Arbeitsprioritäten, auf die man sich nach Hou­ston konzentrieren sollte: „1. Die Gewinnung der großen Blöcke resistenter Volksgruppen für Christus (Muslime, Hindus, Buddhisten und Spiritisten); 2. Wie der Wandel des Kommu­nismus in China, der ehemaligen UdSSR, Ost­europa und andernorts, sowie die größere Offenheit sich auf die Kirchen und die Evan­gelisierung auswirkt; 3. Wie man die Säkulari­sierung im Westen bekämpfen und den Weg für eine Re-Evangelisierung ehemals christli­cher Länder bahnen kann; 4. Wie die wandern­den Völker aufgenommen und gewonnen wer­den können, und wie sie Träger der Guten Nachricht von Jesus Christus an ihren Her­kunftsorten werden können; 5. Die Menschen in den wachsenden Städten der Welt, besonders derer mit wenig oder keinem Zeugnis von Jesus Christus, und was die Gute Nachricht ihnen in ihrer Einsamkeit, Entfremdung und in ihrem Identitätsverlust sagen könnte; 6. Die Armen in Stadt und Land, und wie die Gute Nachricht von Jesus Christus von ihnen als relevant begriffen werden könnte, im Angesicht der Einengungen, die sie durch Ungerechtigkeit und Korruption erfahren; 7. Die niedrigen Leseraten (hoher Analphabetismus) in vielen der unerreichten Gebiete und die wachsenden Bevölkerungsanteile in entwickelten Ländern, die keine Printmedien mehr benutzen. Diese Entwicklungen fordern eine Konzentration auf die Verbreitung von Lesekenntnissen und den Gebrauch von „Non-Printmedien“ in der christlichen Kommunikation; 8. Die Mobilisie­rung sowohl der Laien als auch der Ordinierten, um den unvollendeten Auftrag in Angriff zu nehmen; 9. Das Konzept, daß alle Leute Gottes an einem Ort eine gemeinsame Strategie zur Evangelisierung des Gebietes verfolgen, wo sie Gott hingestellt hat. Dabei sind Kirchen und freie Werke als verschiedene Ausdrücke des einen Gottesvolkes gemeinsam in die Pflicht genommen.“ Ein äußerst stimulierender Welt­überblick, mit Karten und Statistiken illustriert (Stand von Ende 1991), den eigentlich jeder Missiologe und Beter zur Hand nehmen sollte.

Christof Sauer, em 1995-2.

Hübner, Friedrich (Hg.). Indische Väter der Jeypore-Kirche. Die ersten 28 Pastoren be­richten selbst von den Anfängen. Breklum, 1989.

Hier erfahren wir, was vorchristliche Religion ist! Die Pastoren erzählen realistisch und wort­karg von ihrer Herkunft, ihrem Lebensweg und den vielen Leiden. Erschütternde Bilder aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. So etwas sollten unsere Vikare und -innen sowie junge Pfarrer/innen auf sich wirken lassen! Andere Junge Kirchen täten gut daran, entsprechende Zeugnisse herauszubringen!

Friso Melzer, em 1993-1.

Huffman Rockness, Miriam. A Passion for the Impossible. The Life of Lilias Trotter. Harold Shaw Publishers: Wheaton/Illinois, 1999.

Reichtum ist nicht immer ein Hindernis „in das Himmelreich zu kommen“! Lilias Trotter stammte aus einer reichen vikto­rianischen Fa­milie des 19. Jahrhunderts. Sie hatte große künstlerische Begabungen, die viel Anerken­nung versprachen. Aber sie hängte ihr Herz nicht daran, sondern setzte Reichtum und Be­gabung bedingungslos für Jesus ein. Ihrer Ge­sundheit war dieser Lebensstil nicht zuträg­lich; sie musste immer wieder lange aussetzen, ak­zeptierte aber auch diese Zeiten als Aus­druck der Liebe Jesu und brachte eine Fülle geistli­cher, sowie künstlerischer Ergebnisse in die Arbeit ein.

Was war nun ihre Mission? Recht naiv, aber voller Liebe zu den Verlorenen reiste sie mit 34 Jahren nach Algerien, um eine entsagungs­volle Pionierarbeit zu beginnen. Nichts war ihr und ihren Freundinnen zu viel. „Nie hat uns jemand so geliebt wie sie“, sagten später die Frauen (S.14). Rückschläge waren ihre tägli­che Erfahrung. Mehr als 20 Jahre vergingen - das Mitarbeiterteam war inzwischen auf 30 Personen angewachsen - ehe man von einem geistlichen Aufbruch sprechen konnte.

Das Außergewöhnliche an Lilias Trotter war ihre Ursprünglichkeit, ihre Freiheit, ihr gehei­ligtes Künstlertum. Schnell merkte sie, daß E­vangelisationsversammlungen europäisch sind, der arabischen Mentalität jedoch nicht ent­spre­chen, der christliche Geschichtenerzäh­ler oder das christliche Ausflugsziel für die ganze Fa­mi­lie dagegen sehr wohl (S.208f.).

Lilias Trotter setzte statt übersetzten europäi­schen arabische Traktate ein. Sie schrieb Geistliches in Parabelform. Auch mit den My­stikern des Landes suchte sie die Auseinander­setzung und knüpfte an ihre Sehn­sucht an. Sie litt an der Dämonie der ausgeüb­ten Religion und liebte viele durch ihre Krisen und Rück­fälle hindurch. Mit den anderen nordafrikani­schen Missionen arbeitete sie zu­sammen, inspi­rierte sie und übernahm Be­währtes. Sie er­kannte den Wert der Heimatar­beit und baute Gebetsgruppen auf, ja sie dachte und tat vieles, was heute als neu angepriesen wird.

Aber nur jemand, dem Jesus ein und alles ist, dem das Wort Gottes ständig gegenwärtig ist, darf sich so weit aus dem Fenster lehnen. „Leidenschaft für das Unmögliche“ schöpft aus den feinsinnigen Tagebüchern und Briefen, die Lilias’ Zeichnungen und Aquarelle zieren. Die Sprache ist anspruchsvoll, vielleicht hätten ei­nige Stellen gekürzt werden können.

Ist man am Ende des Buches und ihres Le­bens angelangt, muss man sich fragen: Bin ich so hingegeben? Bin ich so in der Schrift gegrün­det? Achte ich alles andere außer Jesus für Verlust? Will ich mich der Herausforde­rung stellen?

Lilias Trotters Arbeit in Algerien war nicht vergeblich, auch wenn Nordafrika schon bald wieder geistlich tot erschien - oder ist der neue Aufbruch bisher nur unbemerkt geblieben?

Ingrid von Torklus, em 2000-3.

Hummel, Reinhart. Religiöser Pluralismus oder christliches Abend­land? Herausforde­rung an Kirche und Gesellschaft. Darmstadt: Wis­senschaftliche Buchges., 1994.

Die Studie des Missionswissenschaftlers Hummel (1983-1995 Leiter der Ev. Zentral­stelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart) befasst sich mit dem zunehmenden religiösen Pluralismus der Gegenwart und will zu einer theologischen Bewältigung der dadurch be­dingten Herausforderung für die Kirchen ver­helfen. Das Buch besticht durch seine sehr gut lesbare Sprache und seine didaktisch hervorra­gende Darlegung der relevanten Fakten und Gesichtspunkte. Die Fülle von religionswissen­schaftlichen Informationen, die Hummel auf nur 200 Seiten entfaltet und theologisch zu verarbeiten sucht, verdient Bewunderung und bietet dem Laien wie dem Fachmann eine so­lide Zusammenfassung der zu beachtenden Tatsa­chen: Die Geschichte der „interreligiösen Bewegung“ in den letzten 100 Jahren (8-22), die wachsende Aufsplitterung des Protestan­tismus in Kir­chen und Sekten in den vergange­nen 200 Jahren und die in den letzten 150 Jah­ren entstandene Präsenz okkulter Religionen (23-30) werden ebenso behandelt wie die zu­nehmende Anwesenheit östlicher Religionen und der mit diesen geführte Dialog (31-60), die neuen religiösen Bewegun­gen (61-73), die Su­che nach Spiritualität (89-105), die Begegnung mit dem Islam (106-134) und die Rolle des re­ligiösen Pluralismus in der säkularen Gesell­schaft (135-147). Der auf dem neuesten Stand der religionswissen­schaftlichen Literatur gege­bene Überblick wird abgeschlossen durch eine theologische Erörterung der Synkretismuspro­blematik und Erwägungen zur geistlich-theolo­gischen Bewältigung der mit dem religiösen Pluralis­mus gegebenen Herausforderung (159-192).

Inhaltlich zeichnet sich Hummels Buch durch eine wohltuende Sach­lichkeit aus, die sich einerseits um eine faire und gerechte Dar­stellung der nichtchristlichen Positionen be­müht, andererseits aber falsche Idealisie­rungen vermeidet und die (im interreligiösen Dialog häufig ignorierten) traurigen Aspekte der reli­giösen Empirie (z.B. die unbefriedigende Stel­lung des Islam zu den Menschenrechten) nicht verschweigt (140-158). Seine theologischen Erwägungen zeichnen sich durch sorgfältige Begriffsklärun­gen und das ernsthafte Bemühen aus, die biblischen Vorgaben zu beach­ten, so daß der christliche Heils- und Wahrheitsan­spruch und die Not­wendigkeit der Mission klar hervortreten und beispielsweise die Unhalt­barkeit der pluralistischen Religionstheologie immer wieder deutlich wird. Hummels Werk verdient daher nicht nur aufgrund seines hohen Informa­tionsgehaltes, sondern auch aufgrund seiner theologischen Qualität weite Beachtung.

Das an sich lobenswerte Bemühen um eine ausgewogene Sicht verleitet Hummel aller­dings gelegentlich dazu, Aspekte nicht hinrei­chend ernstzu­nehmen, die gegenwärtig vor al­lem von Evangelikalen betont werden, de­ren biblisches Recht aber nicht ernstlich bestritten werden kann, wenn man die Normativität der Schrift anerkennt. Wenn evangelikale Theolo­gen beispielsweise im Anschluß an Emanuel Kellerhals und Karl Hartenstein heute noch den antichristlichen Charakter des Islam als einen Aspekt die­ser Religion behaupten (131), dann ist dies solange nicht zu beanstanden, solange die religionswissenschaftliche Multidimensio­nalität des Islam be­achtet bleibt und die theo­logische Bewertung nicht auf diesen einen Ge­sichtspunkt verkürzt wird. Hummels berech­tigte Warnung vor einem ver­einfachenden „Schwarzweißdenken“ (ebd.) sollte von Evan­gelikalen zwar ernstgenommen werden, darf aber seinerseits nicht dazu führen, daß die bib­lisch gebotene „Prüfung der Geister“ (1. Joh 4,1) auf jene Aspekte ver­kürzt wird, die einem interreligiösen Dialog förderlich erscheinen. Denn dies würde gerade jenem Realismus wi­dersprechen, ohne den die Chri­stenheit der Herausforderung des religiösen Pluralismus nicht gewachsen ist, wie Hummel selbst immer wieder betont (4f.,149f., 182f. u.a.).

Werner Neuer, em 1996-3.

Hunn, Karin. „Nächstes Jahr kehren wir zurück…“. Die Geschichte der türkischen „Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik. Neue Forschungen zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts Nr. 11, hg. v. U. Herbert u. L. Raphael, Wallstein Verlag : Göttingen 2005.

Das vorliegende Buch wurde 2004 als Dissertation im Bereich Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg angenommen. Die Autorin, Mitarbeiterin am Institute for the International Education of Students (IES) in Freiburg, erzählt die Geschichte der türkischen Arbeitsmigranten in Deutschland von der deutsch-türkischen Anwerbevereinbarung 1961 bis ins Jahr 1984, als das mit finanziellen Anreizen ausgestattete Rückkehrförderungsgesetz abgelaufen war und endgültig deutlich wurde, dass die türkischen „Gast“-Arbeiter bleibende Einwanderer geworden waren.

Die vier Kapitel des Buchs folgen der Chronologie der Einwanderung und analysieren jeweils drei Bereiche: die Arbeitswelt, die Ausländerpolitik und die gesellschaftliche Situation. Dabei sind sowohl die türkischen als auch die deutschen Akteure und deren gegenseitige Wahrnehmungen und Reaktionen im Blick.

Das umfangreiche erste Kapitel (S.29-206, Jahre 1961-67) bietet eine Interpretation der Anwerbevereinbarung und beschreibt die Hintergründe und Organisation der Anwerbung türkischer Arbeiter, deren Motive und vor allem deren Arbeits- und Lebensumstände in den ersten Jahren in Deutschland. Besonderes Augenmerk wird auf die Aufnahmestrukturen, namentlich die Betriebe und die Gewerkschaften im Bereich der Arbeitswelt und die Betreuung durch die Arbeiterwohlfahrt im sozialen Bereich, gerichtet.

Das zweite Kapitel umfasst die Jahre 1968 bis zum Anwerbestopp 1973 (S.207-342) und beschreibt die starke Zunahme der Migration in dieser Epoche der Hochkonjunktur, die mit dem Familiennachzug verbundende Verwurzelungstendenz, die Integrationsabsichten der sozialliberalen Politik, die sich auch in der neuen Rede vom ausländischen „Mitbürger“ niederschlugen. Zudem wird die dennoch zunehmende Ablehnung der Ausländer und der Anwerbestopp auf dem Hintergrund des starken zahlenmäßigen Zuwachses und der damit entstehenden sozialen Probleme interpretiert.

Das dritte Kapitel (S.343-450) analysiert die bundesdeutsche Politik der „Konsolidierung“ (Integration und Begrenzung der Migration) in den Jahren 1973-1980, das wachsende Gefühl der Ablehnung auf seiten der Migranten und deren verstärkte Selbstorganisation, sowie die zunehmende Einflussnahme politisch-islamistischer Gruppierungen auf dem Hintergrund der nationalistisch-religiösen Politik der türkischen Regierungskoalition seit 1975 („Nationalistische Front“).

Das vierte Kapitel beleuchtet die sich Anfang der 1980er Jahre zuspitzende Situation (Militärputsch Türkei und Anstieg der kurdisch/türkischen Asylbewerber, Arbeitslosigkeit in Deutschland), die sich einerseits im Rückkehrförderungsgesetz und andererseits in zunehmender Ausländerfeindlichkeit und einer sich polarisierenden Debatte zwischen ethnisch-nationalen und multikulturellen Gesellschaftskonzepten äußerte.

In einem Ausblick überschaut die Autorin die sich anschließenden Entwicklungen von 1985 bis zur Gegenwart, die einerseits weitere Eskalationen und Konflikte (Mölln und Solingen 1992/1993, Ehrenmorde, van Gogh-Mord 2004), aber auch Fortschritte der Integration (Reform des Ausländergesetzes 1990 und des Staatsangehörigkeitsrechts 1999) und eine Normalisierung des pluralen Miteinanders deutlich machen.

In die Darstellung der Ereignisse fließen naturgemäß immer wieder Bewertungen mit ein. Dazu gehört auch die Grundthese der Autorin, dass die dargestellten gesellschaftlichen Konflikte zwischen der deutschen Mehrheitsbevölkerung und den türkischen Migranten nicht primär in religiösen und kulturellen Unterschieden begründet lägen, sondern die Ursachen eher in den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sowie in sich gegenseitig verstärkenden Wahrnehmungsmustern (Ethnisierung) zu suchen seien (S. 539/540).

Diese Einschätzung scheint mir die realen Unterschiede zwischen islamischer und christlich-humanistischer Tradition und deren Wirkkraft zu unterschätzen - wie etwa am Beispiel der fehlenden Religionsfreiheit im Islam oder der Ehrenmorde deutlich wird. Gerade im Bezug auf letztere nimmt auch die Autorin selbst eine andere Position ein und kritisiert nun doch einen pauschalen „Multikulturalismus“, vor allem wenn er motiviert ist von der „Angst, durch eine offene Auseinandersetzung mit den teilweise äußerst fragwürdigen sozialen und kulturellen Normen der Einwanderer … als fremdenfeindlich kritisiert zu werden“ (S.545).

Nicht ganz überzeugend ist die Interpretation der islamistischen Entwicklungen in der türkischen Migrantenbevölkerung seit Mitte der 1970er Jahre als Reflex auf Ausländerfeindlichkeit der Deutschen (S. 527) oder als „Reaktion auf die Erkenntnis, dass ihr Leben in der Bundesrepublik eben nicht nur ein provisorischer Aufenthalt, sondern von längerer Dauer war“ (S.442). Hier wird m.E. die genuine Verwurzelung vieler Migranten im traditionellen Islam unterschätzt. Überhaupt wird manchmal der Eindruck vermittelt, als gäbe es eine saubere Trennlinie zwischen einem allgemeinen Islam (der sich konfliktfrei integrieren ließe) und islamistischen Gruppen, die für Konflikte sorgen (S.443), was sich in Wirklichkeit aber oft nicht so klar unterscheiden lässt.

Berechtigt allerdings ist die deutliche Kritik der Autorin an ethnischen („völkischen“) Konzepten von Nationalität (S.496f) sowie die Warnung vor starren kulturistischen Festlegungen und Interpretionsmustern, die die Dynamik und Wandlungsfähigkeit von Kulturen unterschätzen (S.19/20). Hier verweist sie auf hoffnungsvolle Entwicklungen wie die Herausbildung eines „deutschen Islam“ bei jungen türkischen Muslimen im Rahmen der „erfahrenen Säkularisierungs- und Modernisierungsprozesse“ (S.562) sowie auf konkrete Schritte im Blick auf einen geregelten deutschsprachigen Islamunterricht an den Schulen.

Der Beitrag christlich-missionarischer Begegnung mit muslimischen Migranten für ein konstruktives Miteinander wird allerdings nicht gesehen, sondern lediglich leicht karikiert als weitere Belastung der Beziehungen dargestellt (S.140). Hier hätte eine differenziertere Auseinandersetzung nicht geschadet.

Fazit: Trotz der erwähnten Anfragen ist es das Verdienst dieses Buches, wohl zum erstenmal die Geschichte der türkischen Arbeitsmigranten in Deutschland in zusammenhängender Form und unter Einbezug politischer, gesellschaftlicher, religiöser und sozialer Zusammenhänge als ein Stück gemeinsamer Geschichte der „bundesdeutsche(n) Einwanderungsgesellschaft“ von „Alteingesessene(n) und Zugewanderte(n)“ (S.564) dargestellt zu haben. Die umfangreiche Darstellung basiert auf einer breiten Basis politik- und migrationswissenschaftlicher, sowie historischer, soziologischer und ethnologischer Studien und eigenen Archiv-Forschungen. Im Anhang des Buches befindet sich ein Abkürzungsverzeichnis und das Verzeichnis der Quellen und Literatur. Ein Stichwortverzeichnis, das man bei einem so breit angelegten und aufwändig ausgestatteten Werk erwarten könnte, fehlt leider. Das Buch ist auch für Missionswissenschaftler ein wertvolles Werkzeug zum Erschließen und zur weiteren Diskussion eines wichtigen Themas.

Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-4.

Hunsberger, George R.; Craig van Gelder (Hg.). The Church between Gospel and Cul­ture: The Emerging Mission in North Ame­rica. W. Eerdmans: Grand Rapids/USA und Cambridge/GB, 1996.

Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen, die im Rahmen des nordamerikani­schen missiologischen Forschungsnetzwerkes „The Gospel and Our Culture“ entstanden sind. Dieses Netzwerk hat es sich zur Aufgabe ge­macht, die missionarische Begegnung der Ge­meinde mit der (post-)modernen Kultur der Gegenwart zu durchdenken und anzuregen. Einen entscheidenden Anstoß dazu gab der britische Missionstheologe L. Newbigin mit seiner These, daß die westliche Kultur nicht nur säkular, sondern heidnisch geworden sei. Die Gemeinde müsse sich ihrer (unvermeid­li­chen) Verflechtung mit dieser Kultur bewußt werden und, wo nötig, aus ihr befreien, um evangeliumsgemäße und missio­narische Ge­meinde in ihr sein zu können.

Demgemäß be­ginnt der vierteilige Sammel­band im ersten Teil mit einer Einführung in Newbigins Mis­siologie für die westliche Kul­tur. Von diesem Ausgangspunkt her werden in drei weiteren Teilen die Schwerpunkte (Kultur, Evangelium, Gemeinde) einer Missiologie für den Westen untersucht und in einen dynami­schen Zusam­menhang gestellt. Zunächst (in Teil II) geht es darum, die amerikanische Kul­tur als Missions­feld und missiologische Her­ausforderung zu verstehen. Sechs Aufsätze bieten theologische, historische und soziologi­sche Analysen. Der dritte Teil fragt nach Inhalt und Grundlage des Evangeliums für die Mis­sion im Kontext der westlichen Kultur: Was ist Gottes gute, heraus­fordernde Nachricht für die Kultur der Gegen­wart? Implikationen für Bi­belauslegung, Ver­kündigung und Verwirkli­chung werden be­leuchtet. Im vierten Teil geht es um die Ge­meinde, in der die Begegnung zwischen der (post-)modernen Kultur und dem Evangelium konkret wird. Die Themen der Beiträge in die­sem Teil reichen vom missiona­rischen Wesen der Gemeinde über die Rolle des Pastors als „Apostel, Poet und Prophet“ bis hin zur Ent­wicklung eines „ekklesialen Para­digmas“, das die Gemeinde als einzigartiges „Volk der An­betung“ versteht, dessen umfas­sende Mission als Zeichen des Reiches Gottes in der (post-)modernen Kultur wirksam wird.

Ein wichtiges Buch, das zum Weiterdenken über die kulturell relevante Mission der Ge­meinde Jesu auch bei uns im (post-)modernen Europa und Deutsch­land anregt.

Friedemann Walldorf, em 1998-3.

Islamic Assemblies. Muslims Debate De­mocratic and Theocratic Revivals for Nati­ons. Pasadena: Zwemer Institute, 1994.

Leider kann diese Veröffentlichung des Zwe­mer Institutes nur als Enttäu­schung bezeichnet werden. Dieses kopierte Heft, nach eigenem Anspruch ein „Almanach“, bietet eine Materi­alsammlung von gegenwärtigen Ent­wicklungen in der islamischen Welt zu den Themen „Frauen, Minderheiten und Konvertiten“, ohne jedoch wichtige Hintergrundinformation über den Islam in den einzelnen Ländern zu vermit­teln. Zwar scheint der christliche Hintergrund der Veröffentlichung immer wie­der durch, klare Aussagen zur Standortbestimmung ver­mißt man jedoch. Ein Beispiel: Ein Interview mit einem christlichen, evangelistisch arbei­tenden Gemeindeleiter aus Süd­asien, der sich selbst als „muslimischer Bruder“ bezeichnet und die klaren Gegensätze zwischen Islam und Christentum negiert, bleibt völlig un­kommentiert stehen. Der abschlie­ßende „Länderalmanach“ liefert teilweise im Westen unbekannte Informa­tionen zu aktuellen Ent­wicklungen in ein­zelnen islamischen Ländern. Über den Islam in Europa pauschal jedoch nur in wenigen Zeilen zu be­richten, daß der dortige 45 Jahre währende Fr